Erstens: Du willst doch nicht ernsthaft die militärische Sinnhaftigkeit des Einsatzes der Atombombe gegen fanatisch kämpfende Japaner in Abrede stellen? ... Gegen diese Erkenntnis sind nur ausgemachte Antiamerikaner immun.
An dieser Stelle erlaube ich mir eine Einmischung. Japans Regierung hatte bereits Bereitschaft zu kapitulieren erkennen lassen und mit der UdSSR Gespräche über die Aufnahme von Friedensverhandlungen in die Wege geleitet. Einer bedingungsslosen Kapitulation wollte man jedoch nicht zustimmen. Wie in
diesem Artikel der Süddeutschen kurz erklärt wird war der Abwurf von Atombomben auf bewohntes Gebiet nicht kriegsnotwendig. Die Annekdote, dass der Versuch eine bedingungslose Kapitulation zu erzwingen letztlich erfolglos war, steigert den Zynismus der US-Amerikanischen Rechtfertigungsversuche noch.
Gemessen am Versorgungsstand der japan. Streitkräfte, der Zivilbevölkerung und Industriebetriebe sowie unter Berücksichtigung der durchschnittlichen täglichen Verluste an Weichzielen hätte der Krieg mindestens 4 weitere Jahre andauern müssen um die gleiche Zahl an Opfern zu generieren. Dies wäre selbst unter für Japan optimalen Bedingungen utopisch gewesen.
Bei der iranischen Bombe, deswegen habe ich den Artikel gepostet, handelt es sich deswegen um etwas grundlegend anderes, weil die iranische Führung, ganz wie ein gewisser Hitler, zur Vernichtung Israels und der Juden aufruft. ...
Nun, die Evangelikalen, welche Ex-US-Präsident Bush zu Recht als "ihren" Präsidenten ansahen, pflegen ähnliche Weltuntergangsszenarien zu verbreiten, wobei auch sie davon ausgehen, für ihr Handeln nicht verantwortlich zu sein. Das nur nebenbei.
Wichtiger noch ist die Frage warum Saudi-Arabien, ein Staat der ebenso dogmatisch Anti-Israelisch agiert wie Iran, gleichzeitig Verbündeter der USA ist - wo doch die Verbindungen Al-Quaidas nach Saudi-Arabien, dem Ursprungsland des modernen Terrorismus, allgemein bekannt sind. Die ökonomischen Verflechtungen sind öffentlich bekannt, die Historie (Shah etc.) ebenso. Dass Iran und Saudi-Arabien um die Vorherrschaft im Nahen Osten ringen ist ebenso bekannt wie die Ansicht Moskaus, Iran gehöre zur erweiterten Einflusszone Russlands. Vor dem Hintergrund dieses allgemein zugänglichen Wissens ist es zumindest fragwürdig, das Regime in Teheran derart einseitig zu verurteilen.
Womit ich definitiv keine Appeasementpolitik rechtfertigen möchte! Nur wird die öffentliche Diskussion des Umgangs mit der Regierung des Iran fernab von faktenbasiertem Situations- und Risikomangement auf einem "wir-oder-die"-Niveau geführt, das unangemessen ist.
Es wird militärisches Eingreifen diskutiert. Alternativ hätten die Bewegungen zur Liberalisierung der Staaten der arab. Welt, in Bahrain, Jordanien, Syrien, Jemen..... im Zuge revolutionärer Aufstände unterstützt werden können. Da am Ende solcher Prozesse mit der Errichtung islamischer Staaten - wie in Ägypten absehbar - zu rechnen ist, was den späteren Einfluß des Westens schmälern/begrenzen könnte, wird die militärische Option bevorzugt. Sie ermöglicht einen direkten Einfluß auf die Geschehnisse, von "Kontrolle" solcher Prozesse kann selbstverständlich keine Rede sein.
Es ist weiterhin Ansichtssache, wie mit der Regierung des Iran umzugehen ist. Der platten Propaganda seitens der Beteiligten sollte man allerdings eine Analyse der Fakten und Interessenskonflikte entgegenstellen bevor man sich eindeutig positioniert.