Viktor Skripnik (Trainer Metalist Kharkiv/Ukraine)

Mit Victor gab es einen Gegentreffer gegen Mainz mit vielen Großchancen der Mainzer und Stuttgarter in der ersten Halbzeit.
...so beruhen die Tore in erster Linie auf die individuelle Klasse von Franco di Santo/ Fin Bartels, sowie auf eingespielte Standardsituationen, wie sie es schon unter RD gab.
Darum geht`s doch aber - in der ersten Halbzeit.

Je länger die Spiele dauerten, desto besser haben wir Gegner und Spiel kontrolliert und desto stärker ist Werder in die Partie gekommen. Hier liegt mMn der Schlüssel. Dass wir mit unseren Mitteln Chancen zu und Spielanteile überlassen müssen, ist eben so. Aber: Hast Du einen Plan, den Du diszipliniert verfolgst, hast Du öfter auch das nötige Glück. Natürlich waren es dann Standardsituationen oder eine schöne Individualaktion wie in Mainz oder die von Bartels nach Ecke. Aber erstens war das jeweils gut gespielt und zweitens hatte Werder nicht weniger Tormöglichkeiten als Mainz und Stuttgart.
Gut, ich hab hier gelesen, Augsburg wäre in der letzten Saison im Weserstadion im Gegensatz zu Werder "rekordverdächtig im Auslassen von Torchancen" gewesen, was allerdings absoluter Unsinn ist. Das Chancenverhältnis seinerzeit lautete: 3:3. Werder hat damals Augsburg das Spiel überlassen, bei Ballbesitz und etlichen gegnerischen Torschüssen, aber in den entscheidenden Zonen den letzten Pass verhindert, den Angriff geblockt etc., und dadurch die Qualität der gegnerischen Torchancen niedrig gehalten. Insofern griff die Defensivstrategie. Zumindest für den Anfang.

Nur (!), und das ist meines Erachtens unter VS schon jetzt der wesentliche Unterschied, damals wusste die Mannschaft nicht, wie sie nach Ballgewinn oder Balleroberung weiter oder überhaupt einen Angriff strukturiert spielen soll. Sowas hat keine Zukunft, damit kommst Du mit Fortuna durch eine Saison, aber mangels Initiative erlahmt irgendwann aufgrund der fehlenden Idee der Glaube der Spieler an die Sache an sich. So konnte das irgendwie nichts werden, finde ich. Und ja, es ist auch was anderes als vor Dutt, wo wir überhaupt keine Stabilität in irgendeiner Form hatten, keine Zuordnungen oder Abstimmungen, die einem spielerischen und taktischen Gerüst dienlich gewesen wären, was gepaart mit einer eindimensionalen Spielstrategie die Mannschaft oft verzweifeln ließ und außerstande sah, entweder den Spielfaden zu finden oder eine Linie konsistent zu Ende zu spielen (sei es darin, Spiel- und Ballkontrolle auszuüben oder darin Führungen zu halten). Das war aber kein Problem der Moral (ich finde übrigens auch, dass das hier fehlinterpretiert wird), sondern eines der Variabilität und allgemeinen Spielintelligenz. Bei TS gingen Werder- Teams meinem Gefühl nach (im Gegensatz zu Dutt) eigentlich immer mit optimistischer Grundeinstellung und Glauben an die eigene Stärke in Spiele, nur wussten sie aus vor genannten Gründen meist nicht, wie sie eine abstrakte Philosophie (ohne Basis) umsetzen, geschweige denn über 90 Minuten durchbringen sollten.

Jetzt hingegen haben wir trotz des steten Bemühens der Mannschaft, fußballerische Struktur auf den Rasen zu bekommen, in drei Partien nur ein Gegentor kassiert und die Wahrscheinlichkeit, diese Serie bei den 4-Tore-Hamburgern noch auszubauen, ist keinesfalls gering.

Andererseits hat Skripnik den ersten Vergleich dieser Saison gegen Zinnbauer auf heimischen Rasen schon verloren. Deswegen seh ich`s nicht wie Marco Bode, ich wäre mit einem 0:0 zufrieden. Dann bleibt der HSV vorerst dahinter.

gegen Stuttgart war es ein 4-4-1-1, mit zwei Viererketten und "Manndeckung" des DM, nur Di Santo arbeitete da wirklich gegen den Ball. Und durch die Manndeckung von Romeu war das Spiel hauptsächlich auf der linken Angriffsseite, da der Ball oft nicht den Weg auf die anderen Seite gefunden hat. Sieht also stark danach aus, als ob es einen Matchplan gibt, und nicht "alle rennen vorne wild an und die Räume dahinter sind frei" - Pressing welches Dutt zuletzt versucht hat.
Aber egal ob zwei Viererketten oder eine Dreierkette davor, das Verschieben und die Räume eng machen klappte eigentlich in allen drei Spielen hervorragend.
Von der Ost Oberrang hatte ich einen guten Blick darauf.
Prinzipiell war das praktisch die alte, schaafeske Raute mit den typischen Zonenübergaben der Halbpositionen im 4-3 , ob dann 4-3-3 oder 4-3-2-1 (Tannenbaum) gegen den Ball, kann sein, finde ich aber nicht erheblich. Aber 4-4-2 oder eine derartige, flache Hierarchie war es nie, entspräche zudem auch nicht der Skripnik - Spielidee. Richtig ist, dass di Santo in vorderster Linie gegen gepresst hat, während Bartels bei Heraus- oder Einrücken teilweise wie ein vorgezogener Rechts- oder Linksverteidiger (das allerdings weniger als ersteres) agierte. Wichtig: so konnten wir die Abstände halten, eine Maßgabe, die wenn sie VS/ TF verfestigen können, einen wichtigen Unterschied zum TS- oder Dutt- Fußball darstellen dürfte.
 
Bei TS gingen Werder- Teams meinem Gefühl nach (im Gegensatz zu Dutt) eigentlich immer mit optimistischer Grundeinstellung und Glauben an die eigene Stärke in Spiele, nur wussten sie aus vor genannten Gründen meist nicht, wie sie eine abstrakte Philosophie (ohne Basis) umsetzen, geschweige denn über 90 Minuten durchbringen sollten.

