Allgemeiner Politik Thread

Wir können den islamischen Religionsunterricht nicht gebrauchen, weil er genauso separiert, wie der konfessionelle Unterricht es tut. Islamunterricht trägt primär nicht viel dazu bei, dass Leute den Islam kennen lernen, weil dort nur Muslime drin sitzen.

Doch, wir brauchen ihn, und zwar dringend. So lange wir die Situation haben, dass sich nahezu jeder Sonderling zum Imam erklären und seine höchstpersönliche Version des Islam verbreiten darf, wirst du mühelos jedes noch so krude Vorurteil über die Religion durch irgendeinen Vorbeter von eigenen Gnaden belegen können. Eine mehr oder weniger institutionalisierte Version, eine Art kleinster gemeinsamer Nenner, wäre sowohl für Muslime selbst als auch für Außenstehende hilfreich.

In der Religionspädagogischen Wissenschaft (gibt es tatsächlich) setzt man sich aktuell intensiv für einen Religionsunterricht ein, der konfessionslos ist. Quasi interkulturellen Unterricht mit Einflüssen aus der Philosophie. Den durchsetzen zu können ist ein sehr langer Weg, nichtmal die Idee ist bisher ganz klar. Zeitnah in diese Entwicklung hämmern aber die NRW-Politiker einen neuen Religionsunterricht rein, in dem sich wieder nur mit einer Religion beschäftigt wird.

Das ist zwar ein interessanter Ansatz, aber ich halte ihn für nur äußerst mühsam zu verwirklichen. Ganz abgesehen vom Widerstand der Konfessionen, die so etwas aus Angst vor Abwerbung ihrer jeweiligen Schäfchen kaum befürworten können, bin ich skeptisch, ob dabei sowohl das Verbindende als auch das Eigenständige der verschiedenen Religionen trennscharf herausgearbeitet werden kann, ohne dass daraus eine Art Baukasten-Religiösität der Beliebigkeit wird, wie es schon in der esoterischen Ecke zu beobachten ist.
 
Doch, wir brauchen ihn, und zwar dringend. So lange wir die Situation haben, dass sich nahezu jeder Sonderling zum Imam erklären und seine höchstpersönliche Version des Islam verbreiten darf, wirst du mühelos jedes noch so krude Vorurteil über die Religion durch irgendeinen Vorbeter von eigenen Gnaden belegen können. Eine mehr oder weniger institutionalisierte Version, eine Art kleinster gemeinsamer Nenner, wäre sowohl für Muslime selbst als auch für Außenstehende hilfreich.

Nenner finde ich nur im Dialog.
Des Weiteren ist es so, dass Religion garde institutionalisiert gefährlich ist. Imame, die zur Gewalt aufrufen, rücken an Stelle einer Institution, die ein Wahrheitsmonopol ausruft und religiöse Ansichten normiert. Individuell gelebt ist Religion keine Gefahr.

, ohne dass daraus eine Art Baukasten-Religiösität der Beliebigkeit wird, wie es schon in der esoterischen Ecke zu beobachten ist.

Sogenannte "Patchwork-Religionen" sind längst nicht mehr in der esoterischen Ecke zu verorten, sondern haben Zugang in der breiten Masse gemäßigter Christen. Wie ich sagte: Individualisierung von Religion.
 

Klar. Allerdings braucht es für den Beginn eines Dialogs erst einmal eine Basis, und dafür eignet sich eine Maximalforderung nur bedingt.

Des Weiteren ist es so, dass Religion garde institutionalisiert gefährlich ist. Imame, die zur Gewalt aufrufen, rücken an Stelle einer Institution, die ein Wahrheitsmonopol ausruft und religiöse Ansichten normiert.

Es gibt ganz unterschiedliche Ausprägungen von Institutionalisierung, von einer Regelungsgrundlage für den Religionsunterricht bis hin zum Wahrheitsmonopol einer Staatsreligion. Persönlich finde ich Regelung für einen Religionsunterricht nach bundesrepublikanischen Maßstäben allemal vertrauenserweckender als alles, was Hinterhof-Imame zu bieten haben.

Individuell gelebt ist Religion keine Gefahr.

Ist denn eine individuell gelebte Religion ohne Aufklärung denkbar?

