Robin Dutt

Seine Stärken liegen in Steals und Laufbereitschaft, außerdem hat er eine gute Passtechnik, haut daher aus dem Stand manchmal Pässe in den Lauf des Mitspielers raus (mal unabhängig ob gewollt oder nicht). Wir könnten mit ihm viel mehr Bälle gewinnen und hätten eine echte Option im Gegenpressing. Jedenfalls wäre Bargfrede niemals so rumgetrabt wie Makiadi und Hajrovic vor Rodriguez Tor. Bargfrede hat seine Stärken eher in der Offensive/ Offensivverteidigung als defensiv.

Das konterkariert ein wenig was du vorher geschrieben hast (und ich habe wenig Lust jetzt Spiele von vor mehreren Jahren zu analysieren, du hast dein Bild, ich das meine. Ich saß übrigens direkt hinter der Werderbank und durfte Bale aus nächster Nähe erleben...). Aber ja, du hast recht, Steals, Laufbereitschaft, Passtechnik (ich habe nie gesagt er wäre der große Stratege, eben "nur" einer der den Laden hinten zusammenhalten kann wenn alle anderen mal wieder vogelwild rumschwirren). Allein Juno würde massiv von Bargfrede profitieren und in der Tat, Rodriguez hätte gegen Bargfrede keine Chance so durchzuspazieren wie gegen Hajrovic. Allerdings ist Hajrovic auch kein Defensiver, was seine Arbeitsverweigerung in der Szene aber auch nicht entschuldigt.
 
Halte ich für übertrieben. So, wie die Spiele und deren Psychologie gelaufen ist, war sogar in Leverkusen mehr drin (wenn nämlich Selke den Riesen netzt) und gegen Hoffenheim ebenso. Die Punktausbeute ist für das derzeit Gebotene zu wenig. Man muss sich jetzt einfach mal für ordentliche Spiele auch mal belohnen.

Ganz genau. Man muss aber auch festhalten, dass die Chancenflut (zumindest für unsere Verhältnisse) die letzten beiden, vielleicht auch drei Spiele deutlich abgenommen hat. Gegen Schalke hatte Elia eine Hunderprozentige, gegen Wolfsburg waren wir offensiv dann weitersgehend harmlos.

Man muss die Frische der ersten Spiele zurückgewinnen und dann wird man sich auch gegen Freiburg belohnen. Ich hoffe der Druck, welcher nun zunehmend größer wird, erzeugt keine mentale Hemmnis.

Enttäuschend war Werder bislang nicht, aber schon hier im Forum kann man deutlich erkennen, dass ein permanent niedriger Punktestand sicher zum Problem wird. Freiburg wird ein wirkliches Schicksalsspiel, denn gehen wir als Sieger vom Platz, so sind wir aller Voraussicht nach wieder dran an den mittleren Plätzen, im umgekehrten Fall wird das Zähneklappern sicher lauter werden. :D

Ich bin davon überzeugt, dass wir Freiburg niederringen werden und erwarte ein kampf- und körperbetontes Spiel.
 
Das Problem am Beton bleiben aber die individuellen Aussetzer.
In den letzten 4 Jahren wurde der größte Teil des Kaders und der Trainer ausgetauscht und trotzdem ist losgelöst von den jeweils verwendeten Spielsystemen die Quote an individuellen Fehlern exorbitant hoch.
Ansichtssache.
Ich bspw. bin kein Anhänger der These von "individuellen Fehlern, die das Spiel kosten". Das ist immer nur die einfachste Ausrede und meinen Erfahrungen nach sehen es 90% der Übungsleiter genauso.

Wenn der Torwart einen leichten Ball passieren lässt, zu spät rausläuft oder eine Flanke unterschätzt, trägt er die Haupt- oder mindestens eine Mitschuld. Trotzdem kannst Du nachfragen, warum der Spieler frei zum Schuss kommt, frei auf ihn zulaufen darf, leichte Flanken zugelassen werden etc. Wenn der Verteidiger den entscheidenden Zweikampf oder Kopfball verliert, trägt er zweifellos Schuld, aber ich muss auch schauen, warum er überhaupt in Eins-gegen-Eins- Situationen muss, warum die Mitspieler nicht den Raum zulaufen und absichern, warum beim Kopfballgegentor die Zuordnungen nach Standards nicht stimmen.
Wenn einem Spieler der Ball verspringt, muss ich sehen, wie das passiert (unter Druck oder hat er Zeit) sowie Qualität und Richtung des zugespielten Balles (gehoppelt statt sauber gepasst, in den falschen Fuß, in den Weg, den Gegenspieler leicht verstellen können etc.) mit einbeziehen.