Denke mal das ist mit der Hauptgrund warum die Mannschaft unter Dutt so schlecht abgeschnitten hat. Offensiv war das ganze auf Fehlervermeidung ausgelegt, bloss nicht den Ball auf dem Weg nach vorne verlieren, also lieber lang nach vorne (ohne einen Lewandowski oder Koller da stehen zu haben irgendwie vergebene Liebsmüh), defensiv sah es aber meist so aus dass ein Fehler ausreichte die komplette Mannschaft auszuspielen.
Wenn ich jetzt nur Harnik rausnehme, wie oft er einzelne Spieler hat stehen lassen, aber es waren immer noch genügend um ihn herum da, dann ist die Spielweise eine andere. Auch wenn er einmal gegen 4 oder 5 sich durchgesetzt und geschossen hat, entscheidend ist dass wirklich so viele Spieler gegen ihn in den Zweikampf kamen. Und nicht ein Abwehrspieler allein, Zweikampf verloren, dann Tor. So sah es doch früher aus und die Abwehrspieler waren dann die Doofen.

Von der Ost Oberrang hatte ich einen guten Blick darauf.
Prinzipiell war das praktisch die alte, schaafeske Raute mit den typischen Zonenübergaben der Halbpositionen im 4-3 , ob dann 4-3-3 oder 4-3-2-1 (Tannenbaum) gegen den Ball, kann sein, finde ich aber nicht erheblich. Aber 4-4-2 oder eine derartige, flache Hierarchie war es nie, entspräche zudem auch nicht der Skripnik - Spielidee. Richtig ist, dass di Santo in vorderster Linie gegen gepresst hat, während Bartels bei Heraus- oder Einrücken teilweise wie ein vorgezogener Rechts- oder Linksverteidiger (das allerdings weniger als ersteres) agierte. Wichtig: so konnten wir die Abstände halten, eine Maßgabe, die wenn sie VS/ TF verfestigen können, einen wichtigen Unterschied zum TS- oder Dutt- Fußball darstellen dürfte.

Habe ich aber deutlich (ok, am Fernseher) erkennen können, dass da zwei Viererketten gespielt haben. Gerade wenn die Stuttgarter länger am Ball waren, was ja desöfteren vorkam. Gilt aber nur für die erste Halbzeit, die zweite habe ich diesbezüglich das Ganze nicht mehr so genau verfolgt.
Die Abstände haben mich aber begeistert, sehr engmaschig, oft gut in die Zweikämpfe gekommen. (s. oben).
 
Gut, ich hab hier gelesen, Augsburg wäre in der letzten Saison im Weserstadion im Gegensatz zu Werder "rekordverdächtig im Auslassen von Torchancen" gewesen, was allerdings absoluter Unsinn ist. Das Chancenverhältnis seinerzeit lautete: 3:3. Werder hat damals Augsburg das Spiel überlassen, bei Ballbesitz und etlichen gegnerischen Torschüssen, aber in den entscheidenden Zonen den letzten Pass verhindert, den Angriff geblockt etc., und dadurch die Qualität der gegnerischen Torchancen niedrig gehalten. Insofern griff die Defensivstrategie. Zumindest für den Anfang.

... Und ja, es ist auch was anderes als vor Dutt, wo wir überhaupt keine Stabilität in irgendeiner Form hatten, keine Zuordnungen oder Abstimmungen, die einem spielerischen und taktischen Gerüst dienlich gewesen wären, was gepaart mit einer eindimensionalen Spielstrategie die Mannschaft oft verzweifeln ließ und außerstande sah, entweder den Spielfaden zu finden oder eine Linie konsistent zu Ende zu spielen (sei es darin, Spiel- und Ballkontrolle auszuüben oder darin Führungen zu halten). Das war aber kein Problem der Moral (ich finde übrigens auch, dass das hier fehlinterpretiert wird), sondern eines der Variabilität und allgemeinen Spielintelligenz. Bei TS gingen Werder- Teams meinem Gefühl nach (im Gegensatz zu Dutt) eigentlich immer mit optimistischer Grundeinstellung und Glauben an die eigene Stärke in Spiele, nur wussten sie aus vor genannten Gründen meist nicht, wie sie eine abstrakte Philosophie (ohne Basis) umsetzen, geschweige denn über 90 Minuten durchbringen sollten.

"Dünnes Eis", würde ich meinen.

Insbesondere die Aussagen im letzten Absatz sind angesichts des Fußballs, den wir zwischen 1999 und 2013 tatsächlich meistens von Werder gesehen haben, angesichts der Platzierungen, der Finalteilnahmen, der Titel, die wir dadurch erreicht haben, "untragbar".
 
Und ja, es ist auch was anderes als vor Dutt, wo wir überhaupt keine Stabilität in irgendeiner Form hatten, keine Zuordnungen oder Abstimmungen, die einem spielerischen und taktischen Gerüst dienlich gewesen wären, was gepaart mit einer eindimensionalen Spielstrategie die Mannschaft oft verzweifeln ließ und außerstande sah, entweder den Spielfaden zu finden oder eine Linie konsistent zu Ende zu spielen (sei es darin, Spiel- und Ballkontrolle auszuüben oder darin Führungen zu halten). Das war aber kein Problem der Moral (ich finde übrigens auch, dass das hier fehlinterpretiert wird), sondern eines der Variabilität und allgemeinen Spielintelligenz. Bei TS gingen Werder- Teams meinem Gefühl nach (im Gegensatz zu Dutt) eigentlich immer mit optimistischer Grundeinstellung und Glauben an die eigene Stärke in Spiele, nur wussten sie aus vor genannten Gründen meist nicht, wie sie eine abstrakte Philosophie (ohne Basis) umsetzen, geschweige denn über 90 Minuten durchbringen sollten.

:tnx::tnx:

Teilweise waren aber auch deutliche Probleme in der Moral zu erkennen, wenn man Spiele gegen eigentlich viel schwächere Teams oft abschenkte. In der Saison 2010/2011 war das vermehrt der Fall, vor allem weil wir da eigentlich noch ne bockstarke Mannschaft hatten.
 
Allerdings suggeriert Deine Formulierung, dass wir momentan nicht im Abstiegsstrudel stecken.

Mea culpa, war blöd von mir formuliert. Ich bin nicht der Ansicht, daß wir nicht mehr im Abstiegsstrudel stecken, denn dafür liegt wie in dem Beitrag geschrieben, die untere Tabellenhälfte zu dicht zusammen. Worauf ich hinauswollte ist, in den "Chor" der mahnenden Stimmen einzuordnen, daß eine Fortsetzung der Siegesserie kein Selbstläufer ist und man ganz schnell wieder auf Platz 17 oder 18 durchgereicht werden kann.
 
Darum geht`s doch aber - in der ersten Halbzeit.

Je länger die Spiele dauerten, desto besser haben wir Gegner und Spiel kontrolliert und desto stärker ist Werder in die Partie gekommen. Hier liegt mMn der Schlüssel. Dass wir mit unseren Mitteln Chancen zu und Spielanteile überlassen müssen, ist eben so. Aber: Hast Du einen Plan, den Du diszipliniert verfolgst, hast Du öfter auch das nötige Glück......
So war auch mein bisheriges Empfinden. Der krasse Gegensatz war das Spiel gegen Schalke. Das war unsere zweithöchste Saison-Niederlage, und wir waren in der zweiten Halbzeit ausgeliefert, obwohl die Schalker diese Saison auswärts bis dato nur gegen uns punkten konnten.