Sogenannte "Patchwork-Religionen" sind längst nicht mehr in der esoterischen Ecke zu verorten, sondern haben Zugang in der breiten Masse gemäßigter Christen. Wie ich sagte: Individualisierung von Religion.

Wenn die Macht-doch-was-ihr-wollt-Haltung zur Regel wird, kann man sich einen Religionsunterricht, gleich welcher Gestaltung, aber auch ganz sparen.
 
Ist denn eine individuell gelebte Religion ohne Aufklärung denkbar?

Ja, ist es natürlich. Frage ist nur, ob das eine "gute" Religion ist.
Der Punkt ist aber der, dass es für die Aufklärung absolut egal ist, ob der Religionsunterricht konfessionell oder interkulturell erteilt wird. Das ist eine Frage der Inhalte und nicht etwa der Verortung.

Wenn die Macht-doch-was-ihr-wollt-Haltung zur Regel wird, kann man sich einen Religionsunterricht, gleich welcher Gestaltung, aber auch ganz sparen.

Es geht nicht darum, dass jeder machen darf, was er will. Er darf aber glauben, was er will.
Zumal der Religionsunterricht nach 1945 mit einer Werteerziehung begründet wurde, die aber in unserer Kultur nunmal auf christliche Inhalte aufbaut. Außerdem wurde auf diese durch Besatzungsmächte gedrängt, die ebenfalls christlich sind.
 
Ja, ist es natürlich. Frage ist nur, ob das eine "gute" Religion ist.

Die Frage, ob "gute" oder "schlechte" Religion, ist hier völlig uninteressant, weil nebensächlich. Hingegen bin ich der Auffassung, dass eine individuell gelebte Religion ohne Aufklärung ganz und gar undenkbar ist, denn ein wesentlicher Bestandteil der Aufklärung ist doch gerade die Erkenntnis, dass die Menschheit keine einheitliche Masse ist, sondern eine Ansammlung von Individuen mit jeweils ganz eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Ansichten und Vorstellungen - ein Konzept, das in weiten Teilen der muslimisch geprägten Welt eine, vorsichtig formuliert, eher untergeordnete Bedeutung hat. Trotzdem gibt es ganz sicher aufgeklärte Muslime, aber sie sind ganz sicher nicht die Regel.

Es geht nicht darum, dass jeder machen darf, was er will. Er darf aber glauben, was er will.
Zumal der Religionsunterricht nach 1945 mit einer Werteerziehung begründet wurde, die aber in unserer Kultur nunmal auf christliche Inhalte aufbaut. Außerdem wurde auf diese durch Besatzungsmächte gedrängt, die ebenfalls christlich sind.

Die Werteerziehung ist ein interessanter Punkt. Wie willst du damit im interkonfessionellen Unterricht umgehen? Behandelt man nur die Werte, auf die sich alle Religionen einigen können? Hat man die Zeit, auf unterschiedliche Wertvorstellungen fundiert einzugehen? Oder lässt man die Werte ganz weg und beschränkt sich auf eine Auswahl der unterhaltsamsten religiösen Legenden?
 
Die Frage, ob "gute" oder "schlechte" Religion, ist hier völlig uninteressant, weil nebensächlich. Hingegen bin ich der Auffassung, dass eine individuell gelebte Religion ohne Aufklärung ganz und gar undenkbar ist, denn ein wesentlicher Bestandteil der Aufklärung ist doch gerade die Erkenntnis, dass die Menschheit keine einheitliche Masse ist, sondern eine Ansammlung von Individuen mit jeweils ganz eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Ansichten und Vorstellungen - ein Konzept, das in weiten Teilen der muslimisch geprägten Welt eine, vorsichtig formuliert, eher untergeordnete Bedeutung hat. Trotzdem gibt es ganz sicher aufgeklärte Muslime, aber sie sind ganz sicher nicht die Regel.

