Ohne dir zu wiedersprechen, dasselbe wurde bereits letzte Saison auch über unser jetziges Mittelfeld gesagt und ist zudem abhängig davon, wie man über Diegos Fähigkeiten denkt.
Außerdem hätten wir ohne Diego ein ähnlich offensives Mittelfeld, was mit Diego nicht wirklich offensiver werden würde. Arnautovic kann ich da nur schwer einschätzen, wie er nach hinten arbeitet.
Stimmt, aber wenn Du wirklich festmachen willst, ob einer mehr nach hinten arbeitet oder nicht, ist doch ein Blick auf die
Spielauffassung des jeweiligen Akteurs unabdingbar.
Özil interpretiert sein Spiel
raumgreifend. Er kreuzt, läuft diagonal, geht die Wege offensiv, die nötig sind und Platz schaffen (Verband der Gegenspieler auseinanderziehen). Wegen seiner guten Spielübersicht und Auffassungsgabe für die Spielsituation ist Özil in der Lage, das
Spiel ohne Ball so zu fokussieren, dass die Mannschaft, sofern sie die Grundordnung auf dem Feld hält, immer Räume hat bzw. hätte, in die gespielt werden kann, die es dann aber auch zu nutzen gilt. Nur sind 85% dieser Wege umsonst, wenn z. Bsp. wie letzte Saison Naldo, Merte, Frings oder Bargfrede viel zu selten über eine gute Spieleröffnung oder clevere Spielverlagerung den Ball geschickt hinten raus spielen. Das Resultat war oft eine viel zu langsame
Spielentwicklung, gleichzeitig entstanden zu grosse Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und die Spielfeldbreite und Länge wurde nicht im Überraschungsmoment nutzt. Oder aber ein Marin, der Tempo rausnimmt, wenn er zu lange am Ball bleibt. Bloß wird auf benannte Weise die Spielauffassung Özil`s antagonisiert und dadurch entsteht wiederrum der Eindruck, dass MÖ sich versteckt. Was aber eben nur ein Teil der Wahrheit ist, ausserdem wird dann einem Spieler wie Özil gerne vorgehalten, dass er Bällen nicht nachsetzen würde, dabei aber vergessen, dass er bereits viel Kraft ohne Ball investiert.
Diego dagegen tickt völlig anders, er denkt komplett ballorientiert. Sein Ziel ist immer, überall und so oft wie möglich das Spielgerät. Daher lässt er sich weit fallen, geht den Bällen meist entgegen oder quer über den Rasen immer dorthin, wo das Spiel gerade stattfindet. Deshalb ist Diego auch immer präsent in Ballnähe und daraus entsteht ebenfalls der Trugschluß, er würde defensiv mehr Wege gehen. Dies ist allerdings in der Konsequenz keinesfalls effizienter als das Spiel eines Özil, im Gegenteil, es verengt noch zusätzlich die Räume für Nebenspieler und vernichtet Teile der taktischen Zuordnungen auf dem Feld. Das hat zur Folge, dass ein Team an bestimmten Tagen weder richtig verteidigen kann, wenn es erforderlich ist, noch richtig stürmen, wenn es notwendig und möglich ist. Weil es bei Ballbesitz zu eng ist und bei Ballverlust grosse Räume für den Kontrahenten entstehen. Schön zu sehen in vielen Saisonphasen insbesondere der Spielzeiten 06-09.
In beiden Fällen treten ähnliche Defizite auf, nur die Wirkung des einzelnen, zentralen Spielers darauf ist unterschiedlich. Aber deshalb passt auch das Argument, wir wären ohne Diego weniger ausrechenbar höchst selten, weil dafür spieltaktische Belange, das Ineinandergreifen der Teammechanismen mindestens ebenso wichtig sind.
Würden wir nun in der Aufstellung von Y!M-Dude die offensive Dreierreihe statt Hunt und Özil mit Diego und Arnautovic spielen, würden wir einen Hunt, der zwar manchmal auch einen Schnörkel zuviel drinne hat, aber letztlich ein One-Touch-Spieler ist/sein kann und Özil als Denker und Ballverteiler rausnehmen und durch mindestens zwei, evtl. drei meist ballhaltende, aber herausragende Individualisten (Arno noch nicht einzuschätzen) ersetzen. Hinter Pizza und angesichts einer durchwachsenen Struktur im DM (Eröffnung, Verlagerung) in der Spielentwicklung.
Wie soll das funktionieren? Es wäre mMn für Gegner, die einigermaßen die Ordnung halten und laufbereit sind, nicht nur recht leicht zu verteidigen (außer Werder schießt schnell das 1:0), sie könnten auch sehr gut kontern.
Wodurch man ein Bindeglied schaffen könnte indem sich Frings und Bargfrede abwechseln und man Wesley leicht vorgezogen argieren lässt.