Nur (!), und das ist meines Erachtens unter VS schon jetzt der wesentliche Unterschied, damals wusste die Mannschaft nicht, wie sie nach Ballgewinn oder Balleroberung weiter oder überhaupt einen Angriff strukturiert spielen soll. Sowas hat keine Zukunft, damit kommst Du mit Fortuna durch eine Saison, aber mangels Initiative erlahmt irgendwann aufgrund der fehlenden Idee der Glaube der Spieler an die Sache an sich......
Nach Ballgewinn gab es, insbesondere in den letzten Spielen unter Dutt fast nur:
a.) Konter, oder b.) weiter Pass
So etwas ist beim Gegner leicht auszurechnen. Aber genau da liegt unsere alternative Stärke.
Wenn Viktor & Co. es hinbekommen mit flachen Kurzpässen die Passquote und Ballbesitz weiter zu verbessern, dann bleiben trotzdem zukünftig immer noch einzelne hohe lange Pässe, oder die Kick 'n' Rush Taktik, die unter Dutt noch in den Gedächnissen der Spieler herrscht. So wird es schwerer auszurechnen.
Und das Viktor & Co. auf alte Stärken zurückgreifen, dass haben wir gegen Stuttgart gesehen. Das Tor von Fin war genauso eingespielt, wie wir es gegen Hoffenheim versucht hatten.

Jetzt hingegen haben wir trotz des steten Bemühens der Mannschaft, fußballerische Struktur auf den Rasen zu bekommen, in drei Partien nur ein Gegentor kassiert und die Wahrscheinlichkeit, diese Serie bei den 4-Tore-Hamburgern noch auszubauen, ist keinesfalls gering.

Andererseits hat Skripnik den ersten Vergleich dieser Saison gegen Zinnbauer auf heimischen Rasen schon verloren. Deswegen seh ich`s nicht wie Marco Bode, ich wäre mit einem 0:0 zufrieden. Dann bleibt der HSV vorerst dahinter.
Wer Viktor Skripnik innerhalb von 3 Pflichtspielen positiv bewertet,
der sollte auch den Gegner hsv kurzfristig beurteilen. Also, für die Kurzsichtigen:
Hamburg hat die letzten 3 Heimspiele 3 Tore gemacht. 4/11 zählt nicht:wink:
Den Vergleich Zinnbauer vs Skripnik finde ich auch albern. Das waren andere Mannschaften in der letzten Begegnung:
Robin Dutts Bayern würden momentan auch Pep Guardiolas Bremer schlagen.

Nochmal zur Langfristigkeit:
Selbst wenn Werder gegen Hamburg & Paderborn mit je 3:0 gewinnt mit u.a.:
70% Ballbesitz, 80% Passquote, 70% Zweikämpfe
....würde mich das nicht geil machen, und ich könnte noch an Abstiegskampf denken.... und könnte genauso eine Niederlage gegen Hamburg hinnehmen, ohne sauer zu sein.

Wenn Werder es schafft bis Ferbuar 2015 Passquote und Ballbesitz zu verbessern, und trotzdem auf alte Stärken zurückgreifen kann, dann können wir von einem Fortschritt sprechen.
Ich sehe nach wie vor Stärken unter Dutt, die nicht zur Geltung kamen, weil
a.) Mannschaft war berechenbar
b.) Mannschaft war verunsichert. (was passiert nach Balleroberung)
c.) Balance der Mannschaftsteile stimmte nicht

Es gab auch verdeckte Stärken, die aufgrund von Berechenbarkeit nicht zur Geltung kamen. => Einige lange Pässe waren echt gut...aber wurden rechtzeitig entlarvt. Aber was wenn der Gegner mit einer Kurzpass-Kombination rechnet, und dann aber anstelle der lange Pass kommt :D
 
Darum geht`s doch aber - in der ersten Halbzeit.

Je länger die Spiele dauerten, desto besser haben wir Gegner und Spiel kontrolliert und desto stärker ist Werder in die Partie gekommen. Hier liegt mMn der Schlüssel. Dass wir mit unseren Mitteln Chancen zu und Spielanteile überlassen müssen, ist eben so. Aber: Hast Du einen Plan, den Du diszipliniert verfolgst, hast Du öfter auch das nötige Glück. Natürlich waren es dann Standardsituationen oder eine schöne Individualaktion wie in Mainz oder die von Bartels nach Ecke. Aber erstens war das jeweils gut gespielt und zweitens hatte Werder nicht weniger Tormöglichkeiten als Mainz und Stuttgart.

Sehe ich genauso.

Der entscheidende Fakt ist für mich, das wir ein defensives Grundkonzept hatten. Das entscheidende an diesem war, welchen Raum wir dem Gegner lassen, nämlich scheinpassiv ab der Mittelinie (+- 5-10m davor dahinter) und ab wo verdichten wir die Defensive und wie verdichten wir. Kongret mit zwei 6er und FB zusätzlich auf Außen im MF. Mit dieser taktischen Anweisung hat man dem Gegner wenig Raum für Kombinationen in der Zone 16-30m vor eigenen Tor gegeben. Sobald wir zwangsläufig in Ballbesitz kamen, wurde schnell mit sicheren Kurzpassspiel meist vertikal, aber auch horizontal der Ball gespielt. Das in dieser Angriffsbewegung noch nicht alles gut gespielt wurde, liegt an dem intelligenten Spieleröffnungspotenzial der einzelnen Spieler im MF.

Das ist auch nicht dramatisch, weil damit muss man leben, nur sollte gerade in diesem Bereich einfache Strukturen (genaues schnelles Passspiel über kurze Entfernung, den Raum öffnen) weiter verfestigt werden.
Gut, ich hab hier gelesen, Augsburg wäre in der letzten Saison im Weserstadion im Gegensatz zu Werder "rekordverdächtig im Auslassen von Torchancen" gewesen, was allerdings absoluter Unsinn ist. Das Chancenverhältnis seinerzeit lautete: 3:3. Werder hat damals Augsburg das Spiel überlassen, bei Ballbesitz und etlichen gegnerischen Torschüssen, aber in den entscheidenden Zonen den letzten Pass verhindert, den Angriff geblockt etc., und dadurch die Qualität der gegnerischen Torchancen niedrig gehalten. Insofern griff die Defensivstrategie. Zumindest für den Anfang.