Fettgedrucktes hängt, erstens, einzig und allein an der Definition deines Religionsbegriffes.
Nun ist es des Weiteren so, dass Individualisierung zwar ein Merkmal der Aufklärung ist, aber nicht der Umkehrschluss gilt. Ich kann diese Erkenntnis auch aus anderen Quellen ziehen, wenn gleich diese gesellschaftlich nicht derartig manifestiert sind, wie es Werte der Aufklärung bei uns ist. Vor hunderten von Jahren hat der Islam das beispielsweise geschafft - und das war sogar vor der Aufklärung. Oft ließ es sich vorfinden, dass Minderheiten geschützt wurden, was schonmal ein entscheidendes Merkmal zur Achtung des Individuums ist. Hinzu kommt u.a. die mystische Sufismus-Bewegung, die alles andere als institutionalisiert ist.


Die Werteerziehung ist ein interessanter Punkt. Wie willst du damit im interkonfessionellen Unterricht umgehen? Behandelt man nur die Werte, auf die sich alle Religionen einigen können? Hat man die Zeit, auf unterschiedliche Wertvorstellungen fundiert einzugehen? Oder lässt man die Werte ganz weg und beschränkt sich auf eine Auswahl der unterhaltsamsten religiösen Legenden?

Zunächst einmal ist es relativ einfach, einen Wertekonsens aus beispielsweise dem Islam und dem Christentum zu finden. Es gibt Widersprüche, gibt aber auch identische Inhalte. Die kommen nur nicht zwingend durch, weil diese religiöse Einflüsse selbstverständlich zahlreichen anderen Sozialisationseinflüssen obliegen. Familie, Bildung, Gesellschaft, Staatssystem, Gewalterfahrung...

Wichtiger Wert wäre mE der religiöse Toleranzgedanke, um eben zu ermöglichen, jeden seine Religion finden zu lassen und diese zu tolerieren, gleichzeitig aber mit Blick auf die Menschenrechte einen Verstoß gegen sie im Rahmen gegen diese nicht zu tolerieren.

Oben hast du geschrieben, dass der Islam sich am kollektiv statt am Individuum orientiert. Das erweist sich in der Praxis nicht immer als richtig, hat aber insofern wahre Inhalte, dass dies religionskulturell schon aus der islamischen Tradition hervorgeht. Das lässt sich auch relativ einfach erklären, nur eine längerer Ansatz, der hier nicht ganz zum Thema passt.

Falsch ist, die Aufklärung überzubewerten. Heißt nicht, dass diese Epoche nicht folgenreich für unsere Entwicklung gewesen wäre. Heißt auch nicht, dass sie dem Islam nicht gut getan hätte/ gut tun würde. Im Gegenteil ist sie ein wichtiges Element, welches aber ständig gebracht wird und trotz seiner Richtigkeit mittlerweile keinen großen Neuigkeitswert mehr hat. Überschätzt ist sie insofern, dass vieles auf diesen Aspekt reduziert wird.
 
Fettgedrucktes hängt, erstens, einzig und allein an der Definition deines Religionsbegriffes.

Inwiefern?

Nun ist es des Weiteren so, dass Individualisierung zwar ein Merkmal der Aufklärung ist, aber nicht der Umkehrschluss gilt. Ich kann diese Erkenntnis auch aus anderen Quellen ziehen, wenn gleich diese gesellschaftlich nicht derartig manifestiert sind, wie es Werte der Aufklärung bei uns ist. Vor hunderten von Jahren hat der Islam das beispielsweise geschafft - und das war sogar vor der Aufklärung. Oft ließ es sich vorfinden, dass Minderheiten geschützt wurden, was schonmal ein entscheidendes Merkmal zur Achtung des Individuums ist. Hinzu kommt u.a. die mystische Sufismus-Bewegung, die alles andere als institutionalisiert ist.

Der Schutz von Minderheiten ist ganz sicher ein lobenswerter Zug, aber so pauschal ganz sicher kein Merkmal zur Achtung des Individuums: Geschützt wurden und werden, zumindest theoretisch, bestimmte Gruppen der Bevölkerung, aber in vielen muslimischen Gesellschaften ganz sicher keine Individuen. Zur Individualität gehört beispielsweise auch dein Punkt, dass jeder glauben darf, was er will - sollte ein Muslim aber verkünden, dass er nicht mehr den islamischen Lehren folgt, ist es vielfach mit dem Schutz für sein Leib und Leben ganz schnell vorbei.

