Allgemeiner Politik Thread

Wie willst du eine allgemeine Wahlpflicht denn durchsetzen? Willst du die Nichtwähler am Wahltag zwangsweise ins Wahllokal karren? Und wenn sie dort sind, wie verhindert man dann, dass sie aus Ärger über den Wahlzwang irgendwelche extremistischen oder sonstwie abstruse Parteien ankreuzen?

Ich kann zwar den Frust über das politische Desinteresse vollkommen nachvollziehen, aber die Wahlpflicht löst in meinen Augen das Problem nicht.
 
Ich sage mal so:

Vor einigen Jahren war ich ein Verfechter vom Nicht-Wählen...

Heute verstehe ich langsam die Nicht-Wähler...

ich bin seit ich wahlberechtigt bin immer wählen gegangen....

Dass die Politiker stolz ihre Zahlen präsentieren ist traurig..


"jaaa wir haben die Mehrheit... 39 % der Wähler haben uns gewählt"...sich bei solch niedrigen Wahlbeteiligungen den Sieger zu mimmen..ah ich könnte :wuerg:
 
Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Nicht-Wähler nur die ungebildeten jungen Menschen sind.

Es sind auch Menschen dabei, die beispielsweise 30 Jahre SPD gewählt haben und festgestellt habe, dass sich letztendlich nichts geändert hat.
 
Zitat von GreenWhiteTürkiye;1735798:
Ich verstehe nicht, wo inhaltlich der Unterschied zwischen Nicht-Wählen und ungültiger Stimme ist?
Richtig, es gibt quasi keinen Unterschied außer dem Umstand, dass sich ungültige Stimmen nicht negativ auf die Wahlbeteiligung auswirken.

Und da finde ich es sinnvoller das allgemeine Interesse eben an der Wahlbeteiligung ablesen zu können anstatt nun die ungültigen Stimmen auswerten zu müssen. Bei eben diesen ungültigen Stimmen weiß man nicht ob diese nun versehentlich oder absichtlich ungültig geworden sind.

Die Wahlbeteiligung hingegen ist eindeutig.

Solange es keine explizite Möglichkeit gibt zu sagen, dass man sein Stimmrecht nicht nutzen will macht es keinen Sinn den Wahlzettel als Nichtwähler auszufüllen.
 
Zitat von GreenWhiteTürkiye;1735792:
Und nicht wählen zu gehen, ist gleichermaßen eine Form der demokratischen Meinungsäußerung, nämlich "Leckt mich am Ups, ich muss meine Wortwahl ändern ;), es ändert sich sowieso nichts!"

Und das muss auch erlaubt sein.

Wenn du deine Stimme ungültig machst, drückt es das aus. Wenn du nicht hingehst, heißt das, du hast keine Lust / kein Interesse an Politik.
 
Richtig, es gibt quasi keinen Unterschied außer dem Umstand, dass sich ungültige Stimmen nicht negativ auf die Wahlbeteiligung auswirken.

Und da finde ich es sinnvoller das allgemeine Interesse eben an der Wahlbeteiligung ablesen zu können anstatt nun die ungültigen Stimmen auswerten zu müssen. Bei eben diesen ungültigen Stimmen weiß man nicht ob diese nun versehentlich oder absichtlich ungültig geworden sind.

Die Wahlbeteiligung hingegen ist eindeutig.

Solange es keine explizite Möglichkeit gibt zu sagen, dass man sein Stimmrecht nicht nutzen will macht es keinen Sinn den Wahlzettel als Nichtwähler auszufüllen.

V.a. weil in den Statsitiken hinterher nicht mehr aufgeführt wird, weshalb der Wahlzettel ungültig war. Ob da jetzt einer draufgeschrieben hat "ich find euch alle scheiße" oder ob da einer aus Versehen etwas falsch gemacht hat, wird gar nicht aufgeführt (geht ja auch gar nicht). Von daher seh ich auch keinen Sinn drin, hinzugehen und den Zettel ungültig zu machen.

So, bin gerade nach 9 Stunden Wahlzettel sortieren, auszählen etc. nach Hause gekommen und seh jetzt schon nur noch Kreise und kann keine Wahlzettel mehr sehen. :D Aber morgen geht's dann gleich weiter, 10 Stunden.

Aber wir hatten eben auch relativ viele dabei, wo man nicht sehen konnte, ob die jetzt absichtlich ungültig gemacht wurden, oder ob da nur jemand - mal wieder - nicht verstanden hat, wie es geht.
 
Wie willst du eine allgemeine Wahlpflicht denn durchsetzen? Willst du die Nichtwähler am Wahltag zwangsweise ins Wahllokal karren?

Man könnte Nichtwähler mit einer Geldbuße bestrafen. Aber eine allgemine Wahlpflicht ist derart umstritten, so daß mit Außnahme des Fürstentum Liechtensteins kein Land in Europa eine allgemeine Wahlplficht herrscht, auch weil diese als Eingriff in das Persönlichkeitsrecht angesehen werden kann.
 
Zitat von GreenWhiteTürkiye;1735814:
Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Nicht-Wähler nur die ungebildeten jungen Menschen sind.
Man kann aber auch nicht sagen, dass DIE Nichwähler aus Protest nicht wählen gehen. Woher will man das wissen? Das ist ja keine homogene Masse. Einige haben keine Zeit und verpeilt, sich Briefwahlunterlagen zu holen. Einige würden vielleicht, waren dann aber doch zu faul hinzugehen. Vielen ist es vermutlich schlicht egal. Auch wenn bei den Nichtwälern viele aus Protest dabei sind, dadurch kann man einfach nicht wirklich sagen ich bin da gegen. Der nächste ist gegen was anderes und der übernächste auch. Es gab so viele Parteien zur Auswahl diesmal, da hätte man doch eigentlich ein kleineres Übel finden können oder nicht?
 
