Die Kritik an Baumann lässt sich ja hören. Ihn als Manager grundsätzlich in Frage zu stellen, ist aber lächerlich. Abgesehen davon, dass es gute (und günstigere) Manager mit große Erfahrung im Markt gar nicht gibt und der Werder-Job auch alles andere als traumhaft ist, liegt die Ursache für das Desaster der letzten der Jahre doch offen auf der Hand: der Club, besser die KGaA, ist einfach unterkapitalisiert. Wenn es bis zuletzt noch gereicht hat, die Lizenzkriterien der DFL einzuhalten, reicht es schon lange nicht mehr, um sich mit den Investorenclubs zu messen und ein Spielermaterial vorzuhalten, dass uns kurz- oder mittelfristig auf die vorderen Tabellenplätze schielen lassen dürfte. Fällt einer der wenigen Führungsspieler aus, ist erst recht kein Geld vorhanden, ein Backup vorzuhalten. So wirtschaften Absteiger bzw. Clubs, die in der ersten Liga - vielleicht nicht heute, ganz sicher aber übermorgen - nichts mehr zu suchen haben.
Und an dieser Stelle kommt der Fan ins Spiel, der immer wieder das Hohelied auf die Eigenständigkeit des Clubs, die Wettbewerbsverzerrung der Plastikclubs, die ja so widerlichen Investoren, den Werderweg und all die anderen Traumtänzerphantasien singt, nur um der Realität nichts ins Auge zu blicken. Die letztlich albernen Forderungen nach einem Managerwechsel gehen in dieselbe Richtung.
Lackmustest: Gebt dem Baumann 20 Mio. mehr und wir schauen in Ruhe, was er daraus gemacht hätte. Ihm aber vorzugeben, mit quasi Nichts und angesichts durchweg wachsender Etats im Markt einen Traumspieler nach dem anderen nach Bremen zu lotsen und ihn dann noch anzufeinden, wenn das nicht ständig gelingt, ist dermaßen vermessen, dass man nur noch den Kopf schütteln kann.
Der Fisch stinkt vom Kopf! Und da sitzen (und saßen) ganz andere (noch immer hochwohlgelittene) Herren, die man hier in den Fokus nehmen müsste, wenn es um die Frage der Verantwortung für die Misere und den Niedergang des Clubs in den letzten Jahren geht.