Ich finde es interessant, dass die Bild immer dann lügen soll, wenn Spieler aus Fansicht unangenehme Dinge sagen. Meldet die gleiche Zeitung aber positive Werdermeldungen, wird dem Blatt natürlich geglaubt. Dann kommt die Phrase " Die Bild ist ja meist doch recht gut informiert", zum Tragen.
Meine Meinung: Diego wird, wie so oft hier, einfach heroisiert, was nicht der Fall sein darf. Diego ist Angestellter dieses Klubs. Er ist nicht unser Kumpel, unser Ziehsohn, geschweige denn einer von uns. Er ist ein stinknormaler Arbeiter, der hier für seinen Beruf bezahlt wird. Wir gehen ihm, wie vielen anderen unserer Spieler, gepflegt am Hintern vorbei. Warum sollten sie sich auch groß interessieren? Die Anhängerschaft findet ja eh immer wieder neue Idole und Feindbilder und ist wankelmütig wie sonst niemand auf der Welt. Schiesst du ein Tor, wirst du bejubelt, wechselst du den Klub, bist du das größte A. auf Erden. Und beendest du deine Karriere, interessiert sich kein Schwein von denen mehr für dich, weil es neue Spieler gibt, für die sich das Publikum begeistert. Diego selbst sieht die Sache nun einmal so, wie er sie sehen muss. Nämlich nüchtern und rational. Wenn Bayern anfragt, sieht er nicht den Südrivalen und größten Feind der Werder-Fans, sondern einen potenten Arbeitgeber mit sportlich ansprechender Perspektive. Er wäre bekloppt, wenn er auf irgendwelche Fans Rücksicht nehmen würde, um seine Karriere nach deren Wünschen zu planen. Es ist sein Leben, nicht euers oder meines.
Sicher hast Du mit vielen was Du hier schreibst recht, doch kann ich nicht allem zustimmen.
1) Sicher hat jeder seine eigenen Werte, und Prioritaeten im Leben. Mir waere z.B. Geld wichtig, vielleicht sogar sehr wichtig. Es macht in der Tat einen Unterschied aus, ob man 2 oder 3M im Jahr verdienen wird. Ich kann also dem viel erwaehnten Argument "1M im Jahr mehr, macht doch sowieso keinen Unterschied" nicht ganz zustimmen. Also wuerde das Geld bei mir schon eine Rolle spielen. Allerdings auch nur ein Faktor von vielen. Andere Dinge wuerden auch eine Rolle spielen. Zum Beispiel, die Stadt wo man wohnt, wo die Kinder zur Schule gehen, das Wetter, die Sprache, der Fussball der in der Liga gespielt wird, die Taktik der Mannschaft, die sportliche Perspektive, die Stadionatmosphere,....
Da sind einige Faktoren dabei, warum ich z.B. nicht nach Italien gehen wuerde.
Und jetzt komme ich zu einem Faktor, der bei mir schon eine Rolle spielen wuerde, naemlich wie der neue Verein, von den Fans des alten Vereins angesehen wird. Ich kaemme mir einfach falsch vor, wenn ich von den Glasgow Rangers zu Celtic Glasgow, von Inter zu AC, oder von Everton zu Liverpool wechseln wuerde. Ich kaemme mir vor wie ein Heuchler, wenn ich ueber Jahre hinweg mir auf die Raute klopfen wuerde, um dann zu den Bayern zu wechseln. Und mir wuerde gerade dann diese Entscheidung sehr schwer fallen, wenn all die anderen oben genannten Gruende kein Faktor mehr waeren.
In anderen Worten, wenn ich genauso viel Geld in Mailand, Madrid, oder in Manchester verdienen koennte, dann wuerde ich nicht zum Erzfeind Bayern gehen.
Im Gegenteil, ich wuerde wahrscheinlich auf ein bisschen Geld verzichten, weil ich weiterhin den Leuten in Bremen in die Augen schauen moechte. Vielleicht klingt das naiv, oder weltfremd, aber so denke ich nunmal, und ich meine, dass es noch einige wenige Fussballer gibt, die so aehnlich denken.
Man darf nicht vergessen, dass Diego hier ueber Jahre die beste Unterstuetzung bekommen hat, die man sich als Fussballer wuenschen kann. Sicher wird er fuer Leistung bezahlt, und man kann argumentieren, dass er mit den gebrachten Leistungen, dem Verein nichts mehr schuldet, doch meine ich, dass das zu kalt argumentiert ist, und Gefuehle spielen im Fussball, und im Leben allgemein eine Rolle.
Der Respekt von Menschen, ist nicht immer mit Geld auszugleichen. Wenn sich ein Spieler prostituiert, und, uebertrieben, fuer 10 Vereine in seiner Karriere spielt, die sich nicht leiden koennen, dann hat er am Ende vielleicht viel Geld, doch wird es keine Stadt geben, wo er noch Jahrzehnte spaeter den Fans im Herzen bleibt.
Man nehme Gerard zum Beispiel. Er haette schon laengst wo anders viel mehr Geld verdienen koennen, aehnliches galt im kleineren Ausmasse fuer Eilts oder Bode. Alle drei haben einen Wert bei ihrer Anhaengerschaft, den man nicht mit Geld ausgleichen kann.
2) Ein weiterer Punkt mit dem ich nicht ganz uebereinstimme, ist Deine recht emotionslose Einstellung zu den Spielern, die Du gerne Angestelle nennst. Sicher sind wir alle, bis auf die Groupies, Fans vom Verein, und nicht von einzelnen Spielern, und meine Liebe zum Verein, wird auch nach Diego's Abgang gleich bleiben. Dennoch kann ich mich nicht nur mit der Raute identifizieren, ohne eine gewisse emotionale Bindung zu einzelnen Spielern, wie Diego, aufzustellen. Mir ist es also nicht egal, wenn ein solcher Spieler geht, und es dreht sich bei mir der Magen um, wenn ich daran denke, er wuerde bei den Bayern spielen.