Man kann aber auch nicht sagen, dass DIE Nichwähler aus Protest nicht wählen gehen. Woher will man das wissen? Das ist ja keine homogene Masse. Einige haben keine Zeit und verpeilt, sich Briefwahlunterlagen zu holen. Einige würden vielleicht, waren dann aber doch zu faul hinzugehen. Vielen ist es vermutlich schlicht egal. Auch wenn bei den Nichtwälern viele aus Protest dabei sind, dadurch kann man einfach nicht wirklich sagen ich bin da gegen. Der nächste ist gegen was anderes und der übernächste auch. Es gab so viele Parteien zur Auswahl diesmal, da hätte man doch eigentlich ein kleineres Übel finden können oder nicht?


Die Gründe für eine Nichtwahl sind vielschichtig. Neben den von Dir bereits genannten Punkten zählt für mich u.a. auch dazu, daß Union und FDP sich nicht als Alternative haben darstellen können, dadurch fehlte es dem Wahlkampf an Spannung, der mehr WählerInnen zum Gang an die Urne mobilisert hätte. Hinzu wirkten die "Wahlhefte" für viele abschreckend, obwohl sie verständlich erklärt wurden.
 
Die Gründe für eine Nichtwahl sind vielschichtig. Neben den von Dir bereits genannten Punkten zählt für mich u.a. auch dazu, daß Union und FDP sich nicht als Alternative haben darstellen können, dadurch fehlte es dem Wahlkampf an Spannung, der mehr WählerInnen zum Gang an die Urne mobilisert hätte. Hinzu wirkten die "Wahlhefte" für viele abschreckend, obwohl sie verständlich erklärt wurden.

Die Alternative war da, einzig möchte man sich gut eingerichtet und bei lediglich 53% Wahlbeteiligung hat Bremen bereits amerikanische Verhältnisse. Desinteresse, Unwissenheit und Resignation treffen wohl eher zu.
 
Desinteresse, Unwissenheit und Resignation sind ohne Zweifel Gründe für die schwache Wahlbeteiligung. Ebenfalls zu der schwachen Wahlbeteilgung beigetragen hat jedoch, daß aufgrund der Umfrageergebnisse für die viele WählerInnen die Wahl entschieden schien, so daß viele zu Hause geblieben sind.

Aber diese eindeutigen Umfrage- und Wahlergebisse sind um so überraschender, wenn man bedenkt, wie sehr die Politik von SPD und Grüne in Bremen im Focus der Kritik stand. Union und FDP haben es jedoch versäumt, dieser rot-grünen Regierung so viel Feuer unter dem Hintern zu machen (die programmatisch nixht aussagekräftigen Wahlplakate ("Jetzt das richtige tun" (CDU) und "Alle Stimmen FDP" passen da ins Bild), daß man damit die WählerInnen zu einem Machtwechsel motiviert. Oder um es mit einer MEtapher aus dem Fußball auszudrücken: der Gegner liegt am Boden, aber schwarz-gelb trifft aus 1m Entferung das leere Tor nicht.
 
Desinteresse, Unwissenheit und Resignation sind ohne Zweifel Gründe für die schwache Wahlbeteiligung. Ebenfalls zu der schwachen Wahlbeteilgung beigetragen hat jedoch, daß aufgrund der Umfrageergebnisse für die viele WählerInnen die Wahl entschieden schien, so daß viele zu Hause geblieben sind.

Aber diese eindeutigen Umfrage- und Wahlergebisse sind um so überraschender, wenn man bedenkt, wie sehr die Politik von SPD und Grüne in Bremen im Focus der Kritik stand. Union und FDP haben es jedoch versäumt, dieser rot-grünen Regierung so viel Feuer unter dem Hintern zu machen (die programmatisch nixht aussagekräftigen Wahlplakate ("Jetzt das richtige tun" (CDU) und "Alle Stimmen FDP" passen da ins Bild), daß man damit die WählerInnen zu einem Machtwechsel motiviert. Oder um es mit einer MEtapher aus dem Fußball auszudrücken: der Gegner liegt am Boden, aber schwarz-gelb trifft aus 1m Entferung das leere Tor nicht.

Der Mensch ist ein Gewohnheistier & denkt sich "lieber wähl ich das kleinere Übel"
Das hat aber auch spezifisch regionale Gründe ( hohe Arbeitslosigkeit, zu kompliziertes Wahlsystem )
 
Desinteresse, Unwissenheit und Resignation sind ohne Zweifel Gründe für die schwache Wahlbeteiligung. Ebenfalls zu der schwachen Wahlbeteilgung beigetragen hat jedoch, daß aufgrund der Umfrageergebnisse für die viele WählerInnen die Wahl entschieden schien, so daß viele zu Hause geblieben sind.

Deswegen bin ich ja für die Wahlpflicht. Dann bin ich automatisch gezwungen, mich mit der Politik auseinanderzusetzen. In Belgien gibts die Wahlpflicht noch und die Wahlbeteiligung liegt wohl regelmäßig über 90 Prozent.

Es ist nicht gut für die Demokratie, wenn immer weniger Wähler über die Zusammensetzung der Parlamente entscheiden.
 
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