Bremen
Moderator
Die Politiker müssen ja selbst über ihre Bezügen selbstbestimmen. Es ist verfassungsrechtlich leider geboten. Alle versuchen so genannte unabhängige Diätenkommissionen einzurichten ist ja eben an gesetzlichen Hürden gescheitert.
Dann liegt es eben an der Legistative, zu prüfen bzw. prüfen zu lassen, ob diese gesetzlichen Hürden verfassungsrechtlich überhaupt noch zeitgemäß sind. Das Bundesverfassungsgericht hat in den letzten Jahren ja schon bei einigen Gesetzen und Verordnungen Anpassungen an die moderne Gegebenheiten gefordert, Urteile, die vor 20 oder mehr Jahren noch undenkbar waren. Was spricht also dagegen, Politiker nach BAT zu entlohnen? Es würde die Politik auf jeden Fall glaubwürdiger erscheinen lassen.
Zur Pharmaindustrie: Es ist ja ein FDP-Minister, der das Preismonopol jetzt durchbrechen will. Andere Parteien haben sich da nicht mal ansatzweise herangetraut. Was das Apothekermonopol angeht, so hat dies einen einfachen Grund: Apotheker sind beratungspflichtig. Berät ein Apotheker bei der Verträglichkeit von Medikamenten falsch, dann gerät er in eine Haftung. Diese Haftung kann sogar eine Beweislastumkehr auslösen. Wenn Apothekenkette (DocMorris) entsprechende Beratungen anbieten, dann sind diese auch zugelassen. Worum es geht ist, dass man nicht möchte das bei Discountern und in Supermärkten Medikamente angeboten werden dürfen, welche schwerwiegende Folgen haben können. Selbst die berühmte Acetylsalicylsäure kann in Kombination mit anderen Mitteln tödliche Wirkung haben. Es geht hier um den Schutz der Gesundheit der VerbraucherInnen.
Es ist äußerst lobenswert das nach Jahrzehnten der "Abzocke" endlich am Preismonpol gesägt wird, aber aufgrund der starken Lobby bleibt es abzuwarten, ob es so wie gewünscht auch umgesetzt werden kann.
Die Beratungspflicht ist genau der Punkt, mit dem die Apothekerlobby ihr Monopol begründet, aber dieses Argument ist fadenscheinig, denn warum bekommt in Deutschland seine Approbation als Apotheker nur, wenn man seine Ausbildung in Deutschland absolviert hat? Die EU-Kommission hat bereits im Jahr 2007 gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, weil die Anerkennung von Diplomen aus EU-Staaten und der Schweiz nicht vollständig in deutsches Recht umgesetzt worden ist. Das riecht doch förmlich nach erfolgreicher Lobby-Arbeit, daß der Gesetzgeber die Umsetzung von EU-Recht so weit wie möglich herauszögert; aber in den letzten Tagen sickerte die Nachricht durch, daß die Bundesregierung das Gesetz aufgrund der EU-Richtline das Gesetz novellieren wird. Abgesehen davon unterliegen auch Apotheker der Berufshaftpflichtversicherung, die genau so haftet, als wenn z.B. durch der Fehler eines KfZ-Mechanikers ein Verkehrsunfall verursacht wird, durch den Menschen zu Schaden kommen.
Außerdem wird auch wohl niemand fordern, daß alle Medikamente frei verkäuflich sind, aber bei zahlreichen homöopathischen Präperaten, leichten Schmerzmitteln, Nasentropfen etc. gibt es nur wenige bis keine stichhaltigen Argumente, diese nicht für den freien Verkauf zuzulassen. In den Niederlanden z.B. ist es schon seit Jahren usus, daß solche Produkte in Supermärkten frei verkäuflich sind, ohne daß berichtet wurde, das es dort überdurchschnittlich viele Fälle von falschen Dosierungen oder Mißbrauch gegeben hätte. Denn wenn jemand nicht lesen kann/will oder es darauf anlegt, seine Gesundheit zu ruinieren, der kann das genauso gut hinbekommen, wenn er sich eine 0,7-ltr-Flasche Whisky in den Kopf knallt, vor Ignoranz und Dummheit schützt auch kein Apothekenmonopol.

rivatisierung der Bahn und Ihre langfristigen Folgen. Die Zwischenrufe sind wirklich toll. Die Berliner S-Bahn zeigt auf, wo die Reise hingehen würde.