Allgemeiner Politik Thread

@ Gruber :tnx::tnx::tnx:

Eins noch dazu:

Wenn du @ Maddin den Kampf der Palästinenser für einen eigenen Staat mit dem Antisemitismus europäischer Prägung gleichsetzt, wie erklärst du es dir, dass Palästinenser (und einige arabische Länder) und Israelis Friedensverträge versucht haben abzuschließen oder abgeschlossen haben?

Diese Friedensverträge sollten ein friedliches Leben, zusammen und nebeneinander, ermöglichen.
 
Friedensverträge und Antisemitismus sind überhaupt kein Widerspruch. Der rabiate Antisemitismus in Europa setzt überhaupt erst mit der Judenemanzipation so richtig ein. Antisemitismus bedeutet nicht permanenter Krieg und permanente Ausrottung.
 
Friedensverträge und Antisemitismus sind überhaupt kein Widerspruch. Der rabiate Antisemitismus in Europa setzt überhaupt erst mit der Judenemanzipation so richtig ein. Antisemitismus bedeutet nicht permanenter Krieg und permanente Ausrottung.
Na, das kannst Du doch nicht ernst meinen. "Ritualmöder-" "Brunnenvergifter" und "Wucherjuden"-Stigmatisierung, Ghettoisierung, jahrhundertelang blutigste Progrome mit der Tötung der jüdischen Bevölkerung ganzer Stätte und Landstriche und das Verbot der Ausführung der meisten Berufe sind alles Kreationen des christlichen Europas spätestens seit dem Mittelalter, die allesamt von den Nazis aufgegriffen wurden und ohne die der Holocaust gar nicht denkbar gewesen wäre. Nur der Begriff "Antisemitismus" entstammt tatsächlich erst der Neuzeit.

Und wieso weist du darauf hin, Antisemitismus bedeute nicht permanenter Krieg und permanente Ausrottung? Das hat doch auch niemand behauptet.
 
Natürlich meine ich das ernst, sonst hätte ich es nicht geschrieben. Der antisemitismus in seiner modernen Form ist eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts, die sich zwar nach wie vor auf den traditionellen christlichen und islamischen Antisemitismus bezieht, aber davon in vielerlei Hinsicht grundverschieden ist. Erst dort kommt die "Judenfrage" ins Spiel, eine Frage, die es zu "lösen" gilt - so wie heute immer von einer "lösung" des Nahostkonflikts gesprochen werden soll. In dieser Lösung ist die endlösung bereits inbegriffen.

Wer übrigens wissen will, wie antizionistischer Antisemitismus im europäischen common sense aussieht, der muss nur der EU-Außentante Catherine Ashton zuhören. Welcher hochrangige Politiker hat eigentlich ihren Rücktritt verlangt? Oder muss man nur zurücktreten, wenn ein Kumpel einem ein Hotelzimmer bezahlt, nicht aber wenn man eine üble antisemitische Demagogin ist?
 
Natürlich meine ich das ernst, sonst hätte ich es nicht geschrieben. Der antisemitismus in seiner modernen Form ist eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts,
:eek: hört, hört.
Es ging um Deine Behauptung, der rabiate Antisemitismus Europas habe erst mit der Judenemanzipation so richtig eingesetzt. Und wenn "rabiat" bei Dir nicht erst knapp unterhalb des Holocaust zutrifft macht Dein Beitrag wenig Sinn. Dass der moderne Antisemitismus nicht aus dem Tertiär stammt ist ja unbestritten.

Die Assoziation Lösung Nahost-Konflikt und Endlösung ist nach Deiner obigen Regel ja auch ernst gemeint. In diesem Zusammenhang sollten dann aber auch die in den Begrifflichkeiten Zwei-Staaten-Lösung, Salzlösung und des Rätsels Lösung unmittelbar durchbrechenden eliminatorischen Phantasien nicht unerwähnt bleiben.
 
