@Sopho
Deshalb habe ich extra darauf hingewiesen, dass das eine die Ebene ist, auf der ich dazu gezwungen werde, weil es eine weit höher einzustufende Bedeutung hat und das andere die Ebene, auf der nicht so hoch eingestuft werden sollte und ich es auch nicht tue. Was ist daran verwirrend?
Vielleicht ist das aber auch eine Generationenfrage und die vierte Generation geht mit sowas unbefangener um als die zweite, der ich angehöre. Das hätte gewiss auch Vorteile. Ich hab aber auch schon genug Diskussionen mit Leuten gehabt, bei denen mein Eindruck war, dass eine positive Unbefangenheit einherging mit einem ziemlichen Widerwillen, sich mit dem Thema Nazizeit zu beschäftigen, wahrzunehmen, dass es auch heute noch oder wieder Nazis gibt bzw. insgesamt von dem Thema nix wissen wollen. Und das kanns ja auch nicht sein.
Wie immer ist auch diesmal an deinem Beitrag viel Wahres dran. Nur ist das Beispiel verfehlt. Denn da müssen wir dann wirklich einmal die Verhältnismäßigkeit betrachten. Ich kenne z. Bsp. auch genug Leute, die sich weigern, wahrzunehmen, was mit der Bundeswehr in Afghanistan abläuft, die sich weigern, wahrzunehmen, dass Jugendliche in U-Bahnen, und zwar nicht nur in München, Menschenleben gefährden, die sich weigern, wahrzunehmen, dass wir im Vergleich zu Ländern der dritten Welt im hohen Wohlstand leben und jammern über Unsinniges, die sich weigern, wahrzunehmen, dass sich der Kalif von Köln trotz nachgewiesenem, permanentem verfassungswidrigen Verhalten durch sämtliche Instanzen klagt oder Mehmet 70 Straftaten begehen darf, ehe er zur Rechenschaft gezogen wird, die sich weigern, wahrzunehmen, dass ein Erdogan in Köln auf deutschem Boden verschleierte Hass-Reden halten darf, und die bei alledem gemächlich weiterhin ihrem Tagesablauf folgen. Noch dazu, wo es sich um wahrlich leicht zu beweisende Begebenheiten handelt. Warum soll ich dann friedliche Fans in einer Stadionkurve ständig anhalten, nicht ,,Sieg zu rufen", obwohl gar nicht sicher ist, dass sich Nazis darunter befinden, die sich in der Menge dadurch aalen könnten? Kann es das sein? Wäre es ferner nicht sinnvoller, gegen wirkliche Wehrsportgruppen, um die wir genau wissen, an anderer Stelle konsequent vorzugehen?
Sondern um die Frage, ob man diese Rufe pauschal für völlig unbedenklich hält....
....Denn nach der von dir geschilderten Logik kann man auch wegschauen, wenn ein Mann eine Frau bedrängt ( vielleicht war sie die Aggressorin? Wer weiß, vielleicht ist er völlig unschuldig!) oder irgendwelche Halbstarken und -wüchsigen jemanden anscheinend bedrohen. Auch da kann es sein, dass sich der Eindruck nachher als völlig haltlos erweist. Aber vielleicht auch nicht. Und da ist nachzufragen.
Nein, das entspricht nicht der geschilderten Logik. Denn in den von Dir genannten Beispielen bedroht schon ein Starker den Schwachen. Ist der ,,Sieg"-Ruf bei einem fast gewonnenen Fussball-Spiel schon gleichzeitig eine Bedrohung oder ein Signal für Randale? Bedenklich ist es, wenn klar ist, dass es dort Neo-Nazis und das in grosser Anzahl gibt. Doch dafür sind Rufe, die mit neonazistischem Hintergrund vor etwa zwanzig Jahren in Stadien getragen und die jetzt vielleicht ,,unbedenklich" übernommen wurden, keine ausreichenden Indizien.
Ich bin Dir für diesen Absatz wirklich unendlich dankbar.
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Du stellst hier also fiktive Zusammenhänge einem tatsächlich existierenden Zusammenhang gegenüber. Und stellst damit eine von diversen, in der Vergangenheit weitgehend als vertrauenswürdig aufgetretenen WOL-Usern selbst miterlebte Entwicklung auf eine Stufe mit bewusst abstrusen, zurechtkonstruierten Behauptungen.
