@Eisenfuss57
Gut auf den Punkt gebracht und dieser Absatz
Bode bei Amtsübernahme sinngemäß:
Frank hat schließlich während seiner Tätigkeit als GFS- Assistent unter Allofs sowie seiner Verantwortlichkeit als Leiter der Scoutingabteilung
eine Menge Erfahrung gewonnen. Außerdem hat er auch unter Klaus Filbry Erfahrung sammeln können. (1 Jahr Allofs/Filbry Hut ab!!)
hat den sarkastischen Gedanken ausgelöst, daß sich das Jahr von FB unter KA - in der Zeit, wo dieser dabei war, sein bestelltes Feld zum Hinterlassen vorzubereiten - sich in der Arbeit von FB widerspiegelt.
FB hat als Spieler viel für Werder geleistet, ist ein sympatischer Mensch, mit dem ich während seiner aktiven Zeit die Gelegenheit hatte, ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Dennoch bin ich der Ansicht, daß der Schuh des GF Sport für ihn eine Nummer zu groß ist. Seine in der Funktion geleisteten Erfolge will ich nicht unter den Teppich kehren und das nicht jeder Transfer ein Volltreffer sein kann, ist auch vollkommen verständlich. Das Problem ist vielmehr, daß seine Transfers (wobei die jeweiligen Trainer sicherlich auch ihren Anteil hatten) vor allem in letzter Zeit vermehrt an den grün-weißen Bedürfnissen vorbeigeht.
Größter Casus Knacktus ist dabei die Zockerei mit der Anfälligkeit von Spielern mit einem hohen Risiko für langwierige Verletzungen. Durch die Verpflichtung von Füllkrug, Bittencourt und Toprak haben wir nunmehr 8 Spieler, die am Stichtag 01.07.19 zwischen 200 und weit über 1000 verletzungsbedingter Aufalltage in ihren Akten stehen haben. In der letzten Saison sind wir bei 6 Spielern dieser Gattung (Kruse gehörte auch dazu) mit den Ausfällen von Bargi und Bartels noch einigermaßen glimpflich davongekommen, aber wer so riskant zockt, der muß auch damit rechnen, daß einem viele Verletzungen auf einmal um die Ohren fliegen können, so wie zu Beginn der Saison, wo zu 11 Ausfällen 7 dieser Langzeitausfallrisikopatienten gehörten. Das hatte zur Folge, daß der Coach die Mannschaft wiederholt umstellen musste, so daß die Truppe sich nicht einspielen konnte, was in Kombination u.a. mit falschen Trainerentscheidungen sowie den individuellen und mannschaftlichen Defiziten der Spieler die Negativspirale von schlechten Ergebnissen, verlorenem Selbstvertrauen, Abstiegsgefahr und individuellen Formkrisen (zB. Pavlas, Klaassen, Bros. Eggestein) stetig weiterdrehen lässt. Und daß aktuell Bargi wieder ausfällt und es bei Moisander auch wieder zwackt, ist daher nicht wirklich verwunderlich. Alles nur Zufall oder gar Pech? Wohl kaum.
Apropos Bargi, auch das ist ein Kritikpunkt an FB und seinen jeweiligen Trainern. Trotz seiner extrem hohen Verletzungsanfälligkeit wird es seit Jahren versäumt. auf seiner Schlüsselposition des 6er adäquaten Ersatz zu beschaffen. Mit Sahin wurde zwar ein 6er verpflichtet, dessen Offensivstärke zwar mit offensiven Markenkern kompatibel ist, jedoch in der Defensive seine unübersehbaren Schwächen hat und zu Ballverlusten neigt. Min einer stabilen IV ließe sich das durchaus kompensieren, doch unsere IV ist alles andere als stabil und zudem so langsam, daß selbst ein alternder Messi bei einem Gegenangriff noch mit dem Ball Kreise um die IV laufen könnte und trotzdem schneller in die Nähe unseres Strafraums käme. Ein durchdachtes Konzept bzw. ein Plan B bei Ausfall ist hier nicht erkennbar: entweder spielt man mit einem offensiven 6er, der von einer stabilen Abwehr abgesichert wird, oder ein defensivstarker 6er fungiert als Staubsauger vor einer weniger sicheren Abwehr wie der unsrigen. Bei uns wird jedoch mit einem defensivschwachen 6er und einer wenig stabilen Abwehr gespielt, das sind die unvernünftigen Opfer auf dem Altar des offensiven Markenkerns.