:zzz:

Die Lösung des Nahostkonflikts außer durch Auflösung bzw. Eliminierung Israels ist eine Unmöglichkeit. Ebenso wie die Lösung der Judenfrage nur als Endlösung möglich war. Wer diese Frage in den Mittelpunkt der Überlegung stellt, der muss notgedrungen die Juden bzw. Israelis als Störenfriede begreifen, ohne deren Existenz die Welt oder zumindest der Nahe Osten ein besserer Ort wäre. Das ist das, was mit "Lösung" oder "Endlösung" logisch nur gemeint sein kann.

Man sieht ja sejr schön, dass ein Friedensvertrag keine Lösung ist. Der Friedensvertrag mit Ägypten steht ja zur Disposition, sobald bzw. wenn der Militärrat an die Islamisten übergibt. Solche "Lösungen" haben eine kurze Halbwertszeit. Selbst wenn man heute mit der Fatah irgendwas aushandelt, heißt das noch lange nicht, dass nicht morgen Raketen und Selbstmordbomber von Hamas und islamischem Djihad kommen werden, bis der letzte Jude getötet ist.

Mit "rabiat" meine ich eben diesen, der sich nicht damit zufrieden gibt, die Juden in Ghettos zu halten und mit Berufsverboten zu diskriminieren, oder, wie in der islamischen Welt, als mit geringeren Rechten ausgestattete Dhimmis zu halten und ihnen geringere Rechte zuzusprechen, was sich gelegentlich in Pogrome ausartet, sondern ihre Umdeutung zur zu vernichtenden "gegenrasse", und seit spätestens 1948, als abzuschaffender Unstaat.
 
:tnx: maddin
Sehe ich genauso.

Sämtliche Friedensverhandlungen und Gespräche seitens Israels oder Vermittler mit den "Freiheits"Gruppen der Palästinenser führten zu immer weiteren Radikalisierung und Gründung neuer "Freiheits"gruppen. Konsens, Kontext Das sindd Fremdwörter und Worthülsen in einem für sie, wenn sie diese Gruppen und ihre Rädelsführer benützen. Ahmadenidschad benutzt nicht mal Israelis oder Juden sondern spricht nur von "Zionisten", wenn er von der Bevölkerung Israels spricht.
Sie - die Antizionisten und Antisemiten - akzeptieren Israel nicht, sie wollen es von der Landkarte tilgen und das Judentum auslöschen.
Und da sich alle Dampfplauderer dieser üblen Sorte u.a. auf "Zionismus" beziehen und damit wohl der Bezug zu Theodor Herzl "The Jewish State" hergestellt ist, stimmt es, daß der moderne Antisemitismus im 19. jahrhundert aufkam - zum üblichen Antisemitismus kam damals dann eben noch die Verneinung, daß das jüdische Volk einen Staat haben sollte dazu.

Anderen Ethnien ohne eigenen Staat wird das Recht am eigenen Staat ohne weiteres zugebilligt: u.a. Kurden, Basken, Katalanen und auch Palästinenser. Die Israelis sollen in ihrem "Verständnis" ihren Staat abgeben und das Recht auf einen solchen, ja das Recht auf ihre bloße Existenz abgeben.
 
Sie - die Antizionisten und Antisemiten - akzeptieren Israel nicht, sie wollen es von der Landkarte tilgen und das Judentum auslöschen.

Hier mal ein hübsches Propagandavideo, dass das auf den Punkt bringt:

http://www.youtube.com/watch?v=09pmTh64vD8

Der Punkt ist ja der, dass das in Israel, bis auf die Alibijuden, die hierzulande immer zitiert werden, auch bei allem permanentem Streit auch alle kapiert haben. Darum gibt man sich auch nicht mit irgendwelchen Sonntagsreden von Abbas zufrieden. Darauf kann man nichts geben, der Mann hat nicht einmal irgendeine Legitimation, geschweige denn Leute hinter sich, ist ein passionierter Holocaustleugner, Lügner und Förderer des Terrorismus. Er wird aber als "gemäßigt" präsentiert. Gemäßigter Islamist ist neuerdings ja auch so ein Modewort - warum nicht auch gemäßigte Antisemiten?

