Ich möchte mir noch einmal ein wenig mehr Mühe geben, um die Debatte zu einem vernünftigen Konsens zu bringen. Ich denke, dass das möglich ist, denn momentan sehe ich zwischen Steinkogler, diego_lib84, Peggy76, carlos2308 oder werderaner nur nuancenhafte Unterschiede. Wem das jetzt zu langatmig wird, braucht ja nicht zu lesen...
Zitat von Lothar Matthäus;693589:
Mal was anderes: Sehr sympathisches Interview mit ihm. ....
Das hat alles Hand und Fuß, was er da sagt und klingt für einen Zwanzigjährigen schon sehr reif.
Zitat von Mesut Özil:
Das liegt aber auch an meiner neuen Position hinter den Spitzen. Ich kann als Vorlagengeber und Torschütze viel mehr in Erscheinung treten, weil ich zentraler spiele und viel öfter vor das Tor komme. Aber ohne Hilfe der Mannschaft würde das nicht so gut funktionieren, denn Fußball ist kein Einzelsport.
:svw_applaus:
Du deutest erfreulicher Weise an, dass alle Spieler voneinander profitieren. Aber am Ende läuft es dann doch immer nur drauf hinaus was Özil bewirkt und wie er anderen hilft ihre Möglichkeiten auszunutzen. Was ich von dir und den anderen Özil-Fans noch nie gelesen habe ist der Fakt, dass und wie auch Özil von anderen profitiert. Das lasst ihr alle immer gerne unter den Tisch fallen. Und ich behaupte, dass Özil genauso von den anderen profitiert wie umgekehrt.
Aussagen, die zeigen, dass Du meine Beiträge entweder nicht vollständig gelesen oder nicht vollständig verstanden hast. Da wird in Wahrheit nichts unter den Tisch gekehrt.
Dazu noch ein Einwurf aus dem kicker-Interview von Pizarro aus der vorherigen Montags-Ausgabe vom 26.10.09:
kicker: "Özil, Marin, Hunt - drei junge Bremer, von wem profitieren sie am meisten?
Pizarro: "Aufgepasst, Fangfrage! Doch ich wiederhole, was ich gesagt habe, als ich vor einem Jahr das erste Mal bei Werder trainiert habe: Mesut Özil hat das ganz Besondere, er hat alle Qualitäten und er ist ein sehr intelligenter Spieler."
Ähnlich urteilten Ballack, Lahm und der Unaussprechliche, unabhängig voneinander, weil 5-10 Minuten nach Spielende, nach Mesut`s erstem Länderspiel von Beginn an. Dass es solch einen Spieler in der deutschen N11 schon lange nicht mehr gab. Darüber hinaus ist mir noch eine Kahn-Aussage in Erinnerung aus der Saison 1998/99, glaube ich, war das, der sinngemäß sagte: "Eine Spitzenmannschaft waren wir immer. Aber Effenberg macht den Unterschied zwischen Spitzenmannschaften aus."

So war es damals und so sehe ich das in Bezug auf Mesut Özil bei uns derzeit auch.
Dass Özil als besonderer Spieler gesehen wird, heisst ja nicht, dass andere eine geringere Wertschätzung bekommen. Falls das derart rübergekommen ist - gemeint war es so nie. Mesut könnte sein Spiel nicht durchbringen ohne entsprechende Nebenleute. Ich glaube aber, dass er in vielen Mannschaften einiges bewirken könnte (Mann, wie betriebsblind war Schalke eigentlich

), während die Nebenleute - dauerhaft - ohne ihn vermutlich
nicht auf diese Weise glänzen könnten. Für mich ist ebenfalls entscheidend, wie bei Karlotto nachfolgend zitiert - eine Mannschaft, die zeitweise auch ohne den ansonsten zentralen Spieler trotzdem funktioniert, das zeigt auf der anderen Seite nämlich dessen Wert. Weil das Team und alle, die dazugehören, sich stetig entwickeln. Als Mesut mal fehlte, lief`s dennoch und wir blieben ungeschlagen. Als er vordergründig nicht so spektakulär auftrat, spielten andere stark auf. Obwohl auch da eine gewisse Effizienz im Spiel des MÖ zu beobachten war. Was alles nicht gleichbedeutend damit ist, dass er vollständig zu ersetzen wäre. Es läuft aus meiner Sicht letztlich auf den Micoud - Vergleich hinaus. Dazu nochmal die Debatte im Zusammenhang mit Beitrag Nr. 7490.
