Ich hätte aber grundsätzlich gedacht, dass man beim Finanzamt (deutlich) mehr verdient. Insofern hab ich diesbezüglich etwas gelernt, danke!
Ich denke, das wird oftmals falsch eingeschätzt. Ein Freund von mir ist ebenfalls Finanzbeamter. Wir haben das Spielchen "Gehaltsvergleich" vor einigen Jahren auch mal gemacht. Ist mittlerweile zwar gut 10 Jahre her, aber ich war wirklich schockiert als ich hörte, was er - damals immerhin schon rund 6 - 7 Jahre fest im Berufsleben und immerhin im gehobenem Dienst tätig - verdiente. Hatte damals, nachdem ich gerade frisch nach abgebrochenem Studium mit einem Sachbearbeitereinstiegsgehalt bei einem großen Mittelständler begonnen hatte, netto rund 150 € mtl. mehr - bei 1,5 Wochenstunden weniger (persönliche Rahmenbedingungen waren gleich, wir waren beide ledig und kinderlos)... in den nächsten Jahren ging die Schere dann noch wesentlich weiter auseinander, was aber v.A. auch daran lag, dass ich in "meinem" Unternehmen eine neue Rolle annahm und entsprechend anders bezahlt wurde.
Sicher kann man Gehälter aus der Wirtschaft und Beamtensolde nicht so 1:1 vergleichen, insbesondere KV und die Berücksichtigung der Pension bzw. Rente verzerren das Bild da natürlich doch etwas, aber das fand ich persönlich doch schon sehr bemerkenswert, wie (verhältnismäßig) wenig dem Staat das eigene Personal wert ist.
Aber das (Arbeits-)Leben besteht natürlich nicht nur aus dem Verdienst. Was ich damals wirklich absolut prägnant - und aus meiner Sicht erheiternd - fand, waren die Themen Übertragung von Verantwortung, Vertrauen in seine Mitarbeiter, Vorschriftenkorsett... 2 Jahre vor dem obigen Gehaltsvergleich arbeiteten wir beide, mein besagter Kumpel und meine Wenigkeit, in einem ähnlichen Bereich - Buchhaltung. Er wie gesagt seit einigen Jahren in einem Finanzamt, ich damals im Rahmen eines Hochschulpraktikums bei meinem späterem Arbeitgeber. Nach gerade einmal 3 Wochen in diesem Bereich habe ich Buchungsvorgänge über sechsstellige Beträge vollständig eigenständig abgewickelt, während er - auch nach mehreren Jahren nach der Ausbildung - jeden noch so kleinen Betrag von seinem Chef quittieren lassen musste... und selbst die Farbe der Tinte für die Unterschriften war dabei festgelgt... In dem Moment war für mich klar, wo ich niemals hin wollte... zum Fc Bayern und als Beamter in ein Finanzamt.
Sicher, als Beamter hat man gewisse Vorteile, insbesondere natürlich die lebenslange Jobgarantie. Ich persönlich bereue aber absolut nicht, diesen Weg niemals in Erwägung gezogenen zu haben. Das absolut starre System, das Nicole hier auch anschneidet und das ich aus unzähligen Berichten meines Freundes kenne - übrigens nicht nur in Bezug auf die Karriereleiter, sondern auch im täglichen Arbeitsalltag - hätte mich in den Wahnsinn getrieben. Es gibt in diesem System quasi nichts, was ich nicht zu kritisieren hätte (oder auch habe, denn als Steuerzahler betrifft uns das oft ineffiziente Beamtensystem leider am Ende des Tages indirekt genauso)... Da kämpfe ich mich lieber ab und an mal durch ein paar schlechte Jahre als nach einem halben Jahr im Irrenhaus zu landen.
Aber Gott sei Dank kann jeder für sich selbst ganz bewusst entscheiden, welchen Weg er/ sie gehen möchte und kann und muss dann mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen leben.