Wenn man weiß, dass die Antisemiten um einen herum einem an den Kragen wollen, dann weiß man wenigstens, was man zu tun hat, wie dieses Propagandavideo sehr gelungen darstellt:

http://www.youtube.com/watch?v=ytWmPqY8TE0
 
Danke für die links, maddin.

Ich mußte gestern beim Ansehen des Ahmadenidschad Interviews noch daran denken, wie in Diskussionen hier und worum User versuchten, dessen Aussagen ("H.olocaust eine Lüge", "Israel und die Juden vernichten" etc.pp.) als "aus dem Zusammenhang oder falsch zitiert" hinstellten und nun live haben, wie dieser Mann tickt. Und er spricht für sein Land.
Spätestens mit dem neuen Interview sollte mittlerweile jedem klar sein, daß deer Knabe "nicht bloß spielen" will.
 
weder begreife ich, nach welcher Logik Israel notwendigerweise als Störenfried begreifen muss, wer sich Gedanken um die Lösung des Nahost-Konflikts macht noch begreife ich, warum eine Lösung nur eine Lösung sein soll, wenn sicher ist, dass sie von Dauer ist.

Ich sehe selber auch keinen Anlass für Hoffnung auf oder die Möglichkeit für eine Lösung des Nahost-Konfliktes in absehbarer Zeit. Und ja, Israel hat derzeit kaum brauchbaren Dialogpartner für eine Lösungsprozess und dies zu ignorieren schiebt Israel ungerechter Weis die Arschkarte zu. Aber aus dieser Hoffnungslosigkeit jetzt eine Tugend machen zu wollen und die Hoffnung und Suche nach einer Lösung zu einem Moment von Antisemitismus zu verklären kommt mir reichlich schräg vor.

Aber vor allem: Worauf soll denn eine solche Argumentation hinauslaufen? Wer sich gedanklich derart in eine Sackgasse herein manovriert, in der er eine Lösung des Nahost-Konfliktes nur als antisemitsche Vernichtungsphantasie begreifen kann, dem bleibt ja nur, sich die Zukunft Israels als ewig andauernder Krieg gegen Aggressoren oder aber in dem Endsieg (!) über Selbige zu denken. Man phantasiert Israel damit quasi in das Stereotyp "ewiger Aggressor" und "Bedrohung für den Weltfrieden" hinein und ermöglicht sich gleichzeitig, gegen diese antisemitische Ressentiment Sturm zu laufen. Über die bewussten und unbewussten Antriebe zu und den psychologischen Gewinn an einer solchen Konstruktion für einen Deutschen mag ich hier ja gar nicht spekulieren.

Deswegen lieber ganz konkret an Schmolle und Maddin die Frage: wenn sich euch die Zukunft Israels im Rahmen einer 2-Staaten-Lösung als antisemitisch verbietet, wie dann?
 
Die Palästinenser haben bereits einen Staat, für sie muß keiner mehr geschaffen werden. Das sie das nicht akzeptieren und stattdessen in übelsten Flüchtlingslagern vegetieren (müssen - ihre eigenen Freiheitsorganisationen lassen da keinen weg) ist ihre Sache. Die zwei Staaten-Lösung die "vorgeschlagen" wird ist keine. Ich habe selber ca. 12 Jahre gebraucht, um zu erkennen, daß es keine sein kann. Weil sie auf nur eine Lösung abzielt: Ihr (Juden) mal schön weg und nur so wie wir (Palästina) wollen.

Die Palästinenser haben also eigene Staatsgebiete. Da wollen sie aber nicht hin. Stattdessen verhalten sie sich wie Spielkreiskinder: Die andere Sandkaste ist die schönere! Da sind die tolleren Förmchen und Schäufelchen und die Sandkuchen schmecken leckerer.
 