Darum ist das ein Mannschaftssport.
 
Dutt hat die defensive Statik der Mannschaft zugunsten einer besseren Offensive verändert.
Wir hatten unter Dutt doch fast nie eine "defensive Statik".

Abgesehen davon, dass Dutt in seinem Trainer-Werdegang nicht als Coach aufgefallen ist, der eine Mannschaft defensivtaktisch strikt drillen und in dieser Disziplin entscheidend weiterbringen kann (teilweise eben auch, weil er einen anderen Fokus hat), verstehe ich das Gerede vom reinen Mauern sowieso nicht.

Reines Mauern hab ich in der BL schon lange nicht mehr gesehen. Der Letzte, der es versucht hat, war doch eigentlich Magath 2009 mit S04, aber selbst das war kein reines Mauern. Der alte Catenaccio ist praktisch Geschichte und kaum mehr umsetzbar, und Mann- vor Raumdeckung sowieso.

Mannschaften verschieben viel kompakter als vor 15 Jahren, gleichzeitig werden die jenseits des Spielgeschehens freigelassenen Zonen mit Schnelligkeit und Stellungsspiel festgezurrt, Abseits als wichtigstes Stilmittel. Es hat sich seither nochmal einiges in Ausnutzung des Platzes in Tiefe und Breite verändert. Da ist ein Paradigmenwechsel erfolgt, mit aggressivster Laufarbeit in Kombination mit kluger Raumaufteilung, bei der alle Spieler unablässig eingebunden sind. Weswegen die Grenzen zwischen defensiv und offensiv fließender geworden sind und weswegen Individualistenfussball Out of order ist. Brasilien kann von Letzterem ein Lied singen, ohne es begriffen zu haben.

Genau das belegt ja gerade Werder` s Start aus der letzten Saison. Wir haben begonnen mit drei Sechsern, einer Viererkette, die nicht herausrückt, infolgedessen waren die Abstände im Mf viel zu groß, was a) jede Bindung im Spiel verhindert und b) defensiv dauerhaft keine Solidität bringt. Pressing in allen Spielfeldzonen mit permanent nach- und zurückrückenden Leuten ist alternativlos. Ein paar Spiele kannst Du das mit Einsatz und Fortuna durchdrücken, aber eine Zukunft hat es nicht (und geplant war`s so sicher auch nicht).


Ich halte die Zurück-zu-Beton-Forderung für unsinnig. Sie suggeriert nämlich, dass Siege wie gegen Braunschweig und Augsburg in der letzten Saison taktisch bedingt waren. Sie waren aber nicht taktisch bedingt, sondern pures Glück.

Ich sehe in dieser Saison einen deutlichen Fortschritt zur letzten Saison, die man sich wegen einiger glücklicher Ergebnisse schön geredet hat. Und bei dem Auftaktprogramm (4 Auswärtsspiele, 4 Spiele gegen nominell deutlich besser besetzte Teams) kommt so ein Fehlstart auch nicht aus dem heiteren Himmel. Ein Trainerwechsel in der jetzigen Situation wäre die gleiche Verhaltensweise über die wir uns bei anderen Vereinen lustig machen.
Dutt hat es doch selbst schon angesprochen, wir stehen nicht mehr nur hinten drin, sondern haben einen besseren Zugriff auf `s Spiel. Da stimme ich ihm durchaus zu. Letztes Jahr um die Zeit waren wir in einigen Partien dramatisch unterlegen, davon kann jetzt eigentlich keine Rede mehr sein. Und das funktioniert nur, wenn Automatismen, die wir bereits gegen Ende der letzten Spielzeit sehen konnten, zunehmend besser funktionieren. Aber eben nicht alle, speziell ein paar entscheidende.

Erstens finde ich unsere Raumaufteilung nach wie vor mäßig, mitunter abenteuerlich, zu selten werden ballführende Gegenspieler in gefährlichen Zonen attackiert, zu oft werden aus der Not Räume zugelaufen, statt vorher geschickt zugestellt. Zweitens und das finde ich problematisch, man erkennt irgendwie so selten bzw. es ist kaum einmal abzusehen, wie wir denn unsere Angriffe konsistent zu Ende spielen wollen, zum Beispiel einen geplanten Aufbau mit dem vorletzten oder drittletzten, gezielten Pass, der ein Muster vorgibt. Beides zusammengenommen bringt Defizite in der Rückwärtsbewegung.

