Allgemeiner Politik Thread

Weil wir die Tage uns mal über den Liberalismus untehalten

Aus dem "Cicero":

Nicht liberal, sondern stockkonservativ

Zitat: "Er (der Liberale) hat das Recht, sein Leben gegebenenfalls egoistisch, verantwortungslos und alles andere als nachhaltig zu führen".

Das bedeutet für mich, dass er sich, sofern es zu seinem Vorteil gereicht, auch gegen Regeln hinwegsetzen möchte, die der Staat, der sich gefälligst rauszuhalten hat, extra geschaffen hat, damit das Gemeinwesen funktioniert.
 
Natürlich. Aus meiner Sicht war es ein riesen Fehler die Banken zu "retten". Das ist doch genau der Reinigungsprozess, den ein funktionierender Markt brauch. Gehen halt ein paar Banken über den Jordan. Ist völlig unerheblich.

Das ist nun einmal das Geschäftsrisiko, was einen auf der einen Seite gut verdienen lässt, wenn mans richtig macht und einen eben in den Abgrund zieht, wenn mans falsch macht. Das Problem an der Bankenrettung ist eben, dass die Gewinne mit höchsten Risiko schön eingestrichen werden konnten, aber eben die Verluste, dann schön auf andere abgeschoben werden.

Habe auch damals in einem Antrag gefordert, dass sich der Staat da bitte komplett heraus halten solle.

So sehe ich das auch.. die Fakten jedoch, die gerade geschaffen werden, Einführung von Eurobonds, Ankauf von faulen Papieren durch die EZB gehen in eine andere Richtung.
 
So sehe ich das auch.. die Fakten jedoch, die gerade geschaffen werden, Einführung von Eurobonds, Ankauf von faulen Papieren durch die EZB gehen in eine andere Richtung.

Eurobonds wird es hoffentlich nicht geben. Das ist ja selbst in der Koalition kein Thema, sondern wird eher von SPD und Grünen gefordert.

Der Ankauf der der faulen Staatsanleihen durch die EZB ist ein ausgemachter Skandal. Es ist eigentlich auch gar nicht die Aufgabe der EZB und da liegt der eigentlich skandal.
Und aprospros Zentralbanken. Die Billigzinspolitik insbesondere der Fed war der Hauptgrund für die Immobilien und die Finanzkrise ;)
 
Und nun werden Dollars gedruckt bis die grüne Farbe ausgeht :D
Inflation ist offensichtlich ein Begriff, der der Fed nicht so arg geläufig ist.. sry für den Sarkasmus.

Ich weiss noch wie Greenspan in den Medien für diese Art der Politik gefeiert wurde, weil sie angeblich das Wirtschaftswachstum in den USA so sehr befeuert habe. Ein Wachstum auf Pump ohne jegliche Nachhaltigkeit. Und wo stehen die USA heute?
Übrigens ist Obama jetzt gerade dabei den gleichen Fehler zu widerholen, indem er ein 300 Mrd. US-Dollar Konjunkturpaket auflegen will.... :rolleyes:
 
Zitat: "Er (der Liberale) hat das Recht, sein Leben gegebenenfalls egoistisch, verantwortungslos und alles andere als nachhaltig zu führen".

Das bedeutet für mich, dass er sich, sofern es zu seinem Vorteil gereicht, auch gegen Regeln hinwegsetzen möchte, die der Staat, der sich gefälligst rauszuhalten hat, extra geschaffen hat, damit das Gemeinwesen funktioniert.

Das du es nicht verstehen willst oder würdest, war mir schon bewusst. :thumb:
 
Quelle: Seite 9


Nochmal. Selbst wenn du davon absiehst, dass die Vergleichsgröße unterschiedlich ermittel werden kann. Ändert es eben nichts daran, dass die Vergleichsgröße eben allein davon abhängt, was du miteinander vergleichst.

Logisch, andere Vergleichsgrößen ergeben andere Zahlen. Aber keiner weiß, welche Berechnungsgrundlage nun die richtige ist. Was ich dabei aber ziemlich paradox finde ist, daß der (um es begrifflich kurzzufassen) Armutsbericht der Bundesregierung demzufolge sich wohl einer anderen Berechnungsgrundlage als die Bundesbehörde Statistisches Bundesamt bedient. Das wirft natürlich 2 Fragen auf:

1. Hat die Bundesregierung nicht genug Vertrauen in ihre eigene Behörde oder ob das DSTATIS nicht die Zahlen ermittelt hat, mit der die Regierung in einem guten Licht darsteht?

2. Warum spricht Ursula von der Leyen trotz der "besseren" Zahlen ihres eignen Ministeriums von einer beschämenden Kinderarmut?