Ich bin Dir für diese Antwort wirklich unendlich dankbar.
Natürlich ist mir bewusst, dass es sich dabei um weit hergeholt Beispiele handelt. Um zu verdeutlichen, was Du vergleichsweise schon so zusammengestellt hast. Und das....
Dann denkt sich die braune Szene morgen aus, dass stramm rechts orientierte Fans im Stadion statt "Ausländer raus!" nur "Raus!" brüllen, und weil das ja ein ganz normales, gebräuchliches, deutsches Wort ist, ist das dann ein harmloser Schlachtruf.
Wenn es okay ist, auch gezielt von Braunen ins Stadion getragene Sachen zu rufen, so lange man sie ganz anders meint, sind irgendwann auch andere harmlose Nazisymbole okay.
Ich bleibe dabei: Wer da mitruft unterschreibt, dass ihm das egal ist. Zu sagen, dass man es selbst ganz harmlos meint, ist als Rechtfertigung sehr billig. Mit dieser Entschuldigungstechnik kann man dann auch den Hitlergruß ausführen und sagen "Wieso - Ich jubel' nun mal so."
Tja - wenn man alle Nazis entfernt, könnte man sogar ganz entspannt den Hitlergruß machen. Alles andere hieße ja, sich dem Pack zu beugen. Ist doch meine Sache, was ich mit meinem Arm mache.
Wenn ich ein Piranhabecken vor mir habe ohne die Fische zu sehen, muss ich auch nicht erst meinen Fuss reinhalten um zu glauben, dass man das nicht tun sollte. Es sollte reichen, wenn andere mir versichern, dass da Piranhas drin sind.
Ich will es noch einmal mit einem Beispiel versuchen. Ich hebe bei verschiedenen Gelegenheiten meinen rechten Arm. Ich hebe ihn aber nie zum Hitlergruß. Es ist völlig harmlos, dies zu tun. Es ist aber (das ist meine private Meinung) nur dann völlig harmlos, wenn ich damit nicht eine Bewegung nachahme, die einen eindeutigen Hintergrund hat. Wenn in meiner Straße ein Haufen von Neonazis wohnen würde, die tagein, tagaus mit erhobenem rechten Arm durch die Straße laufen, würde ich ziemlich peinlich darauf achten, dasselbe eben in meiner Straße NICHT zu tun. Und das, obwohl es trotzdem einfach nur ein Arm und eine ganz normale Bewegung wäre.
...alles sind dann aber tatsächliche und vergleichbar existierende Zusammenhänge? Nicht abstrus konstruiert? Interessant, interessant....
Die Diskussion hier ist scheinbar also die:
Auf der einen Seite stehen Leute, die es wichtig und selbstverständlich finden, sich verbal, äußerlich, inhaltlich und räumlich von Rechten abzugrenzen und zu dokumentieren, dass man dies tut.
Und Leute, denen es völlig ausreicht, wenn sie wissen, dass sie selbst nicht rechts sind.
Sinnlos.
Beide Standpunkte gut genannt. Und beide aus meiner Sicht durchaus berechtigt. Warum nun ist das sinnlos? Ich denke, Du lässt andere Argumentationen gelten? Was ist denn nun mit der angesprochenen Toleranz?
Zitat von Stürmerbraut;652735:
Ich schon, weil wir alle soziale Wesen sind, und uns nur über die Reaktionen und Meinungen anderer, also Anerkennung oder Ablehnung, definieren. Von dort beziehen wir unser Bild von uns selbst und unser Selbstbewusstsein.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dir nichts ausmacht, von Leuten, auch wenn du sie nicht kennst, in die falsche Ecke gedrängt zu werden, das zeigt eigentlich schon deine Reaktion ....
Nur? Ein Teil davon ganz sicher. Aber ich lebe doch nicht nur nach Meinungen anderer, sondern erarbeite mir einen weiteren Teil des Selbstbewußtseins höchst eigenständig, oder?
Ausserdem - könnte es sein, dass hier während der ganzen Diskussionen auch Leute in die andere, falsche Ecke gedrängt werden?