Und wie willst du als anscheinend ja interessierter, unabgestumpfter Mensch an der ganzen Sache was ändern? Indem du im Internet ein bisschen pöbelst und dir einen Anti-WH Button an die Mütze hängst? Reicht das für ein gutes Gewissen und moralische Überlegenheit?
Das ist die typische Reaktion, die man bekommt. Es ist einfach am bequemsten, den anderen Gutmenschentun vorzuwerfen und ihnen zu unterstellen, sie würden ja selbst nichts tun. Scheint irgendwie das Gewissen zu beruhigen.
Zu Deiner Frage: ich verhalte mich wie die meisten Menschen in der westlichen Welt in vielerlei Hinsicht unmoralisch und bin ebenso vom Kapitalismus geprägt und eingenommen wie die meisetn. Das hindert mich aber nicht daran, Dinge kritisch zu hinterfragen und mein Handeln teilweise zu ändern. Dazu gehört unter anderem, dass ich tatsächlich auf Wiesenhof Produkte verzichte, dass ich bei der Wahl meines Kaffees darauf achte, Fair-Trade Produkte zu bevorzugen, dass ich versuche, Dienstleister zu meiden, die zu Dumpinglöhnen arbeiten lassen. Ich unterstütze politische Initiativen und setze mich kritisch mit entsprechenden Themen, zum Beispiel Mindestlöhnen auseinander (wobei ich nicht zu denen gehören, die Mindestlöhne für das Allheilmittel halten).
Und ich versuche im kleinen die Augen offen zu halten und nicht zu schweigen, wenn mir entsprechende Ungerechtigkeiten im Alltag begegnen.
Dennoch besitze ich mehrere Nike Trikots, bin verrückt nach Müllermilch und übernachte in Hotels, in denen Zimmermädchen für Hungerlöhne im Akkord arbeiten. Ich lebe nicht in der Wildnis, pflanze mir mein Essen nicht selbst an und verzichte nicht auf allen Besitz.
Und nichts destotrotz halte ich mein Verhalten für sinnvoller, als das vieler anderer, die sagen "Ich kann eh nichts ändern, alle sind gleich schlimm, darum muss ich mir gar keine Gedanken machen". Das führt nämlich a) zu nichts und ist b) so auch nicht richtig. Es gibt durchaus Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und einen sehr progressiven Umgang mit ihren Mitarbeitern haben, zum Beispiel DM, Deichmann und Co. Die Augen zu verschliessen und zu sagen "Alle doof, bringt eh nichts" ist sicher der falsche Weg.
Und dass selbst Menschen, die sich wirklich engagieren, dafür nicht mehr bewundert, sondern belächelt werden, ist leider eine traurige Wahrheit unserer Zeit. Ich bin nur froh, dass sich diese Menschen davon nicht beirren lassen.