Aus dir spricht die reine Enttäuschung eines Fans, der nicht verlieren kann.
So ist es. Wenn nach dem ersten Tor Tausende rechts, links und vor Dir in Deine Richtung skandieren "Werder Bremen Hurensöhne" oder etliche Plastebecher fliegen, das 20 Minuten anhält, später nochmal 10 Minuten wiederkehrt und wenn Du dann, frierend in der Eiseskälte siehst, wie dümmlich Werder auch noch auf dem Platz agiert und so ein Spiel unnötig herschenkt, Du dann über sechs Stunden im schwersten Schneetreiben heimfährst, nehme ich mir raus, auch mal enttäuscht sein zu dürfen.
Oder ist es vielleicht ganz normal, daß eine sich entwickelnde Mannschaft nicht sofort konstant spielen kann?
Na klar ist das normal. Nur hat das, was die letzten Wochen ablief, weniger mit einer unkonstant agierenden Mannschaft zu tun, sondern einfach mit mangelnder Variabilität, Flexibilität etc. Gerade wenn bei einem Team der Akku leer scheint, einzelne Leistungsträger unter Form agieren, muss ich doch zusehen, clever zu spielen, einfacher, ergebnisorientierter und kräftesparender. Werder aber macht seit geraumer Zeit genau das Gegenteil. Dafür ist unter anderem ein Trainer zuständig, da einem Team den Weg zu weisen.
Ich glaube kaum, dass es keine Reaktion auf bestehende Fehler gibt.
Den Satz meinst Du ernst? Aha, und wie sehen die Folgen dieser angeblichen Reaktion Deiner Meinung nach aus? Dass wir nach dem Bochum-Spiel, wo erste Ansätze von Schludrigkeit zu sehen waren, danach in Nürnberg komplett die selben Fehler, nur noch schlimmer, machen? Dass wir dann gegen Dortmund mit einem hohen Übergewicht an Ballbesitz trotz mehr Belastung als der BVB unter der Woche derart unklug agieren, uns zwischendurch von einem 6:0 in Freiburg beweihräuchern lassen, nur weil ein neuer Trainer Dutt (wohl auch der einzige) nicht wusste, wie gegen Werder zu spielen ist? Dass wir selbst gegen Wolfsburg mit 24 : 8 Torschüssen und 8:5 und wiederum einem hohen Vorteil an Ballbesitz rumlaufen, gegen eine Mannschaft, die ansonsten genau umgekehrt naiv spielt? Dass wir in Köln gegen einen limitierten Gegner nun gänzlich die Attribute vermissen lassen, wie vertikales Spiel, wie Scheindominanz, wie Schnelligkeit bei Balleroberung und dies danach auch noch von Spiel zu Spiel extremer wird? Weder Schalke, noch HSV, schon gar nicht Köln hatten in Ansätzen die individuelle Klasse wie Werder auf dem Platz, aber von der Ein- und Aufstellung und dem spieltaktischen Vorgehen hatten sie uns einiges voraus.
Seltsamerweise hat er aber mit seinen Methoden Erfolg über lange Zeiträume. Warum nur, wenn er so ein schlechter Trainer ist und "hart hinterfragt" gehört.
Das ist das übliche Argument, wenn einem nichts anderes einfällt. Unstrittig ist, dass der liebe Thomas Schaaf mit seiner Herangehensweise und der langen Leine eine Mannschaft mit geringerer Qualität zu Höchstleistungen bringt, dass sich Spieler entwickeln, die sich unter Druck vermutlich nie so entwickeln würden. Wie sich zeigt, wenn sie danach anderswo spielen. OB TS aber auch bei einer Mannschaft hoher Qualität, wie sie Werder derzeit hat, diese auch nahe am Optimum führen kann, wage ich langsam zu bezweifeln. Letztlich lässt uns das, was den Verein nach oben geführt hat, an der Schwelle zu mehr Erfolgen scheitern.
Statt einzuschreiten, wird da wieder etwas laufen gelassen, bis sich auch die letzten Spieler in Formkrisen verirrt haben.
Der letzte Satz ist an sich eine Frechheit. Wann hat es das so jemals gegeben?
