Es ist schlicht richtig, dass man erstens Schwierigkeiten hat, einen Kita-Platz zu finden und dass die damit verbundene finanzielle Belastung für viele Familien eine erhebliche Rolle spielt. Wer das nicht glaubt, der möge sich doch bitte einmal mit den Menschen unterhalten, die es betrifft.
Hinzu kommt natürlich auch, dass viele Menschen, denen Beruf eben keine Erfüllung bietet, sondern die Scheißarbeit, zum Beispiel Verkauf für eine Tochter der Metro AG, ausüben, weil Fachstellen gestrichen wurden, lieber zuhause ihre Kinder betreuen als nur für Kita-Gebühren und Finanzamt zu arbeiten. Das sehe ich als ihr gutes Recht an. Und da halte ich auch eine geringe finanzielle Zuwendung für vertretbar, auch wenn diese Prämie natürlich erstens zu niedrig und zweitens an der Realität vorbeigedacht ist. Sie ist aber nicht die Wurzel des Übels oder Grund dafür, dass Menschen ihre Kinder lieber zuhause betreuen, was im Übrigen genauso ihr recht ist wie die Wahl der Sprache, die sie zuhause sprechen.
Die Kita oder Krippe oder was auch immer ist nicht das Instrument zur Lösung der Integrationsprobleme. Wenn man da etwas angehen wollte, dann sollte man sich einmal über Kindergarten- oder Vorschulpflicht Gedanken machen.
Was die Suche nach einem Kitaplatz betrifft, hatte ich in Rheinland-Pfalz in einer Kleinstadt und später in Niedersachsen auf dem Dorf zum Glück keinerlei Problem. Das mag zum Beispiel in Bremen anders aussehen.
Allerdings gibt es seit 1996 einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab vollendetem 3. Lebensjahr und seit 2013 ab vollendetem 1. Lebensjahr (zumindest in der Theorie).
Was die Kosten betrifft: Die sind wie gesagt einkommensabhängig und beginnen zum Beispiel in Bremen bei 6 Euro im Monat (4 Stunden Betreuung) oder 33 Euro (5 Stunden einschließlich Mittagessen) für Geringverdiener. Dass die Gebühren bei einem höheren Einkommen schon recht happig werden können, ist mir aus eigener Erfahrung bekannt.
Ich habe während der Kindergartenzeit meines Nachwuchses aus Gründen, die ich hier nicht näher erläutern möchte, beide Enden des Spektrums am eigenen Leib erfahren. Sowohl die Gebühren für einen Besserverdiener als auch die für einen ALG II-Empfänger. Betroffen von dem Problem war ich also auf jeden Fall.
Wenn ich mich recht erinnere, sind wir in diesem Thread doch erst über den seltsamen Deutschzwang-Vorstoß der CSU auf das Thema Kindergarten gekommen. Der Besuch eines Kindergartens zumindest ab dem 3. Geburtstag ist für Migrantenkinder, deren Eltern kaum oder gar kein Deutsch sprechen, für eine gelungene Integration und einen erfolgreichen Bildungsweg nahezu unverzichtbar. Deshalb sollte man wirklich über einen Kindergarten-/Vorschulzwang nachdenken.
Erfahrungen mit dem Betreuungsgeld in Norwegen, Schweden und Finnland haben gezeigt, dass es von Migrantenfamilien weit überproportional häufig in Anspruch genommen wird. Und hier zeigt sich eben, dass die CSU gerne populistische Forderungen raushaut, die sich in ihrer Zielsetzung häufig total widersprechen. Einerseits soll auch zuhause Deutsch gesprochen werden, was nicht zu kontrollieren ist und wofür vielen Eltern die Voraussetzungen fehlen, und andererseits sorgt man mit dem Betreuungsgeld dafür, dass gerade die Kinder zuhause bleiben, die einen Kitabesuch am nötigsten hätten.
Da fällt mir nichts mehr ein.