Ich finde gar nicht, dass wir da so weit auseinander liegen. Für mich ist lediglich der Punkt der Schuldfrage schwierig.Bis hierhin 1899% Zustimmung
Ja und Nein. In Freiburg (um bei deinem Beispiel zu bleiben) ist die Erwartungshaltung in ihrer Gesamtheit sicherlich geringer. Jedoch muss bei der Erwartungshaltung etwas genauer differenziert werden. Denn wie hoch die Erwartungshaltung von Fans ist, ist von mehreren Faktoren abhängig. Zum Einen sicherlich die Dauer der Erstligazugehörigkeit und die Erfolge in der Vergangenheit. Aber in großen Teilen auch von den Zielvorgaben der Vereinsführung, denn diese haben einen sehr hohen Einfluss auf die Erwartungshaltung der Fans - und somit lösen die Entscheider großen Erfolgsdruck auf sich, Trainer und Mannschaft aus.
Wir Werder-Fans haben es mit einer gewissen Genugtuung (oder gar Häme?) beobachtet, wie beim HSV von Ende der 1980er an getönt wurde, dass die Rothosen an die Erfolge der großen Jahre anknüpfen wollten. So etwas weckte zwangsläufig Begehrlichkeiten unter den HSV-Fans, die jedoch meistens nicht erfüllt wurden und somit für reichlich Frust sorgte. Eine ähnliche Entwicklung war bei uns ab der Saison 2010/11 erkennbar war, wo es über das gesamte Jahrzehnt statt um Europa überwiegend um den Klassenerhalt ging. Und trotzdem konnte hier - anders als z.B. beim HSV - trotz dieses langfristigen Negativtrends über viele Jahre ruhig gearbeitet werden. Erst als im Herbst 2019 bei Werders rasanter Talfahrt in Richtung Tabellenkeller von offizieller Seite immer noch vom Erreichen der EL-Plätze gesprochen wurde, war es hier sukzessive mit dem ruhigen Arbeiten vorbei, wodurch ein wesentlich höherer Druck auf die Verantwortlichen entstanden ist als z.B. in den Jahren zwischen Rehhagel und Schaaf auf dem Trainerstuhl.
Diese Probleme sind i.d.R. jedoch hausgemacht - und somit ist das jahrelange Verschwinden von der Bildfläche keine "Lösung", sondern größtenteils die Konsequenz der eigenen Fehler und Versäumnisse. Die Süddeutsche Zeitung hat sich bereits 2016 unter dem Titel "Daran kranken die Traditionsvereine" befasst. Deren Entwicklungen waren für die Werder-Verantwortlichen mahnende Beispiele waren, um ähnliche Irrtümer zu vermeiden bzw. zumindest zu reduzieren. Doch stattdessen verfiel man hier in ein ähnliches Verhaltensmuster mit ähnlichen fatalen Folgen, die das o.g. Blatt nach Ende der Saion 20/21 wie folgt beschrieb:
Sicher, mit Corona konnte niemand rechnen und demzufolge kann man auch niemanden einen Vorwurf machen. Dennoch hat die Pandemie diejenigen entlarvt, die vor ihrem Eintreten schlechter wirtschafteten, wie z.B. Schalke und Werder. Ich will auf die einzelnen Punkte, die schon vor Corona für rote Zahlen unter dem Strich sorgten, nicht wieder im Detail eingehen, weil diese hinlänglich bekannt sind. Und ja, Corona hat Einfluß auf den Transfermarkt, doch davon ist nicht nur Werder, sondern auch andere Clubs mit knappen Kassen betroffen. Auch hierzu ein Auszug aus der Süddeutschen Zeitung von vor ca. 2 Wochen:
Trotz unserer teilweisen konträren Ansichten, freut es mich, nach langer Zeit wieder von dir zu lesen![]()
Zum Einen gebe ich dir Recht, dass jetzt die Vereine leiden, die schon vor Corona Misswirtschaft betrieben haben, wobei das bei anderen Vereinen nur aufgeschoben ist. Ich sehe nur die andere Seite, dass es eben Gründe hat, warum diese Vereine so gehandelt haben. Der von dir gepostete Artikel sagt es ja ebenso. Meiner Meinung nach ist es zu leicht, wenn man sagt, dass die Vereine ja selbst Schuld sind. Sind sie im Grunde, das stimmt. Nur aus dieser Blase auszubrechen, das scheint für alle angesprochenen Vereine ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, siehe HSV und das obwohl z.B. in Hamburg mittlerweile alles ausgetauscht wurde, abgesehen von den Fans. Unser Wunsch nach attraktivem Offensivfussball kommt immer noch aus der guten alten Zeit um das Double herum. Es gehört grundlegend zu Werders Identität, obwohl wir faktisch seit mindestens 10 Jahren nichts davon zeigen. Dennoch wird vom Verein genau dies erwartet, von uns, von Medien, von gegnerischen Fans und Vereinen und der gesamten Öffentlichkeit. Dieses Leitbild zieht sich durch alles, egal welches Personal in der Verantwortung steht oder stehen wird. Auch ein Anfang wurde wieder genau aus dem Wunsch heraus verpflichtet. Ohne dieses Denken wäre vermutlich auch Jojo noch hier und erfolgreich, denn man hätte sich bei der Trainersuche nach dem vorhandenen Spielermaterial gerichtet und nicht nach dem bevorzugten Spielssystem.
Die grosse Frage, die ich mir da stelle ist, wer entscheidet das? Klar, die sportliche Leitung. Dumm nur, dass es zu 99,99 Prozent auch mit jeder anderen Leitung genauso laufen würde. Da kommt nicht plötzlich jemand und sagt "Hey, lass uns mal den Verein anders ausrichten und nur noch Ergebnisfussball mit Ziel Tabellenmittelfeld spielen.".
Innerhalb dieser Blase mag es sicher gute und schlechte Entscheidungen geben, aber wir bleiben in der Blase und das ist unser grosses Problem. Der nächste Verein dieser Art wird für mich die Eintracht sein.

). Offensive gehört überhaupt zur Identität von niemandem aus der BL. Es geht und ging in der Bundesliga schon immer um Erfolg. Und Werder hat es mit Überstrapazierung der Tradition nicht geschafft, die Methoden zu finden, auch in den Jahren unter Baumann, in denen sich die Rahmenbedingungen weiter verändert haben, Erfolg zu haben. Weil Werder damit kokettiert, anders zu sein, standen unter Baumann nämlich andere Werte als Leistung und Erfolg im Vordergrund. Dafür war er ja auch von Bode geholt worden ("Baumann ist ein integrativer Typ".....Bode bei der Vorstellung Baumanns), der der Hauptverantwortliche der Misere ist. Leider hat man Sympathieträger Bode zu lange gewähren lassen. Und das führte dazu, dass der überforderte Baumann mit Segen Bodes und des AR den Verein nun finanziell und sportlich so an die Wand gefahren hat, dass die Folgen mehr als 30 Mio Euro kosten werden. Sollte der Wiederaufstieg in diesem Jahr scheitern, steigt der Schaden dann auch noch weiter an.
Bei Weiser scheint es irgendeine geheime Absprache zu geben. Nur meine Vermutung, bei Aufstieg Kaufpflicht. 
