Oder ist es ein zu schnelle Selbstzufriedenheit? Oder war des Wort "Europaleague" zu sehr in den Köpfen? Oder ist der Neue-Besen-Effekt verpufft?
Wie auch immer, die letzen Spiele erinnern zu sehr an die unsäglichen vier Jahre zuvor.
Nein, Euroleague geistert ja eben nicht in den Köpfen rum... Wer solche Ziele hat, wird sich anders beim Tabellenletzten präsentieren.
Wenn ich mal ganz nüchtern versuche zu analysieren, wie Skripnik die Mannschaft entwickelt hat, komme ich auf folgendes:
In seinen ersten beiden Spielen ging es ums Überleben. Mainz und Chemnitz im Pokal, beides Spiele die einigermaßen dreckig waren. Dann kam gegen Stuttgart ein Tor was durch einen Freistoß und durch eine einstudierte Eckenvariante entschieden wurde. Sowas kann man einmal machen.
Dann kam im Derby der erste Rückschlag, der in meinen Augen zu 90% an der falschen Taktik des Trainers lag, nämlich an der Taktik, das Fußballspielen ab der 2. Minute einzustellen und auf ein 0:0 zu gehen. Eigentlich dachte ich, Skripnik hätte aus diesem Spiel gelernt, die letzten Spiele belehren mich aber eines besseren.
Dann kam gegen Paderborn eine Gala mit tollem Offensivfußball und darauf hat Skripnik aufgebaut. Zwar fehlte hin und wieder die Balance (z.B. gegen Frankfurt oder Hannover), aber im großen und ganzen hat er hier etwas gefunden, was die Mannschaft gut kann: Schnelles, kreatives Offensivspiel. Mit diesem Mittel haben wir bis zur ersten Halbzeit gegen Wolfsburg sehr gut ausgesehen! Dann allerdings hagelte es zu viele Gegentore (5 gegen Wolfsburg, 3 gegen Bielefeld, 4 gegen die Bayern) und er hat wieder versucht, die Defensive zu stärken und das System umgestellt. Das Ergebnis sehen wir jetzt: Werder spielt keinen Fußball mehr, der Sieg in Freiburg war nun wahrlich keine Glanzleistung.
Zu dem fehlenden spielerischen Konzept kommt jetzt noch die Besonderheit, dass zur Zeit auch die Herausforderung fehlt. Skripnik will nicht in die Euroleague, das ist ok. Aber DANN sollte er zumindest nochmal hin und wieder vor dem Abstieg warnen. Aber was macht er? Er erzählt, dass wir in einer entspannten Situation sind und dass das Training Spaß macht.
Das ist ungefähr so als wenn ein Chef zu seinen Angestellten Mitte des Monats sagt: "Der Monatsumsatz reicht grade so, um eure Gehälter zu bezahlen, aber mehr erwarte ich auch nicht, ihr Lappen seid sowieso nicht zu mehr fähig". Wenn diese Lethargie einmal im Rollen ist, wird es schwer sie aufzuhalten. Den Fehler hat Guardiola letztes Jahr begangen und selbst Weltklassespieler haben sich davon anstecken lassen.
Vielleicht ist hier aber auch eher Thorsten Frings gefragt...