Ja und Nein. Das Kernproblem bei dieser Angelegenheit sind nicht die Antworten auf die Fragen von Fans und Medien, sondern das Krisenmanagement selbst. Denn dieses besteht im Kern aus a) der Problemlösung und b) der medialen Außendarstellung. Aber weil die Problemlösung durch die eigenen Wahrheiten so schlecht ist, daß die Schulnote "ungenügend" dafür noch viel zu gut erscheint, manövrieren die Verantwortlichen sich immer mehr in ihre schlechten Außendarstellung hinein und verstricken sich somit immer mehr im Netz der eigenen Wahrheiten..
Über die traditionell nicht zu den Kernkompetenzen gehörende Außendarstellung von Werder Bremen hatte ich bereits
vor fast genau 4 Jahren in diesem Thread einen Artikel geschrieben:
Jepp,bedingt durch die Mißerfolge in den letzten 6 Jahren und hierbei ganz besonders in der gerade abgelaufen Saison hat der mediale Kuschelkurs sukzessive abgenommen und in den letzten Wochen und Monaten sparte selbst die Hauszeitung Weser-Kurier ("Werder-Pravda") nicht mit Kritik. Dennoch ist Werders Umgang mit den Medien ist in kritischen Phasen traditionell ein besonders schwieriges,owbohl die Medienlandschaft hier vergleichsweise überschaubar war und ist.
Schon in den Zeiten, in denen OR und WL hier das Zepter schwangen, wurde zwischen gut und böse differenziert: Heinz Fricke (Sportchef Weser-Kurier) und Rolf Töpperwien (ZDF) verdienten sich damals als Hofberichterstatter und wurden auch entsprechend mit Informationen gefüttert, ebenso in der samstäglichen (so würde man es heute formulieren) Morning-Show "Bremer Kaffeepott" von Radio Bremen Hörfunk,wo vier Stunden vor dem Spiel der Moderator Karl-Heinz Cahlenberg mit OR ein knapp fünfminütiges, kritikfreies Kaffeekränzchen führte - ganz anders als z.B. die TV-Kollegen von Radio Bremen,deren Sportchef Wontorra (heute kaum zu glauben, aber damals gehörte er noch zu der besseren seiner Zunft) seitens Werder mit Hausverbot bedachtet wurde,bloß weil er die 0:1-Heimniederlage gegen Mjöndalen IF mit "Arbeitsverweigerung" titulierte (besonders pikant dabei: Wontorra war zu der Zeit noch Trainer in Werders Handball-Abteilung).
Auch wenn Werders Medienarbeit beginnend mit Tino Polster ca.seit Beginn der Jahrtausendwende einen professionellen "Anstrich" bekam, so läßt der Umgang mit aufkommender Kritik noch viele Selbstverständlichkeiten offen. Einerseits sonnte man sich bei Werder in den erfolgreichen Jahren äußert gerne im Licht der positiven Berichterstattungen. was ja auch legitim ist, nur dann muß man auch befähigt zu dem Signal zu sein, daß man sich mit medial aufkommender Kritik sachlich auseinandersetzt. Bei Werder läuft es i.d.R. jedoch so ab, daß entweder ein Beißreflex entsteht, gebetsmühlenartig wie unermüdlich Floskeln wie die o.g. von MB wiederholt werden und/oder man sich in seine Wagenburg zurückzieht. In diesem Zusammenhang erscheint ggf. auch die (wenn ich mich richtig erinnere, auch von Werder-Mitarbeitern) geäußerte Kritik, daß TE nur selten ein Mikrophon ausließ, in einem ganz anderen Licht; denn wenn sich beim Aufziehen eines medialen Gegenwindes sich die langjährigen Werderaner meistens in eben jene Wagenburg zurückzogen, stand wenigstens noch TE Rede und Antwort. Man darf gespannt sein, wie FB Werder und somit auch sich künftig medial präsentiert, besonders in dem nicht zu wünschenden Fall, daß es in der kommenden Saison sportlich ähnlich schlecht läuft wie in der gerade abgelaufenen Spielzeit.
Im Grundsatz haben diese Zeilen aus dem Juni 2016 an Aktualität nichts eingebüßt.