Unter Dutt war nicht alles schlecht. Wichtig war nachdem offensiven Spielstil vom TS, die Defensive zu stärken. Das ist RD teilweise gelungen, das darunter das Offensivspiel litt ist mMn verständlich, weil es auch für die Spieler ein Entwicklungsprozess ist. Der Unterschied im vergleich zu VS nach 3 Spielen war, das RD ein Schritt vor dem Anderen machen wollte. Er hat die Möglichkeiten falsch eingeschätzt, die diese Mannschaft spielerisch hat. Somit hast Du mit dem nachfolgenden Absatz vollkommen recht, es war unter RD kein strukturierter Ansatz nach vorn zu sehen. Das habe ich ihm in der ersten Saison nachgesehen, weil es für mich primär darum ging Punkte zu sammeln. Leider wurde es nicht wirklich besser in S2 unter Dutt, konfuses Spiel nach vorne ohne erkennbaren "Plan".

Nur (!), und das ist meines Erachtens unter VS schon jetzt der wesentliche Unterschied, damals wusste die Mannschaft nicht, wie sie nach Ballgewinn oder Balleroberung weiter oder überhaupt einen Angriff strukturiert spielen soll. Sowas hat keine Zukunft, damit kommst Du mit Fortuna durch eine Saison, aber mangels Initiative erlahmt irgendwann aufgrund der fehlenden Idee der Glaube der Spieler an die Sache an sich. So konnte das irgendwie nichts werden, finde ich. Und ja, es ist auch was anderes als vor Dutt, wo wir überhaupt keine Stabilität in irgendeiner Form hatten, keine Zuordnungen oder Abstimmungen, die einem spielerischen und taktischen Gerüst dienlich gewesen wären, was gepaart mit einer eindimensionalen Spielstrategie die Mannschaft oft verzweifeln ließ und außerstande sah, entweder den Spielfaden zu finden oder eine Linie konsistent zu Ende zu spielen (sei es darin, Spiel- und Ballkontrolle auszuüben oder darin Führungen zu halten). Das war aber kein Problem der Moral (ich finde übrigens auch, dass das hier fehlinterpretiert wird), sondern eines der Variabilität und allgemeinen Spielintelligenz.
Mir ist es inzwischen vollkommen egal was unter TS gut oder schlecht war, weil er schon lange Geschichte ist für uns.
Was mich nur stört, wenn man es konkret Deiner Meinung nach, benennt, was da nicht stimmte, das es immer noch User gibt, die außer "aber es war ja nicht so, weil TS ja viele gute Zeiten hatte", sich nicht
konkret mal äußern, was an seinem Spiel so gut war, wie die Raumaufteilung, das Umschaltspiel, das Defensivverhalten etc war. Nein es kommen allgemeine Floskeln. Dieses hier immer wieder zu äußern, hat weniger mit einer Analyse des Spiels zu tun, sondern eher mit einer Grundeinstellung wie man argumentiert. Deswegen nehme ich diese Kommentare gar nicht ernst, es zeugt mehr von Profilierung seinr selbst, als zu einer konstruktiven Analyse, die gern konträr sein kann, wenn sie argumentativ gut begründet ist.
Bei TS gingen Werder- Teams meinem Gefühl nach (im Gegensatz zu Dutt) eigentlich immer mit optimistischer Grundeinstellung und Glauben an die eigene Stärke in Spiele, nur wussten sie aus vor genannten Gründen meist nicht, wie sie eine abstrakte Philosophie (ohne Basis) umsetzen, geschweige denn über 90 Minuten durchbringen sollten.

Schenk ich mir darauf einzugehen, weil unbedeutend für die jetzige Situation.
Jetzt hingegen haben wir trotz des steten Bemühens der Mannschaft, fußballerische Struktur auf den Rasen zu bekommen, in drei Partien nur ein Gegentor kassiert und die Wahrscheinlichkeit, diese Serie bei den 4-Tore-Hamburgern noch auszubauen, ist keinesfalls gering.

Andererseits hat Skripnik den ersten Vergleich dieser Saison gegen Zinnbauer auf heimischen Rasen schon verloren. Deswegen seh ich`s nicht wie Marco Bode, ich wäre mit einem 0:0 zufrieden. Dann bleibt der HSV vorerst dahinter.

Ich sehe auch die oberste Priorität kein GT zu kassieren, soll doch der HSV das Spiel machen. Lass es nach 60min immer noch 0:0 stehen, dann darf nur der HSV nervös werden (Zuschauer, Anspruch von Zinnbauer) und das spielt uns in die Karten.
 
Was mich nur stört, wenn man es konkret Deiner Meinung nach, benennt, was da nicht stimmte, das es immer noch User gibt, die außer "aber es war ja nicht so, weil TS ja viele gute Zeiten hatte", sich nicht konkret mal äußern, was an seinem Spiel so gut war, wie die Raumaufteilung, das Umschaltspiel, das Defensivverhalten etc war. Nein es kommen allgemeine Floskeln. Dieses hier immer wieder zu äußern, hat weniger mit einer Analyse des Spiels zu tun, sondern eher mit einer Grundeinstellung wie man argumentiert. Deswegen nehme ich diese Kommentare gar nicht ernst, es zeugt mehr von Profilierung seiner selbst, als zu einer konstruktiven Analyse, die gern konträr sein kann, wenn sie argumentativ gut begründet ist.
Richtig.
Eine allgemeine Floskel ist zum Beispiel, den Fussball Werder`s zwischen 99 und 2013 einfach in der Betrachtung zusammen zu legen, wo doch gravierende Unterschiede bestanden, schon alleine angesichts der handelnden Person auf dem Rasen wie daneben (Zusammensetzung Trainerstab, Mentalcoaches etc.). Und zu allem Überfluß mir das sogar (und bereits zum zweiten Mal) in den Mund zu legen.
Man kann Werder`s Fussball von 99-02 nicht mit dem von 02-06 und den von 99-06 erst recht nicht mit dem von 07-12 vergleichen. Genauso wie Werder 2012/ 2013 deutlich anders gespielt hat als 2010-2012. Aber auf solcherart Beißreflexe noch irgendwie einzugehen, da stimme ich Dir zu, macht keinen Sinn, zumal das ja keiner Diskussion zuträglich sein kann und von vornherein eine Unlesbarkeit des Strangs nach sich ziehen würde. Weil da eben Argumente und Diskussionsansätze partout nicht verstanden werden wollen oder gar gezielt mißverstanden werden.