Als Außenstehender kann man über beide Antworten nur spekulieren, dennoch ergeben sich bei der zweiten Frage wohl nur die Möglichkeiten, daß a) Frau von der Leyen politischen Populismus betreibt oder b) sie ist der Ansicht, daß auch die "besseren" Zahlen ihres Ministerums für unser Land immer noch beschämend sind. Und mit der b)-Variante hätte sie sogar recht!


Wenn du ein Land hast in dem nur Millionäre und Milliardäre leben würden, dann wären selbst einige Millionäre "arm" nach der angewendetet Armutsdefinition. Und genau da liegt der Fehler wenn man von "Kinderarmut" redet. Deswegen redet man wenn überhaupt auch von relativer Armut.

Das mit dem Land der Millionäre und Milliardäre ist rein hypothetisch und ist daher in etwa so hilfreich, als wenn man z.B. in der Diskussion über die Finanznöt eder Clubs in der 3. Liga die "ärmeren" Vereine der Bundesliga oder gar CL einbringen würde. Oder anders ausgedrückt: man muß die Verhältnisse in den Relationen des jeweilgen Bereich sehen, und nicht bereichsübergreifend. 3 Haare in der Suppe sind relativ viele, 3 auf dem Kopf relativ wenige, aber keine dieser beiden Thesen beantwortet, ob 3 Haare definitiv nun viele oder wenige sind.

Nicht anders verhält es sich mit der Kinderarmut. Im Vergleich zu den fürchterlichen Zuständen in vielen Ländern der Erde ist unser Jammern auf sehr hohem Niveau. Aber wenn wir unseren dahingehenden Status Quo mit Unseresgleichen, sprich mit anderen Industrienationen vegleichen, dann sieht das wie in dem UNICEF-Bericht dargestellt schon ganz anders aus. Aber auch ohne solche Studien und Berichte erkennt man eine große Diskrepanz zum Nachteil der führenden europäischen Industrienation Deutschland, denn es ist - vom materiellen mal vollkommen lösgelöst - ein aus vielen Teilen zusammengesetzes Puzzle: in Dingen wie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder berufstätiger Eltern, das Schulsystem, die gesetzliche und gesellschaftliche Stellung von Kindern (Kinderlärm fiel bis vor kurzem noch unter das Bundesemissonsgesetz!) wie z.B. der Zustand der Spielsplätze oder kinderfreundliche Einrichtungen in öffentlichen Einrichtungen, Restaurants, Hotels, Freizeitanlagen etc. haben uns andere Industrienationen, deren Wirtschaftskraft unterhalb der unsrigen liegt, schon seit Jahren den Rang angelaufen.

Dazu paßt leider auch der Autoaufkleber, der neuerdings vermehrt zu sehen ist: "Kein Balg mit scheiß Namen on Board" = kein Verständnis für Kinder und nebenbei die Offenlegung der eigenen Kleingeistigkeit nicht sehen zu können, daß "Balg mit schieß Namen" eines Tages die eigene Rente mitfinanziert. Armes Deutschland!
 
Nicht anders verhält es sich mit der Kinderarmut. Im Vergleich zu den fürchterlichen Zuständen in vielen Ländern der Erde ist unser Jammern auf sehr hohem Niveau. Aber wenn wir unseren dahingehenden Status Quo mit Unseresgleichen, sprich mit anderen Industrienationen vegleichen, dann sieht das wie in dem UNICEF-Bericht dargestellt schon ganz anders aus. Aber auch ohne solche Studien und Berichte erkennt man eine große Diskrepanz zum Nachteil der führenden europäischen Industrienation Deutschland, denn es ist - vom materiellen mal vollkommen lösgelöst - ein aus vielen Teilen zusammengesetzes Puzzle: in Dingen wie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder berufstätiger Eltern, das Schulsystem, die gesetzliche und gesellschaftliche Stellung von Kindern (Kinderlärm fiel bis vor kurzem noch unter das Bundesemissonsgesetz!) wie z.B. der Zustand der Spielsplätze oder kinderfreundliche Einrichtungen in öffentlichen Einrichtungen, Restaurants, Hotels, Freizeitanlagen etc. haben uns andere Industrienationen, deren Wirtschaftskraft unterhalb der unsrigen liegt, schon seit Jahren den Rang angelaufen.
!


Unsergleichen? Tut mir echt leid, aber dann muss auch sehr ehrlich sein, dass eigentlich alle Länder mit denen man Deutschland auch nur ansatzweise vergleichen kann hinter uns in dem Ranking stehen. Vielleicht Spanien noch. Aber mit kleinen Staaten, die gerad mal so viel Einwohner wie der Großraum Berlin haben oder Staaten mit riesigen Ölvorkommen muss man sich nun wirklich nicht vergleichen. Kann man machen. Taugt aber wenig.
Hinzu kommt eben, dass wir bis heute den DDR-Sozialismus abwickeln müssen. Das hätte kein anderer Staat hinbekommen, was wir da machen.

