Er redet mir nach dem Mund, cool. Dann habe ich Herrn Lauterbach in bierseligen Runden endlich von meinen Theorien überzeugt.
My bad. Ich hätte schreiben müssen "dir nach dem Mund zu reden
scheint"
Allerdings auch eben hauptsächlich davon und da befürchte ich dann einen gewissen Tunnelblick und dass sich die Politik eine Zeitlang nur auf den Rat von einigen Virologen verlassen hat.
Den Schuh des Tunnelblicks musst du dir aber auch selber anziehen, jedenfalls vermittelst du häufig den Eindruck. Zum Beispiel:
Gestern habe ich ein erstaunlich angenehmes Interview mit Herrn Lauterbach gelesen, in welchem u.a. äußerte, dass man v.a. Schulschließungen und eben einen zweiten Lockdown unbedingt vermeiden müsse und auch könne. Das hörte sich vor wenigen Wochen noch komplett anders an
Vor wenigen Wochen, ist das was gestern zb im n-tv-Link noch mal zusammengefasst wurde, genau identisch. Drosten hat am 5. August, also vor vier Wochen, seine Gedanken dazu vorgestellt: Schnellere Tests die auf Infektiösität testen und nicht hochpräzise auf Detektion auch des letzten Virus im Blut. Clusterbildung, Verkürzung der Quarantäne auf 5 Tage, Definition einer Toleranzschwelle. Aus irgendeinem Grund aber heißt es bei dir "Drosten kommt ja erst noch mit seinem Podcast", impliziert, der feine Herr wache erst jetzt so langsam auf, obwohl sich der von dir zitierte Lauterbach bei Markus Lanz am 13. August explizit auf Drosten bezieht und es zwischen ihm und dem ebenfalls anwesenden Virologen Schmidt-Chanasit nur in der Wortwahl uneins war.
Und was den immer wieder vermittelten Eindruck angeht, medial werde vor allem Drosten verarbeitet, zumal von den öffentlich-rechtlichen: Der Stammgast bei den gängigen Talkshows heißt nicht Drosten sondern Streeck! Jedenfalls im Vergleich, denn die gute Frau Brinkmann und Alexander Kekule waren sogar noch häufiger da. Lauterbach ebenso und Chansanit war ebenfalls häufiger vertreten als Drosten. Das war im Mai! Seitdem hat sich deren Frequenz in Talkshows erhöht, den Streeck sehe ich eigentlich immer wenn ich in eine beliebige Talkrunde reinzappe.
Was den Ton und die Musik angeht: Ich fand Drosten am Anfang sehr angenehm, er konnte sauber und verständlich die Lage erklären. DAS ist ja überhaupt der Grund dafür, wieso seine Auftritte/Podcast viral gingen und nicht weil er, wie auch hier immer wieder gerne behauptet, der Lakai von Merkel wäre. Das er zunehmend schmallippiger wurde ist richtig und kulminierte in seiner professalen Arroganz rund um die BILD-Kampagne gegen ihn. Nicht besonders sympathisch oder souverän, aber menschlich nachvollziehbar wie ich finde. Denn was die Medien in der Berichterstattung rund um seine Person machen, ist nicht seine schuld. Dass er dann als Mensch der nicht die öffentlichkeit gewohnt ist nicht immer souverän auf selbige reagiert, ja das ist wohl so. Aber das ist dann eben persönliche Geschmackssache.
A propos arrogant: Ein einfacher Satz wie "Hat also dazugelernt", aus dem Munde von jemandem der sich gerne in einen Tenor von Leuten einreiht die sich von Verschwörungsgeschichten bilden lassen, kommt sowas unglaublich arrogant rüber. Und das obwohl es ja in der Sache vermutlich sogar stimmt, denn es ist der tägliche Beruf eines Wissenschaftlers dazu zu lernen. Du hast dann immer mal wieder einen Beitrag wie deinen letzten drin (#8172), aber zwischendurch halt immer wieder Passagen und Likes, die jedenfalls bei mir ein Bild formen. Kein Vorwurf, nur eine Feststellung.