Werder hat Phasen, wo wir defensiv durchaus sicher stehen, solange die Konzentration aufrechterhalten und kein leichter Ballverlust kommt. Nach einem solchen funktioniert allerdings das Team nicht und unser schwaches Umschaltverhalten wird zum Verhängnis. Da muss der Hebel angesetzt werden.

In Leverkusen entstehen alle Chancen von Bayer zunächst aus Standards oder Einwürfen, wo wir mit Prödl/ Lukimya/ Juno traditionell anfällig sind, aber keine herausgespielten im oder am Strafraum. Gegen Schalke führt ein abgefälschter Ball zur ersten Torchance der Gäste kurz vor der Halbzeit, danach klingelt es nach Freistoß und Ecke sofort. Wolfsburg haben wir komplett im Griff, bis ein Ball nach der Ecke geblockt wird und keiner auf den zweiten geht. Die Muster der Gegentore sind die Gleichen und trainierbar. Sowas gehört allerdings zu einem Gutteil in die Saisonvorbereitung und hier muss Dutt sich hinterfragen.

Auf diese Weise lassen wir ligaweit die meisten Torschüsse zu (66) vor Hoffenheim (56) und Frankfurt (54). Wir lassen die zweitmeisten klaren Torchancen unserer Gegner zu (35), knapp vor Frankfurt (37), hinter Hertha (30), Augsburg (28) und Wolfsburg (26).
Andererseits erspielte Werder in den ersten 6 Partien die sechstmeisten Torchancen (24) der Liga, schlechtester Wert in der Statistik liegt derzeit bei Köln und Frankfurt (jeweils 15), Paderborn hingegen ist Fünfter (25).
Werder spielte relativ viele Pässe (1968), dabei die meisten Fehlpässe (682), wobei interessanterweise Leverkusen als Vorletzter dieser Statistik noch weniger Pässe (1917) spielt und vergleichsweise ebenso viele Fehlpässe (652), sowie Hoffenheim als Viertletzter (1874/ 571 Fehlpässe), was womöglich auch kennzeichnend für ein gewisses Risiko in der Spielweise sein könnte. Welches wir uns allerdings am wenigsten leisten können.

Es ist nicht alles schlecht, vor allem nicht schlechter als ein paar der Teams, die vor uns stehen. Was fehlt sind die Punkte. Aber die entscheiden nun mal. Gegen Freiburg dürfte noch der Krampf der Negativerlebnisse hinzukommen. Und gerade die nähere Vergangenheit lehrt Werder` s Verantwortliche wie wichtig es ist, in der Trainerfrage nicht zu lange zu zögern. Abgesehen davon würden wir das auch kein zweites Mal überleben. Am Ende darf nun mal nur das Ergebnis zählen und Werder nicht noch mehr (unnötig) Boden zur Konkurrenz verlieren. Fortschritt hin oder her.
 
Lass mich mal nachrechnen: 40 Jahre Werderfan: 1974...
Was war denn da in Bremen gut, bzw. besser als zur Zeit?

Man konnte von der Ostkurve oder umgekehrt von der Westkurve oben über die uralt Nordtribüne mit Glasbausteinen in der Wand ohne Zaun und Gitter locker rüberdackeln und somit jederzeit hinter dem Tor zuschauen,auf das Werder in der jeweiligen HZ spielte. War halt alles etwas schlicht lockerer und unbewachter im "alten Weserstadion". Heute gleicht vieles wahrscheinlich einem Knast wo alles geregelt , gemaßregelt bzw. richtig abgeschottet wirkt. Damals war man irgendwie cooler,frecher und nicht so angepasst mit langen Haaren Werder Jeansjacke auch schon von Levis.

Heute würde sich kein " Fan" mehr im Winter oben bei 10 Grad minus bei den ehemaligen Fahnenstangen in der Ostkurve ohne " Überdachung" ein Werderspiel angucken. Als Fan hat man auch gefroren für seinen SVW. Heute gibts Kuscheldecke Deluxe für den Edelfan und andere "Wärmflaschen".
 
Unter defensiver Statik verstehe ich, dass die Abstände stimmen, dass eine Mannschaft sehr kompakt schiebt, ein Spielfelddrittel oder -viertel bewußt vernachlässigt wird (welches jedoch bei Verlagerung zugelaufen werden kann), eben all diese Facetten. Und der Gegner sich daran die Zähne zerbeisst, weil keinen Platz und Lücken findet. Davon konnte bei uns keine Rede sein.

Dutt hat grundsätzlich sicherlich eine abstrakte, ambitioniertere Spielweise im Kopf. Genau deswegen bekommen seine Mannschaften nix hin, wenn er auf sture, abwartende Haltung setzen will, weil das mittelfristige Ziel ein anderes ist. Das war nicht nur bei uns so. Sowas sollte dann erstens gewollt und im selben Zusammenhang zweitens gekonnt sein.
 
