Die Vorstellung, dass Claudio Pizarro in verantwortlicher Rolle zurückkehrt, lässt viele Werder-Herzen höherschlagen. Und es ehrt ihn sehr, dass er aus langjähriger tiefer Verbundenheit Werder helfen möchte. Und dabei ein südamerikanisches Netzwerk mitbringt, die Sprache der meisten lateinamerikanischen Staaten beherrscht und deren Mentalitäten kennt. Das alles könnte Werder guttun.
Aber genau hier beginnt auch der Zwiespalt. Denn dieser Name ist mehr als ein Name – er kann ein Versprechen suggerieren. Ein Versprechen von „früher“, ein Versprechen von Glanz, von Leichtigkeit und vor allem von Erfolg. Aber genau das könnte die Gefahr sein: Dass wir Werder-Fans uns nach etwas sehnen, das so nicht mehr zurückkommt. Dass wir Hoffnungen, wenn nicht sogar (un)bewusst Erwartungen in ihn projizieren, die kein Mensch erfüllen kann. Selbst CP nicht.
Die Realität bei Werder ist nämlich eine andere. Die Probleme sitzen tiefer, als es ein einzelner Mensch – und sei er noch so verdient – lösen könnte. Der Abstieg 2021 war kein Betriebsunfall, sondern die Folge von strukturellen Schwächen, die bis heute präsent sind. Und genau daran können auch die größten Namen scheitern. Wie u.a. Marco Bode, Frank Baumann und Clemens Fritz; Spieler, die Werder geprägt und wir Fans gefeiert haben – die jedoch in ihren neuen Rollen nicht einmal ansatzweise so glänzen konnten / können wie früher auf dem Spielfeld - und somit ihre Denkmäler reichlich Kratzer bekamen.
Und genau das möchte man mMn bei Pizarro nicht erleben. Vielleicht ist die größte Form von Respekt manchmal nicht, jemanden zurückzuholen – sondern ihn als das zu bewahren, was er für diesen Verein ist: eine Legende, die uns unzählige schöne Momente geschenkt hat, an die wir uns sehr gerne erinnern.