Du stellst deinem Konjunktiv, in dem es schlecht aussieht für Werder, entgegen, man müsse ein ganz anderes System spielen, um abzuwenden was eintreffen könnte. Daneben wähnst du deine Erwartungshaltung dahin, daß ein gänzlich anderes noch zu implementierendes fußballerisches System mehr Früchte trüge als das was wir jeden Samstag sehen und uns die bisherigen Erfolge einbrachte.
Die Realität ist eine komplett andere.
Du kannst nicht sagen, die Realität
ist eine komplett andere, wenn Du nicht weisst, was andersherum möglich wäre. So verwendest Du indirekt selbst den von Dir kritisierten Konjunktiv, um die Möglichkeiten auszublenden und die vermeintliche Realität als die einzig richtige darzustellen. Die Realität ist die, die wir kennen, aber nicht zwingend eine komplett andere. Du bist sozusagen ein "Jetztmensch", der nicht an das denkt, was morgen kommt (so scheint es!). Doch ohne Voraussicht und damit ohne Planung funktioniert das reale Leben nicht und so wird auch Werder nicht funktionieren.
Die Realität, die ich sehe, ist, dass Werder in der Summe der Spiele einer Saison immer noch den ineffektivsten und naivsten Fussball der Liga spielt, trotz vieler Tore. Für mal eine Spielzeit ginge das noch. Nur passiert das schon seit vielen, vielen Jahren. Dazu liesse sich gleich überleiten....
Aber mit kreativem und offensivem Spiel werden Spiele gewonnen.
...wenn das so wäre, wäre Werder seit 2004 noch 5mal Meister geworden. Unsere Mannschaft hat
in sechs Jahren (diese Spielzeit nach dem 30. ST getrost mit eingerechnet) seither
viermal (!) die meisten Tore geschossen, einmal die zweimeisten und einmal die drittmeisten (08/09)
fünfmal (!) die meisten Chancen und einmal die zweitmeisten erspielt. Dazu kommt im Verhältnis, dass etwa 80-90% der nicht gewonnen Spiele mit übergrossen Vorteilen in Ballbesitz und Spielanteilen für Werder gestaltet wurden und die Siege mit drei und mehr Toren Differenz in sehr hoher Überzahl gegenüber den knappen Erfolgen sind. Zudem ist die Zahl der gewonnenen Spiele, in denen Werder wirklich das schlechtere Team war, verschwindend gering.
Nur steht
die Punkteausbeute dazu in keinem Verhältnis und bei Aufwand/Ertrag steht Werder ganz sicher in der Tabelle der letzten Jahre auch an letzter Stelle. Allein deswegen halte ich es für allzu logisch, zu hinterfragen, was (im Konjunktiv!) machbar wäre, wenn das Ganze cleverer, organisierter und zielführender gespielt würde.
Hier wird sowieso zu viel geredet von offensiv, defensiv.....Schwarz/Weiss-Denke.
Darum geht es nicht, sondern um Ordnung, Flexibilität, ökonomisches Agieren, strategische Spielführung. Ich bin überzeugt davon, dass Werder ebenso attraktiv spielen kann, auch wenn der Aufwand intelligenter und mit einem Schuss mehr Siegermentalität betrieben wird.
Übrigens finde ich, dass sich rein an der Spielweise selbst in 11 Jahren kaum grossartig was geändert hat. Rückrunde 2003 hatten wir die gleichen Schwierigkeiten durch vordergründig schönes, aber unintelligentes und daher erfolgloses Spiel, wie 2007. 99/00 fuhren wir teilweise hohe Siege ein, aber unterlagen genauso oft unnötig und knapp. Der wirkliche Unterschied ist der, dass KA nach und nach die Spieler verpflichten konnte, die zu Schaaf`s System passten und als diese wieder gingen, Nachkäufe nicht mehr so systemkompatibel passten oder gar nicht passten, funktionierte Schaaf`s System nur noch suboptimal. Wiederrum mit dem Unterschied, dass durch die zwischendurch errungenen Erfolge generell die Klasse des Kaders angehoben werden konnte und dadurch diese, sagen wir mal, "Erfolge" noch errungen wurden.
Das System oder die Ordnung des eigenen Spiels ist vor allem wichtig für die Eroberung des Balles und die Limitierung des Gegners.

...und da werden Spiele gewonnen....
Ich bin froh, das Werder einen Trainer hat, der eine bessere Spielkultur einführen will, ....
Wer ist das nicht? Spielkultur und Effektivität schließen einander nicht zwingend aus....
Borowski ist in München auch an der Spielkultur, bzw. dem Fehlen dieser, gescheitert.
Halte ich für ein Gerücht. Gerade Bayern wurde letzte Saison abgemantelt, weil sie teilweise Werder`s Ineffizienz-Harakiri-Manier übernommen hatten. Boro scheiterte, weil das warme, bequeme Nest fehlte....
Aber sowas entsteht nicht über Nacht sondern in einem fest gefügten Kollektiv, welches punktuell ergänzt, aber nicht jedes Jahr umgebaut werden muß. Trotzdem versuchen es KATS. Um eben den schöneren, besseren Fussball zu spielen.
Tja, über das schöner und besser lässt sich ja bekanntlich streiten. Schöner? Möglicherweise. Eher nicht. Besser? Seit Micoud gegangen ist, habe ich erst diese Saison in der Hinrunde wieder mal Kombinationsfussball gesehen. Einzelaktionen sind weder besser, noch schöner, höchstens manchmal für Ballartistik-Liebhaber. Das wiederrum hat aber nichts mit Fussball zu tun.
Aus ihrer Spielauffassung heraus sind spanische und englische Klubs weltweit beliebt.
Achso? Viele spanische Teams spielen mit Ballkontakten über viele Stationen, dafür aber mit weniger und kürzerem Ballbesitz der Einzelnen. Dort ist Disziplin, Verschieben, Organisation und Zuordnung erstes Gebot. Und es fallen auch bei weitem nicht so viele Tore (und leichte Gegentore) wie in der BL. Ich weiss jetzt kein spanisches Team, welches so oft sinnfrei wie Werder spielt.
Englische Teams - ich weiss nicht. Die waren immer vor allem deshalb hin und wieder beliebt, weil ihre Spieler nicht so wehleidig waren und weil es schnell hin und her ging. Aber der Fussball? Der ist doch jetzt nur so stark, weil die Kohle alles dominiert. Trotzdem sehe ich den Beliebtheitsgrad nicht in deren grundsätzlicher Spielweise.
Nicht, weil sie einfach nur gewinnen. (Genau das aber reicht den Bayern, diesen Alpen-Catenaccios.)
Hast Du diese und letzte Saison Bayern-Spiele verfolgt?
Werder erfreut sich ungeheurer Beliebtheit. Warum? Weil selbst ein Laie erkennen kann ob eine Mannschaft Spielkultur (-philosophie oder für die Gläubigen: eine Seele) besitzt oder nicht - und das honoriert.
Vor allem, weil die Laien 18.30 Uhr am Samstag ARD anschalten, von irgendwelchen Reportern etwas von "Offensivfussball" hören und viele Werder-Tore und Werder-Gegentore oder mitunter nur Werder-Gegentore sehen. Das macht beliebt....:o
Wie auch Stürmer, die sich freuen, dass sie immer zu ihren Chancen kommen...

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