@ Scholle: In bezug auf deinen letzten Abschnitt: wie süß...

@ Maddin: Die Frage von Gruber ist berechtigt, wenn man deine Argumentation sich durchliest

@ Maddin et Scholle: Seit ihr euch sicher, dass dies bei den Israelis Konsens ist?
 
weder begreife ich, nach welcher Logik Israel notwendigerweise als Störenfried begreifen muss, wer sich Gedanken um die Lösung des Nahost-Konflikts macht noch begreife ich, warum eine Lösung nur eine Lösung sein soll, wenn sicher ist, dass sie von Dauer ist.

Synonyme für Lösung sind Antwort, Auflösung, Erledigung, Resultat, Aufhebung etc. pp. Natürlich beansprucht "Lösung" Endgültigkeit. Die Lösung z.B. der Frage, wieviel 1+1 bleibt, ist auf alle Zeiten als 2 definiert.

Nimmt man nun an, dass der Nahostkonflikt durch die Gründung Israels entstanden ist und die Motive ausschließlich auf diesen Fakt beschränkt sind, dann ist das Problem, das es zu lösen gilt, die Existenz Israels. Demgegenüber würde ich nicht für eine "Lösung" plädieren (denn ein Konflikt, in dem zwei Parteien dasselbe beanspruchen, kann eben nur in die eine oder andere Richtung "gelöst" werden, dazu gibt es ja auch das Gleichnis Salomons mit den beiden Müttern und dem Kind). Lösung ist keine Option. Richtiger wäre ein Arrangement, eine zeitweise Befriedung, eine Demilitarisierung, ein Abflauen der Gewalt, ein höheres Maß an Sicherheit und Wohlstand für alle Beteiligten. Das sind gute und richtige Ziele.

Ich sehe selber auch keinen Anlass für Hoffnung auf oder die Möglichkeit für eine Lösung des Nahost-Konfliktes in absehbarer Zeit. Und ja, Israel hat derzeit kaum brauchbaren Dialogpartner für eine Lösungsprozess und dies zu ignorieren schiebt Israel ungerechter Weis die Arschkarte zu. Aber aus dieser Hoffnungslosigkeit jetzt eine Tugend machen zu wollen und die Hoffnung und Suche nach einer Lösung zu einem Moment von Antisemitismus zu verklären kommt mir reichlich schräg vor.

Die Hoffnung auf eine "lösung" nicht im Sinne einer End- sondern einer "erlösung" wäre aber gerade die (leider sehr unrealistische) Hoffnungauf ein Ende des weltweiten Judenhasses. Denn unter Umständen, in denen keiner mehr die Juden hasst, benötigt es kein Israel und vermutlich überhaupt keiner Staaten mehr, weil dies Verhältnisse wären, die man mit Marx eine "Assoziation freier Individuen" oder mit Adorno den "Zustand, in dem jeder ohne Angst verschieden" sein kann, nennen könnte.

Dieser Zustand existiert nicht und der Vernichtungswillen, wie Achmed Schachbrett im ZDF gezeigt hat und wie die Sprecher der Muslim Brotherhood, der Hamas, Al Qaida, der Hisbollah und all die anderen Islamisten, Nazis etc. jeden Tag ihn zum Ausdruck bringen, ist ungebrochen. Das ist die Realität, an der sich israelische Realpolitik zu messen hat. Und da ist Israel mit dem Duo Netanyahu/Barak sehr gut aufgestellt, wie zum Beispiel seine Reden vor der UN bei dem Antrag der Palästinenser auf Aufnahme oder jüngst vor dem UN-Menschenrechtsrat eindrucksvoll beweisen.