Das soll keinesfalls bedeuten, dass in der muslimischen Welt alles Andersartige stets und unter allen Umständen bedroht ist. Vielmehr geht bin ich der Auffassung, dass der Schutzgedanke sich auf Gruppen, nicht auf Individuen erstreckt.

Oben hast du geschrieben, dass der Islam sich am kollektiv statt am Individuum orientiert. Das erweist sich in der Praxis nicht immer als richtig, hat aber insofern wahre Inhalte, dass dies religionskulturell schon aus der islamischen Tradition hervorgeht. Das lässt sich auch relativ einfach erklären, nur eine längerer Ansatz, der hier nicht ganz zum Thema passt.

Zum Thema passt es insofern, als es einen Erklärungsansatz bietet für die relativ leichte Mobilisierbarkeit vieler muslimischer Gesellschaften.

Falsch ist, die Aufklärung überzubewerten. Heißt nicht, dass diese Epoche nicht folgenreich für unsere Entwicklung gewesen wäre. Heißt auch nicht, dass sie dem Islam nicht gut getan hätte/ gut tun würde. Im Gegenteil ist sie ein wichtiges Element, welches aber ständig gebracht wird und trotz seiner Richtigkeit mittlerweile keinen großen Neuigkeitswert mehr hat. Überschätzt ist sie insofern, dass vieles auf diesen Aspekt reduziert wird.

Was heißt denn überbewerten? Eine Aufklärung im europäischen Sinn wäre ja kein Wundermittel, das uns alle mit einem Fingerschnippen zu sich selig lächelnd in den Armen liegenden Brüdern und Schwestern macht, und die Geschichte hat uns gelehrt, dass es ein sehr schmerzhafter Weg war, der sich über mehrere Jahrhunderte hinzog und keinesfalls frei von Rückschlägen war. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass ein ähnlicher Prozess der islamischen Welt nicht erspart bleiben darf, wenn es jemals ein dauerhaft friedvolles Miteinander geben soll.
 

Weil nicht umsonst über die Frage, was Religion eigentlich ist, seit jeher diskutiert wird und die Meinungen weit auseinander gehen wenn es darum geht, abzugrenzen, was noch Religion ist und was nicht mehr. Und natürlich muss ich das erstmal festlegen, weil ich nur als Konsequenz dessen entscheiden kann, was dafür überhaupt nötig ist.

Der Schutz von Minderheiten ist ganz sicher ein lobenswerter Zug, aber so pauschal ganz sicher kein Merkmal zur Achtung des Individuums: Geschützt wurden und werden, zumindest theoretisch, bestimmte Gruppen der Bevölkerung, aber in vielen muslimischen Gesellschaften ganz sicher keine Individuen. Zur Individualität gehört beispielsweise auch dein Punkt, dass jeder glauben darf, was er will - sollte ein Muslim aber verkünden, dass er nicht mehr den islamischen Lehren folgt, ist es vielfach mit dem Schutz für sein Leib und Leben ganz schnell vorbei.

Fettgedrucktes war auch nur eines von mehreren Beispielen, die zeigen, was der Islam schon leisten konnte, obwohl die Religion die selbe war. Demnach spielen da andere Faktoren rein - uU auch die, die bedingen, warum der Islam heute keine Hochkultur mehr ist. Es geht viel mehr um Soziologie und Psychologie als um Theologie.

Das soll keinesfalls bedeuten, dass in der muslimischen Welt alles Andersartige stets und unter allen Umständen bedroht ist. Vielmehr geht bin ich der Auffassung, dass der Schutzgedanke sich auf Gruppen, nicht auf Individuen erstreckt.

Der Islam kollektiviert seine Anhänger genauso, wie es jede insitutionalisierte Religion versucht, wenn sie Glaubensinhalte und Standpunkte formuliert.
Durch die zahlreichen Zersplitterungen innerhalb des Islams bilden sich natürlich Gruppen, die kohäsiv zusammen stehen. Da die islamische Welt insgesamt betrachtet noch weniger globalisiert und somit mobilisiert ist, besteht auch eine größere Nähe zu traditionellen Gruppen, z.B. der Familie oder religiösen Subgruppen. Die Herrschaftstradition des Islams trägt auch dazu bei, dass Gruppen relevant sind. Ich sehe aber keine religiöse Argumentation, welche Individuen nicht schützen würde. Was ich sehe ist eine aktuelle Gesellschaftslage in Ländern wie dem eigentlich ambitionierten Iran, der Individuen tritt. Dabei handelt es sich aber viel mehr um menschlichen Fanatismus, der politisch bestärkt wird, statt um islamische Intention. Woraus ziehst du deine Schlüsse bezüglich den Umgang mit Individuen?

