Und das mit dem Grundgesetz:
Woher kommen denn die Grundlagen des Grundgesetzes? Wohl kaum aus einem Buch von Douglas Adams oder Friedrich Nietzsche... Sie kommen dummerweise aus der Bibel.
Ich kopiere hier mal einen guten Text dazu, der das gut widerlegt. Das Original findet sich
hier.
Ist das Christentum die Grundlage unseres Rechtsstaates?
Von Christen hört man oft das Argument, dass mit den Vorschriften der Bibel alles geregelt ist, was für ein friedliches und funktionierendes Zusammenleben der Menschen nötig ist.
Im Gegensatz zum absolutistischen Staat wird die Macht des demokratischen Staates umfassend durch Gesetze determiniert, um die Bürger vor Willkür zu schützen. Zu den Grundprinzipien gehören Gewaltenteilung, Berechenbarkeit staatlichen Handelns und Grundrechte. Die Vereinbarkeit der Bibeltexte mit diesen Grundprinzipien wird im Folgenden hinterfragt.
Wer meint, die Bibel enthalte Regeln, die vom Großteil der Gesellschaft als verbindlich anerkannt werden können, scheint den Inhalt der Texte nicht oder nur unvollständig zu kennen. Daher beginne ich mit dem Zitat der Zehn Gebote (Lutherbibel, Standardausgabe 1984) und komme später auf weitere Bibeltexte zu sprechen:
1. Gebot: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
2. Gebot: Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!
Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
3. Gebot: Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
4. Gebot: Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes.
5. Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.
6. Gebot: Du sollst nicht töten.
7. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.
8. Gebot: Du sollst nicht stehlen.
9. Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten
10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.
Die ersten vier Gebote widersprechen dem verfassungsrechtlich gewährten Recht auf Religionsfreiheit, aber sind davon abgesehen - in rechtlicher (weltlicher) Hinsicht irrelevant. Wegen der Strafandrohung bei Verstoß sind sie dennoch einer Erwähnung wert: Missetaten der Väter werden an den nachfolgenden vier Generationen gerächt. Wenn diese Strafe Gottes tatsächlich verhängt würde, stünde sie in krassem Widerspruch zum von allen zivilisierten Gesellschaften anerkannten Rechtsgrundsatz des Schuldprinzips, wonach eine Person nur bestraft werden kann, wenn sie selbst eine schuldhafte, mit Strafe bedrohte Handlung oder Unterlassung begangen hat.
Dieses Prinzip der Kollektivstrafen und Sippenhaftung gegenüber unschuldigen Menschen findet sich in zahlreichen Texten des Alten und Neuen Testaments (z.B. Sintflut Genesis 1. Mose 6, 5-8; Sodom und Gomorrha 1. Mose 18, 20; Strafen gegen die Städte Chorazinund, Betsaida Matthäus 11, 20-22).
Das 5. Gebot, Vater und Mutter zu ehren, mag eine grundsätzlich sinnvolle Verhaltensregel sein. Es fehlt jedoch die Aufforderung an die Eltern, ihren Kindern ebenfalls Respekt entgegenzubringen. Und die über ein störrisches Kind verhängte Strafe fällt unvorstellbar grausam aus:
Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben. (Deuteronium Kapitel 21)
Zum 6. Gebot gibt es eine Vielzahl an Ausnahmen, welche die Tötung von Menschen erlauben. Nicht nur Gott selbst begeht wiederholt Völkermord, er ordnet die Todesstrafe für geringfügige Vergehen oder schlichte Nicht-Gläubigkeit an: Homosexuelle, ungezogene Kinder, Ungläubige, fluchende Menschen, Zauberinnen etc. sind zu erwürgen oder zu steinigen.
Das 10. Gebot wertet das Begehren fremden Eigentums an sich als Unrecht. Der Text gibt Auskunft darüber, welche Stellung eine Frau in den Augen Gottes hat: Sie steht auf derselben Stufe mit Haus, Rind und Esel.
Die Minderwertigkeit von Frauen gegenüber Männern wird auch in zahlreichen anderen Bibelstellen deutlich zum Ausdruck gebracht:
Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem Herrn (Eph.5,22).
Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz (1 .Kor.1 1,7).
Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie sich über den Mann erhebe, sondern sie stille sei. Denn Adam ist am ersten gemacht, danach Eva. Und Adam ward nicht verführt; das Weib aber ward verführt und hat die Übertretung eingeführt (1.Tim.2,11-12).
Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. (1.Kor.11,7).
Lediglich die Gebote 7, 8 und 9 weisen eingeschränkte rechtliche Relevanz auf und spiegeln sich in unterschiedlicher Ausprägung in Rechtsordnungen wider.
Natürlich stellt sich auch die Frage, welche Tatbestände die Bibel NICHT regelt. Es fällt auf, dass zahlreiche Verbrechen, wie z.B Völkermord, Vergewaltigung, Verhetzung, Sklaverei, Rassismus nicht nur nicht verboten sind, sondern ganz im Gegenteil geradezu empfohlen werden:
Sklaverei:
Die Sklaven und Sklavinnen, die euch gehören sollen, kauft von den Völkern, die rings um euch wohnen; von ihnen könnt ihr Sklaven und Sklavinnen erwerben. (Lev. 25,44)
Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. (Eph. 6,5)
Verfolgung Nichtgläubiger:
Welcher des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. (3. Mose 24,16)
Ach dass die Gottlosen müssten zur Hölle gekehrt werden, alle Heiden, die Gottes vergessen! (Psalmen 9,18)
HERR, stehe auf, dass die Menschen nicht Oberhand haben; lass alle Heiden vor dir gerichtet werden! (Psalmen 9,20)
Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürgt sie vor mir! (Lukas 19,27)
Tötung von Zauberinnen und Wahrsagern:
Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. (2. Mose 22,17)
Wenn ein Mann oder Weib ein Wahrsager oder Zeichendeuter sein wird, die sollen des Todes sterben. Man soll sie steinigen; ihr Blut sei auf ihnen. (3. Mose 20,27)
Tötung Homosexueller:
Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben;
(3.Mose 20,13)
Diktatur:
Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes. (Römer 13,1)
Christen versuchen meist, die barbarischen Texte des Alten Testaments durch Zitate aus dem Neuen Testament abzuschwächen oder umzudeuten. Wer jedoch das Alte und das Neue Testament liest, bemerkt, dass das Wesen Gottes sich nicht unterscheidet.
Selbst bei schnellem Durchlesen des Neuen Testaments wird bald klar, dass Jesus öfters über die Hölle als über den Himmel spricht. Er gibt eindeutig zu verstehen, was seine Mission auf Erden ist:
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.
Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. (Matthäus 10)
So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. (Lukas 14,26)
Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. (Matthäus 13)
Die zitierten Texte stehen weit unter dem ethischen und rechtlichen Mindeststandard jeder halbwegs zivilisierten Gesellschaft. Vergleicht man diese Vorschriften mit den auf säkularem Boden wurzelnden Menschenrechten, zeigt sich, dass die zugrunde liegenden Weltbilder schlichtweg inkompatibel sind. Die Bibel widerspricht in maßgeblichen Teilen den Grundlagen einer rechtsstaatlich und demokratisch organisierten Gesellschaft.
Allein die oben angeführten Texte verstoßen mit einer Ausnahme (Art. 7 Keine Strafe ohne Gesetz) gegen sämtliche in der Europäischen Menschenrechts-Konvention (EMRK) garantierten Rechte und Freiheiten:
Art. 1: Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte
Art. 2: Recht auf Leben
Art. 3: Verbot der Folter
Art. 4: Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit
Art. 5: Recht auf Freiheit und Sicherheit
Art. 6: Recht auf ein faires Verfahren
Art. 7: Keine Strafe ohne Gesetz
Art. 8: Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens
Art. 9: Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit
Art. 10: Freiheit der Meinungsäußerung
Art. 11: Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit
Art. 12: Recht auf Eheschließung
Art. 13: Recht auf wirksame Beschwerde
Art. 14: Diskriminierungsverbot
Diese fundamentalen Menschenrechte mussten in einem Jahrhunderte dauernden Kampf gegen die Machtansprüche von Kirche und Religion durchgesetzt werden. Daher ist es nur konsequent, dass der Vatikan als einziger Staat neben Weißrussland die EMRK bis heute nicht ratifiziert hat.
Und zu guter letzt:
Interessant fand ich übrigens die Bus-Kampagne der Atheisten letztes Jahr. Jetzt fangen die auch noch an zu missionieren... Ich sag ja, der Glaube an eine Nicht-Existenz ist auch ein Glaube, und somit eine Art Religion.
Wenn Atheismus eine Religion ist, dann ist Glatze eine Haarfarbe
