Die Zeiten, in denen die Ticketverkäufe die wichtigste Einnahmequelle waren, sind lange vorbei. Das spiegelt sich auch in Werders Wertpapierprospekt wider, wo der Anteil des Ticketing am Gesamtumsatz mit ca. 10 % beziffert wird.
Darauf aufbauend ein Rechenbeispiel: Im Geschäftsjahr 2024/25 belief sich Werders Umsatz auf ca. 143 Mio. €. Das bedeutet, dass sich der Ticketumsatz – abzüglich der Mehrwertsteuer – auf rund 12 Mio. € belief. Würden, deinem Vorschlag entsprechend, 50 % der Tickets, also ein Grundpreisvolumen von 6 Mio. €, über Dynamic Pricing veräußert, lägen selbst bei einem durchschnittlichen (!) Mehrerlös von 25 % die zusätzlichen Einnahmen durch Dynamic Pricing bei gerade einmal 1,5 Mio. €.
Mit Mehreinnahmen von 1,5 Mio. € pro Jahr lässt sich ein Verein, der gemäß Zwischenkonzernabschluss zum 31.12.2025 unter anderem 25 Mio. € an Verbindlichkeiten aus Anleihen sowie weitere 4,3 Mio. € gegenüber Kreditinstituten mit sich schleppt, nicht sanieren. Das sind lediglich ein paar Tropfen auf den heißen Stein – mehr nicht.
Zunächst einmal geht es darum weitere Einnahmen generieren zu können, ein Anliegen was bei einem klammen Verein wie Werder niemals der falsch gewählte Ansatz sein kann.
Deine Aussage vergleicht eine wiederkehrende jährliche Zusatzeinnahme von 1,5 Mio. Euro p.a. (ich hatte bis 1,9 Mio errechnet, aber nehmen wir Deinen Wert) mit einem einmaligen Bestandswert (Schuldenstand von ca. 25 + 4,3 = 29,3 Mio. Euro). Dieser Vergleich hinkt jedoch, denn einen Verein sanieren zu wollen heißt nicht, Schulden in einem Jahr zu tilgen, sondern die Ertragskraft dauerhaft zu verbessern, sodass Zins- und Tilgungslast tragbar werden.
Bei einem Zinssatz von 5,75% p.a. auf die 25‑Mio‑Anleihe entstehen jährliche Zinskosten von rund 1,44 Mio. EUR. Der Dynamic‑Pricing Mehrerlös von 1,5 Mio. Euro würde diese Zinslast fast vollständig decken, was somit kein „Tropfen auf den heißen Stein“, sondern eine relevante Stellschraube im laufenden Ergebnis darstellt.
Werder wies für 2024/25 einen Jahresfehlbetrag von 7,4 Mio. Euro aus, für die erste Hälfte 2025/26 einen Verlust von 4,8 Mio. EUR. Gemessen an diesen Verlustgrößen ist ein zusätzlicher Ertrag von 1,5 Mio. Euro pro Jahr eine Verbesserung des Jahresfehlbetrags um ca. 20% (bezogen auf 7,4 Mio. EUR). Natürlich saniert sich Werder nicht alleine dadurch, aber es wäre ein wichtiger Baustein in einem Strauß von Maßnahmen.
Angesichts des drastischen Rückgangs des Finanzmittelfonds von 46,6 Mio. auf 11,8 Mio. EUR binnen eines Halbjahres ist jede zusätzliche, planbare und margenstarke Einnahmequelle (Ticketing hat kaum variable Zusatzkosten) für die kurzfristige Liquiditätssteuerung relevanter, als es der reine Vergleich mit dem Gesamtschuldenberg suggeriert.
Aus dem Bündel an Maßnahmen wäre natürlich ganz besonders die Kostensenkungen im Personal- oder Transferbereich zu nennen, das habe ich zigfach im Thread "Gesamtsituation der Mannschaft" wiederholt, genau das macht Werder doch gerade diese Saison. Dabei ist es auch nicht hilfreich, wenn die Fans namhafte Verstärkungen fordern, während wir hier über Möglichkeiten des Schuldenabbaus diskutieren.
Die 3. Säule läge in der Generierung weiterer Sponsoring- oder Medienerlöse, aber das gehört hier auch nicht in den Thread.
Dynamische Preisfindung ist nur ein Hebel von diversen anderen und hat zumindest als Gedankenmodell seine klare Berechtigung.