Für einen Club, der dermaßen von Transfererlösen abhängig ist, ist es ohnehin ein Unding, daß der erweiterte Stammspielerkader aus so vielen hoch verletzungsanfälligen Spielern und auch über relativ viel älteren Spielern besteht, die ihren bereits überschritten haben. Gerade ein Kader mit vielen Jungen Spielern benötigt Routiniers, auch damit die Altersmischung stimmt und um kurzfristige Löcher zu stopfen, sind solche Transfers ein probates Mittel. Doch wenn sowas zur tragenden Säule der Transferpolitik, läuft grundlegendes verkehrt, denn es ist eben nur kurzfristig gedacht und bietet somit deutlich weniger Chancen für mittel- bis langfristige Nachhaltigkeit; weder sportlich noch finanziell in Form von elementaren Mehrwerte durch Spielerverkäufe. Entsprechend ist das dahingehende Zwischenzeugnis von FB fast schon verheerend. Seine bisher signifikant gewinnbringenden Verpflichtungen waren Delaney mit einem Transferplus (ohne Abzüge von Ausbildungsentschädigungen) 18 Mio. € sowie Gnabry mit 3 Mio €; hinzu kommen noch weitere Roherträge i.H. von 8 Mio € für Vestergaard und 7 Mio € für Ujah, deren Verkauf zwar in die Ära von FB fielen, jedoch noch von TE verpflichtet wurden. Doch trotz dieser Einnahmen von insgesamt 36 Mio € weist die Transferbilanz von FB, in die selbstverständlich auch Verkäufe von Fehlgriffen der Ära TE fallen, per 30.06.19 ein Transferminus von 4,05 € aus! Es ist selbstverständlich nur ein
Zwischenfazit, auch weil gerade bei Transfers finanzielle Vorausleistungen erfordern, dennoch ist diese Zwischenbilanz für einen auf Transfererlöse angewiesenen Club ernüchternd. Sicher, FB hat für den Sommer 2020 hochkarätige Spielerverkäufe angekündigt, die entsprechend frisches Geld in die Kasse spülen könnten. Nach heutigem Stand erscheint jedoch nur Rashica ein lukratives Geschäft zu werden, weil die anderen Kandidaten wie Pavlas, Klaassen und Maxi gerade nicht ihre beste Form haben, für Jojo und Sargent käme ein Transfer noch zu früh (abgesehen davon, daß Jojo auch gerade ein Tief durchlebt und Sargent verletzt ist) Und der große Rest des Kaders wie eingangs erwähnt, zu alt und/oder zu verletzungsanfällig, um üppige Transfergewinne zu generieren. Auch hier greift der kaufmännische Grundsatz, daß ein guter Verkauf im Einkauf beginnt, doch den gibt es nicht auf der Resterampe der ohnehin überteuerten Bundesliga, sondern bei den Clubs im benachbarten Ausland mit gut ausgebildetem und trotzdem einigermaßen bezahlbaren Spielermaterial, wie zB Niederlande oder der Ligue 2 in Frankreich, wo u.a. Rashica, Thuram, Haller oder Gbamin für die Bundesliga entdeckt wurden.
