Komme gerade von einer Geburtstagsparty im familiärem Umfeld. Jedes Mal das gleiche Thema. Immer wieder die gleichen Personen, die mit Ihrer typischen Arroganz, Oberflächlichkeit etcpp. in ihrem typischem blinden Hass nahezu alle Menschen, die nicht hier zu lande geboren worden sind, in die gleiche Schublade stecken (und andere Themen kennen sie auch kaum noch). Ich glaube, an der nächsten Feier nehme ich aus Protest mal nicht mehr teil, denn das macht so einfach keinen Spaß mehr...
Ganz beliebtes Thema. Diese ganzen Millionen von Islamisten hier zu Lande und eines ihrer vermeintlichen Symbole: Die Burka. Ohne zu wissen, welchen Zweck selbige überhaupt erfüllen soll, werden Millionen von Menschen über einen Kamm geschert und als vermeintliche Extremisten dargestellt, die rein GAR NICHTS weder mit einer fundamentalistischen Auslegung des Islams noch mit selbigem Kleidungsstück zu tun haben (das ohnehin nicht wirklich religöse Gründe hat). Das schlimmste an der ganzen Sache ist: Dies ist eine REINE Pseudo-Diskussion. Wir brauchen kein Verbot für irgendwas, weil es a) niemanden gibt, der selbiges hier zu lande verteidigt und die Anzahl der Menschen, die selbiges tragen (selbst wenn man den Niqab hinzuzieht) VERSCHWINDEND gering ist.
Ein, wie ich finde, sehr passender Artikel dazu:
http://www.bento.de/politik/burka-i...bt-es-in-deutschland-773270/#ref=recom-plista
Damit man mich hier nicht falsch versteht: Ich verteidige hier in keinster Weise irgendwelche radikalen religösen Strömungen (gleich welcher Art) oder die Unterdrückung der Frau für die die Burka für manche Menschen steht. Ich sage auch nicht, dass ich es begrüße, dass es Länder gibt, in denen diese Problematik weit verbreitet ist. Leider ist es allerdings relativ schwierig, diesbezüglich von Aussen etwas für eine Veränderung des Status Quo zu tun. Mir geht es hier nun nur darum, dass die Burka-Diskussion hier, in Deutschland, eine Diskussion ist, die absolut überflüssig ist und die oftmals nur dazu angedacht ist auch moderate muslimische Kreise in eine Ecke zu stellen, in die sie nicht gehören. Und sie ist in meinen Augen in einer Zeit, in der wir weiß Gott WESENTLICH wichtigere Baustellen, national wie international zu bewältigen haben, absolut überflüssig. Ich spreche hier natürlich auch davon, die Ursachen der Flüchtlingskrisen und des Terrorismus STRUKTURELL anzugehen anstatt solche Aspekte immer nur zu verwalten bzw. zu bekämpfen. Aber auch von noch viel gewichtigeren, nachhaltigeren Problemen.
Habe mich diesbezüglich kürzlich mit einem Freund unterhalten. Er sieht dies ähnlich und hat einfach mal ein Thema in den Raum geworfen, dass uns alle irgendwann einholen wird (zumindest so wir nicht in einem fortgeschrittenem Rentenalter sind) und das scheinbar auch heuer noch kaum jemand auf dem Schirm hat. Rohstoffknappheit. Die Ressourcen unseres Planeten sind nicht unendlich. In vielen wichtigen Bereichen wird es in den nächsten Jahrzehnten zu massiven Engpässen kommen, das ist heuer schon Gewissheit. Beispiel: Wasser. In Spanien gibt es heuer schon massive Probleme bei der Trinkwasserversorgung - während es in den Touristenhochburgen (vor allem auch von deutschen Touristen) nach wie vor verschwendet wird - und das ist nur die Spitze des Eisberges. Wenn man dies mal zu Ende denkt, kann man sich vorstellen, welche Konsequenzen es haben wird, wenn mal hier, mal dort im Laufe der Zeit unterschiedliche wichtige, manchmal lebensnotwendige Ressourcen ausgehen. Dies, nur mal als ein Beispiel in den Raum geworfen, welches so viel wichtiger ist als sich über etwas aufzuregen, was de facto einfach kein nennenswertes Thema ist und erst dadurch zu einem gemacht wird, dass viele Menschen pauschal und oberflächlich andere Menschen in eine Schublade mit Extremisten stecken. Dies nutzt letztlich ohnehin niemandem, weder den Menschen, die dadurch unnötig angegriffen werden und mit denen man den Dialog suchen sollte und uns selbst schon mal gar nicht.
Und - wie gesagt - all dies hat eben ohnehin nichts damit zu tun, ob man radikale Strömungen duldet (was ich als liberal denkender Mensch ganz sicher nicht tue!), weil die Burka nicht einmal ein religiöses Symbol ist. Wer aber überall blind mit Kanonen auf (in diesem Fall nicht mal wirklich vorhandene) Spatzen schießt, muss sich über Kolleteralschäden nicht wundern.
Das Happyend der Geschichte aus meiner Sicht ist jedenfalls, dass die nächste Feier meine eigene ist und ich selbst dafür sorgen kann, dass die Stammtischparolen-Fraktion zu Hause bleiben kann.
