@KNB_for_Pulitzer
Da dürftest Du Recht haben. Ich schrieb ja schon früher, dass ich TF eher als idealen Spieler für die Halbposition sehe als auf der Sechserposition.
Wenn ich die Benchmark für einen Top-Sechser im System Raute suche, komme ich immer wieder auf Frank Baumann zurück. Wo liegt nun aber der Unterschied zwischen Baumi und Fringser?
Die Vertikale in der Raute ist - und das unweigerlich - die entscheidende Kreativebene dieses Systems. Hier brauchst Du auf beiden Positionen eine schnelle Spielführung, sowohl in der Eröffnung (Sechser) als auch in der Fortführung (Zentraler OM) des Angriffs. Gelingt schon das nicht, kann das Rautensystem, egal wie die Positionen im Raum verschieben, aufgrund der hohen Anforderungen an die Flexibilität zum Boomerang werden. Baumi war der ideale One-Touch-Fussballer, dessen Spieleröffnung in den letzten drei Jahren aber zunehmend in der Wirkung einbüßte, weil Diego mit seiner anderen Spielauffassung (Ballhalten) diese meist wieder zerstörte. Wird in der Vertikale nicht schnell gespielt, gehen nicht nur Überraschungsmoment und konsequentes Stören - schon in vorderster Linie - verloren, es steigt auch das Konterrisiko, da zum einen der Gegner Zeit hat, sich zu formieren und zum anderen gegen die zwangsläufig zu hoch aufgerückten Mannschaftsteile mit schnellen Pässen in die Räume diese nutzen kann. Wie das geht, hat Werder seinerzeit oft erfahren müssen......
Baumi hatte den Blick für sich aus der Spielsituation heraus ergebende Räume, folgerichtig suchte er oftmals und das meist mit wenigen Ballkontakten umgehend die schnelle Spielverlagerung zum Zwecke des Platz schaffens (was, wie gesagt, oft wieder vernichtet wurde). Bevorzugt mit Diagonalbällen, da besonders so die Breite genutzt werden kann, unabhängig davon, ob der Pass direkt oder indirekt über Zwischenstationen gespielt wird. Wichtig ist der Raumgewinn.
Und genau da sehe ich Schwächen bei Frings. Seine kreative Spieleröffnung ist in der Regel der lange oder steile Pass direkt in die Spitze, geht das nicht, kommen fast immer Quer- oder Sicherheitspässe. Letztlich das, was Bilbo in seinem Beitrag andeutete, wo er m.E. mit der Verlangsamung eben so nicht falsch liegt wie Lothar mit der Spielberuhigung. Aber die Übersicht und Intuition für (entstehende) Räume, die Baumi verkörperte, fehlt ihm etwas. Trotzdem finde ich, dass Fringser das auf die beschriebene Weise sehr gut löst, weil es letztlich relativ risikolos ist. Und das ist ja auch im Sinne der Mannschaft. Was ihn aber nicht freispricht von diesen angesprochenen strategischen Schwächen, denn dass er dadurch weniger für OT-Fussball geeignet ist, sollte klar sein.
Offenbar hat Thomas Schaaf das genau so analysiert, deswegen suchte er bei der Umstellung zu Saisonbeginn die Mittellösung als Baumi-Ersatz mit einem One-Touch-Spieleröffner (Boro) und einem Balleroberer und Zweikämpfer (Frings). Nur sind letztere, genannte Stärken eher ideal für die Halbposition, da es auf dieser Rauten-Defensiv-Linie, der Horizontale, mMn genau darum geht. So meine ich im Gegensatz zu vielen anderen, dass hauptsächlich der Baumann-Abgang und nicht der von Diego die Ursache für die Systemumstellung war. Leider erwies sich das wieder als taktisch falsch, weil zum einen insbesondere Özil außen doch einiges von seinen Stärken einbüßte und beide - Marin und Özil - Defizite in der Rückwärtsbewegung haben und deswegen gemeinsam nicht im MF spielen sollten. Die Doppelsechs wurde dadurch überlastet, was sich bereits in den Freundschaftsspielen zeigte und gegen Frankfurt ausuferte. Dazu kamen Boro`s Probleme, sich in der lange nicht gespielten Rolle erst zurechtzufinden. Wenn ich im ersten Saisonspiel noch daran denke, wie oft die Eintracht-Spieler trotz erheblich weniger Ballbesitz, trotz sehr einfachem Spiels und weniger läuferischem Aufwand in Überzahlsituationen kamen, kommt mir immer noch das kalte Grausen.......
Zum Glück ist TS diesmal entgegen seiner Mentalität schnell wieder von dieser Taktik abgerückt.
Insgesamt sollten wir aber aufpassen, nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Frings ist selbst strategisch immer noch einer der besten Sechser der Liga. Kämpferisch und als Führungsspieler sowieso.