Zum Thema passt es insofern, als es einen Erklärungsansatz bietet für die relativ leichte Mobilisierbarkeit vieler muslimischer Gesellschaften.

Dieser Erklärungsansatz ist auch richtig, ist jedoch kein einzelner Ansatz für sich, sondern ein Teil der Erklärung. Deswegen...

Was heißt denn überbewerten? Eine Aufklärung im europäischen Sinn wäre ja kein Wundermittel, das uns alle mit einem Fingerschnippen zu sich selig lächelnd in den Armen liegenden Brüdern und Schwestern macht, und die Geschichte hat uns gelehrt, dass es ein sehr schmerzhafter Weg war, der sich über mehrere Jahrhunderte hinzog und keinesfalls frei von Rückschlägen war. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass ein ähnlicher Prozess der islamischen Welt nicht erspart bleiben darf, wenn es jemals ein dauerhaft friedvolles Miteinander geben soll.

... ist die Aufklärung nicht in ihrer Wirkung überbewertet, sondern in ihrer öffentlichen Bewertung. Und zwar insofern, dass ich den Eindruck habe, dass sie oft (und zu recht) als Ursache benannt wird, aber andere Einflüsse außer Acht gelassen werden. Das mindert nicht die Relevanz der Aufklärung, ändert aber die Perspektive. Da müssen auch andere Dinge angeboten, äh, berücksichtigt werden.

Korrekt ist, dass der Islam ein Pendant zur Aufklärung benötigt. Sowas gibt es bei muslimischen Intelektuellen, hat sich aber bisher nicht durchsetzen können. Für diesen Prozess ist es auch relevant, dass der von innen kommt, quasi als theologische Religion von unten. "Der Islam braucht Häretiker", würde Abdel-Samad rufen.
 
Weil nicht umsonst über die Frage, was Religion eigentlich ist, seit jeher diskutiert wird und die Meinungen weit auseinander gehen wenn es darum geht, abzugrenzen, was noch Religion ist und was nicht mehr. Und natürlich muss ich das erstmal festlegen, weil ich nur als Konsequenz dessen entscheiden kann, was dafür überhaupt nötig ist.

Mir scheint eher, dass du hier auf ein Nebengleis ausweichen willst, weil deine Argumentation auf dem Hauptgleis zu holpern droht... ;)

Die Definition von Religion ist in dieser Frage unerheblich, weil es vielmehr darum geht, ob ein Mensch ohne die Aufklärung sich seiner Individualität vollends bewusst sein kann oder ob er sich überwiegend als Teil einer Gruppe wahrnimmt.

Fettgedrucktes war auch nur eines von mehreren Beispielen, die zeigen, was der Islam schon leisten konnte, obwohl die Religion die selbe war. Demnach spielen da andere Faktoren rein - uU auch die, die bedingen, warum der Islam heute keine Hochkultur mehr ist. Es geht viel mehr um Soziologie und Psychologie als um Theologie.

Dass andere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen, will ich gar nicht in Abrede stellen.

Der Islam kollektiviert seine Anhänger genauso, wie es jede insitutionalisierte Religion versucht, wenn sie Glaubensinhalte und Standpunkte formuliert.

Ja, natürlich, wobei "versucht" hier die entscheidende Einschränkung ist.

Durch die zahlreichen Zersplitterungen innerhalb des Islams bilden sich natürlich Gruppen, die kohäsiv zusammen stehen. Da die islamische Welt insgesamt betrachtet noch weniger globalisiert und somit mobilisiert ist, besteht auch eine größere Nähe zu traditionellen Gruppen, z.B. der Familie oder religiösen Subgruppen. Die Herrschaftstradition des Islams trägt auch dazu bei, dass Gruppen relevant sind. Ich sehe aber keine religiöse Argumentation, welche Individuen nicht schützen würde. Was ich sehe ist eine aktuelle Gesellschaftslage in Ländern wie dem eigentlich ambitionierten Iran, der Individuen tritt. Dabei handelt es sich aber viel mehr um menschlichen Fanatismus, der politisch bestärkt wird, statt um islamische Intention. Woraus ziehst du deine Schlüsse bezüglich den Umgang mit Individuen?

