Alles rund um Schule & Lehrer

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Das Problem mit den Schulreformen ist, dass sie am Dach ansetzen und nicht am Fundament. Man muss in die Kindergärten und die ersten Grundschuljahre viel mehr reinstecken. Das was da versäumt wird, kann die Gesamtschule und das gemeinsame Lernen in späteren Jahren nicht herausholen. In der 4. Klassesind schwache Schüler oft bereits über ein Schuljahr zurück.
 
Als von manchem reformatorischen Unsinn betroffenem Vater habe ich vielmehr den Verdacht, dass das Problem darin liegt, dass mit vielen Reformen nicht die tatsächlichen Defizite der Schulen behoben werden sollen, sondern dass auf diesem Wege versucht wird, am neuen Menschenbild zu feilen, weil sich der Marsch durch die Institutionen inklusive der Parlamente als zu mühsam erwiesen hat.

Schulreformen haben leider immer aktionistische Ansätze und wenden sich demnach nach dem, was aktuell betroffen ist. Die vorhandenen Defizite sind in großen Teilen auch systemimmanent und letzten Endes nur zurecht gestutzte Buxbäume.

Zitat von maddin:
Das Problem mit den Schulreformen ist, dass sie am Dach ansetzen und nicht am Fundament. Man muss in die Kindergärten und die ersten Grundschuljahre viel mehr reinstecken. Das was da versäumt wird, kann die Gesamtschule und das gemeinsame Lernen in späteren Jahren nicht herausholen. In der 4. Klassesind schwache Schüler oft bereits über ein Schuljahr zurück.

Das Schulsystem ist von der ersten Klasse bis zur Universität hin voller Defizite. Worum man sich Gedanken macht ist immer davon abhängig, was gerade politische Tagesordnung ist. In der Zeit vom Kindergarten bis zur Grundschule liegen absolut viele basale Fehler. Die Gesamtschule kann das gar nicht aufholen, das soll sie auch nicht, weil sie ja fortsetzen und nicht aufarbeiten muss. Die Schulzeit nach der Grundschule hat ihre Aufgaben, aber auch ihre Probleme woanders.
 
Das Problem mit den Schulreformen ist, dass sie am Dach ansetzen und nicht am Fundament. Man muss in die Kindergärten und die ersten Grundschuljahre viel mehr reinstecken. Das was da versäumt wird, kann die Gesamtschule und das gemeinsame Lernen in späteren Jahren nicht herausholen. In der 4. Klassesind schwache Schüler oft bereits über ein Schuljahr zurück.

Den Nachholbedarf in Kindergarten und Grundschule sehe ich auch, allerdings bezweifle ich mit Nachdruck, dass die Gesamtschule irgendwelche Probleme tatsächlich lösen könnte. Die Theorie des Profitierens aller von allen ist zwar eine schöne Utopie, aber es ist zu befürchten, dass auch in diesem Fall die Realität mal wieder den längeren Atem hat.
 
Das Problem mit den Schulreformen ist, dass sie am Dach ansetzen und nicht am Fundament. Man muss in die Kindergärten und die ersten Grundschuljahre viel mehr reinstecken. Das was da versäumt wird, kann die Gesamtschule und das gemeinsame Lernen in späteren Jahren nicht herausholen. In der 4. Klasse sind schwache Schüler oft bereits über ein Schuljahr zurück.

