Die meinen nun, dass sie 2024 bei der EM auftrumpfen werden. Würde mich sehr wundern, denn die o.g. Probleme bestehen fort.
"Die" waren bei den letzten 3 Turnieren auch der Ansicht, dass Deutschland zu den Titelaspiranten zählte. Und bei der Fluktuation in der DFB-Führungsriege in den letzten Jahren sind das keine Einzelmeinungen gewesen, sondern es ist der allgemeine Tenor im Elfenbeinturm des DFB.
Ob die dritte Enttäuschung in Folge ein entsprechendes Umdenken bewirkt? Zweifel daran sind nicht unbegründet.
Doch selbst wenn ein solches Umdenken gerade stattfindet, sind Zweifel daran angebracht, dass der DFB-Kader bei der EM 2024 groß auftrumpfen wird. Denn das, was in den letzten knapp 6,5 Jahren durch die Führungskrisen in DFB und auch DFL an Porzellan zerdeppert wurde, lässt sich in ca. 1,5 Jahren nicht kitten bzw. diese Scherben sich aufgrund ihrer Menge nicht "mal eben" wegräumen. Zumindest nicht, wenn es um eine nachhaltige Rückkehr in die Erfolgsspur gehen soll. Der (unfreiwillige?) Rücktritt von Bierhoff ist zwar ein Anfang, reicht ohne ein erforderliches Umdenken nicht aus. Und selbst wenn sich die Führungsspitzen wider Erwarten zusammenraufen und den Weg auf den richtigen Pfad finden sollten. ließen damit die sportlichen Probleme sowohl in der Nachwuchsförderung als auch im Herrenbereich in so kurzer Zeit nicht mal eben beheben. Zumal durch diese verkorkste WM die sportlichen Bedingungen für die EM im eigenen Land noch schlechter geworden sind.
Denn diese WM hätte dazu dienen können / sollen, dass gerade die jüngeren Spieler sich im einem fortschrittlichen System einzuspielen,
Turniererfahrung sammeln und sich somit weiterentwickeln können, um so bei der EM 2024 sicher und geschlossen auftreten können. Doch Bundes-Hansi ließ bei bei der WM ein System spielen, dessen Abgesang schon bei der WM 2018 unübersehbar war und, wie ebenfalls bei der WM 2018, die erfahrenen Spieler überwiegend enttäuschten. Also statt Fortschritt folgte ein Rückschritt.
D.h. Flick hat nur zwei Möglichkeiten: entweder er hält an dem brotlosen fussballerischen Steinzeit-Rasenschach fest oder er passt seine Spiel-Philosophie den Entwicklungen des Fußballs mit dem Risiko an, dass die Zeit bis zum Beginn der EM viel zu kurz ist, um eine schlagfertige Truppe zu formen. Das wirkt, gerade in Hinblick auf die defizitäre Nachwuchsförderung - es spricht Bände, dass von den jüngeren deutschen Spielern bei der WM 2022 mit Musiala derjenige am positivsten auffiel, der in England ausgebildet wurde - wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Selbstverständlich ist es durchaus möglich, dass trotz dieser Vielzahl an Defiziten die DFB-Truppe bei der EM 2024 bei der Titelvergabe mitspielt und ggf. sogar gewinnt. Doch was käme nach einem so kometenhaften Aufstieg? Einen ähnlichen Jojo-Effekt, wie ihn Italien es jüngst erlebte, d.h. 2018 nicht für die WM qualifiziert, 2021 Europameister und 2022 erneut in der WM-Quali gescheitert, so dass die Squadra Azzurra in Großen Teilen wieder ganz von vorne anfangen muss? Nachhaltigkeit sieht definitiv anders aus.