Meine Schlüsse ziehe ich unter anderem aus der von dir hervorgehobenen Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit, wobei ich eher die Auffassung vertrete, dass die Gruppenbindung die Öffnung verhindert, anstatt eine Folge der fehlenden Öffnung zu sein.

Dieser Erklärungsansatz ist auch richtig, ist jedoch kein einzelner Ansatz für sich, sondern ein Teil der Erklärung. Deswegen...

... ist die Aufklärung nicht in ihrer Wirkung überbewertet, sondern in ihrer öffentlichen Bewertung. Und zwar insofern, dass ich den Eindruck habe, dass sie oft (und zu recht) als Ursache benannt wird, aber andere Einflüsse außer Acht gelassen werden. Das mindert nicht die Relevanz der Aufklärung, ändert aber die Perspektive. Da müssen auch andere Dinge angeboten, äh, berücksichtigt werden.

Welche Einflüsse werden deiner Meinung nach außer Acht gelassen?

Korrekt ist, dass der Islam ein Pendant zur Aufklärung benötigt. Sowas gibt es bei muslimischen Intelektuellen, hat sich aber bisher nicht durchsetzen können. Für diesen Prozess ist es auch relevant, dass der von innen kommt, quasi als theologische Religion von unten. "Der Islam braucht Häretiker", würde Abdel-Samad rufen.

Dem stimme ich zu.
 
Mir scheint eher, dass du hier auf ein Nebengleis ausweichen willst, weil deine Argumentation auf dem Hauptgleis zu holpern droht... ;)

Du lieferst keinerlei derart fundierte Argumentation, so dass diese Unterstellung angemessen wäre.

Wenn Religion z.B. im weiteren Rahmen definiert wird, es Paul Tillich tut, dann bekommt sie zwangsweise einen individuellen Charakter.

Die Definition von Religion ist in dieser Frage unerheblich, weil es vielmehr darum geht, ob ein Mensch ohne die Aufklärung sich seiner Individualität vollends bewusst sein kann oder ob er sich überwiegend als Teil einer Gruppe wahrnimmt.

Begründung?


Meine Schlüsse ziehe ich unter anderem aus der von dir hervorgehobenen Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit, wobei ich eher die Auffassung vertrete, dass die Gruppenbindung die Öffnung verhindert, anstatt eine Folge der fehlenden Öffnung zu sein.

Und womit begründest du die Auffassung?
Ich finde es absolut unagebracht, oben zitiert irgendeine Ablenkung unterstellen zu wollen, und selber nur mit "ich sehe so" und "das ist so" zu pseudoargumentieren.


Welche Einflüsse werden deiner Meinung nach außer Acht gelassen?

Beispielsweise verfügt der Islam über eine Tradition, die um einiges weltlicherer Prägung ist als das Christentum. Das zieht sich durch die gesamte Religionsgeschichte und erklärt auch, warum grade der Islam mit Gottesstaaten liebäugelt. Das bedingt auch, warum Muslime heute den Islam fester in ihrer weltlichen Existenz verankert begreifen.
Zweitens die These eines amerikanischen Soziologen (Name ist mir entfallen), der, mMn völlig fundiert, beschreibt, dass der Islam Kapitalismus braucht.
Die Liste kann fortgeführt werden. All diese Ansätze helfen, den Islam wie er heute vorfindbar ist, nachzuvollziehen. Natürlich ist diese auch von großer Relevanz, aber als einzig genannte Ursache eine absolut unvollständige Analyse. Oftmals findet sich in der Öffentlichkeit nur das Aufklärungsargument. Als wäre es das einzige, was es nicht ist. Deswegen ist es überschätzt.

Wir "Wessis" sind einfach Aufklärungsromantiker.
 