:tnx:

.... weil hauptsächlich nur auf die Grundschulempfehlung hin, also auf das Trimmen fürs Gymnasium Wert gelegt wird. Die Schwächeren und Langsamen fallen da sehr schnell durch die Ritzen.
Bei uns in BW fällt die bindende Grundschulempfehlung ab nächstem Schuljahr ja weg, und die Eltern dürfen bestimmen, wo ihr Kind zur Schule geht.
Man darf gespannt sein.
Worst case: es werden keine Hauptschulklassen 5 und 6 mehr zustande kommen, ab der 7. Klasse kommen alle die frustriert an die HS zurück, die es im Gy/RS nicht geschafft haben.
:wild:

@Niedersachse

Mir fällt zu deinem Argument "Profitieren aller von allen" nur das Lernen am Modell ein. Woher sollen es die Kids denn haben, wenn keine positiven Vorbilder da sind? Und Kinder lernen sehr viel von anderen Kindern ... und nicht unbedingt vom Lehrer. :)
 
Zitat von Stürmerbraut;1989913:
@Niedersachse

Mir fällt zu deinem Argument "Profitieren aller von allen" nur das Lernen am Modell ein. Woher sollen es die Kids denn haben, wenn keine positiven Vorbilder da sind? Und Kinder lernen sehr viel von anderen Kindern ... und nicht unbedingt vom Lehrer. :)

Völlig richtig, es fehlt an entsprechenden Vorbildern. Allerdings halte ich es für abwegig zu glauben, dass sich entsprechende Vorbilder von alleine bilden, wenn man nur lange genug alle Schülerinnen und Schüler in einen Topf wirft und umrührt.

Der Gedanke, dass bei gemeinsamen Lernen die Schwachen von den Starken mitgezogen werden und die Starken dabei ebenfalls profitieren, ist eine durchaus ansprechende Theorie. Sie erfordert in der praktischen Umsetzung jedoch ein Maß an Altruismus von den Schülern, das aus vielerlei Gründen kaum zu erreichen ist. Wer beispielsweise als Kind am eigenen Leib gelernt hat, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen körperlicher Gewalt und einem Mangel an Intelligenz, der wird kaum ohne weiteres genau die Schwachen beim Lernen unterstützen, die ihm in der Pause aufs Maul hauen. Vielmehr wird dieses Kind alles daran setzen, durch einen schulischen Aufstieg dem prügelnden Bodensatz zu entkommen, und kaum ein Elternteil wird sein Kind dabei nicht nach Kräften unterstützen. Das soll keinesfalls heißen, dass alle Hauptschüler gewalttätige Holzköpfe seien, aber es ist eine Erfahrung, die von vielen gemacht wird.
 
Völlig richtig, es fehlt an entsprechenden Vorbildern. Allerdings halte ich es für abwegig zu glauben, dass sich entsprechende Vorbilder von alleine bilden, wenn man nur lange genug alle Schülerinnen und Schüler in einen Topf wirft und umrührt.

Der Gedanke, dass bei gemeinsamen Lernen die Schwachen von den Starken mitgezogen werden und die Starken dabei ebenfalls profitieren, ist eine durchaus ansprechende Theorie. Sie erfordert in der praktischen Umsetzung jedoch ein Maß an Altruismus von den Schülern, das aus vielerlei Gründen kaum zu erreichen ist. Wer beispielsweise als Kind am eigenen Leib gelernt hat, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen körperlicher Gewalt und einem Mangel an Intelligenz, der wird kaum ohne weiteres genau die Schwachen beim Lernen unterstützen, die ihm in der Pause aufs Maul hauen. Vielmehr wird dieses Kind alles daran setzen, durch einen schulischen Aufstieg dem prügelnden Bodensatz zu entkommen, und kaum ein Elternteil wird sein Kind dabei nicht nach Kräften unterstützen. Das soll keinesfalls heißen, dass alle Hauptschüler gewalttätige Holzköpfe seien, aber es ist eine Erfahrung, die von vielen gemacht wird.

Ich würde das nicht Mangel an Intelligenz bezeichnen, was Kinder zu prügelnden Kindern macht, sondern Mangel an positivem Schulerfolg. Und das frustriert die Kinder über die Maßen. Dass Elternhäuser wenig unterstützend sind, trägt dann auch nicht grad zu einem besseren Schulerfolg bei.

Aber ungeachtet dessen: Was würdest du denn machen mit dem sogenannten prügelnden Bodensatz? Sich alleine ihrem Schicksal überlassen?
Sorry, Niedersachse, aber deine Wortwahl gefällt mir nicht.

