Fürs "Einlassen" würde ich Baumann nicht kritisieren, schließlich hatte Nouri mit der überragenden RR doch einige Pluspunkte auf seiner Seite, wenn es darum ging eine Spielphilosophie entwickeln zu wollen und dementsprechend um Umsetzung bittet. (Auch wenn einige nach wie vor versuchen die Legende aufrecht zu erhalten, dass unter Nouri alles scheisse war

) Das ist eh die Aufgabe des Trainers.
Zweiteres gebe ich dir Recht, die Entlassung kam etwas zu spät.
Mit "Einlassen" meinte ich nicht die Personalie Nouri, sondern die Spielphilosophie. Aber, das meintest Du ja wohl auch?!
Ich denke, die Entscheidung für Nouri als Trainer war nach der letzten Saison absolut nachvollziehbar, auch wenn mir persönlich Nouris kolportierte Verhandlungsführung, seine Personalentscheidungen, seine Kommunikation schon im Sommer sauer aufgestoßen sind. Ich fand schon damals, dass er nach nur einer 3/4 Saison als Cheftrainer der 1. Liga hoch gepokert hat.
Zur Spielphilosophie: Was hat Baumann gewusst, was hätte er evtl wissen oder ahnen müssen, was hätte er verhindern müssen?
Baumann hat mehrmals öffentlich erklärt, offensiven Fußball anbieten zu wollen, gleichzeitig gab er die Minimierung der Gegentore als Ziel aus. Er deutete an, sowohl einen Innenverteiger als auch einen zentralen Stürmer verpflichten zu wollen. Warum erfolgten diese nicht? Nur aus finanziellen Gründen? Sahen Baumann, Nouri oder beide die Defensive durch einen neuen Torhüter und ein defensiveres Spielsystem gut genug aufgestellt?
Baumann verlängert zu Saisonbeginn den Vertrag mit Caldirola und lobt ihn öffentlich. Nouri berücksichtigt Caldirola, trotz ultradefensiver Grundordnung nicht.
Im Mittelfeld wird der Abgang eines Grillitsch nicht ersetzt. Glauben Nouri, Baumann oder beide die Planstelle durch Maximilian Eggestein besetzen zu können?
Im Angriff wird der Verkauf Johannssons angekündigt, der aber nicht gelingt. Gleichzeitig betont man, das Juwel Jojo Eggestein aufbauen und ihm niemanden vor die Nase setzen zu wollen. Pizarro wird verabschiedet, Selke wird nicht geholt. Am Ende "verhungert" die einzige "Spitze", die sich selbst als 10 bezeichnet, in der nicht vorhandenen Offensive. Ein Jojo Eggestein bekommt kaum eine Chance. Haben sich Nouri, Baumann oder beide zu sehr auf das im Frühjahr überragende Duo Bartels/Kruse verlassen?
Was hatte Nouri eigentlich konkret vor? Wie wollte er die Offensive gestalten, wer sollte im Mittelfeld die Fäden ziehen? Offizielle Sprachregelung war wohl, "aus einer verstärkten Defensive schnell umschalten"!
Ich persönlich hatte schon im letzten Winter, bei einigen Statements und Interviews beider den Eindruck, dass Baumann und Nouri häufig nicht "mit einer Stimme sprechen". Dieser Eindruck bekam durch die Vertragsverhandlungen mit Nouri, durch die Personalien Bruns und Pizarro neue Nahrung.
Hat Baumann des lieben Friedens willen, dem Wunsch des Vereins nach Kontinuität folgend zuviel ignoriert und toleriert?
Es bleibt verworren.