Alles rund um Schule & Lehrer

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Drittens: Die Debatte um kleinere Klassen.
In der Öffentlichkeit wird viel über kleinere Klassen diskutiert. Meiner Meinung nach zwar ein wichtiger Punkt, dennoch öffentlich etwas überschätzt. Am Ende hängt alles an der Unterrichtskonzeption. Nachteilig sind kleinere Klassen aber gewiss nicht.

Um mich hier mal kurz einzumischen: Dieser Punkt kann gar nicht überschätzt werden. Es ist schlichtweg nicht möglich, eine individuelle Förderung zu gestalten, wenn zu viele Kinder gleichzeitig unterrichtet werden müssen (das geht im Grundschulbereich durch die stärkere personelle Bindung noch einfacher als im weiterführenden Bereich). Es ist davon auszugehen, dass ein durchschnittlicher Lehrer (je nach Fächern) zwischen 200 und 300 verschiedenen Schülern pro Woche sieht, bei "Nebenfächern" 90 Minuten und bei Hauptfächern 180 Minuten in der Woche. Bei der schieren Menge an Schülern kann ein Lehrer kaum individuell fördern - Diagnose funktioniert noch, wenn auch nicht von heute auf Morgen. Aber persönliche Förderung? Wenn man den Lehrern auch noch so was wie Freizeit zugestehen will, ist das rein zeitlich nicht zu leisten, jede individuelle Förderung muss ja auch individuell geplant (und im Unterricht betreut!) werden.
 
Um mich hier mal kurz einzumischen: Dieser Punkt kann gar nicht überschätzt werden. Es ist schlichtweg nicht möglich, eine individuelle Förderung zu gestalten, wenn zu viele Kinder gleichzeitig unterrichtet werden müssen (das geht im Grundschulbereich durch die stärkere personelle Bindung noch einfacher als im weiterführenden Bereich). Es ist davon auszugehen, dass ein durchschnittlicher Lehrer (je nach Fächern) zwischen 200 und 300 verschiedenen Schülern pro Woche sieht, bei "Nebenfächern" 90 Minuten und bei Hauptfächern 180 Minuten in der Woche. Bei der schieren Menge an Schülern kann ein Lehrer kaum individuell fördern - Diagnose funktioniert noch, wenn auch nicht von heute auf Morgen. Aber persönliche Förderung? Wenn man den Lehrern auch noch so was wie Freizeit zugestehen will, ist das rein zeitlich nicht zu leisten, jede individuelle Förderung muss ja auch individuell geplant (und im Unterricht betreut!) werden.

Das sehe ich größtenteils auch so. Man sollte nur aufpassen, dass man das Konzept nicht auf die Diskussion der kleinen Klassen reduziert, und ASpekte der Unterrichtskonzeption zu kurz kommen. Ich finde aber gut, dass du auf die Arbeitsanforderungen für Lehrer hinweist, weil ich den Eindruck habe, dass die oft vergessen werden, wenn man die Lehrer verteufelt. Lösen könnte man das, wenn man wie du sagst entweder die Klassen verkleinert, oder mehr Lehrer einstellt, so dass jeder dementsprechend weniger Schüler betreut. Egal, ob man das eine, das Andere oder letztendlich eine Mischung aus beidem macht: Beides erfordert ausreichend Geld und genug qualifiziertes Personal.

Du klingst so, als würdest du aus der Praxis erzählen. Bist du selber Lehrer?
 
Übrigens ist auch die wirkung kleiner Klassen größer, je früher sie eingesetzt werden. Darüber gibt es gerade aus dem amerikanischen Raum viele studien. Es ist sogar so, dass diejenigen Kinder, die in den ersten drei Jahren der schule und im Vorschuljahr in kleinen Gruppen waren, viel seltener Schulabbrecher wurden. In späteren Jahren ist die wirkung kleiner Klassen recht gering.
 
@zoggg

Einige deiner Punkte klingen durchaus interessant, auch wenn ich vielfach die Praktikabilität in Zweifel ziehe. Bei manchen Punkten bin ich auch schlicht anderer Meinung, etwa bei den Noten, weil ich der Ansicht bin, dass deren kompetitiver Charakter in deiner Beurteilung zu kurz kommt. Vor allem aber ist mir bislang noch keine überzeugende Begründung dafür untergekommen, warum eine Einheitsschule die notwendigen Verbesserungen besser verkraftet als ein mehrgliedriges Schulsystem.

Unabhängig vom Schulsystem halte ich aber zwei Punkte für wesentlich: Zum einen ist die Ausbildung der Lehrkräfte, insbesondere in Sachen Pädagogik, zu verbessern, und zum anderen gilt es, die Schulen auf ihre eigentliche Aufgabe zu beschränken, anstatt ihnen immer mehr Aufgaben aufzubürden, die eigentlich von anderer Seite zu erfüllen wären.
 
