Der Vergleich zu Schalke und Dortmund hinkt nicht im Geringsten. Die waren nämlich zu Zeiten von Schechter-Anleihe (Schalke) oder Börsengang (BVB) sehr, sehr finanzstark und haben erst anschließend die entscheidenden Fehler gemacht, weil sie das Geld mit vollen Händen in eine Mannschaft investiert haben, die nicht refinanzierbar war. Schalke hat jetzt noch Spaß, weil sie Krstajic, Ailton oder Bordon mit unfassbaren Verträgen zugeschissen haben. Dortmund blecht jetzt noch für Amoroso, Ikpeba und Evanilson (und viele andere). Hertha BSC ist jetzt nahezu Pleite, weil sie zu Zeiten ihres UFA-Deals in Großmannssucht verfallen sind und eine völlig überteuerte Mannschaft zusammengestellt haben, und der 1.FC Kaiserslautern ist beinahe von der Fußball-Landkarte verschwunden, weil sie jahrelang mehr ausgegeben haben, als verantwortbar gewesen wäre.
Deine "Logik", unser Kader sei unter jetzigen Gesichtspunkten zu schwach für die CL, aber mit weiteren 10 Millionen € Investitionen gut genug dafür, ist abenteuerlich. Zumal, wenn man Transfers und Finanzkraft unserer Konkurrenz aus Wolfsburg, Stuttgart, Hoffenheim, Bayern und Hamburg sieht und dann noch berücksichtigt, dass Vereine wie Leverkusen oder chalke auch keine Schrottmannschaften haben. Werder hat bislang schon einen Kader gehabt, der nur mit allergrößten Anstrengungen und Disziplin refinanziert werden konnte.
Nun ist mit Diego ein Spieler gegangen, dessen Erlös für diese Saison (was die liquiden Mittel angeht) schon komplett wieder in Ablösesummen geflossen ist. Es sind aber mit Marin, Moreno, Borowski und Pizarro Spitzenverdiener dazugekommen. Bei Pizarro zahlen wir inzwischen das komplette Gehalt, nicht wie letzte Saison nur einen Teil.
In unserer Mannschaft stehen mit Frings, Pizarro, Borowski, Fritz Stammspieler, für die wir keine Ablösesummen mehr erhalten werden. Alle vier müssen aber in zwei, drei, vier Jahren kostspielig ersetzt werden. Für alle drei gehandelten Spieler (Riise, Fernando, Gilberto Silva) gilt dasselbe: Niemand von denen ist ohne großen Verlust weiterverkäuflich.
Wenn Werder so wirtschaften würde, wie Du es hier anregst, dann würdest Du unseren Verein auf ein wackliges Fundament stellen und Harakiri versuchen, obwohl Werder aufgrund ganz anderer Tugenden seinen Stellenwert im deutschen Fußball errungen hat: Durch weitsichtiges, seriöses Planen und Wirtschaften ohne jeden Hang zu Transfer-Wahnsinn.
Dafür sollten wir alle dankbar sein.