Zur "Scheinpassivität": Da sprichst Du einen aus meiner Sicht ganz wichtigen Punkt an. :tnx: :tnx: :tnx:
Das ist ein Teil strategischer Spielführung, den ich bei Werder sehr, sehr lange schmerzlich vermisst habe und der in allen drei Partien zum Vorschein kam. Ich würde es den "Lobanowski- Spirit", garniert mit Feinheiten der von Bernd Stange vermittelten, für ihn typischen Spielausrichtung nennen. Wenn Skripnik es schafft, wichtige und die besten Eigenschaften aus Schaaf, Lobanowski und Stange in seine Trainerarbeit einfließen zu lassen oder sogar zu vereinen, haben wir ein Trainer- Juwel.

Noch was zum von Dir erwähnten "einen Schritt vor dem Anderen machen" :tnx:, hat mMn wie angedeutet mit der grundsätzlichen Arbeit eines jeden Trainers in den Kapiteln Vorbereitung - erstes Saisonviertel - zweites Saisonviertel - Wintervorbereitung - drittes Saisonviertel - viertes Saisonviertel zu tun. Dies würde jetzt den Rahmen sprengen, nur eines dazu - ein Trainer hat es insofern natürlich etwas leichter, der direkt im zweiten Viertel einsteigt, da er sich vor allem darauf konzentrieren kann, mental wie inspirierend einzuwirken und weniger Vorarbeit in fussballerischen und physischen Aspekten leisten muss. Ändert aber nichts daran, dass VS in Kürze sichtlich Kleinigkeiten bewegen konnte.

Am prägnantesten für das Dutt`sche Scheitern hier waren für mich zwei Sachen:
Dass ich erstens gegen Ende der letzten Saison zwar das Gefühl hatte, es hätte seit zig Jahren tatsächlich eine Fortentwicklung in den basistechnischen Grundlagen unserer Spieler stattgefunden (Bsp. Prödl, Bargfrede, Elia, Lukimya), was teilweise zur verbesserten Balance beitrug. Dies aber zu Beginn dieser Spielzeit wieder vollkommen eingebrochen ist. Spricht halt nicht für Weiterentwicklung, sondern nur dafür, dass die Spieler es mehr oder weniger selbst forciert haben. Und das reicht eben nicht.
Zweitens (ähnlicher Zusammenhang) dass die leichten spielerischen und spieltaktischen Ansätze der ersten drei Partien danach sofort wie vom Erdboden verschluckt waren. Was darauf hinweist, dass es mehr durch die innere Einstellung der Mannschaft sowie durch die jeweiligen Gegner, statt inspiriert durch die Idee des Trainers passierte.
Somit war die Trennung in jeder Hinsicht alternativlos.
 
Ich möchte noch ein paar Anmerkungen zu dieser sehr interessanten und sachlichen Diskussion machen.

Unter Schaaf war es so, dass wir ein Konzept hatten, das, wie Mick schon schrieb, von einem Optimismus und Glauben an die eigenen Fähigkeiten getragen war. Das beinhaltete ein hohes Pressing und eine analog dazu hoch stehende Abwehrkette, oft kombiniert mit einem recht riskanten Spiel auf Abseits. Daraus resultierten alle positiven wie negativen Aspekte des Spiels unter Schaaf: Die vielen Tore, weil nach Ballgewinn der Weg zum Tor nicht mehr weit war. Und eben die Konteranfälligkeit, wenn das Pressing versagte. Dieses Spiel sah immer dann gut aus, wenn es eine Balance gab, zuletzt mit Frings/Bargfrede hinter Özil, Hunt, Marin und Pizarro. Das beinhaltete genug Stärken gegen den Ball einerseits und genug fußballerisches Potential und Spielintelligenz mit Ball andererseits.

Immer, wenn diese Balance verloren ging, wenn zu viele offensive Spieler auf dem Platz standen etc., dann konnte es auch mal richtig bitter werden, da war z.B. Lyon ein frühes Beispiel. Andererseits konnten wir auch reihenweise hohe und mühelose Siege einfahren, gegen gute Mannschaften auch und gegen schwache Teams sowieso. Die schleichende Verschlechterung des Teams und die mieserable Personalpolitik hat diesen Schaaf-Fußball allerdings gekillt und wenn Schaaf versucht hat, auf Abstiegskampf bzw. "Grundtugenden" umzustellen, sah die Truppe aus als würde sie von Robin Dutt trainiert. Mit der Abkehr vom Schaaf-Fußball verlor eben die Mannschaft auch den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und spielte Angsthasenfußball, passiv aber ohne die positiven Elemente des passiven Spiels, die Mick erwähnt hat in Bezug auf Viktors Spielidee.

Aus diesem Grund war Schaafs Demission, was immer seine verbliebenen Jünger in diesem Forum sagen müssen, nicht nur folgerichtig. Sie war auch längst überfällig und hätte bereits 2011 erfolgen müssen, als wir noch weit größere Qualität und mehr Handlungsspielräume hatten. Seitdem haben wir unsere Zeit verplempert, die wir damals zum Aufbau eines neuen SV Werder noch hatten.

Als Schaaf dann endlich weg war, war das für viele eine Erlösung, auch für mich. Und was mich angeht, ich wollte unbedingt, dass wir mit Dutt Erfolg haben und habe alles, was auf sein Scheitern hinwies, zu diesem Zeitpunkt vollständig ignoriert. Da sind seine bizarren öffentlichen Auftritte, seine desaströse Leverkusen-Zeit und seine sehr schnelle Demission beim DFB zu nennen - Warnsignale, dass man es keineswegs mit jemandem zu tun haben würde, der in der Lage ist, etwas aufzubauen. Aber ich jedenfalls war so erleichtert, dass der Mehltau der Ära Schaaf verschwunden war, so dass ich alles negative ignorierte und einfach nur Fortschritte und eine neue Zeit sehen wollte. Diese Sichtweise wurde noch dadurch begünstigt, dass wir uns in den ersten zwei Spielen zwei Siege ermurmelten und auch sonst bis ca. Mitte der Hinrunde zumindest mit den Ergebnissen zufrieden sein konnten.

Umso härter schlug ich dann auf der Realität auf, als wir dann auch unter Dutt anfingen, schlimmen, konzept- und mutlosen Rumpelfußball zu bieten, gipfelnd in der höchsten Heimniederlage der Vereinsgeschichte. Seine öffentlichen Aussagen waren nach wie vor konfus, aber nun fiel es erst so richtig auf, wie planlos der Mann eigentlich ist. Man kam kaum umhin, sich ein Ende dieses Albtraums zu wünschen, was aber durch einen tollen Kampfsieg gegen Leverkusen am 17. Spieltag vereitelt wurde. Es kam wieder Hoffnung auf: Vielleicht geht es ja doch mit diesem Dutt und vielleicht muss man ihm Zeit lassen.

