Stimmt. Dennoch gibt es den Grundgedanken des Liberalismus, der sich die Freiheit des Individuums und den weitestgehenden Schutz vor staatlichen Zugriffen zum Ziel setzt.
Gedankenfreiheit ist eine urliberale Forderung, aber damit ist etwas komplett anderes gemeint als die Enteignung derer Denkenden. Gerade die seltsamen Ideen der Piraten zum Urheberrecht und zum künftigen Lebensunterhalt von Künstlern, Musikern, Autoren und anderen zeigen, wie ganz und gar unliberal die Piraten sind.
Oha. "Enteignung" ist schon eher ein Thema der LINKSpartei.
Den PIRATEN geht es eher darum das Urheberrecht wieder auf die Füße zu stellen. Seit einigen Jahren ist die marktwirtschaftliche Verwertungslogik auf alle Lebensbereiche ausgeweitet worden. Im Zuge der
Bologna-Reform sollten sich die Studierenden zukünftig als Kunden ansehen, auch die KSK ist eine problematische Einrichtung. (
Details)
Teil dieser Entwicklung ist auch das TRIPS-Abkommen. (
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Es ist kaum möglich diese Entwicklungen voneinander zu trennen. All diesen Entwicklungen liegt das Problem zu Grunde, dass sich die Produktionswirtschaft zu gewissen Teilen von der Herstellung materieller Güter auf die Bereitstellung von Dienstleistungen verlagert hat.
Beispielsweise ist die Vermittlung von Wissen an Bildungseinrichtungen vom Status der "Ausbildung" weggekommen, wird also nicht mehr so wie früher als Herstellung von Arbeitsfähigkeit betrachtet, also als von der Gesellschaft zu leistende Vorbedingung für Teilhabe/Einsatzbefähigung, sondern als Ware/Investment/Dienstleistung. (Auch die Terminologie hat sich entsprechend gewandelt.)
Doch nicht nur Bildung, sondern auch, wie oben schon anklang, die Schaffung von Kunst ist zu einer Dienstleistung geworden für welche der Künstler entlohnt werden soll. Daran ist nichts Schlechtes zu finden!
Der Teufel steckt allerdings im Detail: Dass was eine Gesellschaft ausmacht sind nebst anderem ihre Kultur, Musik, Literatur, Malerei usw.: ihre Gemeinschaftlichkeit im Erleben, Denken, Fühlen und Rezipieren. - Heute eher gemeinsames konsumieren.(
Literaturtip für Geschichtsfreunde)
Wenn der Zugang zur Kultur, zur Gesellschaft ökonomisiert ist, ist Geld meine Eintrittskarte in die Gesellschaft. Habe ich keins oder nur wenig davon bin ich jedoch nicht allein: es bilden sich Sub- und Parallelgesellschaften. Einem zivilen Miteinander ist das Abträglich, da die Grenzen entlang des Wohlstands verlaufen...
Nun, wie kommt dann aber der Kunstschaffende zu seinem Recht? Zum Einen, indem die Gesellschaft die Kosten übernimmt - Sozialversicherung des Künstlers & bspw. stufenweise freier(er) Zugang zu der Kunst.
Hier sind wir schon beim Urheberrecht angelangt. Die PIRATENPARTEI hat auf ihrer Internetseite dazu folgende Meinung:
"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht.
Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit. Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen.
Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein."
[___ von mir]
Fotos bspw. geniessen ein 50jähriges Schutzrecht. (
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Eine Übersicht der Sperrfristen.
Es ist vielen Menschen gar nicht klar dass das heutige Urheberrecht nicht nur die Rechte der Schaffenden verteidigt, sondern vor allem die Verwertungsrechte der Verlage, Labels und Publisher. Bis zu 70 oder gar 100 Jahre
nach dem Tod des Urhebers ist die Verwendung der Ideen beschränkt/in privater Hand. Somit wird Wissen und Kultur massiv privatisiert.
Ein Lösungsvorschlag lautet: ahnlich wie bei der
VG Wort solle eine "Kulturflatrate" eingeführt werden. Verschiedene Modelle sind denkbar, Nutzniesser wären die Kreativen selbst - da sie nicht auf die Verwertungsindustrie angewiesen wären sondern in "direktem" Verhältnis mit den Konsumenten stehen würden.
Es geht also nicht um "Enteignung" sondern um fairen Interessanausgleich, nachhaltigen Fortschritt und gesellschaftliche Teilhabe. Ein ziemlich großes Thema für eine kleine Partei.
Von keiner anderen Partei gibt es dazu auch nur im Ansatz ähnlich durchdachte Modelle.
Edit sagt:
Urheberrechtsverletzung - interessanter Artikel