Und wenn du nur ein wenig näher dran wärst an den Schicksalen der Kinder, und was sie zum Teil schon miterlebt haben, würdest du so etwas nicht sagen.
 
Zitat von Stürmerbraut;1989943:
Und wenn du nur ein wenig näher dran wärst an den Schicksalen der Kinder, und was sie zum Teil schon miterlebt haben, würdest du so etwas nicht sagen.

Das mag sein. Dafür habe ich oft genug meine Kinder getröstet, nachdem sie als sogenannte Streber verprügelt worden sind. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen sage ich ohne jede Scham, dass mir das Glück meiner Kinder am Herzen liegt, während mir das Schicksal derer, die ihnen mehr als einmal weh getan haben, reichlich egal ist, so hartherzig das auch klingen mag.

Ohne Frage muss nach Möglichkeiten gesucht werden, um das Schicksal der Prügler dahingehend zu ändern, dass sie nicht länger zu Gewalt greifen, um sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen, aber ich bezweifle, dass das gemeinsame Lernen solch eine Möglichkeit ist.
 
Die These, dass Kinder an Gesamtschulen voneinander lernen ist in der öffentlichen Debatte häufig das einzige Argument, über das gesprochen wird. Das ist aber nichtmal das einzige und auch in der Form, wie es dargestellt wird, nicht das Wesentliche. Warum, hat Niedersachse an einem Stigmata exemplarisch vorgeführt. Ein gewaltiges Klischee zwar, aber das Problem zeigt es auf.

Das Lernen voneinander bezieht sich dabei nicht auf das Fachliche - jedenfalls nicht mehr, als es in Unterrichtsstunden, in denen Kinder gemeinsam Hausaufgaben abgleichen, nicht ohnehin schon der Fall ist. Das Gegenseitige Lernen voneinander läuft eher auf kommunikativer und sozialer Ebene ab, wie man es aus intakten Elternhäusern erwartet. Die Vorstellung ist nicht, dass sich ein als leistungsstark eingestufter Schüler hinsetzt und einem anderen, idealerweise Türke aus Neukölln, in der achten Klasse das 1x1 beibringt. Altruismus erfordert auch immer Eigeninteresse. Aber durch Miteinander lernt man schon - alleine schon dadurch, dass man Erfahrungen miteinander macht oder machen lässt.

Als eines von weiteren zahlreichen Argumenten wäre zu nennen, dass das viergliedrige Schulsystem eigentlich eine individuelle Förderung der Schüler. Die Annahme, dadurch würde man alle gemäß ihres schulischen Leistungsstanden fördern, ist ein großer Irrtum. Trenne ich eine Gruppe voneinander, habe ich eine neue Gruppe, aber keine Individuen. Individuelle Förderung läuft über Unterrichskonzepte und nicht darüber, mit wie vielen Gleichgesinnten ich gleichgemacht werde. Problem ist nur, dass die Zuweisung auf Schultypen mich innerhalb einer Gruppe anbindet. Individuelle Förderung? Dadurch Fehlanzeige.


@Niedersachse: Die Rede ist nicht von einem Wechsel zur Gesamtschule als Wundermittel der deutschen Bildungslandschaft, sondern als eine von mehreren notwendigen Veränderungen, der andere zu Grunde liegen, aber auch andere folgen müssen.
 
Gegen die Ganztagsschule habe ich nichts, ganz im Gegenteil, und auch neue Unterrichtskonzepte verteufele ich keineswegs; ich glaube nur nicht, dass sich die Defizite beheben lassen, indem man das mehrgliedrige Schulsystem einstampft und durch eine Einheitsschule ersetzt.
 
Ersetze im letzten Absatz "Ganztagsschule" durch "Gesamtschule". Ich bin zu blöd zum Schreiben. Wie gesagt, ich rede von einem Teilschritt als Folge und als Ausgangslage für weitere Konsequenzen.