Nunja, es kam die Rückrunde und der fußball wurde nicht besser, aber immerhin wurde hin und wieder mall gewonnen, so dass man nicht in ganz akute Abstiegsgefahr geriet. Die Panik, die Robin Dutt in diesem Fall mit seinen Aussagen verbreitet hätte, konnten wir uns also Gott sei Dank ersparen. Dennoch kam man nicht umhin, sich zu wünschen, dass nach der Saison analysiert wird, dass dieses Gestümper uns nirgendwohin führt und man einen Strich unter diese Trainerfehlverpflichtung macht. Es kam wie wir wissen anders und man ging mit viel Elan in die Saisonvorbereitung. Lediglich die Aufbruchsstimmung, die vor der vergangenen Saison herrschte, war vollkommen weggeblasen.

In den ersten Spielen kam es dann so, dass Werder in jedem Spiel zumindest phasenweise richtig Fußball spielte. Sofort war die Werder-Hoffnung, man könne doch mit diesem Trainer Fortschritte erzielen, wieder da, auch wenn man sich wunderte, wie anfällig die Truppe war, auch wenn man sah, dass da die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen viel zu groß waren. Man wollte wieder Fußball sehen und zumindest die ersten Spiele gaben dieser Hoffnung etwas Futter.

Leider kann ein Haus ohne Fundament nicht stehen. Das fehlende Konzept machte die Bemühungen um Fußball schnell zunichte und fehlende Siege taten ihr übriges. Die Mannschaft agierte immer hilf- und konzeptloser, der überforderte Trainer fand keine Mittel und man taumelte von einem peinlichen Auftritt zum nächsten. Die vier Punkte nach 9 Spieltagen waren das vollkommen verdiente Resultat dieser Auftritte - das Spiel gegen Hoffenheim hätte einen Sieg verdient gehabt, weil man einen spielerisch besseren Gegner gut bearbeitet und niedergekämpft hat, dafür waren die Punktgewinne in Berlin und Leverkusen unter dem Strich glücklich. Robin Dutt war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, eine Balnce im Spiel herzustellen, es wurde entweder gnadenlos destruktiv gespielt oder der Gegner hatte Torchancen en masse. Das Ende dieser kurzen Ära war überfällig und weil Dutt es nie hinbekommen hat, hier ein Spielkonzept zu etablieren, weil er immerfort alles wieder umwarf, weil wir nie eine balancierte, taktisch sehr gut eingestellte Werdermannschaft unter ihm wirklich 90 Minuten überzeugen gesehen haben, bleibt er für mich unter dem Strich als Versager und Dilettant in Erinnerung.

Weil wir aber seit 2011 drei Saisons und 9 Spieltage verplempert haben, ist die Situation auch nach Dutts Entlassung und trotz der Hoffnung auf bessere Zeiten, die Viktor Skripnik zu schüren vermag, extrem bedrohlich. Die Versäumnisse dieser Zeit kann er in kurzer Zeit nicht aufarbeiten, die Qualität des Kaders kann bei leeren Kassen nur durch Zufallstreffer am Transfermarkt erhöht werden. Viktor muss nun, ganz pragmatisch, aus dem, was da ist, versuchen etwas herauszuholen, was seine Vorgänger nicht hinbekommen haben. Mit den 4 Punkten aus den ersten 9 Spielen kommt eine erhebliche Hypothe hinzu. Um die ominösen 40 Punkte zu schaffen, müsste er aus 25 Spielen 36 Punkte holen, also 1,44 pro Spiel. Auf eine ganze Saison gerechnet wären das 49 Punkte, womit man letztes Jahr als 9. knapp hinter den Europapokalplätzen gelandet wäre. Realistischer ist es also, dass wir bis zum Saisonende hart zittern und kämpfen müssen, wobei uns Viktors Ruhe und Gelassenheit sicherlich helfen kann.

Wenn wir uns nun bereits nach 3 Spielen kleiner Fortschritte mit großer Wirkung erfreuen dürfen, sei es das Aufbrechen verkrusteter Hierarchien im Team und die Integration vorher ausgemusterter Spieler, sei es die Aufstellung von Spielern auf ihren Positionen oder sei es der klare taktische Fortschritt, als Mannschaft kompakter zu agieren und die Räume dadurch enger zu machen, dann ist das allerdings nichts weiter als ein erster Schritt in die richtige Richtung, denn die Versäumnisse der viel zu langen Amtszeiten von Schaaf und Dutt lasten schwer auf der Mannschaft. Wenn ich es aber jemandem zutraue, diese weggzuarbeiten, dann unserem Viktor.

Denn wenn man wie ich die Trainerkarriere Skripniks schon eine Weile verfolgt, dann fällt einem sofort auf, dass mit ihm immer eine erhebliche Verbesserung kam. Anfangs wurde er, vermutlich aus Gefälligkeit, nur bei der unbedeutenden 3. Mannschaft als Trainer eingestellt. Weil er sich dort gut verkaufte, wurde er zum Jugendtrainer, wo er mit der U17 um Röcker, Aycicek und von Haacke um ein Haar und erst nach Verlängerung die deutsche Meisterschaft verpasste, in einem dramatischen Hitzespiel auf Platz 11 vor vielen gefesselten Zuschauern. Aufgrund seiner Erfolge im Jugenbereich wurde er dann zum U23-Coach befördert, wo er auf Anhieb über 20 Punkte mehr holte als sein Vorgänger, nur knapp gegen die deutlich besser besetzten Wolfsburger die Meisterschaft verfehlte und ganz nebenbei wieder echte SPielkultur etablierte, mit einer extrem jungen Truppe.

Hinzu kam, dass Viktor bei allen, die mit ihm gearbeitet haben und von denen ich etwas über ihn gehört habe, einen herausragenden Ruf hat, man redet von ihm regelrecht begeistert. Und das betrifft sowohl seine ausgeglichene, freundliche Art als auch seine Arbeit als Trainer, die eben, wie Mick bereits anmerkte, Elemente der Lobanowski-Schule mit dem modernen Fußball und nicht zuletzt den offensiven, ballorientierten Ideen von Thomas Schaaf verbindet. Mit seiner ruhigen, gelassenen und sehr angenehmen Art der Menschenführung verfügt Viktor Skripnik meiner Meinung nach über großes Potential als Trainer und ich hoffe und wünsche es mir, dass er das auch als Profitrainer weiterhin durchbringen kann. Davon hätten wir alle schließlich etwas.
 

Ich finde man muss zwischen langfristiger Kaderplanung und den kurzfristigen Ergebnissen unterscheiden.

Schaaf hat bei der langfristigenden Kaderplanung zusammen mit Allofs und ein paar andern versagt und konnte irgendwann sein Konzept nicht mehr umsetzen und hat deswegen den Verein mitverantwortlich auch nachhaltig ruiniert. Da dies ein strategisches, kein taktisches Problem war.

