Nachdem Marko Marin in den vier Bundesliga-Spielen zuvor sehr gute - und auch weitestgehend mannschaftsdienliche Leistungen abgeliefert hat, sowie gestern eine aus meiner Sicht ordentliche erste HZ spielte, finde ich es etwas unangemessen, nach einer schlechten HZ, die zugegeben einen schlimmen Rückfall in die Hinrunden-Auftritte darstellte, sogleich wieder draufzuhauen.
Aber ein paar dieser Argumente stören mich dann doch:
Ich will damit nicht die Wichtigkeit des Passens mindern, aber für mich ist das Dribbling ein sinnvolles taktisches Mittel. Genauso wie man beim Passen Fehlpässe spielen kann, so kann man beim Dribbling hängen bleiben.
Hoppla, das sehe ich dann aber deutlich anders. Wenn das Direktspiel auch dann versucht wird, wenn es weniger Erfolgsaussichten verspricht, ist das für mich ein grosser Unterschied, als wenn statt dessen das wenig erfolgversprechende Dribbling gesucht wird. Wir wissen alle, dass Risikopässe nun mal zu 65-85% (oder mehr) schief gehen. Wenn sie aber gelingen, ist das erheblich mehr Wert als diese Dribblings und selbst wenn nicht, hat das m.E. einen höheren Stellenwert, weil a) dann immer noch der Versuch da ist, die Mitspieler einzubinden, die dann wenigstens noch die Chance auf den Lohn ihres, eventuell betriebenen Aufwandes haben, b) dem Gegner so oder so die Zeit fehlt, sich selbst zu formieren, da das Überraschungsmoment zumindest zeitweise gehalten wird und c) wegen b) die Möglichkeit der erneuten Balleroberung nach dem Verlust höher ist. a), b) und c) ist beim wenig erfolgversprechenden Dribbling kaum oder gar nicht gegeben.
Es geht auf jeden Fall besser als wir das zur Zeit zeigen und 2003/2004 haben wir auch viele Tore durch direkteres Spiel geschafft, aber auch durch individuelle Klasse in 1-1-Situationen. Übrigens auch durch Johan Micoud, der sehr wohl durch seine technischen Qualitäten 1-1 gehen konnte und das teilweise schon durch geschickte Ballmitnahmen meisterte, aber auch im frontalen 1-1 und so auch für uns getroffen hat.
Genau DAS war der Unterschied. "Teilweise". Micoud hat gedribbelt, wenn es gar nicht anders ging - was bei MM selten so ist - aber in 80-90% der Fälle, behaupte ich, hat er den Ball laufen gelassen. Eine Einschätzungsgabe, die nicht vielen gegeben ist. Allerdings meine ich, dass Marin (übrigens im Gegensatz zu Diego) sehr wohl die Spielintelligenz dafür besitzt. Das war öfter zu sehen. Er muss es nur machen, er muss das Maß finden. Aber da ist, wie ich finde, sein zuletzt eingeschlagener Weg der richtige.
Ich denke, dass es im Fußball nicht möglich ist nur zu passen, weil eine tiefe Defensive die gut verschiebt und gestaffelt steht, direktes Passspiel häufig unterbinden kann und vor allem das Tempo rausnehmen kann, wodurch der Effekt auch verpufft.
Richtig, wenn Du den Pass nach vorn meinst. Allerdings verpufft der Effekt dann umso mehr, wenn gegen diese, ohnehin schon gut verschiebende Defensive mit dem Sinnlos-Dribbling der Ball hergeschenkt wird. Dann lieber doch ein kluger Sicherheitsquer- oder Rückpass, um den Angriff neu aufbauen zu können, um auf`s Neue auszuloten, wie denn Raumgewinn machbar ist oder wo die Schwachstellen des Gegners zu finden sind. DAS ist defensive Dominanz und Taktik des versteckten Agierens.
Was ich entscheidend finde, damit das Zusammenspiel besser wird, ist das unser Tempo im Spiel und auch die Höhe auf der wir agieren variiert (das konnte Micoud meisterlich), dadurch könnten sich dann mehr Räume auftun, um miteinander zu spielen und wir sind am Ende nicht platt, denn danach sah es gestern aus (drei Spiele in 8 Tagen!!!).

Und da ist eine kluge Spieführung, ein taktisch flexibles Vorgehen gefragt, eben das, was bei uns gestern fehlte.
Zitat von Lothar Matthäus;886574:
Normal gewinnen wir das gestrige Spiel - ein Sonntagsschuss und alles muss in Frage gestellt werden? Dann muss man konsequenterweise auch Claudio Pizarro hinterfragen, warum er alleinstehend vor dem TW, selbigen anschießt. Fußball ist nun einmal so, dass man solche Spiele leider auch mal verliert, weil man seine Chancen nicht nutzt. Beim nächsten trifft er dann und die Diskussion über Systeme und individuelle Klasse hat sich erledigt.
Nö, denn die wichtigere Frage ist, ob ein Team sich überhaupt davon abhängig machen muss, dass immer die Chancen zu 70-100% sitzen, oder ob es bzw. der Trainer mal in der Lage ist, wenn es nicht klappt, auf eine andere Spielausrichtung oder andere Mittel zurückzugreifen. Da liegt für mich der entscheidende Punkt.