Aber vor allem: Worauf soll denn eine solche Argumentation hinauslaufen? Wer sich gedanklich derart in eine Sackgasse herein manovriert, in der er eine Lösung des Nahost-Konfliktes nur als antisemitsche Vernichtungsphantasie begreifen kann, dem bleibt ja nur, sich die Zukunft Israels als ewig andauernder Krieg gegen Aggressoren oder aber in dem Endsieg (!) über Selbige zu denken. Man phantasiert Israel damit quasi in das Stereotyp "ewiger Aggressor" und "Bedrohung für den Weltfrieden" hinein und ermöglicht sich gleichzeitig, gegen diese antisemitische Ressentiment Sturm zu laufen. Über die bewussten und unbewussten Antriebe zu und den psychologischen Gewinn an einer solchen Konstruktion für einen Deutschen mag ich hier ja gar nicht spekulieren.

Der erste Satz ist deswegen falsch, weil Israel seit seiner Gründung eine bestimmte Strategie verfolgt, die man als "Vorwärtsverteidigung" bezeichnen kann. Über die tiefe Vernunft hinter der militärischen Stärke der IDF kann man in Claude Lanzmanns großartigen Film "Tsahal" alles notwedige lernen. Es geht also weder um permanenten Krieg gegen die Antisemiten (nicht weil er nicht notwendig wäre: Schon Lanzmanns Freund Sartre hatte als Konsequenz aus dem 2. WK eine "militante Liga gegen den Antisemitismus" gefordert. Sondern weil ISrael diesen nicht leisten kann.) noch über etwas Unmögliches wie den "Endsieg" über den Antisemitismus unter Verhältnissen, die ihn permanent reproduzieren. Sondern es geht darum, vom Antisemitismus so wenig verwundbar wie möglich zu sein, was natürlich bedeutet, so stark wie nötig zu sein und Massenvernichtungs-, und erst Recht Atomwaffen in den Händen der Todfeinde zu vermeiden.

Es ist völlig klar, dass diese Politik nur von denen als aggressiv angesehen werden kann, die den Antisemitismus als zentrales Motiv der Handlungen der arabischen Kriege und Terrorkriege gegen Israel seit 1948 leugnen und die die Bedrohung durch Gruppen wie Hamas und Hisbollah oder das iranische Regime ignorieren und ihre offen ausgesprochenen Motive verdrängen, wie es die Welt tat, seit "Mein Kampf" erschien, in dem alle Motive offen entfaltet werden. Ebenso muss niemand durch ideologiekritische Finessen etwas in die Reden der bekannten Führer der islamischen Welt hineingeheimnissen: Es liegt alles ganz offen zutage.

Darum liegt hier auch kein psychologischer Gewinn, sondern in der Kritik dieses eliminatorischen Antisemitismus und seiner Verdrängung einerseits und der offenen Kumpanei mit seinen Proponenten wie dem Iran oder der palästinensischen Autonomiebehörde andererseits liegt das kleine bißchen Entlastung, das man als "militanter" Gegner des Antisemitismus dem Judenstaat gegen die permanente Bedrohung noch geben kann. Denn nur im Erhalt dieses Staates und in der Annahme, dass sich ein Verbrechen wie die Shoah nicht wiederholen kann, ist noch ein winziger Rest Hoffnung auf bessere Zeiten aufbewahrt. Aus dieser winzigen Hoffnung auf eine wirklich befreite Welt ohne Gewalt, Hass und Antisemitismus lässt sich vielleicht wirklich psychologisch etwas ziehen in einem Meer aus Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung und Hoffnungslosigkeit.