Dutt hat bei den kurzfristigen Ergebnissen sicherlich versagt. Inwieweit er auf strategischer Ebene versagt hat, bleibt abzuwarten. Die Spieler scheinen unter Skripnik ja eher zu bestäigen das Dutt hier keinen Schutthaufen hinterlassen hat.

Je nachdem wie diese Saison ausgeht, kann man Dutt also sehr wohl noch eventuell gutes anrechnen.

Skripnik bewerte ich noch garnicht, viel zu früh. Auch wenn ich bisher positiv angetan bin. Aber mal abwarten wie der Rest der Saison läuft.
Und dann bleibt noch abzuwarten ob Skripnik nicht nur taktisch sondern auch strategisch weiterarbeiten kann.
 
Schaaf hat bei der langfristigenden Kaderplanung zusammen mit Allofs und ein paar andern versagt und konnte irgendwann sein Konzept nicht mehr umsetzen und hat deswegen den Verein mitverantwortlich auch nachhaltig ruiniert. Da dies ein Strategisches, kein taktisches Problem war.

So würde ich das unterschreiben. Wobei vereinfacht gesagt, diese strategische Fehlplanung zu taktischen Problemen führte.
 
Natürlich dürfen Trainer bei Personalentscheidungen und strategischen Fragen mitreden. Allerdings hat es Gründe, dass Vereine von klassischen Managern auf Sportdirektoren mit Fußballkompetenz umgeschwenkt sind. Trainer heute sind mit der Trainingsarbeit, der Gegneranalyse, der Spielvorbereitung und all den anderen taktischen Fragen so weitgehend ausgelastet, dass die strategische Ausrichtung auf die Managerebene ausgelagert wurde. Strategische Arbeit des Trainers sähe ich eher darin, die Mannschaft individuell wie mannschaftstaktisch weiterzubringen und dies in geplanter, über die nächsten 3 Spieltage hinausreichender Art und weise. Also etwas, das ich zumindest bei Robin Dutt nicht gesehen habe.
 
Ich möchte noch ein paar Anmerkungen zu dieser sehr interessanten und sachlichen Diskussion machen.

Das ist sie in der Tat, danke dafür :tnx:


Weil wir aber seit 2011 drei Saisons und 9 Spieltage verplempert haben, ist die Situation auch nach Dutts Entlassung und trotz der Hoffnung auf bessere Zeiten, die Viktor Skripnik zu schüren vermag, extrem bedrohlich. Die Versäumnisse dieser Zeit kann er in kurzer Zeit nicht aufarbeiten, die Qualität des Kaders kann bei leeren Kassen nur durch Zufallstreffer am Transfermarkt erhöht werden. Viktor muss nun, ganz pragmatisch, aus dem, was da ist, versuchen etwas herauszuholen, was seine Vorgänger nicht hinbekommen haben. Mit den 4 Punkten aus den ersten 9 Spielen kommt eine erhebliche Hypothe hinzu. Um die ominösen 40 Punkte zu schaffen, müsste er aus 25 Spielen 36 Punkte holen, also 1,44 pro Spiel. Auf eine ganze Saison gerechnet wären das 49 Punkte, womit man letztes Jahr als 9. knapp hinter den Europapokalplätzen gelandet wäre. Realistischer ist es also, dass wir bis zum Saisonende hart zittern und kämpfen müssen, wobei uns Viktors Ruhe und Gelassenheit sicherlich helfen kann.

1899% Zustimmung :tnx:

Wenn wir uns nun bereits nach 3 Spielen kleiner Fortschritte mit großer Wirkung erfreuen dürfen, sei es das Aufbrechen verkrusteter Hierarchien im Team und die Integration vorher ausgemusterter Spieler, sei es die Aufstellung von Spielern auf ihren Positionen oder sei es der klare taktische Fortschritt, als Mannschaft kompakter zu agieren und die Räume dadurch enger zu machen, dann ist das allerdings nichts weiter als ein erster Schritt in die richtige Richtung, denn die Versäumnisse der viel zu langen Amtszeiten von Schaaf und Dutt lasten schwer auf der Mannschaft. Wenn ich es aber jemandem zutraue, diese weggzuarbeiten, dann unserem Viktor.

Um nach 3 Spielen schon von dem Aufbrechen verkrusteter Hierarchien zu sprechen, halte ich für verfrüht, denn es ist, wie du es ein paar Zeilen später geschrieben hast, nichts weiter als ein erster Schritt in die richtige Richtung, wobei imho der ein Neuer-Besen-Effekt sicherlich auch eine Rolle spielte. Diese 3 Spiele unter VS müssen kurz- bis mittelfristig öfters bestätigt werden, wobei man zwischenzeitliche Rückschläge in Form von Punktverlusten ins Kalkül einbeziehen muß, denn erst wenn sich sowohl im Auftreten der Mannschaft als auch in der Punktausbeute der letzten Partien eine Nachhaltigkeit zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit des Klassenerhalts höher.


Hinzu kam, dass Viktor bei allen, die mit ihm gearbeitet haben und von denen ich etwas über ihn gehört habe, einen herausragenden Ruf hat, man redet von ihm regelrecht begeistert. Und das betrifft sowohl seine ausgeglichene, freundliche Art als auch seine Arbeit als Trainer, die eben, wie Mick bereits anmerkte, Elemente der Lobanowski-Schule mit dem modernen Fußball und nicht zuletzt den offensiven, ballorientierten Ideen von Thomas Schaaf verbindet. Mit seiner ruhigen, gelassenen und sehr angenehmen Art der Menschenführung verfügt Viktor Skripnik meiner Meinung nach über großes Potential als Trainer und ich hoffe und wünsche es mir, dass er das auch als Profitrainer weiterhin durchbringen kann. Davon hätten wir alle schließlich etwas.

Auch hier 1899% Zustimmung :tnx:
 
@maddin: :tnx:, deinen Post kann ich fast so unterschreiben.

Nur ein paar Anmerkungen von mir: für mich wirkte die zweite Hälfte der RR 13/14 eigentlich wie der erhoffte Schritt nach vorne. Da gab es schon ein paar Spiele, in denen Werder wirklich gut und clever spielte (z.B. Hannover und Nürnberg auswärts) und nicht nur RD sagte zum Ende der Saison, dass man eigentlich gerne noch ein wenig weiter spielen würde. Insofern hatte ich schon einige Hoffnungen in diese Saison gelegt, dass es eine weitere Entwicklung geben könnte. Und auch nach den ersten drei Spielen hatte ich noch ein ganz gutes Gefühl, dass dann von Spiel zu Spiel brökelte und spätestens nach dem Spiel gegen Köln, dass ich live und mit Erschrecken erleben durfte, völlig ins Gegenteil gekehrt war. Insofern konnte ich durchaus verstehen, dass man mit RD in die neue Saison ging.