Dann wollen wir die "Frechheit" doch mal auseinandersplitten. Dazu passt z. Bsp. das:
Bleiben Lutscher und Jensen die beide aber überfordert scheinen.
Tja, so ist das dann:
Frings ist weniger ein spielintelligenter Sechser, der den Ball in die Tiefe wählt oder ein Spiel über eine Zwischenstation schnell macht, im Sinne der Verlagerung hin zu den freieren Räumen, so wie Baumann es immer konnte. Seine Eröffnung besteht insbesondere im direkten langen Ball in die Spitze, was gegen im Zentrum nicht rausrückende Schalker und mit Almeida/Marin ein nahezu untaugliches Mittel darstellt. Jensen dagegen ist einer, der das anders, variabler spielt. Selbst wenn eine Doppelsechs Frings/Jensen nicht wie vor genannt und die Raute bevorzugt worden wäre, so darf die Frage erlaubt sein, weswegen eine Verschiebung Frings-Jensen nicht möglich ist. Dies hätte speziell gegen S04 den Vorteil haben können, dass Frings` s Lauf- und Zweikampfstärke sowie Balleroberung, was auf der Halbposition absolut primär ist, gegen die Schalker voll zum Tragen gekommen wäre und zumindest den Nachteil der in diesem Bereich aggressiveren Schalker hätte ausgleichen können. Während Jensen seine strategische Übersicht im Zentrum besser hätte ausspielen können.
Schon während des Köln-Spiels zeigte sich das. Was wurde getan? Es wurde laufen gelassen. Über 180 Minuten.
Oder die Personalie Prödl. Dass Fritz ausfiel, dafür kann Schaaf nichts. Doch schon im Verlauf der letzten Saison, allerspätestens nach dem UEFA-Finale und dem Saisonstart gegen Frankfurt zeigte sich überdeutlich, dass der Junge grosse Probleme im Stellungsspiel hat und noch nicht besonders gut antizipiert. Dazu war er nun lange verletzt und ohne Spielpraxis. Warum zum Geier spielt der gegen die seit Wochen in bestechender Form auftrumpfende linke HSV-Seite mit Jansen und Elia???

Scheitern absehbar. Beschäftigt sich TS mit dem Gegner? Die Logik Fritz raus und Prödl rein ist vom Kader her nachzuvollziehen, aber überhaupt nicht in Bezug auf den Gegner. Irgendwas überraschendes - Pasanen tauschen (wegen dem Stellungsspiel), notfalls sogar Jensen hinten rechts als Strategen (und wegen dem Stellungsspiel), oder Niemeyer, irgendwas, womit auch der Gegner nicht rechnet. Wir aber sind immer in höchstem Maße berechenbar. Schon vor dem Spiel gab es diese Bedenken mit Prödl von vielen Usern und im HSV-Forum wurde deswegen schon vorher gefrötzelt. Die Quittung hatten wir bereits nach zehn Minuten, als Prödl dreimal falsch stand und der HSV über diese Seite drei Chancen einleitete. TS gibt einem Spieler das Vertrauen, aber er hat hier weder dem Spieler, noch der Mannschaft einen Gefallen getan.
Oder die Wechsel nach der Pause. Sonst kritisiere ich ja keine Wechsel, nur als bereits spielerisch gegen diese Wand nichts ging, wogegen TS ja offensichtlich schon keine Mittel fand, wählte er Rosi, obwohl klar war, dass uns Räume fehlen. Die Logik, dass er am Mittwoch zweifelsohne gut spielte, ist doch nicht auf jedes Spiel übertragbar. Hätte hier Almeida mit seiner Wucht und Zweikampfstärke nicht mehr bewirken können? Zumal bis dato niemand aus der Distanz schoss.....
Dazu passt das ganze, plumpe Rumwurschteln mit zig Prozent Übergewicht an Ballbesitz ohne jede Effizienz. Ein Trauerspiel.
Nennt es "Frechheit" aber wir schlagen uns eindeutig selbst. Wobei die Mannschaft nur zum geringeren Anteil dieses Spiel verloren hat.