Die FDP verliert ihre Wähler inbesondere deswegen, weil wir unsere liberale Linie aufgegeben haben. Wir hatten in der Opposition ein klares Profil erarbeitet, welches wir zu Gunsten der Regierungsbeteilung geopfert haben.
Ob es nur daran liegt, daß man seine liberale Linie aufgegeben hat, wage ich zu bezwifeln. In unserer schnellebigen Zeit muß man auch und besonders in der Politik flexibel reagieren und auch mal Zöpfe abschneiden, die man Jahrzehnte lang gepflegt hat.
Daß die SPD z.B. 1998 die Bundestagswahl gewann, lag nicht nur daran, daß viele Helmut Kohl nicht mehr haben wollten, sondern weil die SPD, wie es selbst genannt hatte, die "neue Mitte" wurde, sprich sie hat sich den modernen Gegebenheiten angepaßt, nachdem sie zu lange ihr Image als Arbeiterpartei gepflegt hat. Dieses Festhalten an alten Zöpfen hat ihr nicht nur 1982 die Regierungsbeteiligung gekostet, weil die SPD nicht die Weitsicht ihres Kanzlers Schmidt hatte und sie ihm deshalb grob gesagt die Gefolgschaft verweigerte; sondern es hat auch dazu beigetragen daß Helmut Kohl überhaupt 16 Jahre Kanzler bleiben konnte, weil die bundesdeutsche Gesellschaft sich änderte und diese Gesellschaft in der an ihren sozialdemokratischen Tugenden festhaltende SPD keine politsche Alternative sah.
Ähnlich erging es der CDU, die sich zu lange an wertkonservativen Vorstellungen festhielt. Angela Merkel gelang es, diese verkrusteten Strukturen zu lösen, für die sie vom rechten Flügel der Union (bei dem sie aufgrund ihrers Geschlechts und ihrer Herkunft eh einen schwierigen Stand hat) bis heute eine Menge Gegenwind bekommt, aber sie hat damit die Union für wesentlich mehr Menschen wählbar gemacht, sprich für die Massen, der die Union zu konservativ war.
Und auch die Grünen haben ihren Selbstreinigungsprozeß. In den 80er Jahren gab es erbitterte Machtkämpfe zwischen "Fundis" (Befürworter einer reinen Protestpartei) und "Realos" (Befürworter von Regierungsbeteligungen), mit denen die Grünen sich beinahe selbst kanibalisierten (und das bei einer Partei, die wahrscheinlich den höchsten Vegetarieranteil hatte und hat).
Vor einem ähnlichen Scheidepunkt steht jetzt die FDP, ähnlich wie in den 50er Jahren, wo der Neumann-Kreis versuchte, aus der FDP eine nationalistische PArtei zu formen, wann diesem unter der Führung des Namensgebers (Werner Naumann, einst Staatssekretär im Reichspropagandaministerum von Joseph Goebbels) zum Glück nicht gelang.
"Schau 'mer mal", wie sie künftig damit umgeht.