Vom 27.03.2008:
Zitat von maddin:
Die Frage Diego-Micoud ist keine Systemfrage. Es geht darum, dass ein Micoud unglaublich spielintelligent ist und ein Diego eher mäßig spielintelligent ist. Ein Micoud hat Augen am Fuß und konnte selbst aus dem Dribbling heraus den Ball steil spielen. Er musste nicht schauen und ist nicht blind in die Dribblings gegangen. Er hat extrem klug Fußball gespielt und hat Spieler wie Klose, Borowski, Baumannn und vor allem Ailton mit seiner Spielweise auf ein anderes LEvel gehoben. Ein Diego hebt niemanden auf ein anderes Level.
Das ist aber nicht die Schuld von Diego. Diego ist ein sehr guter Fußballer. Das Problem diese Saison war, dass zu viel an ihm hängen bleibt. Es fehlt ein Spieler, der dem Spiel Struktur gibt und der mit seiner Intelligenz die anderen Spieler auf ein höheres Level hebt. Das kann auch ein Frings nicht. Frings ist ein Arbeiter, zweikampfstark und abgezockt im 1 gegen 1, aber er ist kein Stratege mit hoher Spielintelligenz. Die Frage ist nicht, ob Diego verkauft wird, denn Diego ist nicht das Problem, wenn ein solcher Spieler auf einer anderen Position spielt. Die Frage ist, wie Werder mehr Spieler auf den Rasen bekommt, die das verkörpern. Unabhängig von der taktischen Ausrichtung, ob eher defensiv oder offensiv, war Werder in vielen Spielen erschreckend naiv.
Zitat von unentschieden:
Spielintelligenz. Das ist das, was sowohl Jo wie auch Diego auszeichnet. Sie interpretieren das bloß unterschiedlich. Man schaue sich mal ganz in Ruhe die Spiele von Diego mit Robinho an. So wie gestern. Diego kann als klassische 10 extrem glänzen, wenn er eine schnelle und technisch versierte hängende Spitze zum Partner hat. Dann dazu noch ein Knipser vorne drin und bingo. Mir wäre deshalb ein Sturm Harnik/Klasnic am Liebsten, Doch für eine "Robinho-Rolle" bräuchte Martin Selbstvertrauen und die Unterstützung des Trainers für spielerische Freiheiten (z.B. beim Flügelwechsel). Das ist erstmal nicht abzusehen.
Aber eigentlich hängt viel an Frings. Wenn Torsten wieder in Form ist, entsteht eine ganz andere physische Präsenz im Mittelfeld.
Zitat von maddin:
Genau das ist der Unterschied: neben Diego wirkt ein Spieler wie Robinho weltklasse, der in jeder Mannschaft der Welt spielen und glänzen kann. Neben Micoud wirkt ein Ailton weltklasse, der inzwischen selbst für Duisburg zu schlecht ist und sonst nirgendwo annähernd so geglänzt hat.
Und das ist der Punkt.

Als Mesut noch, wie er im zitierten Interview selbst anmerkte, durch die Halbposition, aber mMn besonders durch Diego`s Präsenz, in seinen Möglichkeiten eingeschränkt war, konnte er sich kaum entfalten. Dennoch hat er, mit mehr defensiven Aufgaben als jetzt betraut, letzte Saison 15 Tore vorbereitet. Das sagt m.E. sehr viel aus.
Dazu noch das vom geschätzten User, verfasst
am 30.07.2009:
Zitat von Lothar Matthäus:
Das ist schön, dass du das so schreibst, denn es gibt mir nochmals Gelegenheit, auf das Thema Diego/Micoud einzugehen.
Der Unterschied ist doch offensichtlich: Micoud hat alle ein Stück weit besser gemacht - war auf dem Spielfeld derjenige, der für Ordnung, System und Disziplin gesorgt hat.
Er war so gut, dass die Mannschaft sogar ohne ihn funktionierte. Das war bei Diego anders. Da hingen wir tatsächlich an diesem Tropf, denn die Mannschaft war auf "Micoud" geeicht. Die Mannschaft hat wirklich lange gebraucht, um ein System zu finden, welches Diego-kompatibel war. Ein System also, welches der individuellen Klasse und der Omnipräsenz Diego´s auf dem Spielfeld angepasst war. Probleme gab es, wenn Diego ausfiel oder außer Form war.
Ich erhoffe mir eine Rückkehr zu einem System, welches vom Kollektiv getragen wird. Mit dem Abgang Diego´s ist dazu auch wieder die Chance da. Ich will dem genialen Kicker Diego überhaupt nichts in Abrede stellen, aber er war nun mal ein Hemmschuh zu diesem Fußball.
Viele Spieler werden von diesem Abgang profitieren, da sie, so meine Erwartung (nicht Hoffnung), mehr Entfaltungsmöglichkeiten und Raum auf dem Spielfeld erhalten werden. Sie werden ihre Möglichkeiten besser ausschöpfen, werden mehr ins Offensivspiel eingebunden und somit auch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Ich halte bspw. genau deswegen auch viel von der Borowski-Rückkehr, weil er rein spielerisch viel mitbringt, was wir an Impulsen benötigen.
