Ich verstehe nicht, warum man die ganze Ehrensold-/Zapfenstreich-Diskussion nicht unabhängig von der Person Wulff halten kann.
Ich finde es aus objektiver Sicht selbstverständlich, dass Wulff sich das "antut". Es ist sogar klug sich ein viertes Lied zu wünschen. Selbstbewusstsein ist sicher nicht verkehrt. Fakt ist: Er ist (noch) nicht verurteilt. Ein Rückzieher in diesen Geschichten wird doch von der BILD gleich wieder als Schuldeingeständnis verkauft!
Ich hätte an seiner Stelle genauso gehandelt (ich wäre natürlich nie in diese Situation gekommen

). Bei einem Freispruch hätte ich anschließend doch noch auf Büro und Dienstwagen verzichtet. Das zeigt ein Entgegenkommen und repräsentieren muss er bei seiner aktuellen Beliebtheit auch nicht mehr. Aber so lange das Verfahren läuft, würde ich doch nicht den geringsten Zweifel an meiner Unschuld aufkommen lassen.
Die Opposition macht in dieser Situation aber auch keine besonders gute Figur. Die Argumentation von z.B. Künast gegen den Zapfenstreich ("wenn er nachher verurteilt wird und es einen Zapfenstreich gegeben hat..."), lässt mich auch stark an deren Kompetenz zweifeln. In unserem Rechtsstaat gilt schließlich auch für das Ex-Staatsoberhaupt die Unschuldsvermutung. Wenn führende Politiker unseres Landes erwarten, dass einem
nicht verurteilter Bundespräsident auf den Zapfenstreich verzichtet, bzw. er ihm verboten wird (auf eines der beiden Szenarios liefe das ja hinaus), dann ist das gleichbedeutend mit einer Bestrafung eines nicht Verurteilten. Und wird Wulff am Ende freigesprochen, dann haben wir den Salat. Wenn eine Künast, wie gesagt eine führende Politikerin dieses Landes, in diese Richtung argumentiert, dann pack ich mir an den Kopf. Da nutzt sie schamlos die Gefühle des Volks ("Wulff hat uns alle Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

") aus, um Politik zu machen.