Und du meinst Özil kann Diego gleichwertig ersetzen? Ich meine weiterhin, dass er extrem wichtig für unser Spiel ist, gerade gegen starke Gegner, wo es auf individuelle Fähigkeiten ankommt. So weit wie Diego ist Özil noch (lange) nicht. Deswegen ist ein Diego-Verkauf bis zu einer gewissen Summe absolut schädlich für die Ambitionen im nächsten Jahr. Özil braucht sicher noch eine Saison bis er die Rolle alleine ausfüllen kann.
Bin ich absolut Deiner Meinung. Aber es ist nicht die Frage, ob Diego oder Özil, sondern wo ihre fussballerischen Fähigkeiten am besten zum Tragen kommen bzw. Werder am meisten nützen.
Im Rautensystem, und da bleibe ich dabei, wäre Özil evtl. als Zehner wertvoller, weil er sich schneller vom Ball trennt, mehr direkt spielt und damit auch das Spiel schneller macht. Somit genau dem Anforderungsprofil der von TS angedachten Spielweise entspricht und damit z. Bsp. besser zu Baumann als zentralem DM passt. Auch taktisch hat Mesut im Vergleich zu Diego mMn leichte Vorteile, weil bei genauerer Betrachtung auffällt, dass gerade Özil mit einer guten Auffassungsgabe für die jeweilige Spielsituation sieht, wann er direktes Pass- oder Querspiel bevorzugen oder das Eins-gegen-Eins-Dribbling suchen sollte. Deshalb hat Mesut auch eine relativ geringe Fehlpass- und Ballverlustquote. Das sind mE Dinge, die Diego fehlen.
Aber die individuellen Fähigkeiten sowie die Torgefahr eines Diego wird Özil vermutlich nie erreichen, auch selten so spektakulär spielen.
Deshalb kann Diego, wie Du schon richtig sagst, gegen starke Gegner Spiele entscheiden, weil dann mitgespielt wird, mehr Räume entstehen und so seine Klasse manchmal eben den Unterschied macht. Aber gegen tief stehende, pressende und destruktiver agierende Kontrahenten kommen dagegen seine Möglichkeiten auf der 10 weniger zur Geltung, weil es hier darauf ankommt, taktisch und - wenn nötig - auch psychologisch klug zu spielen. Natürlich kann Diego auch solche Spiele mit einer Einzelleistung entscheiden, aber es geschieht seltener als erwünscht.
In dieser Hinsicht vergleiche ich Diego vom Spielertyp mal frech mit Cristiano Ronaldo. Der spielt in einem 4-2-3-1 aussen - oder im 4-4-2 zweiter (hängender) Stürmer, aber aussen oder im Mittelfeld aussen. Weil da seine Fähigkeiten am besten genutzt werden. Oder mit Beckham (wobei hier noch die fussballerischen Fähigkeiten andere sind), der auch über aussen kam. Beide können/konnten so ihre individuellen Möglichkeiten sehr gut ausnutzen, obwohl beide vom Typus her nicht unbedingt ein Spiel schnell machen.
Hier liegt mE die Crux bei Werder. Micoud passte zum Rauten-Zehner, weil es der Sinn dieses Systems ist, mit schnellem Überbrücken des Mittelfeldes, besser noch aus der Tiefe, oder direktem Pass sofort Überraschungs- und Gefahrenmomente zu schaffen. Gleiches sollte der zentrale DM beherrschen wie es Baumann immer noch kann und Ernst konnte (Frings eher nicht). Dabei kann sogar das Spiel über aussen vernachlässigt werden bzw. sind weniger Durchbrüche bis zur Grundlinie notwendig. Von diesem System/dieser Spielweise profitierte bspw. Ailton enorm.
Doch Schaaf ersetzte Micoud 2006 nahezu eins zu eins mit Diego, obwohl der ein völlig anderer Spieler und eigentlich auch kein Spielmacher ist. Als hängende Spitze z.Bsp. neben Pizarro und Özil dann zentral dahinter - glaube ich - könnte Diego besser zur Geltung kommen - gegen schwächere Gegner (wohlgemerkt).
Das ist meine Sicht der Dinge, wobei ich nicht behaupten will, dass das alles richtig sein muss. Nur ist es ein Erklärungsversuch.