Und wie du sagts: Jammern! Auf sehr hohem Niveau.
 
Unsergleichen? Tut mir echt leid, aber dann muss auch sehr ehrlich sein, dass eigentlich alle Länder mit denen man Deutschland auch nur ansatzweise vergleichen kann hinter uns in dem Ranking stehen. Vielleicht Spanien noch. Aber mit kleinen Staaten, die gerad mal so viel Einwohner wie der Großraum Berlin haben oder Staaten mit riesigen Ölvorkommen muss man sich nun wirklich nicht vergleichen.

Was soll daran verkehrt sein? Unserer Politik kann man ja manches nachsagen, aber dennoch kann man davon ausgehen, daß sie zumindet über ihren nationalen Tellerand hinausschaut. Dies ist auch unbedingt erforderlich um zu sehen, wo Deutschland im internationalen Vergleich positioniert ist, denn nur durch den Vergleich mit dem Wettberbern kann man sehen, was man richtig macht und wo Kurskorrekturen ggf. erforderlich ist. In der freien Wirtschaft läuft es ja nicht anders, denn auch dort weiß man nur durch die Beobachtung des Marktes und somit auch durch die Vergleiche mit den Wettbewerbern, wo man steht, auch wenn Konzepte, Arbeitsweisen, Infrastruktur oder was auch immer unterschiedlich sind.

Ob ein Land in solchen Vergleichen nun 8 Mio. oder 80 Mio. Einwohner hat, ist dabei so von Bedeutung wie eine geplatze Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer, denn Quantität ist nicht gleichbedeutend mit Qualität. Und auch von denen, die im Gesamtranking hinter einem stehen, kann man sicherlich etwas lernen, denn gerade die Kleinen können bzw. müssen aufgrund ihrer eher überschaubaren Möglichkeiten sehr innovativ sein. Eine Überheblichkeit des Großen a la FC Bayern ist daher völlig unangebracht, denn man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man gute Dinge von einer vermeidlich kleineren Nation übernimmt, es bricht höchstens einen aus der Krone bei einem nationalen Selbstverständis, welches über den Durchschnitt herausragt.

Selbstverständlich spielen nationale Besonderheiten eine Rolle, wie z.B. die Erdölvorkommen in Norwegen, aber genauso gut könnten aber andere Länder eine "Neiddebatte" anzetteln, weil die deutschen Automobilhersteller mehr als die Hälfte des deutschen Exportüberschusses erwirtschaften. Wenn man etwas sucht, womit man einen Nachteil des eigenen Landes begründen kann, wird man auch bestimmt etwas finden. Nur sollte man aber auch berücksichtigen, das sowas oftmals Einzelfälle sind, so nimmt z.B. Norwegen aufgrund seiner Ölvorkommen im europäischen Vergleich eine einmalige Sonderrolle ein, so daß man damit durchaus einen Rückstand Deutschlands in bestimmten Rankings zu Norwegen durchaus begründen kann - aber nicht den Rückstand zu anderen dazwischenliegenden Nationen.


Hinzu kommt eben, dass wir bis heute den DDR-Sozialismus abwickeln müssen. Das hätte kein anderer Staat hinbekommen, was wir da machen.

Aus dieser Formulierung geht leider nicht hervor, ob wir das gut oder schlecht manchen, so daß das ich das leider nicht kommentieren kann. ;)
 
...die Armen werden Ärmer, die Reichen immer reicher und - und das ist besonders bedenklich - die Mittelschicht schrumpft immer mehr und diese Schrumpfrate geht von wenigen Ausnahmen abgesehen in Richtung Armut. So wie der Mittelstand eine wichtige Säule unserer Wirtschaft ist, so die Mittelschicht eine ebenso wichtige Säule unserer Gesellschaft und wenn diese Säule porös wird, bricht diese und damit das ganze System zusammen.
Und das beinflusst Du mit typischen Steuererhöhungen in die richtige Richtung?
 