Übrigens ist auch die wirkung kleiner Klassen größer, je früher sie eingesetzt werden. Darüber gibt es gerade aus dem amerikanischen Raum viele studien. Es ist sogar so, dass diejenigen Kinder, die in den ersten drei Jahren der schule und im Vorschuljahr in kleinen Gruppen waren, viel seltener Schulabbrecher wurden. In späteren Jahren ist die wirkung kleiner Klassen recht gering.

Kenne die Studie nicht, ist aber plausibel, da sich das Lernverhalten der Schüler mit dem Alter verändert und die immer selbstständiger lernen.

@niedersachse: Noch ein (oder zwei) Worte zu den Noten. Unser Schulsystem braucht Noten, weil sonst jegliche äußere Betrachtung keine Chance hat. Ich würde sie aber gerne im Grundschulbereich aus momentaner Form raushalten und in Form von Entwicklungsbewertung sehen. Im fortlaufenden Schulverlauf sind auch Prüfungen zu einem bestimmten Zeitpunkt relevant, um Schüler auch mal bewusst in Drucksituationen zu bringen, weil man sie ansonsten unter die Käseglocke setzt. Was aber dabei sein muss ist eine Bewertung, die das Gesamte brücksichtigt. Diesen Anspruch haben ja mündliche Noten, was ein Merkmal für heutige Schule ist. Vor Jahrzehnten gab es die nicht. Prinzipiell ist das gut, jedoch sind diese nunmal vom Charakter des Schülers Abhängig. Ist er still oder extrovertiert? Antwortet er vllt entgegen der Meinung des Lehrers oder traut er sich, auch gegenüber unbequemen Lehrern seinen Standpunkt zu rechtfertigen?

Damit wären wir auch bei einem grundsätzlichen Notennachteil: Sie sind nicht valide, nicht objektiv und nur subjektiv fair. Zusätzlich hat die Notenskala von 1-6 oder von 0-15 die Eigenschaft, dass man Durchschnittsnoten berechnet. Das bringt nicht nur Vorteile mit sich. In Amerika würde niemand zwischen A und F einen Durchschnittsbuchstaben errechnen.
 
Unser Schulsystem braucht Noten, weil sonst jegliche äußere Betrachtung keine Chance hat. Ich würde sie aber gerne im Grundschulbereich aus momentaner Form raushalten und in Form von Entwicklungsbewertung sehen.

Zumindest in Niedersachsen ist, soweit ich weiß, anfangs ja auch eine Beurteilung in Textform üblich. Viele Kinder können es allerdings kaum erwarten, dass sie endlich "richtige" Noten bekommen, weil das einerseits für sie zu Schule unbedingt dazugehört und andererseits den Vergleich mit anderen ermöglicht - der kompetitive Charakter, den ich oben schon ansprach.
 
Die freuen sich auf Noten, was ja auch gut ist und sie auch unbedingt beibehalten sollen. Die wissen ja auch nicht, welche Nachteile die mit sich bringen können. Nicht zuletzt sollen Noten ja auch unbedingt beibehalten werden, wie ich schon geschrieben habe, weil sie notwendig (wortwitz!) sind. Ob die Noten jetzt aber Zahlen, Buchstaben, oder Hooplahoops sind, ist den Kindern aber denke ich egal. Die freuen sich einerseits auf was Neues, andererseits sind sie stolz, dass sie das bekommen, was die Großen auch bedeuten und sich jetzt groß fühlen.

Jo, die Beurteilung in Textform an Grundschulen findet in Niedersachsen bis ans Ende der 2. Klasse statt. Ich meine sogar, dass das deutschlandweit so ist. Ich denke, man sollte noch etwas mit Noten warten, weil sie eben klassifizieren und nicht individualisieren. Was eine andere Frage ist, ist, ob die Noten in dieser Form und die Textform in dieser Form beibehalten oder abgeändert werden sollten.
 
Die freuen sich auf Noten, was ja auch gut ist und sie auch unbedingt beibehalten sollen. Die wissen ja auch nicht, welche Nachteile die mit sich bringen können. Nicht zuletzt sollen Noten ja auch unbedingt beibehalten werden, wie ich schon geschrieben habe, weil sie notwendig (wortwitz!) sind. Ob die Noten jetzt aber Zahlen, Buchstaben, oder Hooplahoops sind, ist den Kindern aber denke ich egal. Die freuen sich einerseits auf was Neues, andererseits sind sie stolz, dass sie das bekommen, was die Großen auch bedeuten und sich jetzt groß fühlen.

Eben.

Jo, die Beurteilung in Textform an Grundschulen findet in Niedersachsen bis ans Ende der 2. Klasse statt. Ich meine sogar, dass das deutschlandweit so ist.

Ich war mir nicht mehr ganz sicher, weil meine Kinder der Grundschule schon einige Jahre entwachsen sind.

