@dkbs
Einen angemessenen Umgang möchte ich auch. Das schliesst aus meiner Sicht aber ebenfalls ein, dass schon genauer hingeschaut werden muss, bevor eine bestimmte Gruppe in ein Raster gesteckt wird, bevor ein ,,Ruf" einzig und allein durch dessen Hintergrund, abgeleitet aus dessen Entstehungsgeschichte, auf diese Weise komplett ,,entwertet" wird. Da kommen wir nämlich auf den Eingangsbeitrag zurück, der die ganze Diskussion aus einem bestimmten Stadionbesuch angeschoben hat. Das ist mir zu oberflächlich.
Ausserdem ist das gegen uns verwendete Nazi-Thema mMn bei weitem nicht nur politisches Kalkül, ich denke, da unterschätzt Du das, was ich geschrieben habe.
Ansonsten gilt das Gleiche, was ich oben zum Linienrichter meinte: Zum Nachdenken anzuregen, ist völlig in Ordnung und das hat allein dieser Thread ja auch ordentlich getan. Es muss doch aber dennoch einigen Leuten erlaubt sein, zu einem anderen Schluss zu kommen und das etwas abgestufter, bei weitem nicht so extrem zu sehen und so zu handeln.
Es bleibt mir ja auch nix anderes übrig.

Zum Ruf selbst habe ich weiterhin eine etwas andere Meinung als du, aber ansonsten ist das ein Nenner, dem ich zustimmen würde (auch wenn ich dazu neige, immer alle von meiner Meinung überzeugen zu wollen

)
Für alle Sozialromantiker und arbeitslosen und berufstätigen Berufssozialarbeiter wird irgendwo an jedem Ort der Welt irgendwie ein Naziproblem bestehen - sonst könnten diese Leute nicht:
a) ihre Meinung einer "besseren" Welt kundtun, weil wenn das Feindbild fehtl ist ihre Sicht falsch. Also muß das Feindbild existieren bleiben, weil sonst der "Kampf" sinnlos würde. Got it? (siehe auch "Mehl in der Küche")
b) berufich existieren. Denn Berufstätige Streetworker die sich das Naziproblem zu bekämpfen verschrieben haben, brauchen natürlich nazis damit sie berufstätig sind. Wie der gute Mann von Sezuan auch inen Kontrapunkt benötigte und diesen dann eben halt selber herbeiführte
Naja, diejenigen, die diesen Schlachtruf nicht mögen, als Sozialromantiker oder arbeitslose und berufstätige Berufssozialarbeiter zu bezeichnen, führt nicht wirklich weiter (wie man spätestens bei Sopho merkt). Bisher war die Diskussion interessant, weil es um den Austausch von und den Streit über Standpunkte ging. Aber Spekulationen über die Psychologie dieser Äußerungen sind so eine Sache. Ich würde auch niemanden, ob Wächter, Werder-Mick oder sonstwen als politischen und historischen Ignoranten oder gar als Symathisanten der (vermeintlichen) Urheber dieses Schlachtrufs bezeichnen. Das kann nur nach hinten losgehen.
Aus jedem hohlen Schlachtruf eine Nazipropaganda und ein geschichtlich "korrektes" Bild herzuleiten das fällt mir schwer wenn man von Fußballfans redet. Wenn ich nach nem 2:0 in Stuttgart noch "Gechichtliche Weltkunde Band drei" irgendwie rezitiere, dann habe ich Fußball nicht begriffen - egal wie richtig meine Schulbuch-Weltsicht auch ist.
Ich sag mal so: Es gibt eine Zeit, bei einem Fußballspiel ohne historische Hintergedanken die Sau rauszulassen und es gibt eine Zeit, über die Form des Saurauslassens zu streiten. Und dann finde ich schon, dass nicht per se alles in Ordnung ist, nur weil es bei einem Fußballspiel passiert ist.
Und beim Spiel selber würde ich bei den Sieg!-Rufen schlicht und einfach nicht mitmachen, warum, habe ich erklärt.
Politik hat im Fußball nichts zu sichen - egal welche Richtung. Wenn zwanzig Leute die internationale sängen oder statt Sieg, "Venceremos!" brüllen würden, wäre das für einen erheblichen Teil der Intellektuellen hier wahrscheinlich in Ordnung. Guevara Bilder sind ja auch immer" en vogue" als Doppelhalter und da regt sich auch keiner drüber auf. Wenn einer Bismarck brächte, dann würde ich aber gerne mal die Reaktion sehen.
Ich bezweifle ja nicht, dass die Sieg!-Rufe zum Spiel gehören und auf das Spiel und einen Sieg bezogen sind. Aber auch hier: Über die Form wird man ja noch diskutieren dürfen, von mir aus auch bei dem Guevara-Doppelhalter (wobei ich wenig von Gleichsetzungen bei Vergleichen halte, also nur, weil es irgendwo einen Che-Guevara-Doppelhalter gibt, müssen die Schlachtrufe und erst recht teilweise dubiose Hintergedanken nicht in Ordnung sein.
Mir ist das auch scheißegal aber der Subton der hier "reingespielt" wird, dieser politisch korrekte, der ist heuchlerisch. Mit aller Kraft wird herzuleiten versucht, daß der "Sieg!" Ruf im Stadion aus den "Heil!" rufen des Nazi-Regimes kommen.
Das ist etwas sehr pauschal ausgedrückt. Sowohl ich als auch andere haben mehrfach betont, dass die Sieg!-Rufe nicht zwangsläufig für eine faschistische Gesinnung sprechen. Aber wer durch sie an Sieg Heil erinnert wird, erst recht, wenn man nun die Herkunft kennt, ist nicht zwangsläufig ein Heuchler.
Mir sind da zuviele Gutmenschen-Attitüden drin. Wie gesagt, man kann in "Sieg!" vieles heraus und hereindeuten. Und ein rythimisches Klatschen gemahnt an Nagelschuhe auf dem Asphalt im Fackellicht? Leute - denkt mal richtig. "Sieg!" rufen hat im allgemein in der Kurve was damit zu tun, das die so abgefeierte Mannschaft gewonnen hat.
Zweifellos. Das hat auch niemand für die große Mehrheit der Rufer bestritten. Ich habe auch mehrfach betont, dass das natürlich legitim ist. Aber es kann trotzdem nicht schaden, sich über Konnotationen und Herkunft von Phänomenen Gedanken zu machen, natürlich eher nach dem Spiel als währenddessen.
Und ein Hineindeuten von Konnotationen ist es nur bedingt, wenn die Herkunft belegt, dass es da einen Zusammenhang gibt und mehrere leute unabhängig voneinander ähnliche Eindrücke haben.
Fußball ist dreckig und der Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

