Neuen Trainer Kandidaten schon mal bereitstellen
Also ich bezweifle ganz stark, dass ein Trainerwechsel hier noch irgendwas bringt, außer kurzfristige Effekte, die am Ende vielleicht mit Glück den erneut knappen Nichtabstieg retten. Aber das alles wahrscheinlich wieder ohne jede Nachhaltigkeit und nächste Saison dann auf ein Neues das altbekannte Spiel.
Dutt ließ größtenteils gruseligen Fußball spielen, holte aber mit schwachem Kader in der Rückrunde ordentlich Punkte, vor allem in den wichtigen Duellen gegen die untere Tabellenhälfte. Gewann außerdem alle Nordderbies. In der Saison darauf musste er dann nach 9 Spielen mit 4 Punkten direkt nach der Niederlage gegen Köln gehen. Nouri kann jetzt exakt dasselbe Schicksal ereilen. Erstaunlich.
Skripnik brachte anfangs ordentlichen Schwung, ging im Weserstadion die Post ab, ging die Mannschaft mit ab, hievte sich auf einen Hurralevel. Oftmals ohne spielerisch und taktisch zu glänzen wurden die Gegner trotzdem bezwungen. Damit konnten sich zunächst viele anfreunden, nicht zu Unrecht, weil das Team mitreißen konnte. In der nächsten Saison nach furchtbarer Hinrunde die ähnliche "Kür" in der Rückrunde. Bis dann Schluss war in der Folgesaison nach wenigen, aber katastrophalen Ergebnissen.
Unter Nouri hatte ich in der ersten Phase den Eindruck, dass flacher Kombinationsfußball gespielt werden sollte und das Team einen Entwicklungsschritt macht. Ich konnte damit ehrlich gesagt was anfangen. Es steckte eine Idee dahinter. Jetzt sind wir nach einem Jahr Nouri wieder da, wo wir vor ihm waren, wo wir vor Skripnik waren, unter Dutt und wo wir unter Schaaf 2010-12 (nicht 12/13) waren.
Das Budget ist knapp. Kurzfristige Ansätze gab es dennoch bei eigentlich jedem Trainer. Fast. Die dann ebenso regelmäßig versiegten, bei dem einen früher, bei dem anderen später.
Was würde ein neuer Trainer anders machen? Erstmal würde der vermutlich sogar Phantasien auf besseren Fußball und bessere Zeiten wecken können. Kurzfristig. Aber letztlich würden wieder Bargfrede fest gesetzt den Sechser geben, Junuzovic den Hoffnungsträger für Spielentwicklung und Struktur, das Leichtathletengekicke von Selassie oder das Gerenne von Bartels als unverzichtbar stilisiert. Und kurze Zeit später wundern wir uns wieder, dass da keine Struktur, keine fußballerische Linie zu erkennen ist.
Was letztlich immer fehlte, war eine substanzielle Spielidee, oder zumindest die Anlage und der erkennbare Plan dafür. Wie denn auch? Mit diversen Pseudo- Schlüsselspielern, die jede Saison aufs Neue vollkommen falsch eingeschätzt werden, und wo demnach wieder keine Neuen für diese wichtigen Positionen verpflichtet werden, stehst Du als Trainer mitunter dumm da. Ich war auf den letzten 5 Jahreshauptversammlungen von Werder zugegen. An zwei JHV kann ich mich noch gut erinnern, auf denen Klaus Dieter Fischer den "Zladdi" über den grünen Klee gelobt hat. Wegen seiner Rolle und so.. dem muss sich irgendwann jeder beugen. Sicherlich wird da nicht direkt ins operative Geschäft eingegriffen, trotzdem haben gewisse Einflüsse im Verein Gewicht. Glaube ich jedenfalls. Und die Trainer scheitern mit Ansage.... bei erwähntem, knappem Budget.
Den Trainerwechsel hat Werder verpasst, als der Verein noch Substanz im Kader und in der Kasse hatte, noch attraktiv für Trainer und neue Spieler war. Nämlich vor ungefähr 10 Jahren. Nur kann ich das den Verantwortlichen nicht wirklich vorwerfen, damals wäre ein Wechsel unter den Bedingungen in Bremen kaum vermittelbar gewesen. Was wir mittlerweile viel mehr brauchen als Trainerwechsel, ist endlich Innovation in der Kadergestaltung, im Drumherum, im Scouting, in vielen Bereichen.