Und dann möchte ich dich bitten, deines Amtes walten zu walten und betreffende Beiträge in den "Schul-Thread" verschieben.

Edit: Deine Kinder gehen auf's Gymnasium, oder?
 
Ersetze im letzten Absatz "Ganztagsschule" durch "Gesamtschule". Ich bin zu blöd zum Schreiben. Wie gesagt, ich rede von einem Teilschritt als Folge und als Ausgangslage für weitere Konsequenzen.

Ausgangslage für weitere Konsequenzen? Das klingt für mich wie eine üble Drohung, nicht wie eine erstrebenswerte Entwicklung.

Und dann möchte ich dich bitten, deines Amtes walten zu walten und betreffende Beiträge in den "Schul-Thread" verschieben.

Ist geschehen.

Edit: Deine Kinder gehen auf's Gymnasium, oder?

Inzwischen nur noch eins, aber ja.
 
Ausgangslage für weitere Konsequenzen? Das klingt für mich wie eine üble Drohung, nicht wie eine erstrebenswerte Entwicklung.

Das heißt ganz einfach, dass eben nicht das passieren sollte, was uns oftmals in der Debatte verkauft wird, dass mit der Gesamtschule alles gut wird, sondern dass die Gesamtschule ganz toll sein kann, wenn ich gleichzeitig aber andere Sachen mit bedenken.
 
Zunächst mal gibt es immer das Problem, dass Reformen in der Schule nach politischen Tagesgeschehen stattfinden. Zweitens kosten sie Geld, brauchen Zeit, die man im Wahlkampf nie hat und treffen bei chaotischen Fehlern leider das wertvollste, was unser Land hat - nämlich die Kinder. Deswegen kommen wir auch nur spärlich voran. Ich denke ebenfalls, dass sich deswegen viele Eltern gegen Schulreformen dieser Relevanz sträuben: Weil sie völlig zu recht begreifen: Das trifft mein Kind.

Aus diesem Gründen können Schulreformen auch nur einzeln und stückchenweise stattfinden. (Solange, bis die nächste Regierungspartei alles über den Haufen wirft).

Um Schwerpunkte zu setzen sollte man deswegen fragen, welche Probleme man primär lösen möchte und daran ansetzen. Bei der Gewichtung sollte man bedenken, dass dennoch alles miteinander verwebt ist.

Problem 1 ist für mich das extreme Leistungsgefälle in Grundschulen, was auch eine Steilvorlage für das viergliedrige Schulsystem ist. Da nachhelfen zu können ohne gleichzumachen wäre auch eine große Hilfe für Gesamtschulen. Ich erachte es für wichtig, Kindern in ihrer Entwicklung Zeit zu geben, damit sie einen Grundlagenfundus an Fähigkeiten (und ich schreibe bewusst Fähigkeiten, nicht Wissen) entwickeln. In diesem Alter ist die Entwicklung des Schülers von Kind zu Kind unterschiedlich und hoch individuell. Oft wirkt es Wunder, wenn jedes Kind seine Zeit hat, Themen zu verstehen, um für die nächste Schulklasse im Stande zu sein. Die Anlage dafür bringt jedes Kind mit. Was aus Elternhäusern manchmal jedoch nicht mitgegeben wird, sind Fähigkeiten, die Ordnung oder Struktur betreffen und deswegen bei der Ausbildung mathematischer Fähigkeiten - kann man jedes Fach einsetzen - hinderlich sein können. Dieser Findungsprozess sollte also gewährleistet werden.
Wie?