Vor allem muß aber auch berücksichtigt werden, daß von den etwaigen Transfereinnahmen im kommenden Sommer 13,7 Mio € für die Vorleistungen sowie die Kaufverpflichtungen der Leihgeschäfte der Sommer-TP ausgeglichen werden müssen, was in der Summe ca 25 Mio € ergeben dürfte (auch wenn durch legale buchhalterische Tricks Bilanzen geschönt werden können, ist ein Verlust weiterhin ein Verlust) und außerdem müssen der / die verkauften Spieler sportlich auch einigermaßen adäquat ersetzt werden. Und die von FB nicht augeschlossenen Wintertransfers müssen auch finanziert werden, selbst wenn es "nur" Leihgeschäfte wären. Unterm Strich wird also nicht mehr viel übrig bleiben und nach dem derzeitigen Stand de Dinge werden wir durch die schlechte Platzierung etliche Mio € an TV-Prämien verlieren, so daß die Chancen eher schlecht stehen, daß wir im Sommer 2020 einen wichtigen Schritt zur Verjüngung des vor allem in der Defensive überalternden Kaders gehen geschweige denn uns einen Mehrwertspieler leisten zu können, der finanziell sonst nicht unsere Kragenweite ist.
In dieses schiefe Bild der Transfers passen leider auch die Kaufverpflichtungen bei den Leihen dieses Sommers, die auch bei Verletzungen greifen, obwohl bei dem einen oder anderen die Verletztenakte üppig gefüllt ist. Oder diese unsägliche Leihe des angeblichen Supertalents Yuning Zhang: entweder hat die sportliche Leitung (FB + FK) dessen Leistungsvermögen völlig falsch eingeschätzt oder FB hat im Wissen um dessen Leistungsfähigkeit trotzdem die Leihe (des Geldes aus China wegen?) eintütet, ohne sich vorher Klarheit darüber zu verschaffen, ob Zhang aus
arbeitsrechtlichen Gründen überhaupt eine Spielgenehmigung für Werders 2. Mannschaft bekommt.
Trotz der Dinge, die FB in seiner Arbeit bis dato gut und richtig gemacht hat, so ist ihm nicht gelungen, so wichtige Dinge wie Nachhaltigkeit und Kontinuität zu installieren. Kleineren oder auch größeren Aufschwüngen folgte wieder ein Absturz aus der entsprechenden Fallhöhe. Dies spiegelt sich auch in den Trainern seiner Ära wieder: Noch am Tag der Unterzeichnung seines eigenen Vertrags als SpoDi stellte der dem öffentlich bereits angezählten VS eine Vertragsverlängerung in Aussicht, statt zuerst nach der Rückkehr aus seinem Sabbatical die Lage auch mit Gesprächen zu sondieren. Diese VVL folgte ca. 2 Wochen später, mit der Folge, daß Werder mit einem blutleeren Auftritt am 1. Spieltag in München wehrlos unterging und FB anschließend vor einem Millionenpublikum an den TV-Geräten seinem ehemaligen Mitspieler VS konstatierte, daß dieser der bestmögliche Trainer für Werder sei, von dem er sich nach dem 3. Spieltag dann doch trennte. Dessen Nachfolger AN war nach einem Zwischenhoch nach nur 13 Monaten auch schon wieder Geschichte und selbst mit FK, dem Trainer des Jahres 2018, erfolgte ein jäher Absturz.
FB trägt selbstverständlich nicht die alleinige Schuld für das desolate Bild, welches Werder zur Zeit abgibt. Doch in seiner Funktion als GF Sport trägt als Vorgesetzter von Trainer und Mannschaft die Hauptverantwortung für den sportlichen Bereich. Trotz einzelner kleinerer Verbesserungen steht Werder heute sportlich ähnlich schlecht da wie bei seiner Amtsübernahme von etwas mehr als 3,5 Jahren und auch hinsichtlich der Transferbilanz herrscht derzeit kein Anlaß für Euphorie. Es ist zwar grundsätzlich vorteilhaft, den Club aus dem Effeff zu kennen, doch das ist alles für die Katz, wenn man in seiner Arbeit nicht die wirtschaftlichen, sportlichen Anforderungen sowie Gegebenheiten des Fußballgeschäfts mit den für nachhaltigen Erfolg erforderlichen Notwendigkeiten des Clubs in Einklang bringt und stattdessen die (club-)eigenen Werte und Vorstellungen zum Maßstab des eigenen Handels macht.
Ich habe fertig!