Der eigentliche psychologische Nutzen, der hierzulande am Judenstaat ausagiert wird, ist der, den Broder seit nunmehr 35 Jahren an der Linken in diesem Land kritisiert, ohne dass diese Aufklärung auf fruchtbaren Boden fallen könnte, da es sich beim Antisemitismus nicht um eine Struktur des Verstandes, sondern um eine dem Bewusstsein nur bedingt zugängliche Triebstruktur handelt. Es ist die der Überwindung des "Judenknacks" (D.Kunzelmann, der Linksradikale mit der Bombe im jüdischen Gemeindehaus). Darum kommt der Israelkritiker nie ohne Vergleiche wie zumindest "Apartheid" bis hin zu denen des "Völkermords", des "Vernichtungskriegs", des "Endsiegs", des "Ghettos" etc. pp. aus. Es ermöglicht in doppelter Weise eine Entlastung des deutschen, und angesichts zahlreicher Helfershelfer in fast allen europäischen Ländern, auch des europäischen Gewissens (und, wenn man so will, aufgrund der Untätigkeit des Rests der Welt, auch des Weltgewissens), indem man einerseits den Opfern von einst vorhalten kann, sie seien genauso schlimm, andererseits damit aber wenn schon keine Rechtfertigung, so doch eine Relativierung der eigenen Tat und des einmaligen Menschheitsverbrechens Holocaust zu bieten.

Deswegen lieber ganz konkret an Schmolle und Maddin die Frage: wenn sich euch die Zukunft Israels im Rahmen einer 2-Staaten-Lösung als antisemitisch verbietet, wie dann?

Erstmal ist Kritik nicht verpflichtet, Gegenvorschläge zu bieten. Und zweitens ist eine Zweistaatenlösung durchaus nciht unmöglich, es gibt ja bereits palästinensische Autonomiegebiete und eine Art Hamas-Staat in Gaza. Es ist ja nicht so, dass Politiker wie Barak, Netanyahu und Liebermann nicht von der Zwei-Staaten-Lösung sprechen, auch wenn es nicht die Lösung des Problems sein kann, siehe oben. Und deswegen wird jemand wie Netanyahu auch genau abwägen, wann er welche Kompromisse macht.

Sieht man sich die Entwicklung in der Westbank an und in Gaza, dann muss man aber zu dem Schluss kommen, dass der isralische Einfluss klar positiv ist, denn seit dem Abzug aus Gaza hat sich die Westbank ökonomisch deutlich weiterentwickelt, während Gaza trotz milliardenschwerer Hilfen ein Trümmerfeld ist. Die Frage, ob Israel die Westbank annektieren sollte, die Menschen dort zu Staatsbürgern machen und die Kriminellen und Terroristen festsetzen sollte, lässt sich nicht einfach beantworten. Es wäre für den israelischen Staat militärisch, polizeilich, demografisch und vor allem aufgrund internationaler Proteste wohl nicht zu stemmen. Es wäre aber für die Palästinenser, die normal leben wollen, besser als ein Hamastan in der Westbank, das die Ökonomie wieder ruiniert, alle Gegner massiv unterdrückt und im permanenten Kriegszustand mit Israel sich befindet.

Welche Alternativen es gibt und wie man vorgehen soll, kann ich nicht beantworten. Ich bin kein Politiker und erst Recht kein Israeli, ich kann der Regierung keine Ratschläge geben, außer vielleicht den, den Hass und die Gewaltbereitschaft der Feinde nicht zu unterschätzen, wobei diese Gefahr bei Netanyahu und Barak nicht besteht.
 
Der Mörder von Toulouse, der wie bereits von mir vermutet, dieselbe antisemitische Verbindung herstellt wie Catherine Ashton (jüdische Kinder in Toulouse - Israel - vom Kindermörder Israel gekillte Kinder in Gaza), zeigt den ganzen Bankrott der Linken. Der passionierte Israelhasser und französische Publizist mit praktischerweise deutsch-jüdischen Wurzeln, also Alfred Grosser, der jetzt überall zitiert wird, äußert die Furcht, dass die französische Rechte um den Innenminister und den Präsidenten von diesem Massaker profitieren könnte. Empathie mit den Opfern will man ja schon gar nicht mehr verlangen in Europa, die hat man nur mit den Palästinensern. Aber wie hätte er wohl die Tat interpretiert, wenn es ein Nazi-Irrer vom Schlage Breiviks gewesen wäre, obwohl das in der Sache überhaupt keinen Unterschied macht? Antwort: Man hätte als Linker politisch Kapital zu schlagen versucht und die politische Rechte wegen ihrer vermeintlichen Hetze verantwortlich gemacht. Für Hetze gegen ISrael gilt das umgekehrt natürlich nicht.