Noten (was auch immer im Zeugnis steht - das müssen (und sollten!) nicht die Zahlen von 1-6 sein, erst recht nicht im Grundschulbereich) sollten im Grundschulbereich nicht auf einen Zeiptunkzt bezogen sein, an dem man die Arbeiten schreibt.
Ist-Zustand: Viel mehr sollte der Entwicklungsprozess in den Fokus rücken. Ein Kind, was noch kein Multiplizieren mit Zahlen bis 10 beherrscht wenn es abgefragt wird, beherrscht es dafür aber später, wenn aber die Unterrichtsklasse schon nach Lehrplan bis 30 multipliziert. Dennoch berherrscht es das kleine Einmaleins - obwohl im Zeugnis zu dem zeitpunkt, als es relevant war, die 5 steht. Die Note wird aber nicht korrigiert, sobald das Kind irgendwann doch das Einmaleins perfekt berherrscht.
Soll-Zustand: Wie in der Sonderpädagogik sollte ein höherer Fokus auf die Entwicklung des Kindes gelegt werden. Diese findet nämlich immer statt. Ein Kind mit geringerer mitgegebener Anlage aus dem Umfeld entwickelt sich u.a. genauso schnell wie deine intelligenten Kids - bleibt aber trotzdem im Rückstand.

Problem 2:
Emotionale Schwierigkeiten, die in der Schule entstehen. Das Problem knüpft direkt beim 1. Problem an.
Wenn ich also bewusst darauf setze, was das Kind kann, statt dem, was das Kind nicht kann, fördere ich auch Selbstwertgefühle, soziales Miteinander und die Freude am lernen. Das wiederum führt dazu, dass das Kind besser lernen kann. Stimmt die Beziehung, lernt man am besten. Dem limbischen System sei es gedankt. Und ich reduziere auch Negativgefühle, die in Aggression umschlagen können. Habe ich Erfolg, gönne ich auch dem anderen Erfolg, selbst wenn er mehr Erfolg hat. Ärgerlich wird es nur, wenn ich Misserfolg habe. Wie stürmerbraut schon sagte, haben Emotionen Ursachen. Die sind unterschiedlicher Natur. Emotionen haben immer einen Sinn. In diesem Fall kritisch, weil das komplette Notenvergabesystem darauf aufbaut, besser zu sein als andere, anstelle einfach nur gut zu sein.

Zweitens würde ich mich über Unterricht freuen, der forschend lernen lässt. Kinder lernen durch Anfassen und Ausprobieren. Die Zeit und der Raum dafür sollte gegeben werden. Ebenso dafür, sich einfach mal zurückzuziehen, sich seinen eigenen Lernraum zu suchen. Dazu gehört auch die andere Seite, nämlich vom Lernen wegzukommen. Kinder haben nachmittags Freizeit und nicht in der 7. Klasse bis 6 Hausaufgaben zu machen, nachdem sie um 3 aus der Schule kommen. Der Lernerfolg würde es unseren Politikern sofort danken, wenn man aufhören würde, Curricula zu komprimieren. Das Abi nach 12 Jahren trägt die Inschrift "Schneller, höher, weiter." Ich habe Kommilitonen, die sind 18.

Ganztagsschulen, in denen nachmittags AGs oder offene Angebote stattfinden sind eine super Sache, weil sich Interessen bilden und soziale Kontakte geknüpft werden. Auch bei sowas lernt man viel. Und man begreift, dass der, den heutzutage Lehrer als Gymnasiasten bezeichnen, gut mit dem Hauptschüler zusammen Fußball spielen kann. Die verprügeln sich gewiss nicht, weil sie zuviel voneinander wissen, um Vorurteile zu haben. Und ganz nebenbei arbeitet Mutti auch noch Vollzeit. Nur, damit Brüderle und von der Leyen sich mitfreuen können. Wichtig ist dabei, dass die Anzahl der offenen Angebote die der Wahlpflicht übersteigen sollten. Keine Bleibepflicht (mit Ausnahme von einem bestimmten Maße an Wahlpflichtmöglichkeiten), sondern Bleibemöglichkeit.

Drittens: Die Debatte um kleinere Klassen.
In der Öffentlichkeit wird viel über kleinere Klassen diskutiert. Meiner Meinung nach zwar ein wichtiger Punkt, dennoch öffentlich etwas überschätzt. Am Ende hängt alles an der Unterrichtskonzeption. Nachteilig sind kleinere Klassen aber gewiss nicht.

