ok anders: das Leben (so auch unser Spiel) ist nicht nur schwarz und weiss, sondern läuft auch in Schattierungen von Grau ab. will sagen: Die Situation die Du gerade beschreibst ist eine Situation in der wir uns zwar im Angriff, jedoch in der Ordnung befinden. Nochmal als Denkansatz: Wenn sich unsere Spieler im OFFENSIVmodus befinden so ist ihr erklärtes Ziel RÄUME zu schaffen entweder indem man sich von rechtzeitig von Gegenspielern entfernt, oder aber diese BEWUSST bindet um so wiederm für andere Mitspieler Räume zu schaffen. Die Ballverlustsituation stellt das genaue Gegenteil dar. Hier soll versucht werden Räume zu VERENGEN, KEINE Lücken zu lassen und dem Gegenspieler eine gewisse Nähe zu geben. Aus diesen Fakten wird schnell klar: Es ist unmöglich BEIDES zu machen! Es muss immer einen Kompromiss geben. Infolgedessen liegt es in der Natur der Sache das Räume nach Ballverlusten entstehen, eben WEIL mal SELBER kurz vorher bestrebt war diese zu ÖFFNEN! Genau in solchen Situationen kommt im modernen Fussball der so unschätzbar wichtige Faktor ZEIT ins Spiel! Wie schnell kann ich als Mannschaft/Kollegtiv die Ordnung wieder herstellen und potenziell gefährliche Passwege schliessen? Wie schnell kann ich wieder HINTER den Ball kommen?
Also bitte bitte bitte, mein lieber, hochgeschätzter dicker Tony: bitte versuche mir NICHT weiss zu machen bei uns würden diese Löcher nicht existieren (Zitat: "Das gesamte Spiel von Werder, und es hat uns alle mehr als einmal in den Wahnsinn getrieben, ist darauf ausgelegt das eben KEINE Löcher im Mittelfeld auftreten"!) So sehr wir auch darauf ausgelegt sind: Wir können es aus eben genannten Gründen nicht erreichen.
So zum Beispiel haben wir eben jene "tiefen Angriffsmomente" in denen wir wie Du so schön beschrieben hast "hinten rum spielen", aber wir haben eben auch eben jene "hohen Angriffsmomente" in denen sich zum Beispiel ein Egge oder ein Davy, oder auch beide mit vorne einschalten um den gegnerischen Verteidigungsrigel zu knacken. In solchen Momenten klafft bei uns oftmals eben DIESES riesen Loch zwischen Angreifern und Verteidigern/6er! Warum? Weil unser 6er und unsere IVs zu langsam sind um bei Ballverlust die schnellen Angreifer zu stoppen. Wenn unsere Verteidiger nebst 6er weiter aufrücken würden, dann wären diese zwar am Mann und könnten stören, jedoch wären wir dafür umso anfälliger für Pässe in die Tiefe (hohe wie flache).
Du hast ja mit allem recht, und dennoch bleibt die Aussage auf die ich geantwortet habe im Grundsatz schlicht und ergreifend falsch. Noch mal, dass unser
"6er fast schon "verwaist" im ZM positioniert ist", widerspricht komplett der Realität. Das würde nämlich bedeuten, daß wir permanent Situationen im Zentrum sehen würden, in denen ein oder mehrere gegnerische Stürmer blank auf den "verwaisten" 6er zulaufen. Bei uns ist das genaue GEGENTEIL der Fall, du beschreibst es sogar selbst: Die Kunst schnell wieder kompakt hinter den Ball zu kommen, ist etwas das Kohfeldt der Mannschaft eingehämmert hat. Genau DAS ist die kaum hoch genug einzuschätzende Fähigkeit von Klaassen der ständig und überall Räume zuläuft, ganz ähnlich auch Megge. Kohfeldt sagt im
Interview:
Es war enorm schwer, Zugriff auf uns zu bekommen, das heißt, den Ball zu erobern. Wir kamen systematisch und häufig ins letzte Drittel. Doch dann haperte es, dort passierte zu wenig. Dies war der limitierende Faktor in unserem Spiel." (1/2)
Der fehlende Zugriff war eben genau der Kompaktheit geschuldet in der bei einem Wechsel auf die Flügel die Räume in der Mitte gehalten wurden. Jedenfalls vom Prinzip, wir hatten auch Spiele in denen die Taktik nicht aufgegangen ist und wir im Mittelfeld wie in Unterzahl schienen. Das hatte aber nichts mit einem blanken 6er zu tun. Und wichtig auch: Systematisch ins letzte Drittel, also kontrolliert. Kohfeldt sagt
weiter:
"Wir hatten als Basissystem ein 4-3-3 mit Kruse als zentralem Stürmer, sozusagen freischwebend im Raum. Dadurch hatten viele Gegner keinen Zugriff auf uns. Aber: aus Balancegründen konnte man davor keinen weiteren Stürmer platzieren."
Kein weiterer Stürmer aus Balancegründen? Und wenn wir genau diese Balance zugunsten eines weiteren Stürmers aufgegeben hätten, DANN hätten wir vermutlich eine Situation wie
@Bremen sie beschreibt. Wenn übrigens Klaassen und Eggestein gleichzeitig hoch verschieben (was im übrigen sehr selten vorkommt weil die sich diese Aufgabe teilen und einer immer absichert), dann verschieben die defensiven Leute auch, eben damit KEINE Lücke klafft. Auch hier müssten wieder Angriffe über Angriffe frei auf Pavlas oder die IV zurollen. Nenn mir mal ein paar Situationen als Beispiel, damit ich weiß was du meinst. Denn mir scheint, wir haben hier eine fundamental unterschiedliche Sichtweise. Und deine kann ich mir, und ich habe fast alle Spiele gesehen, so wie du vermutlich auch, nicht erklären.