aller Ballspiele. Die Feullitonisten und insbesondere die Berufsintellektuellen tun sich mit ihrem Land schwer aber beim Fußball versuchen sie Pässe mit Sätzen des Sophokles gleichzusetzen. Und aus den Kurvengesängen eine püolitische Strömung rauszufiltern.
Und hier wird dieses angebliche intellektuelle "zeug" unbewußt ungefiltert weitergeplppert.
Das Fußball und erst recht das Stadion nicht der ideale Ort für das Vorzeigen politisch korrekter Einstellungen ist - auch d`accord.
Aber ich würde vorschlagen, dass wir uns einig sind, dass es da Grenzen gibt. Du setzt sie vielleicht weiter an als ich, aber auch ich habe nicht verlangt, Die Kurve zu schließen wegen der Rufe, Stadionverbote oder Platzverweise zu verteilen gegen die Rufer o.ä.
Und nachgeplappert habe ich auch nix. Du kannst einem schon zutrauen, sich ein eigenes Bild von diesen Rufen zu machen.
Geht zu Hause, denn wie gesagt: Die Kurve weiß was erlaubt ist und was nicht.
Grundsätzlich will ich da auch nicht reinreden. Allerdings könnte ich da auch Gegenbeispiele finden. Und
wenn es so sein sollte (ich kann das nicht beurteilen, da nie in der Kurve), dass auch nur wenige Kurvenbewohner an das Sieg! ein Heil anhängen, aber auch schon wenn Beschimpfungen von Spielern stattfinden, weil sie einen Bewegungsablauf oder eine Hautfarbe haben, die dem weißen männlichen Fan mit einer bestimmten Einstellung nicht passt, dann würde ich schon meinen, dass da Kritik erlaubt sein muss.
Und jetzt bitte bitte lieber Mod: Mach den Strang zu.
Selbst wenn der Thread witzlos geworden sein sollte, sehe ich dazu im Moment keinen zwingenden Grund.
MFG dkbs