Gesamtländerrankings haben null Aussagekraft, wenn man nationale Andersheiten völlig ausblendet. Und Deutschland ist in Europa kaum noch mit einem anderen Land vergleichbar. Klar. Man kann schauen, was andere besser machen. Man kann auch sagen, dass diese einen bestimmten weg gehen, der vielleicht auch für uns ganz attraktiv wäre. Heißt aber nicht, dass das funktioniert. Sieht man ja schon in der gesamten Pisa-Diskussion. Will das mal bewusst überspitzt formulieren: Die NPD sieht den Erfolg des PISA-Top-Landes Finnland in dem geringen Migrantenanteil in den Schulklassen begründet und wirbt damit. Grüne und Sozialdemokraten sehen den Erfolg im "längeren gemeinsamen lernen". Dabei sind es ganz viele Faktoren, die das positive Ergebnis Finnalnds beeinflussen. Faszinierend ist dabei, dass in Deutschland Bundesländer gut abgeschnitten haben, die durchaus eben nicht mit diesen Faktoren aufwarten. Aus Liberaler Sicht könnte ich übrigens behaupten, dass der Hauptgrund für den Erfolg Finnalnds in der weitegehenden Autonomie der Schulen bergündet liegt.
Es kommulieren sich viele Faktoren, die wir in der Form gar nicht nachstellen können. Wir haben nun einmal in Großstädten in vielen Klassen einen hohen Migrantenanteil. Wir haben eine ganz andere Bildungstradition, die in der Vergangenheit durchaus erfolgreich war. Und ganz zum Schluss kann ich dann auch alle Kritikpunkte aufzählen, die es bei der Studie gibt.

Anderes Beispiel Dänemark. Unser lieber nördlicher Nachbar steht vor uns in der Unicefstudie. Beim materiellen Wohlbefinden liegen die Dänen auf Platz Vier der Studien. Dabei kennt man in Dänemark keinen Kündigungsschutz, die Arbeitslosenunterstützung ist wesentlich höher, aber eben auch der Druck, der auf Arbeitslose ausgeübt wird. Ergebnis Dänemark hat eine der geringsten Arbeitslosenquoten in ganz Europa. Allerdings sind die Dänen auch ein Staat, der mittlerweile ein großer Energieexporteur ist.

Und warum ich das mit der Deutschen Einheit ansprach, war genau der Grund um den größten Faktor, der in Deutschland eine Rolle spielt aufzuzeigen. Es ging nicht darum, ob wir das gut oder schlecht machen. Insgesamt würde ich es als gut bezeichnen, weil das ein weltweit einmaliger Vorgang ist.
Und jetzt kommt eben der entscheidende Faktor: Die Kosten der Deutschen Einheit belaufen sich wohl jedes jahr noch auf 100 Mrd Euro. Man geht davon aus, dass das noch bis zu 20 Jahren so weiter gehen könnte. Bis zum Jahr 2009 sollen sich die Kosten in einem Rahmen zwischen 1,3 bis 1,6 billionen Euro bewegen Quelle. Zum Vergleich der Schuldenstand des Bundes beläuft sich heute auf 1,975 billionen Euro Quelle.

Dabei den Wohlstand in dieser Republik auf einem so hohen Niveau zu halten ist ein ungeheuerer Kraftakt.

Und lange Rede kurzer Sinn: Die Situation der Bundesrepublik Deutschland ist einmalig auf dieser Welt. Und wir haben in Deutschland keine wirklich Armut, allenfalls eben Relative, die man ausweisen kann. Aber selbst da jammern wir - ich wiederhole mich da - auf sehr hohem Niveau.
 
Zitat: "Er (der Liberale) hat das Recht, sein Leben gegebenenfalls egoistisch, verantwortungslos und alles andere als nachhaltig zu führen".

Das bedeutet für mich, dass er sich, sofern es zu seinem Vorteil gereicht, auch gegen Regeln hinwegsetzen möchte, die der Staat, der sich gefälligst rauszuhalten hat, extra geschaffen hat, damit das Gemeinwesen funktioniert.

:tnx:
 
Das Problem, der nicht durchgängigen Gewaltenteilung gibt es in Deutschland ja tatsächlich. Allerdings halte ich die Justiz in Deutschland doch für recht unabhängig.

Habe mir da auch schon häufig Gedanken drüber gemacht und schon an so einige Diskussionsrunden zu dem Thema teilgenommen. Die Frage ist erstmal welche Alternative gibt es.
Ganz klar: Richter werden direkt vom Volk gewählt. Dann stellt sich direkt die Frage welche Richter sollen alle gewählt werden? Auch jeder Richter am Amtsgericht? Und vor allem die Frage sind diese Richter dann unabhängiger von der Politik als heute?
Und genau letzteres sehe ich nicht. Man muss ja immer wissen, dass ein Wahlkampf ein ungeurer logistischer und finanzieller Aufwand ist, der ohne Sponsoren oder eine kräftige Organisation im Hintergrund kaum zu bewältigen ist. Man schaue hierzu nur mal in USA.

Sehr schwieriges Thema, bei dem es imho keine Ideallösung gibt.
 
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