Ich habe jetzt die letzten 10 oder 12 Beiträge von Dir in diesem Thread gelesen und kann Dir fast zu 100 Prozent zustimmen. Aber nur fast.
Was mich einzig und allein stört, ist Deine Fokussierung auf Linke oder "Die Linke" als Feinde Israels. Leider haben die Terroristen der RAF und deren Nachfolger wie auch einige Politiker der heutigen Partei "Die Linke" einiges an Munition für Deine Argumentation geliefert.
Links zu sein heißt aber keinesfalls, antiisraelisch oder gar antisemitisch zu sein.
Der Staat Israel war während der ersten 10 oder 20 Jahre seiner Existenz wahrscheinlich das einzige Land der Weltgeschichte, das wirklich sozialistisch geprägt war. Die Sowjetunion und die DDR waren keine sozialistischen Staaten, sondern stalinistische Diktaturen.
David Ben Gurion, Levi Eshkol und Golda Meir waren zum Beispiel Gewerkschafter und in der "Histadrut" verwurzelt.
Diese überragenden Persönlichkeiten waren also nach dem hier und heute gängigen Verständnis "Linke".
Du wirst wohl kaum behaupten wollen, dass sie Feinde Israels waren, oder?
Nein, ich glaube Du verstehst meine Intention falsch.
Der Antizionismus, gerade in Deutschland, ist keine Domäne der Linken. Sie ist von den Linken übernommen worden und ging zuallererst von denselben rechten und reaktionären Kräften aus, die auch den Antisemitismus propagiert haben und jeder Antisemit ist immer auch Antizionist.
Als der jüdische Weltkongress beschloss, die Gründung des Judenstaats anzustreben, setzte die zaristische Geheimpolizei, die äußerste Reaktion Russlands, man könnte auch sagen: Die russische Rechte, das Märchen von den "Protokollen der Weisen von Zion" in die Welt, also jenes Manifest des Antizionismus, das auf der ganzen Welt enorme Verbreitung gefunden hat und in der arabischen Welt neben "Mein Kampf" auf den Bestsellerlisten auftaucht. Jenes aus einer Schrift gegen die Herrschaft Napoleons III. zusammengefälschte "geheime" Protokoll der Weltverschwörer und ihrer vermeintlichen Machenschaften und Verschwörungen gegen die Menschheit, das in den USA durch den Nazi-Fan Henry Ford und in Deutschland durch den Russland-Experten und Nazi-Chefideologen Alfred Rosenberg popularisiert wurde und auf das sich die Antizionisten bis heute, wissentlich oder in Unkenntnis des Werks, bis heute berufen.
Von Anfang an waren die Nazis als Antisemiten auch glühende Antizionisten, solidarisierten sich mit den mit dem dortigen Boden verwachsenen Arabern, agitierten gegen die Balfour-Declaration und der spätere Führer verkündete in seiner ersten Rede, die dokumentiert wurde, als er noch eine Münchener Lokalberühmtheit war, dass ein Volk wie die Juden, das nur rafft und zu echter Arbeit unfähig sei, natürlich überhaupt keinen Staat gründen könne und wenn überhaupt dann nur einen vollendet künstlichen Ausbeuterstaat. Folgerichtig stand Deutschland im zweiten Weltkrieg im Bund mit dem Führer der Palästinenser, dem Mufti von Jerusalem, der in Berlin Zuflucht vor den Briten fand und in Bosnien eine SS-Division aufstellte, die mit äußerster Brutalität an der sogenannten "Endlösung" beteiligt war.
Lange Rede kurzer sinn: Einer originär rechten, posititiv auf Deutschland bezogenen Bewegung Antisemitismus oder Antizionismus vorzuwerfen, ist vollkommen verschwendete Zeit. Ob NPD oder andere Neonazis, Montagsdemo-Wahnwichtel oder Pegida - es darf kein ernsthafter Zweifel bestehen, dass da diejenigen, die der Weltverschwörung die Adressen New York und Tel Aviv zuweisen und hinter allem Übel der Welt die "Weisen von Zion" respektive, so der neueste Code dieser Szene, die "Rothschilds, Goldman Sachs oder Soros" sehen, glühende Antisemiten sind. Es sind aber nun einmal Rechte und insofern standen sie schon immer da, wo sie halt immer noch stehen: Gegen Aufklärung, Vernunft und damit immer gegen Westen, Moderne, Fortschritt oder Demokratie. Diesen Leuten kann man aber ihr inniges Bündnis mit den Palästinensern gegen Israel nicht vorwerfen, da es in der Natur der Sache, in ihrem Denken und ihren Feindbildern so fest verankert ist und mit diesen aufs trefflichste zusammentrifft.
Kritisieren kann ich aber, wenn Linke, die doch vorgeben, antifaschistisch zu sein, solchen Nazimüll mitglauben und mit diesem Nazi-Gesochs auf Montagsdemos herumlatschen, die antisemitische "Kauft Nicht beim Juden"-BDS-Bewegung unterstützen oder sonstwie gegen Israel hetzen. Weil es ihrem vor sich hergetragenen Mantra, man habe doch aus der Geschichte gelernt, Hohn spricht.