Viertens:
Der Grundschule folgen sollte eine Gesamtschule, in der alle Schüler im Gleichschritt von Abschluss zu Abschluss marschieren. Ich würde darauf wetten, dass mehr Hauptschüler ihren Realschulabschluss machen als momentan, wenn sie diesen an der gleichen Schule durch mehr Schulzeit einfach hinten dran hängen könnten. Innerhalb einer solchen Schule finde ich es auch nicht so problematisch, bestimmte Schüler extra zu fördern. Damit meine ich aber vor allem die Begabten.
Unser Schulsystem arbeitet Normorientiert. Es fördert die Schwachen durch Förderunterricht und vermittelt das Konnotat "Du hast das nötig." Das Ziel ist die Norm. Möglichst alle Klassen sollen einen normalen leistungsschnitt aufweisen. In diesem Zusammenhang verweise ich nochmal auf Czernys Buch, in dem sie Situationen schildert, in der sie schlechtere Noten geben sollte, damit ihre Klasse dem normalen Schnitt entspricht. Kann ja nicht sein, dass es nur gute Schüler gibt.
Als Ausnahme davon fördert man die Hochbegabten zum Glück mittlerweile mehr als früher. Das ist eine erfreuliche Ausnahme. Das Ziel ist aber die Subjektorientierung. Ich kann nicht lauter Individuen gleich handhaben. Auf der anderen Seite entsteht aus lauter sozialbewussten Individuen automatisch eine intakte Gruppe. Das gleitet aber ab und geht in den Bereich der soziologischen Philosophie.
Und: Wenn ich "alle" Schüler schreibe, dann meine ich auch die jetzigen Förderschüler. Die werden leider zu oft vergessen. Deswegen schreibe ich auch immer bewusst vom viergliedrigen Schulsystem.

Deswegen sollte man bewusster auf individuelle Interessen mehr achten und Lernziele, die in der Praxis als Rahmenkriterium nicht wegfallen können, aber reduziert werden sollten und gemeinsam mit den Kindern konzipieren, wie man dem Ziel am Nächsten kommt. Das heißt, man muss für jedes Kind explorieren, was es braucht, um zu Lernen. Das ist schwierig und zeitaufwendig und zeigt wieder, was in Schulen fehlt: Kapazitäten und Geld. Es erfordert aber auch eine höhere pädagogische Ausbildung von Lehrern. Was Lehramtsstudenten an Pädagogik im Studium nach der Bologna-Reform lernen, ist ein Witz. In Oldenburg ist es 1 Modul im gesamten Bachelor, was aber keinesfalls eine Ausnahmeregelung ist. Die Didaktik steckt im Fachstudium mit drin und ist somit vom Studiengang und der Uni abhängig. Beides kann nicht sein. Die Lehrerausbildung, Problem 6, sollte deswegen überdacht werden.

Zusätzlich brauchen wir mehr Schulsozialarbeiter an Schulen. Bis vor ein paar Monaten hätte ich diese noch als niederschwelligen Kollegen der Lehrer als zweite Kraft in die Klasse gesetzt. Mittlerweile sehe ich das aber anders, weil der Schüler sie schnell als zweiten Lehrer sehen würde und die Niederschwelligkeit, die aber unbedingt erforderlich ist, verloren ginge. Stattdessen sollten sie an Schulen arbeiten und vom Ausbildungsgrad her gleichwertig mit den Lehrern sein, um eine Kooperation auf Augenhöhe zu ermöglichen. Unsäglich, dass vereinzelt Arbeitslose Quereinsteiger an Schulen geschickt werden, um Nachmittagsangebote zu gestalten und Hausaufgaben zu betreuen. Getreu dem Motto: "Ihr müsst nett zu Kindern sein - das bekommt ihr hin."

