Sympathie hat nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Aussehen zu tun!!!
Dem muss ich ganz klar wiedersprechen. Attraktivität hat sehr wohl Auswirkungen darauf, wie man einem Menschen entgegentritt. Das ist, wenn ich mich richtig an meine Psychologie-Vorlesungen erinnere, sogar wissenschaftlich belegt. Sympathie kann also durch das Aussehen beeinflusst werden.
Natürlich ist es nur ein Aspekt von vielen. Und natürlich sollte das Aussehen keine Rolle spielen. Wenn ein Mensch nett ist, sollte es einem schnurz-piep-egal sein, wie er aussieht. Nur leider ist es so, dass man Menschen je nach Aussehen ganz anders entgegentritt (Borowski und Wiese gelten auf Grund ihres Aussehens als arrogant, Özil als weniger intelligent, Fritz und Rosenberg als lieb und nett etc.).
Wichtig ist doch, dass man sich dessen bewusst ist und es sich eingesteht, dass einen so eigentlich unwichtige Aspekte wie das Aussehen beeinflussen könnten und man den Menschen nicht auf Grund des Aussehens in eine Schublade schiebt und die nie wieder öffnet.
Überhaupt sollte man Menschen immer wieder neu betrachten und überprüfen, ob der Eindruck, den man hat, immer noch der richtige ist und ihn gegebenfalls revidieren.
Mal an dieser Stelle: Ich mochte Naldo lange Zeit nicht, weil ich ihn, als ich noch kein Werderfan war, durch ein sehr brutales Foul kennengelernt habe und ich erst einmal merken musste, dass Naldo alles andere als ein brutaler Spieler ist. Mittlerweile ist er einer meiner Lieblingsspieler geworden. Hätte ich ihm nie eine zweite Chance gegeben und nochmal genauer hingeguckt hätte (ok, zugegeben, das fällt wahrscheinlich auch dem vorurteilsbehaftesten irgendwann auf, dass Naldo ein fairer Spieler ist), fände ich Naldo wohl noch immer doof.
Ja, und ich denke auch, dass Sympathie oft Einfluss darauf hat, wie man einen Spieler bewertet. Weil ein Mensch in seiner Wertung immer subjektiv ist. Zum einen kann es gerade passieren, dass man seinen Lieblingsspieler (ja! ein Lieblingsspieler kommt nicht nur durch seine Leistung zustande, sonst hätten wir wohl alle Pizarro als Lieblingsspieler) gerade kritischer beurteilt. Es kann aber auch sein, dass man bei seinem Lieblingsspieler eingestehen kann, wenn er schlecht gespielt hat.
Im Optimalfall kann man natürlich zwischen dem Menschen an sich und seiner Leistung trennen. Man sollte einen netten Menschen auch dann noch wertschätzen, wenn er schlechte Leistung bringt. Umgedreht braucht man jemanden, der gute Leistung bringt, nicht zu mögen (ich kann Großkreutz nicht ausstehen, aber kann trotzdem anerkennen, dass er im Moment sehr gut spielt).
Natürlich befinden wir uns im Leistungssport und nicht in der Schule, in der es darum geht, alle Kinder so lange wie möglich mitzunehmen. Wenn jemand regelmäßig keine Leistung mehr bringt und der Trainer auch bei Förderung nicht mehr glaubt, dass der Spieler dazu in der Lage ist, seine Leistung zu steigern, gehört er auf die Bank und notfalls irgendwann auf die Tribüne bzw. verkauft. Das bedeutet aber nicht, dass man ihn deswegen schlechter behandeln muss. Man sollte jemanden nicht beschimpfen oder ihn als schlechteren Mensch dastehen lassen, weil er schlechtere Leistung bringt. Denn das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.
Um jetzt am Ende mal konkret zu werden: Egal, ob Hunt schlecht gespielt hat oder nicht, dadurch verändert sich nicht, ob ich ihn sympathisch finde oder nicht.
Pfiffe nur gegen einen selber sind denke ich etwas, das an den wenigsten Spielern spurlos vorbei geht. Einige lassen es nicht so nah an sich heran, einige können es gut überspielen andere treffen Pfiffe und wieder andere reagieren vll. auch mal die Nerven. Einige wollen sicher nur mit den Pfiffen zum Ausdruck bringen, dass die Leistung schlecht war. Das würde mich persönlich nicht treffen, wenn ich weiß, dass ich schlecht gespielt habe. Aber all die Pfeiffer, die den Spieler einen Söldner, charakterlos nennen und ihm absprechen, dass er versucht hat, gut zu spielen, bringen ihm meist auch Verachtung entgegen und ich denke, dass würde die meisten treffen - egal, ob sie es als Profi gewohnt sind oder nicht. Sicher trifft es einen weniger, wenn dies von Menschen kommt, die einen nicht kennen, als von Menschen, die man kennt (und mag), aber treffen wird es wohl irgendwie schon und dann kann es eben auch passieren, dass man so wie Hunt am Sonntag reagiert (dass die Reaktion seinerseits ihm nicht hilft, ist was anderes).
Zu Hunts Geste: Hunt wird zu ziemlich großer Sicherheit wissen, dass ihn auch viele Fans unterstützen und die wird er mit seiner Geste auch nicht gemeint haben. Und ich denke, viele, die nicht gepfiffen haben, wissen auch, dass sie nicht gemeint sind. Deshalb sollten sie sich auch nicht angegriffen fühlen und ihm diese Geste übelnehmen. Im Übrigen ist Hunt auch nach dem Spiel noch in die Ost gegangen, um zum Dank abzuklatschen (so stand es ja auf dem Plakat).
Naja...und ich bin noch immer der Meinung, dass Hunt am Sonntag kein schlechtes Spiel gemacht hat (was die Statistik auf BuLi auch belegt; auch wenn ich kein Fan von Statistiken bin, so ist es die einzige Möglichkeit eine subjektive Meinung - und die Bewertung ist bei uns allen subjektiv - zu belegen). Wenn er aber ein schlechtes Spiel gemacht hätte und ich ihn mögen würde, würde ich ihn dadurch aber nicht weniger mögen.
Mag gut sein, dass ich mir in meinem langen Beitrag selber wiederspreche. Zudem ist auch gerade bei Personen des öffentlichen Lebens das Wort Sympathie schwierig, da die wenigsten die Fußballspieler kennen. Trotzdem entwickelt man ja so etwas wie Sympathien. Ich würde es begrüßen, wenn mir als Kommentar zu meinem Beitrag nicht einfach das Wort 'Gutmensch' etc. an den Kopf geworfen wird (wobei das ja eigentlich gar kein negatives Wort ist, aber in diesem Forum oft abwertend verwendet wird).