Die individuelle Klasse wird uns genau dort abgehen, wo es mannschaftlich nicht läuft. Vieles hat Diego genau in diesen Augenblicken herausgerissen. Aber daraus jetzt abzuleiten, dass es ohne Diego überhaupt nicht mehr laufen wird, ist zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Die Mannschaft wird insgesamt besser Fußball spielen und auch erfolgreich sein - sofern sie diese Aufgabe auch annimmt und umsetzt.
Karlotto: Hut ab! :applaus: Gut gehofft!
Hoffentlich wird letzteres Fettmarkierte nicht so oft passieren, denn auch da hast Du vollkommen recht.
Vom 3.5.2008
Zitat von blues explosion:
Mal was anderes.
Es heisst ja, Arsenal würde auch nach kognitiven Fähigkeiten blickend verpflichten. Bei Özil habe ich den Eindruck, genau deshalb, hat man 4,5 mio für ihn ausgegeben. Und es scheint sich gelohnt zu haben.
In Anbetracht der schwiergen Umstände, die dazu führten, dass Mesut zu uns kam, ist seine Entwicklung aber richtig steil.
Zum ersten mal seit langem habe ich den Eindruck, Thomas Schaafs Konzept ist zu sehen. Mesut hat sich derart schnell verändert, seine gesamte Spielweise angepasst und setzt die Anweisungen des Trainers mittlerweile so gut um, dass mir die Worte fehlen.
Man, ich freue mich so über den Jungen.
Da war Mesut erst vier Monate bei Werder....
Wer sorgt denn dafür, dass Özil seine kompletten Offensivqualitäten frei entfalten darf und dafür wie selten ein Mittelfeldspieler bei Werder von Defensivaufgaben befreit ist. Denn defensiv macht Özil so gut wie nichts. Im Gegensatz z.B. zu Hunt der für Özil mitrackert und -rennt. Davon profitiert Özil. Diego z.B. hat defensiv deutlich mehr Aufgaben übernommen als das Özil tut. Auch das wird immer vergessen bei den Vergleichen mit Diego aus denen Özil als Sieger hervorgeht.
Gut, dass Du das bringst. Richtig ist m.E. nur, dass Diego optisch mehr für die Defensive tat. Anders als bei Mesut gehörten zu seinen herausragenden Fähigkeiten das Ballhalten und Behaupten, ebenso war er zweikampfstärker. Diego wollte immer mannschaftsdienlich spielen, allerdings fehlten ihm meist der Blick und das Gefühl für die entstehenden oder vorhandenen Räume/Situationen, so dass er dies mit hoher Laufbereitschaft und Anspielbarkeit (Präsenz) wettzumachen versuchte. Wie schon einmal geschrieben wurde, Diego nutzte vorwiegend die Räume, die er selbst schuf. Bloß der Effekt dessen war letztlich, dass es im Mittelfeld noch enger und unmöglicher wurde, weniger Spieler sich einbinden konnten und Verantwortung übernehmen mussten. Das alles mit dem zusätzlichen Nachteil, dass das Spiel aufgrund der Tatsache, dass der Gegner Zeit bekam sowie des zu vielen Quer- und Rückpassens (unnötig) langsamer gemacht wurde. Dazu stieg das Konterrisiko, weil irgendwann zu viele Leute vor dem Ball rumturnten, die über die Quantität Überzahl zu schaffen versuchten oder eben im Raum falsch zum Ball standen, weil sie mal und mal nicht angespielt wurden - wegen Diego`s genannter ,,Spontanspielweise". In der Quintessenz bewirkten Diego`s gut gemeinte Versuche, mehr nach hinten zu arbeiten, in der Regel genau das Gegenteil.
Mit Micoud war oder jetzt mit Özil ist das schon deshalb anders, weil der Ball mit weniger Ballkontakten und schneller nach vorn gespielt wird. Bei Verlust des Spielgerätes hast Du dann in den meisten Fällen mehr Leute hinter dem Ball, weil nicht so viele unnütz aufrücken müssen/ auch nicht können, da das Ganze schon im Ablauf eben schneller geht und mehr Leute direkt am Ablauf teilnehmen und sich so sinnvoller einbringen können. Özil hat somit gar nicht die Not, permanent nach hinten zu arbeiten, weil insgesamt von allen effektiver gespielt wird. Bei Joe hattest Du damals auch oft das Gefühl, das er nichts nach hinten machte, tatsächlich aber ging er in der Regel wenig unnütze Wege bzw. sparte Kräfte für wichtigere Szenen.