Ich finde diese Bezeichnung immer noch für zu hart und nicht RD gerecht werdend. Bei aller Kritik, die man wirklich zu Recht an Dutts Arbeit äußern kann, klingt das für mich so, als wäre RD für dich ein Blender, der von Fußball absolut keine Ahnung hat und sich damit jahrelang durchmogeln konnte (selbst bei der Trainerausbildung). In meinen Augen ist das völlig übertrieben.


Mit den 4 Punkten aus den ersten 9 Spielen kommt eine erhebliche Hypothe hinzu. Um die ominösen 40 Punkte zu schaffen, müsste er aus 25 Spielen 36 Punkte holen, also 1,44 pro Spiel. Auf eine ganze Saison gerechnet wären das 49 Punkte, womit man letztes Jahr als 9. knapp hinter den Europapokalplätzen gelandet wäre.

Durch die ersten beiden Siege unter VS sind es ja "nur" noch 30 Punkte aus 23 Spielen, also 1,3 pro Spiel und 44 hochgerechnet auf die gesamte Saison. Das hört sich doch schon etwas machbarer an, oder? :)
 
Ich hoffe dass Du Recht hast.

Und Dutt halte ich wirklich für jemanden, der andere mit seinem netten Auftreten und seiner vorhandenen Kompetenz blenden kann. Ich halte ihn allerdings weder für einen klassischen Blender noch für vollkommen inkompetent. Ich habe nur eben den Eindruck, dass ihm für den überaus nervenaufreibenden Job die Ruhe und Sicherheit fehlt, die er dann eben auch der Mannschaft nicht vermitteln kann. Diese Unsicherheit ist für mich sowohl der Grund für seine permanenten Umstellungen, die zunehmende Verunsicherung seiner Mannschaft, was in Leverkusen zu offener Meuterei und in Bremen zu diesen völlig mutlosen Auftritten in seinen letzten Spielen geführt hat, als auch der für seine oft wirr wirkenden Interviews und Pressekonferenzen. Das macht ihn aber für mich unter dem Strich als BL-Trainer nicht tragbar. Ein weiterer Grund scheint für mich eine gewisse Unsouveränität zu sein. Da werden Spieler wie Obraniak wohl auch aus teilweise persönlichen Gründen ausgemustert, in Leverkusen gab es Ärger mit etablierten Leuten. Man sagt im Unternehmensberater-Bullshit-Bingo gerne: Alphas fördern Alphas, Betas fördern Betas. Dutt ist für mich kein Anführer und hat deswegen mit Spielern, die offen ihre Meinung sagen, ein Problem, weil diese seine Unsicherheit nur bestärken.

Man muss sich mal das Kontrastprogramm zu einem wie Schaaf ansehen. Wer bei dem mal beim Training war, der wusste, dass auf diesem Trainingsplatz nur einer das Sagen hatte. Der musste nicht rumbrüllen, nichts sagen, es reichten Gesten aus, um der Truppe zu vermitteln, was gemacht werden soll. Gleichzeitig war er natürlich aus dieser Position heraus in der Lage, auf Spieler wie z.B. Frings oder Micoud zu hören oder Leute wie Wiese und Ailton so sein zu lassen, wie sie halt sind. Das hat zumindest im positiven die Führungsqualität von Schaaf lange ausgezeichnet, bis er hier, so mein Eindruck, etwas zu festgefahren war und sich das Ganze zu Tode gelaufen hatte.

Wenn man private, unter der Hand geäußerte Kommentare von Spielern zu Robin Dutt nimmt, die so um das Peterswerder geistern, dann lauten die wohl unisono, dass Dutt ein netter Typ war und man gegen ihn nie etwas hatte und mit ihm Erfolg wollte, aber dass es eben doch eine Reihe Spieler gab, die ihn nicht ganz für voll genommen haben. Damit war aber doch das Kind schon in den Brunnen gefallen, denn wie sollte Dutt mit diesen Spielern sinnvoll zusammenarbeiten? Was sollte er ihnen vermitteln? So eine Bundesligamannschaft benötigt doch gerade in dieser Hinsicht einen Trainer, dem sie folgen und den sie auch als Autorität anerkennen. Dieser Aspekt, jenseits aller taktischen Unzulänglichkeiten, scheint mir bei Dutt der gravierendste zu sein. Denn dem Umfeld ging es doch in Anbetracht seiner oft hilflosen Kommunikation auch nicht anders, man war ja manchmal regelrecht verzweifelt ob seiner Aussagen.
 
Natürlich dürfen Trainer bei Personalentscheidungen und strategischen Fragen mitreden. Allerdings hat es Gründe, dass Vereine von klassischen Managern auf Sportdirektoren mit Fußballkompetenz umgeschwenkt sind. Trainer heute sind mit der Trainingsarbeit, der Gegneranalyse, der Spielvorbereitung und all den anderen taktischen Fragen so weitgehend ausgelastet, dass die strategische Ausrichtung auf die Managerebene ausgelagert wurde. Strategische Arbeit des Trainers sähe ich eher darin, die Mannschaft individuell wie mannschaftstaktisch weiterzubringen und dies in geplanter, über die nächsten 3 Spieltage hinausreichender Art und weise.

Es ist zwar richtig, daß ein Sportdirektor heutzutage einen größeren sportlichen EInfluß bei Spielerverpflichtungen hat als ein Manager vor 25 oder 30 Jahren, was sicherlich primär darin begründet ist, daß von wenigen Ausnahmen wie z.B. Netzer oder Hoeneß abgesehen die Manager eher selten ehemalige Fußballprofis waren, sondern eher im Verein sich hochgediente "Kassenwarte", so daß ihnen die Fußballkompetenz entsprechend fehlte.

Diese Entwicklung ist imho aber kein Umschwenken, sondern mehr ein sich zu Nutze machen der Fußballkompetenz, wobei diese sicherlich auch durch die Vernetzung im Profifußball dienlich sein kann - sofern der SD auch das Repertoire des Sportmanagements beherrscht. Aber geht dies so weit, daß der Coach "nur" noch ein Mitspracherecht bei Verpflichtungen hat? Ich denke nicht, denn schließlich muß der Coach täglich mit dem Spieler arbeiten bzw. was soll er mit einem ihm mehr oder weniger vorgesetzten Akteur, der seiner Ansicht nach spielerisch, taktisch oder menschlich nicht oder nur bedingt in sein Konzept paßt?
 
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