Aus dem Spieltagsthread kopiert, damit es dort nicht untergeht.
2 Dinge, die in dieser Saison grundsätzlich auffallen und sich nicht nur auf das heutige Spiel oder die Partie gegen Stuttgart beziehen:
Werder hat eine Achse, die diese Mannschaft trägt. Wiese, Mertesacker, Naldo, Frings, Pizarro. Wenn es gut läuft und Werder mal einen gegner abschießt, jubeln aleüber die tollen Dribblings von Marin, von Hunt, letztes Jahr noch von Özil, weil diese Kette dann glänzen kann. Dabei sind es andere, aber v.a. besagte 5 Spieler, die die Mannschaft tragen. Und weil 5 von 11 Stammspielern ein guter Wert ist, hat die Mannschaft in der vergangenheit, aber auch dieses Jahr schon, Charakter beweisen können. (Und es ist ja auch nicht so, dass alle anderen charakterlich untauglich seien).
Wenn es in Bremen nicht läuft, dann merkt man das oft an den oberen Spielern. Beispiel: Wir spielen fast die komplette Hinrunde ohne Pizarro, die komplette ohne Naldo. Jetzt, wo es schlecht läuft, ist Merte im Wochentakt erschreckend schwach (oder etwa andersrum? - weil Merte so schwach ist....).
Getragen wird Werders Spiel von solchen Spielern, nicht von den Hacke-Spitze-1,2,3 Spielern. Wenn es wie zuletzt richtig schlecht läuft, dann sind diese oft besonders schlecht - heute ist es v.a. Hunt.
Die Mannschaft hat in der Relation zu anderen Teams viele Säulen. Das macht sie (sonst) auch so charakterstark. Im Moment fällt das Team aber mit diesen Stützen.
Was mir in dieser Saison schon oft aufgefallen ist und hier auch öfter angesprochen wurde: Zudem haben wir ein - provokant gesagt - Offensivproblem. Das liegt v.a. in unserem Offensiven Mittelfeld. Gerade, weil Werders Offensivkraft ansonsten über Kombinationsspiel läuft und sogar unsere Mittelstürmer mitspielen müssen, ist der Raum hinter den Spitzen das, was Zum Toreschießen relevant ist. Spiele, in denen gute Torchancen zuhauf liegen gelassen werden kamen vor, passieren aber. Viel öfter war am Strafraum Endstation (wie heute).
Liegt eine Mannschaft zurück, fordern viele oft weitere Mittelstürmer. Das ist zwar naheliegend, muss aber nicht zwangsläufig richtig sein. Oft bezwecken Wechsel im (z.T. sogar defensiven) Mittelfeld mehr. (Beispiel: Wechsel Silvestre <-> jensen gegen Nürnberg. Viel gescholten, in meinen Augen aber in der Situation richtig).
Auf der relevanten Position hinter den Spitzen haben wir Özil verloren. Ein Spieler mit solcher Klasse fehlt natürlich immer. Aber Özils Abgang war nicht ausschlaggebend. Gerade er hat sich in harten, unbequemen Spielen auchmal hängen lassen. Auch Madrid wird noch erfahren, dass Özil eben nicht jede Woche Zauberfussball abliefern kann.
Zudem läuft Werders Offensivspiel viel über Vorstoßspiel. Das beinhaltet kollektives Offensivspiel. Es ist eben nur selten so, dass Marin sich den Ball schnappt, losdribbelt, ablegt und irgendjemand den Ball reinmacht. Geht auch gar nicht, machen nichtmal die Clubs, in denen Messi, Ronaldo und Co dribbeln so. Einer schafft den Raum, den ein anderer nutzt, wo ein anderer wieder den Raum nutzen kann, usw. D.h.: Im Offensivspiel baut einer auf dem Anderen auf. Das findet bei uns aber nicht statt, weil A sich nicht bewegt, B den Ball verliert, C keine Lust hat, D lieber schwalbt und E alleine es nicht reißen kann.
Das war auch so, als Werder noch mit Diego und Özil gespielt hat. Diego hat soviele Spieler gebunden, dass Özil Raum hatte, kreativ zu spielen. Um das Beispiel fortzusetzen: Özil ist im Moment in Madrid so stark, wei Di Maria und Ronaldo die Dribblings gewinnen - und Özil diese Dribblings durch kreative Impulse ermöglichen kann.
Das alles fehlt bei uns in der Offensive. Gerade in unserem 4-2-3-1 system ist diese Offensive Achse aber wichtig. Unser Problem vorne lautet nicht: "Almeida versiebt zuviel" oder "Pizarro fehlt" (natürlich fehlt ein Spieler seiner Qualität uns), sondern: Es läuft vorne aufgrund der Mitelfeld-Offensive nicht. deswegen war in der Anderen Schwächephase der Saison, gegen Mainz, Hannover, Hoffenheim.... oft auch vor dem Strafraum Schluss. Umso relevanter, dass auf den Positionen ohne Alternativen fragwürdige Charaktere wie Hunt, Arnautovic, mit Abstrichen Marin dribbeln und zu wenig gestaltet.
Dass die defensive so gar nicht geht, steht außer Frage. Aber ihr fehlte in dieser Saison auch öfter die Entlastung durch die Offensive. Was vorne nicht geht, kommt nach hinten zurück. In der Vergangenheit wurden Defensivschwache Spiele vorne abgefedert, indem man eben 4:3 gewinnt.
An den beiden Pukten bitte ansetzen, wenn man im Winter oder Sommer die personellen Konsequenzen zieht. Dass man natürlich auch hinten links was tun und außerdem immer die Augen für echte Verstärkungen auf allen Positionen offen haben sollte, steht außer Frage.