Aus der heutigen Kreiszeitung:
Großes Rätselraten um Diego
Reist Spielmacher eigenmächtig nach Peking? / Fritz: "Ich glaube nicht, dass er sich vom Acker macht"
Von Arne Flügge
BREMEN (Eig. Ber.) Um 9.45 Uhr haben alle Werder-Profis heute einen festen Termin. Im Weserstadion wird das offizielle Mannschafts-Foto für die kommende Saison geschossen. Und die große Frage, die sich bereits gestern stellte, ist: Wird Diego dabei sein? Sein Olympia-Wunsch ist immer noch ungebrochen, und in Mannschaftskreisen hat der 23-Jährige weiterhin verlauten lassen, dass er heute nach Paris fliegt, um sich mit dem brasilianischen Olympia-Team zu treffen. Fehlende Freigabe von Werder hin oder her.
Macht sich Diego am Ende sogar heimlich aus dem Staub, so wie es der Schalker Rafinha gestern getan hat? "Was Rafinha macht, ist mir wurscht. Ich glaube nicht, dass sich Diego vom Acker macht", sagte Clemens Fritz, der gestern zusammen mit seinen Nationalmannschafts-Kollegen Per Mertesacker und Torsten Frings das Training in Bremen aufgenommen hat. Auch Frings kann sich nicht denken, dass Diego eigenmächtig Richtung Peking aufbricht. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür hat er eigentlich einen zu guten Charakter", meinte der Bremer Mittelfeldstar. Frings sagte aber auch: "Sollte er es doch tun, so wird das Konsequenzen haben. Dann hätten wir uns alle in seinem Charakter getäuscht. Wir werden sehen, ob er beim Training ist."
Frings kann verstehen, dass Diego zu den Olympischen Spielen möchte. "Es tut mir Leid für ihn. Ich würde auch dorthin gehen, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Nur man kann nicht alles im Leben haben", erklärte der 31-Jährige: "Der Verein hat so entschieden, sich klar geäußert, und danach hat er sich zu richten."
Einmischen will sich Frings aber nicht. "Das werde ich garantiert nicht tun. Das soll er allein entscheiden. Ich weiß aber nicht, ob man einfach so wegbleiben kann."
Heute Gespräch mit Diegos Vater
Schließlich hatte der Weltverband FIFA am Sonntagabend seinen Eiertanz rund um das Thema aufgegeben und durch Generalsekretär Jerome Valcke verlauten lassen, dass es für Peking keine Abstellungspflicht gibt. "Das ist ein wichtiger Hinweis", sagte Werder-Sportchef Klaus Allofs über die endgültige Bestätigung.
Diego hatte gestern wie ein Großteil der Mannschaft trainingsfrei. Einen Aufpasser stellte Werder seinem Star aber nicht an die Seite. "Wir verfolgen Diego nicht auf Schritt und Tritt und haben auch keine Detektei auf ihn angesetzt. Wir gehen davon aus, dass er in Bremen ist", erklärte Werder-Mediendirektor Tino Polster. Da für heute noch ein Gespräch zwischen Diegos Vater Djair Cunha und Allofs anberaumt ist, dürfte sich der Spielmacher tatsächlich noch in der Hansestadt befinden. Das Ticket für Paris soll aber bereits gebucht sein. "Er will nicht gegen das IOC und auch nicht gegen seinen Club kämpfen. Er befolgt nur den Marschbefehl. Er hat zu machen, was er machen muss. Er wurde berufen, und wenn er nicht geht, wird er nie mehr zum Nationalteam eingeladen" sagte Diegos Berater Leonardo Scheinkman der "Welt". Und auf SPOX.com behauptete Scheinkman sogar: "Und unter Umständen scheint Manager Klaus Allofs bereit zu akzeptieren, dass er nach Peking fährt."
Der Gedankenaustausch zwischen den Parteien heute ist Diegos letzte Hoffnung, doch noch die Freigabe zu bekommen. Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim war am Sonntagabend eingeknickt und hatte seinem nigerianischen Stürmer Chinedu Obasi das Okay gegeben, weil der Druck auf den Spieler und seine Familie in der Heimat zu groß geworden sei.
Argumente, die heute auch Diegos Vater ins Feld führen dürfte. Und trotz aller Härte, mit der die Bremer bislang ihren Standpunkt vertreten und verteidigt haben, könnten sie am Ende vielleicht doch weich werden. Freilich nicht ohne eine gewisse Gegenleistung zu erwirken. Eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bis 2012 wäre vielleicht so ein "Umstand", von dem Diegos Berater sprach. 22.07.2008