@maddin
Wenn das Kriegsrecht es so definiert , dann ist es so... Nur moralisch halte ich es für einen schmalen Grat, aus den von mir genannten Punkten.
Israel hat, wie ich bereits sagte, auch andere Möglichkeiten, dies zu ahnden bzw,. die Verantwortlichen zu bestrafen/eliminieren.
Diese Möglichkeiten sind ohne eine Bodenoffensive sehr begrenzt. Es ist zudem auch nicht im israelischen Interesse, einen langen, verlustreichen Krieg in Gaza zu führen. Je länger solche Kampfhandlungen dauern, desto öfter wird es zu Fehlern, zivilen Toten etc. kommen. In der Ukraine sind durch einen vermutlich versehentlichen Abschuss einer Passagiermaschine gerade knapp 300 Menschen getötet worden, das zeigt, dass in jedem Krieg jeder Fehler verheerende Auswirkungen hat. In Gaza wurden auch vier Kinder, die am Strand spielten, getötet. Genau aus solchen Gründen sind Kriege immer schlecht, selbst solche, die geführt werden, um dadurch das Leben der eigenen Bevölkerung zu schützen. Sie können notwendig sein, aber ich bin der ansicht, dass man in Israel ziemlich viel unternimmt, um solche Konflikte zu begrenzen und möglichst viele Leben zu schonen. Anders als in anderen Konfliktgebieten, über die allerdings komischerweise kaum gesprochen wird. Vielleicht verschiebt sich die Wahrnehmung ja durch diesen schrecklichen Flugzeugabschuss.
Zur Frage des gedeihlichen Zusammenlebens: Israel hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass in Israel auch Araber leben können. Ca. 20% der Bevölkerung Kernisraels sind Araber, also Palästinenser, mit Staatsbürgerschaft, Wahlrecht und allem was dazugehört. Eine arabische Abgeordnete der Knesset war an Bord, als das von türkischen Islamisten aufgebrachte Schiff Marvi Marmara versuchte, die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Es ist also möglich, als israelfeindlicher Araber bzw. Palästinenser in Israel zu leben und sogar im Parlament zu sitzen. Die Frage nach dem gedeihlichen Zusammenleben müssen sich die gefallen lassen, die im jüdischen Kernland, in Hebron, in Ostjerusalem inklusive Altstadt und Tempelberg, einen judenreinen Palästinenserstaat wollen. Es sind diese Leute und nicht die Israelis, die ein gedeihliches, freidliches Zusammenleben ablehnen.
Die jüdische Einwanderung in das Gebiet des heutigen Israels war zudem kein räuberischer Akt, sondern ein schleichender Prozess. Ohne diesen Prozess könnten heute nicht im Ansatz so viele Menschen in der Region leben. Erst jüdische Siedler haben die Wüste angefangen professionell zu bewirtschaften, so dass Israel inzwischen sogar Lebensmittel exportieren kann. Erst sie haben Investitionen gebracht, Wirtschaft, Arbeit, bessere Lebensbedingungen. Das Land ist heute, anders als vor 150 Jahren, sehr viel dichter besiedelt als Jordanien und nach dem Beginn des Zuzugs der Juden erst entwickelte sich auch die arabische Bevölkerung in die Dimensionen, die sie heute hat. Einmal weil durch verbesserte Lebensbedingungen das Bevölkerungswachstum zunahm und einmal weil Araber aus umliegenden Gebieten dorthin zogen, wo sie bessere Möglichkeiten hatten. Die Behauptung, die Araber bzw. Palästinenser, die heute in der westbank und in Gaza sitzen, hätten dort seit Generationen gelebt, ist sehr fragwürdig, viele sind Kinder, Enkel oder Urenkel von Menschen, die selbst erst dorthin gezogen sind.
Die Behauptung, Israel habe den Palästinensern Land geraubt und dadurch ihre Lebensperspektive zerstört, ist vor dem Hintergrund, was die Juden aus diesem Wüstenland gemacht haben, ausgesprochen zweifelhaft. Richtiger wäre die Aussage, dass die Araber mit den meisten Rechten und den besten beruflichen und persönlichen Chancen eben jene israelischen Araber sind. Einer von ihnen hat es zum Beispiel zu einem hohen Richteramt gebracht und in dieser Funktion den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Olmert wegen Korruption verurteilt.
Verglichen mit den durchschnittlichen Lebensumständen in vergleichbaren Ländern der Region schneiden aber nicht nur die Palästinenser in Israel gut ab, sondern auch jene in der Westbank. Wer die Region kennt, wer weiß, wie die Lebensumstände im Libanon, in Ägypten, in Jordanien oder in Syrien sind, der weiß auch, dass dort bittere Armut und Perspektivlosigkeit seit Jahrzehnten das Leben der breiten Mehrheit der Bevölkerung prägt. Die Idee, ein Palästinenserstaat ohne jüdische Minderheit und ohne engste Beziehungen zu Israel wäre in der Lage, den Menschen ein besseres Leben zu sichern, ist verrückt.
Die Einstellung vieler Palästinenser und Araber zu israel, wie ich sie dort beobachtet habe, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es geht um ein arabisches Dorf, das in Israel liegt und dessen Bewohner deswegen israelische Staatsbürger sind und Israel kritisch bis feindlich gegenüberstehen. Immer wieder war es im Gespräch, dass die Menschen dort im Zuge eines Friedensvertrag per Landtausch für jüdische Gebiete in der Westbank zu einem Palästinenserstaat dazukommen könnten. Das lehnen diese israelfeindlichen Menschen mit großer Mehrheit ab. Ihre Ideologie mag das eine sein, aber sie wissen ganz genau, welcher Staat ihre Lebensumstände und ihren Lebensstandard sichert. Das zweite Beispiel: Immer, wenn Verhandlungen zwischen Israel und Palästina Fortschritte machen, versuchen möglichst viele Palästinenser einen Wohnsitz in jüdisch verwalteten Gebieten wie Ostjerusalem zu ergattern, weil sie davon ausgehen, dass diese Gebiete im Falle einer Einigung auf eine Zweistaatenlösung bei Israel verbleiben und sie somit in Israel leben könnten und nicht in den Palästinenserstaat müssten.
Wenn man es also realistisch betrachtet, und viele Palästinenser tun das, wenn es um ihre Existenz geht, dann ist Israel nicht der Staat, der den Palästinensern ein besseres Leben verunmöglicht, sondern er stellt die einzige Möglichkeit auf ein besseres Leben für diese Menschen dar. Diejenigen Palästinenser, die davon abgeschnitten in Gaza sitzen, sind die wirklich gekniffenen, weil sie unter der Herrschaft der Hamas zu leiden haben und darüber hinaus auch keine Perspektive für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen erhalten.