Um Konzepte umsetzen zu können, wäre es sinnvoll, den Kultusministerien mal ihre Hoheitsgewalt einzuschränken. Föderalismus ist in diesem Bereich gefährlich. Bundesweit sollte die Marschrichtung vereinbart sein. Und zwar stärker, als dies die KMK tut. Dass es ein extremen politisches Unterfangen ist, den Ländern durch die nötigen Verfassungsprozesse ihr Bildungsrecht zu nehmen, macht es ja grade so schwierig. Es ist sauschwer, obwohl es saublöd ist.
Was ich allerdings im Kontrast dazu fördern würde, ist, mehr konzeptionelle gewalt den Schulen und Lehrern zu geben, die näher an ihren Schülern dran sind. Regionale Integrationskonzepte werden beispielsweise schon durch Förderzentren vorangetrieben. Ein guter Ansatz in einem Land, was in diesem Bereich im westlichen Vergleich gar nicht so fortschrittlich ist.

Das ganze Thema ist alles in allem ein riesiger Block. Hier habe ich nur Anrisse gemacht. Eigentlich musst du jedes Thema ausführlich für sich diskutieren, ohne es verbindlich trennen zu können. Der erste Schritt wäre aber vor Allem: Geld, Geld, Geld... . Wenn wir das mal hätten.
 
Um die besten Schüler zu fördern, braucht man kein dreigliedriges Schulsystem, sondern eine funktionierende Begabtenförderung. Ich möchte mich nicht als hochbegabt bezeichnen, das sind die in Tests, je nach Kriterium intelligentesten 1 bis maximal 5%, aber ich komme da irgendwo dahinter. Und ich habe mich am Gymnasium gelangweilt. Insofern werden, selsbt wenn man nochmal in das 10gliedrige Schulsystem geht, welche unterfordert sein. Begabtenförderung meint etwas anderes, nämlich dass Menschen gemäß ihrer besonderen Fähigkeiten und Begabungen gefördert werden, dass jemand, der technisches Verständnis hat, nicht stundenlang mit Goethe getriezt wird und umgekehrt jemand der toll schreiben kann, keine 10 Wochenstunden Naturwissenschaften pauken muss.

Eine solche förderung nach Begabungen und Interessen lässt sich auch innerhalb einer Gesamtschule leicht durchführen. Wichtig aber ist dafür, dass in einem vorschuljahr und in der ersten Klasse systematisch erfasst wird, welche Stärken und Schwächen, welche Begabungen und Defizite ein Kind hat. In eine solche systematische Förderung kann man Geld investieren, dass man sich in späteren Klassen getrost sparen kann. Die Grundlage einer Schulkarriere wird in den ersten 3 Jahren gelegt, danach bleibt nur noch Mängelverwaltung.
 
Je nach Intelligenztest kann man jedem Menschen die unterschiedlichsten IQs vermitteln. Die sind im Grunde so unterschiedlich, dass man bei jedem Menschen die ganze Bandbreite abdecken kann. Auch bei dir, auch wenn dir das nicht gefallen wird.


Womit du aber recht hast ist die mangelnde Orientierung an individuellen Fähigkeiten. Deswegen habe ich eine lebensweltnahe, subjektorientierte und fortschrittbeachtende Ausrichtung der Schule ja auch angesprochen. Das ist echt wichtig.
 
Ich kenne mich berufsbedingt mit Begabungstests in jeglicher form ziemlich gut aus. Ich habe sogar selbst welche entwickelt. Stichwort Berufseignungsdiagnostik. IQ ist ein künstlicher wert, ich rede vom Prozentrang.
 
Dann weißt du ja auch, dass es keine allumfassenden Tests gibt, sondern du jeweils nur ein bestimmtes Feld abdecken kannst. Berufseignungstests produzieren ja nur das Prozentuale Ranking in getesteter Richtung, können aber nicht alles mit einschließen. Aber das brauche ich dir dann ja nicht zu erzählen.
 
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