@zoggg

Ich weiß nicht, was für eine Laus dir über die Leber gelaufen ist, aber ich habe dich keinesfalls persönlich angreifen wollen. Mir scheint, für eine Erklärung, warum ich dein Beharren auf einer Religionsdefinition für diese Diskussion als Ausweichen empfand, bist du derzeit nicht empfänglich, deswegen bekenne ich hiermit: Du hast Recht - und ich habe meine Ruhe.

Einen schönen Abend wünsche ich noch.
 
@zoggg

Ich weiß nicht, was für eine Laus dir über die Leber gelaufen ist, aber ich habe dich keinesfalls persönlich angreifen wollen. Mir scheint, für eine Erklärung, warum ich dein Beharren auf einer Religionsdefinition für diese Diskussion als Ausweichen empfand, bist du derzeit nicht empfänglich, deswegen bekenne ich hiermit: Du hast Recht - und ich habe meine Ruhe.

Einen schönen Abend wünsche ich noch.

Mir ist keine Laus über die Leber gelaufen. Wenn ich deine Aussage aber als Unsinn erachte, dann schreibe ich dir das.

Ein Problem war, dass wir im Grunde 4 Einzeldiskussionsstärnge auf einmal geführt haben. Zu viel, um wirklich konstruktiv zu sein. Deswegen wollte ich einen abwürgen - wenn gleich auch begründet, wie du oben sehen kannst.

"Ruhe haben"? Du hast dich doch freiwillig in diese Diskussion eingeklinkt.

Ein Hinweis noch: Nicht empfänglich sein? Es ist anders: Deine Argumente konnten mich nicht überzeugen.
 
Willst du jetzt etwa darüber streiten, wer später gepostet und sich somit eingemischt hat? Egal, das ist nun wirklich nicht meine Spielwiese.

Es geht überhaupt nicht darum, wer zuerst gepostet hat. Auch vom einmischen ist keine Rede, schließlich sind Forendiskussionen für jeden offen (davon mal abgesehen, dass ich sowieso nie von "einmischen" geredet habe). Wenn ich mich aber dazu entscheide, an einer Diskussion teilzunehmen, dann brauch ich nicht so zu tun, als hätte ich meine Ruhe wenn die Diskussion aufhört. Denn: Wenn die Diskussion vorher Unruhe bedeutet hätte, hättest du ja nicht mitgemacht.

@Schmolle: Ich auch. Denke nämlich, dass den Menschen einiges fehlen würde. Und die Menschen würden schon genug andere Gründe finden, sich die Köpfe einzuschlagen.
 
Es geht überhaupt nicht darum, wer zuerst gepostet hat. Auch vom einmischen ist keine Rede, schließlich sind Forendiskussionen für jeden offen (davon mal abgesehen, dass ich sowieso nie von "einmischen" geredet habe). Wenn ich mich aber dazu entscheide, an einer Diskussion teilzunehmen, dann brauch ich nicht so zu tun, als hätte ich meine Ruhe wenn die Diskussion aufhört. Denn: Wenn die Diskussion vorher Unruhe bedeutet hätte, hättest du ja nicht mitgemacht.

Ernsthaft: Brauchst du eine Erklärung dafür, wie der Spruch gemeint ist? Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet.
 
Die bittere Wahrheit über Multi-Kulti

Wurde hier schon über das Buch des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Buschkowsky diskutiert?

Ich habe mir mal die Leserkommentare angeschaut, das sind schon einige, und die deutliche Mehrheit der Leser stimmt B. zu. Dein Tenor der Kommentare ist:

- als Deutscher kann man sich in vielen Großstädten nicht mehr sicher fühlen
- straffällige Einwanderer mit Migrationshintergrund sollten ausgewiesen werden
- die hohe Geburtenrate der Einwanderer mit Migrationshintergrund führt dazu, dass Deutschland bald nicht "existiert"
- die Politik besteht aus Gutmenschen, die viel zu liberal seien und den Schatten der Vergangenheit ablegen und härter durchgreifen sollten
- als Deutscher wird man sofort als Nazi beschimpft, wenn man nicht zu allem Ja und Amen sagt


Mich würde mal die Meinung einiger Leute hier zu dem Thema interessieren. Auch Vorschläge wie man Parallelgesellschaften, die es zweifellos ja schon gibt, wieder in unsere Gesellschaft eingliedern kann.
 
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