Dabei ist es völlig gleich, ob ein Nazi oder ein Islamist aus militant antisemitischen Motiven mordet und es dürfte für die Analyse solcher Taten überhaupt gar keine Rolle spielen, weil der Islamist wie der Nazi beide militante Feinde jeder Freiheit sind und damit der natürliche Feind jedes Menschen sein müssten, der den Namen "mensch" noch verdient. Hier zeigt sich der moralische Totalbankrott und die ideologische Komplizenschaft mit dem Islamismus in seiner ekelhaftesten Form.
 
Die Aussagen Grossners zeigen "den Bankrott der Linken"?

Zunächst mal ohne auf die Aussagen inhaltlich einzugehen: wieso steht er stellvertretend für alle Linken? Ich kann dir viele israelkritische, auch latent oder eindeutig antisemitische Äußerungen aus dem rechten Lager zeigen; bedeuten die dann auch den Bankrott aller Rechten inkl. der Konservativen?

Zum Inhaltlichen: Welche Äußerungen lassen Dich denn schließen, dass er keine Empathie für die Opfer der Morde fühlt? Er spricht doch ganz klar von einer "Tragödie".

Übrigens ist seine Befürchtung, dass die Rechte von diesen Verbrechen profitiert, wohl leider nicht ganz unzutreffend. In anderen politischen Foren wird zum Beispiel als Konsequenz gefordert, alle Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Mahgreb dorthin abzuschieben. Und pauschale Äußerungen über "die Moslems" finden sich auch zuhauf.
 
@ Scholle: In bezug auf deinen letzten Abschnitt: wie süß...

@ Maddin: Die Frage von Gruber ist berechtigt, wenn man deine Argumentation sich durchliest

@ Maddin et Scholle: Seit ihr euch sicher, dass dies bei den Israelis Konsens ist?

Kannst du bitte meinen Usernick korrekt schreiben? Danke!

In Bezug auf meinen letzten Abschnitt: Süß? Die Palästinenser lehnen im Übrigen eine Zweistaatenregelung ab. So zum ersten Mal 1947 und zogen auch gleich darauf die Terrorkarte gegen Israel.
Ich würds nicht gut finden, jeden Tag beballert zu werden. Du?
 
Kannst du bitte meinen Usernick korrekt schreiben? Danke!

In Bezug auf meinen letzten Abschnitt: Süß? Die Palästinenser lehnen im Übrigen eine Zweistaatenregelung ab. So zum ersten Mal 1947 und zogen auch gleich darauf die Terrorkarte gegen Israel.
Ich würds nicht gut finden, jeden Tag beballert zu werden. Du?

Deinen Usernick hab ich nicht absichtlich falsch geschrieben, es war ein Versehen.

Süß finde ich, dass du die dortige Situation als ein Kinderspiel beschreibst.

Die Palästinenser haben aber Mitte der 90er einen Friedensvertrag mit Israel angestrebt, der eine Zweistaatenlösung vorsah. Wer hat diesen Friedensvertrag hintertrieben? Ja, genau Bibi und Konsorten. Sie haben die Stimmung in Israel gegen Perez und Rabin so angeheizt, die letzlich zur Ermordung von Rabin durch einen jüdischen Extremisten geführt hat und den Friedensvertrag zur Fall gebracht hat.

Auf meine letzte Anmerkung hast immernoch nicht geantwortet. Das würde mich aber sehr interessieren.
 
Die Palästinenser haben aber Mitte der 90er einen Friedensvertrag mit Israel angestrebt, der eine Zweistaatenlösung vorsah. Wer hat diesen Friedensvertrag hintertrieben? Ja, genau Bibi und Konsorten. Sie haben die Stimmung in Israel gegen Perez und Rabin so angeheizt, die letzlich zur Ermordung von Rabin durch einen jüdischen Extremisten geführt hat und den Friedensvertrag zur Fall gebracht hat.

