@Rantanplan2.0: Baumann ist eine reine Bode-Veranstaltung. In anderen Vereinen hat man bisher nicht so häufig eine solch privat-willkürliche Besetzung entscheidender Positionen erlebt. Und in den Fällen, die es gab, hat es sportlich nicht annähernd solche Verwerfungen gegeben wie hier. Deshalb kann man nicht das Handeln von z.B. München eins zu eins auf Bremen übertragen.
Und um in München zu bleiben: Dort musste ein Nerlinger wegen deutlich geringerer Fehlleistung gehen.
1. Ich halte es mindestens für diskutabel, ob "privat-willkürliche Besetzung entscheidender Positionen" ein rein Bremer Phänomen im deutschen Profi-Fußball ist. Der so oft kritisierte Stallgeruch ist in vielen anderen Vereinen in sehr ähnlicher Weise ausschlaggebend für die Besetzung von Trainer- und Manager-Posten. Das Beispiel München hast du schon selbst benannt: Hoeneß, Rummenigge, Salihamidzic, der gehandelte Lahm, Ex-Co-Trainer Sagnol, Ex-Sportdirektor Nerlinger, Ex-Trainer Klinsmann... alles zuvor langjährige Bayern-Spieler, um nur mal einige aktuellere Beispiele zu nehmen.
Auch wenn man nach Berlin (Preetz, Dardai), Dortmund (Zorc), Hamburg (Beiersdorfer, Labbadia), Stuttgart (Bobic) oder Mainz (Klopp) guckt, tauchen immer wieder ehemalige Spieler der Vereine in zentralen Positionen auf.
Wenn ich an die letzten 25 Jahre Werder denke, gab es mit Schaaf, Sidka und Skripnik als Trainer sowie Allofs und Baumann als Manager jeweils drei bzw. zwei Ex-Profis in sportlicher Verantwortung. Vor allem vor dem Hintergrund, dass KATS die zweiterfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte verantworten, finde ich das trotz des Misserfolgs von Sidka und Skripnik nicht besonders viel. Auch dass Schaaf und Allofs in der Retrospektive vielleicht 2 Jahre zu lang im Amt waren, finde ich ob ihres über Jahre hinweg weit überdurchschnittlichen Erfolges und dem damit verbundenen Vertrauensvorschusses durchaus verständlich.
2. Ob Baumann tatsächlich eine privat-willkürliche Besetzung und eine reine Bode-Veranstaltung ist, halte ich ebenfalls für fragwürdig. Baumann gehört (wie auch Bode) unbestreitbar zum intelligenteren Teil der Spezies Profifußballer und hat bereits mehrere Jahre und in verschiedenen Positionen im Werder-Management "gelernt". Und zwar bei Klaus Allofs, der aller Kritik zum Trotze, unbestreitbar über fast ein Jahrzehnt das Nonplusultra der Bundesliga-Sportdirektoren war. Ich finde, es gibt schlechtere Voraussetzungen und zufälligere Besetzungen für einen Sportchef. Mit anderen Worten wurde er gezielt auf diesen Posten vorbereitet, lange bevor Bode überhaupt in den Aufsichtsrat gewählt wurde.
Und wenn man ehrlich ist, ist die Transferbilanz der ersten 15 Monate nun nicht so schlecht, auch der 8. Platz seiner ersten Saison geht in Ordnung. Dass er Nouri nun an seinem sportlichen Abschneiden in dieser Saison messen muss, ist klar und wird auch so passieren, wenn der Bock nicht zügig umgestoßen wird. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Nouri einige unpopuläre und sportlich riskante Entscheidungen getroffen hat (Bruns, Wiedwald, Pizarro).
3. Ich glaube mittel- und langfristig wird Werder vom Duo Bode-Baumann profitieren. Beide sind clever, sachverständig und geduldig genug, um den Kahn wieder auf Kurs zu bringen. Ich bin ganz froh, wenn bei der Trainerfrage lieber mal zwei Wochen länger gewartet wird und wir keine Hamburger Verhältnisse bekommen. Den nachhaltigen Erfolg von Ungeduld und großspurigen Ansagen kann man sich ja bestens beim HSV und S04 anschauen. Und dass externe Trainer und Sportchefs den unmittelbaren sportlichen Erfolg garantieren, den Beweis sind de Mos, Dörner, Magath, Dutt und Eichin ehrlicherweise auch schuldig geblieben.