Für mich ist und bleibt es unverständlich, warum man sich nicht um Wendt bemüht hat.
Wendt ist schwedischer Nationalspieler, er hat auch auf Clubebene internationale Erfahrung, stand lange Zeit -sicher nicht gänzlich zu unrecht- auf der Beobachtungsliste hochrangiger Premier League Vereine, spielt auf unserer absoluten Problemposition und seine Gehaltsforderungen werden sich in Grenzen halten (anderenfalls stünde er nicht kurz vor einem Wechsel zu Gladbach).
Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass Werder bei der Verpflichtung von Abwehrspielern eher wie ein Erstligaaufsteiger, denn wie ein sechsmaliger CL-Teilnehmer agiert, aber gerade deshalb hätte Wendt ins Beuteschema gepasst.
Mir will einfach nicht in den Kopf, warum man einen Aymen Abennour ausgeliehen oder 1,8 Mio für Dusc Tosic ausgegeben hat und den Transfer eines bei Schalke aussondierten Spielers mit der Kicker Durchschnittsnote 4,3 forciert, wenn man sich nicht um einen Mann wie Wendt bemüht, der ablösefrei zu haben ist.
Unter anderem Umständen würde ich sagen: KA ist der Experte, nicht ich; nur leider waren die Verpflichtungen für diese Position in den letzten Jahren allesamt nicht nachvollziehbar.
Sind wir doch mal ehrlich: Silvestre hat sich in den letzten Spielen teilweise stabilisiert,aber über die gesamte Saison gesehen, war er grottenschlecht.
Und über die Verpflichtung eines Aymen Adennours für die erste Mannschaft muss ich wohl nicht viel sagen - ich weiß, wir sind nicht der FC Bayern und wir haben auch nicht die finanzielle Infrastruktur vieler anderer Bundesligavereine, aber bitte, nach sechs CL-Teilnahmen in sieben Jahren habe ich einfach andere Ansprüche an die Besetzung einer offensichtlich akut vakanten Position, als die Verpflichtung eines tunesischen U21-Spielers, der ja gar keine andere Chance hatte, als so ins kalte Wasser geworfen, zu scheitern.
Ich möchte das jetzt auch gar nicht ausschliesslich an Oscar Wendt festmachen, vielleicht gibt es tatsächlich irgendwelche Gründe, die massiv gegen ihn sprechen, aber das Grundproblem bleibt.
Man muss hier gar nicht Jahresabschlüsse wälzen, Rechenspiele veranstalten oder ähnliches: wenn ein Verein sechsmal in sieben Jahren CL spielt, einen der höchstdotiertesten Ausrüsterverträge der Liga besitzt, einen Spitzenfeld in Sachen Trikotsponsor einnimmt, die Nummer drei bei Fernseheinnahmen ist und zudem alleine durch die Verkäufe von Klose, Özil und Diego ca. 50 Mio EUR Transfereinnahmen erzielt hat, dann MUSS etwas falschgelaufen sein, wenn man das Heil für eine Problemsituation immer wieder mit absoluten Günstig-Lösungen zu beheben versucht.
Wir kassieren über die linke Seite unglaublich viele Gegentore, es ist seit einigen Jahren offensichtlich, dass wir dort massive Probleme haben - und der teuerste Transfer, mit dem wir bisher versucht haben, etwas dagegen zu unternehmen war einst ein Dusko Tosic für 1,6 Mio Euro.
Ich weiß, eine hohe Ablöse bedeutet nicht gleich Erfolg, aber ein wenig mehr Risikobereitschaft hätte die Wahrscheinlichkeit sicher erhöht, dass ein Spieler dabei gewesen wäre,der uns hätte weiterhelfen können. Und ich rede hier nicht von achtstelligen Summen...
Letztendlich kann man all das was ich geschrieben habe, auch auf andere Positionen übertragen. Die Diskussion ist müßig, für mich bleibt Fakt: 2003/2004 hatten wir mit Ismael/Krstajic eine bombensichere Innenverteidung, mit Davala, Schulz und Stalteri echte Kampfsäue auf den Außenpositionen, einen genialen Spielmacher Micoud, mit Ernst, Baumann und Borowski hochkarätige Mittelfeldspieler und mit Ailton, Klasnic und Valdez drei Stürmer der Kategorie gut bis ausgezeichnet.
Seitdem sind einige Jahre vergangen, Werder hat sechsmal CL gespielt, die Einnahmen aus oben genannten Transfers erzielt und so weiter und sofort....Folglich ist es nur allzu natürlich, dass man im heutigen Kader einen Fortschritt zu erkennen erwartet; die oben genannten Punkte legen eine solche Vermutung nahe.
Was ich jedoch letzte Saison gesehen habe, war eine löchrige Abwehr, ein durchwachsenes Mittelfeld, dem der Ideengeber fehlte und ein Sturm, der ohne die Lebensversicherung Pizarro diesen Namen nicht verdient hätte.
Und deshalb kann man es drehen und wenden, wie man will: allein dieser Damals-Heute Vergleich legt die Vermutung nahe, dass da die letzten Jahre irgendetwas völlig falsch gelaufen ist .
Mit Ausnahme von Ekici -dessen Transfer ich sehr begrüße- deutet sich nicht an, dass sich hieran groß etwas ändern wird, viel Geld steht jedenfalls nicht mehr bereit. Im Sturm müssen unsere Hoffnungen darauf beruhen, dass Pizarro verletzungsfrei bleibt. Wagner hat angedeutet, dass es bergauf geht,aber auch da gilt: über die gesamte Saison gesehen war das -bei allem Respekt- grottig. Avdic hat bisher nach meinem Empfinden nicht ansatzweise Potential erkennen lassen und Arnautovic sehe ich persönlich nicht als klassischen Stürmer - sprich: auch vorne sieht es mehr als dünn aus.
Werder hat aus sehr wenig sensationell viel gemacht, aber derzeit ist man dabei, diese große Chance zu verspielen und aus sehr viel innerhalb kürzester Zeit erschreckend wenig werden zu lassen.