:stirn:

Solche Märchen und Verschwörungstheorien kannst Du Deinem Friseur erzählen. Letztendlich sind es die Leute von Rabin, der keineswegs die "friedenspolitische Lichtgestalt" war, die nach wie vor in Israel an der Regierung beteiligt sind und in Folge der Intifada, also der palästinensischen Antwort auf den Oslo-Prozess, ihre Haltung geändert haben.

Die 2. Intifada beweist, dass die Palästinenser keinen Palästinenserstaat wollen, sondern dass ihr Ziel auf die Zerstörung Israels hinausläuft, worin sich Fatah, Hamas, islamischer Djihad und andere Gruppen völlig einig sind. Uneinigkeit herrscht lediglich über den Weg dorthin, die einen wollen es mit Deligitimierung, andere auch mal mit Verhandlungen, andere setzen auf Terror und Abbas auf alles mal ein wenig, genau wie Terrorfürst Arafat mit seinen über 100 Millionen internationaler Gelder auf Schweizer Konten, von denen er Waffen kaufte.

Wäre das Ziel dagegen ein Staatsaufbau gewesen, dann hätte man Dinge tun müssen, die diesen Staatsaufbau in Koexistenz mit Israel ermöglicht hätten, also eine Abkehr von der Gewalt, Aufbau ziviler und ökonomischer Strukturen, Transparenz, Bekämpfung der Korruption, enge Kooperation mit israelischen Behörden und Abkehr von unrealistischen Forderungen in Bezug auf existenzielle Sicherheitsfragen Israels (Jordan-Tal, Jerusalem und Umgebung, Rückkehr der Flüchtlinge nach Israel, Luftraum, Militärischer Status) sowie eine radikale Abwendung vom Terror gegen völlig unschuldige Zivilpersonen. Davon konnte aber nie die Rede sein, weswegen das Gerede von der "Zweistaatenlösung" vielleicht aus dem Munde von Rabin, Barak, PEres, Sharon oder Netanjahu eine gewisse Glaubwürdigkeit hatte - niemals jedoch aus dem Mund von Terroristen und eliminatorischen Antisemiten wie Arafat und Abbas.
 
Mal ein anderes Thema: Was bedeutet eigentlich, wenn V-Leute in einer Partei "abgeschaltet" bzw. "abgezogen" werden? Die V-Leute können ja schlecht auf einmal aus ihren Parteiämtern zurücktreten.
 
Mal ein anderes Thema: Was bedeutet eigentlich, wenn V-Leute in einer Partei "abgeschaltet" bzw. "abgezogen" werden? Die V-Leute können ja schlecht auf einmal aus ihren Parteiämtern zurücktreten.

Dann muss man die NPD nicht mehr verbieten, wenn man alle V-Leute abzieht. Dann hätten die ja kaum noch Personal.

Die moderne NPD ist mehr oder weniger ein Ziehkind des Verfassungsschutzes. Die These war: Wenn es eine rechte Partei mit klaren Strukturen gibt, kann man die rechte Szene, die ja zum Glück in weiten Teilen des Landes sehr klein ist, besser überwachen und kontrollieren. Dieses Konzept ist gescheitert. Vor allem deswegen, weil zwischen offizieller NPD und Freien Kamaradschaften sowie zwischen V-Leuten und NPD-Leuten die Übergänge fließend sind und eben dieses Ziel der Kontrolle und Überwachung, siehe NSU, siehe aber auch die kommunalpolitische Etablierung in der Mitte der Gesellschaft in weiten Landstrichen Sachsens und Meck-Pomms, als gescheitert betrachtet werden muss.

Die NPD war lange gut als Mobilisierungsmaschine zu Wahlen und als Feindbild, auf das sich alle einigen konnten. Jetzt wird sie nicht mehr dringend gebraucht.
 
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