Ich denke, man sollte noch etwas mit Noten warten, weil sie eben klassifizieren und nicht individualisieren. Was eine andere Frage ist, ist, ob die Noten in dieser Form und die Textform in dieser Form beibehalten oder abgeändert werden sollten.

Das beißt sich in meinen Augen dem, was du oben zum groß fühlen und stolz sein geschrieben hast. Wenn eindeutige Noten für den überwiegenden Teil der Grundschüler so wichtig sind, sollte man ihnen diesen Spaß nicht nehmen - auch wenn von einer distanzierten Warte aus über den Kopf der Kinder hinweg es so aussehen mag, als sei es besser für sie.
 
Das beißt sich in meinen Augen dem, was du oben zum groß fühlen und stolz sein geschrieben hast. Wenn eindeutige Noten für den überwiegenden Teil der Grundschüler so wichtig sind, sollte man ihnen diesen Spaß nicht nehmen - auch wenn von einer distanzierten Warte aus über den Kopf der Kinder hinweg es so aussehen mag, als sei es besser für sie.

Das hängt davon ab, wie die Noten alternativ aussehen würden und ab wann die in Relation zur Gesamtschulzeit eingeführt werden. Dazu braucht man ein Konzept, was ich für den Moment, quasi als Laie, nicht liefern kann, weil es sehr komplex wäre.

Wichtig ist für die Kids aber nicht unbedingt die Eindeutigkeit, sondern, dass die anderen es auch bekommen. Man muss halt die Mischung finden aus Etwas für die Kinder Neuem, Spannendem, Etwas womit Außenstehende Eindrücke gewinnen können und etwas, dass so konzipiert ist, dass es nicht darum geht, besser zu sein als Andere statt nur gut zu sein. Hat ja auch einen Grund, warum sich die Schulnoten noch halten und die gänzliche Abschaffung derer in der Grundschule nie durchgekommen ist. da steckt mMn mehr hinter als deutsche Tradition allein.
 
Das mag sein. Dafür habe ich oft genug meine Kinder getröstet, nachdem sie als sogenannte Streber verprügelt worden sind. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen sage ich ohne jede Scham, dass mir das Glück meiner Kinder am Herzen liegt, während mir das Schicksal derer, die ihnen mehr als einmal weh getan haben, reichlich egal ist, so hartherzig das auch klingen mag.

Ohne Frage muss nach Möglichkeiten gesucht werden, um das Schicksal der Prügler dahingehend zu ändern, dass sie nicht länger zu Gewalt greifen, um sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen, aber ich bezweifle, dass das gemeinsame Lernen solch eine Möglichkeit ist.

Das versteh ich natürlich vollkommen, dass du als Vater auf jeden Fall zu deinen Kindern stehst. Würde ich auch so machen.

Was das gemeinsame Lernen angeht, so bezieht sich das, wie zoggg schon schrieb, nicht auf das fachliche, sondern wirklich auf die sozialen Kompetenzen, die sie sich voneinander abgucken.

Im übrigen sind auch in einer gymnasialen Klasse die Leistungsunterschiede sehr groß und liegen weit auseinander. Im Prinzip müsste man auch hier wieder Untergruppen bilden, damit die einen nicht unterfordert werden, und auch diese wären nie homogen. Und wie du ja weißt, basiert das System des Gymnasiums, wie auch der Realschule aufs Aussortieren. Wer nicht mitkommt, fliegt.

Und da muss man umdenken. Die Schule sollte nicht aussondern, sondern für alle Schüler Lernangebote machen.

Um der Niveauabsenkung entgegenzuwirken (was du ja befürchtest), wird nicht derselbe Stoff für alle gelehrt. Von dieser Vorstellung müssen wir uns schleunigst lösen. Lehrer, die frontal für alle denselben Stoff unterrichten, gibts dann in diesem System nicht mehr. Er stellt den Lernstoff bereit und ist Koordinator des individualisierten Lernvorgangs. Die Schüler arbeiten im eigenen Tempo, auf individuellem Niveau und weitgehend selbstbestimmt.

Bei uns in BW kann ab nächstem Schuljahr den Antrag auf Gemeinschaftsschule gestelllt werden, d.h. die Zusammenführung von Haupt- und Realschule. Und ich hoffe und wünsche mir, dass Unterricht wirklich anders strukturiert wird i.Sinne wie ich es oben beschrieben habe.


@zoggg
Deinen Posts kann ich vorbehaltlos zustimmen. Magst du nicht in 15 Jahren Bundesbildungs- und Kultusminister werden? :D ;)
 
Deutschland ist leider kein Bildungsland, in dem solche Maßnahmen passieren würden. Dass Bildungspolitik nicht höchste priorität hat ist das eigentliche Problem und nicht, dass ich nichts zu sagen habe. Letzteres bringt auch Vorteile mit sich. ;)
 
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