Ich meinte mit defensiver Statik, dass RD den ohnehin nicht sattelfesten Defensivverbund mit Bartels, Galvez und partiell Hajrovic sowie dem zweiten Stürmer aufgelockert hat. Zudem sind Selke und Petersen technisch zu schwach, um spielerisch Akzente setzen zu können. Die kommen über den Einsatz und das Anlaufen der gegnerischen Abwehrspieler.
Wir haben nun mal leider Sportskameraden mit hoher Fehlerquote im Team, was seit Jahren bekannt ist. Das ist ein Risikospiel, welches Werder nicht gewinnen wird.
Die Standards sind auch schwächer als zu Beginn geworden.
Es würde schon Sinn machen, den zweiten Stürmer zugunsten eines weiteren def. MF zu opfern, wenn man so schlecht in der IV im Verbund mit dem TW steht.
 
Trainer Robin Dutt sitzt aber trotzdem noch felsenfest im Sattel. "Da gibt es keine Diskussion", betonte Eichin, er habe "totales Vertrauen". Hat denn Dutt selbst das Gefühl, dass es langsam eng werden könnte? Nein, sagt der Coach, "null Komma null intern, aber auch extern".

http://www.kicker.de/news/fussball/...ntastbarer-dutt-stichelt-gegen-wolfsburg.html

Solche Aussagen lösen bei mir einen Hauch von Selbstironie aus...

Bekommt der RD nicht mit, was in der Presse und was innerhalb des Forums hier passiert??

Sitzen er und TE nur in ihrer Kammer und Schaukeln sich gegenseitig in den Schlaf??

Haaaaalloooo...Es ist wieder Spielzeit...
 

Wir wissen doch aus Erfahrung, was man auf Aussagen solcher Art geben kann. Sinngemäße Aussagen wie "vollstes Vertrauen in den Trainer" oder "Trainer steht nicht zur Diskussion" lassen von vollstem Vertrauen bis hin zu bereits beschlossener Kündigung alles zu.
Zudem muss man ja auch mal hinterfragen, wie es zu solchen Aussagen kommt. TE ruft beim sid an und sagt "Hey Freunde, zur Info: Der Trainer ist ein toller Hecht und ist hier felsenfest im Sattel. Sonst noch irgendwelche Infos gewünscht?" Nein, wieso auch? Stattdessen sind Statements wie dieses immer nur Antwort auf die (immer gleichen) Fragen der Medien.
Und wenn heute Kicker den TE fragt wie er zu RD steht dann fragt morgen BILD und übermorgen der WK oder wer auch immer.
Ja und dann sind Aussagen wie diese halt zu erwarten.

Wo immer es auch in der Vergangenheit passierte, dass man einen Trainer öffentlich demontierte und anzählte war ich froh, Werder-Fan zu sein, das hier viel internes auch intern bleibt und man nicht im "HSV-Style" mit den Coaches umspringt.
 
...
Reines Mauern hab ich in der BL schon lange nicht mehr gesehen. Der Letzte, der es versucht hat, war doch eigentlich Magath 2009 mit S04, aber selbst das war kein reines Mauern. Der alte Catenaccio ist praktisch Geschichte und kaum mehr umsetzbar, und Mann- vor Raumdeckung sowieso.

Mannschaften verschieben viel kompakter als vor 15 Jahren, gleichzeitig werden die jenseits des Spielgeschehens freigelassenen Zonen mit Schnelligkeit und Stellungsspiel festgezurrt, Abseits als wichtigstes Stilmittel. Es hat sich seither nochmal einiges in Ausnutzung des Platzes in Tiefe und Breite verändert. Da ist ein Paradigmenwechsel erfolgt, mit aggressivster Laufarbeit in Kombination mit kluger Raumaufteilung, bei der alle Spieler unablässig eingebunden sind. Weswegen die Grenzen zwischen defensiv und offensiv fließender geworden sind und weswegen Individualistenfussball Out of order ist. Brasilien kann von Letzterem ein Lied singen, ohne es begriffen zu haben....

:tnx:
Insgesamt schöner Post.
Es geht garnicht in erster Linie um Offensive oder Beton, sondern es geht um Automatismen.
Ich habe den Eindruck, Dutt will manchmal zuviel, er ist auf dem richtigen Weg, aber dann scheinen die Spieler überfordert und es kommt zu Black-outs. Das ganze wird als "individuelle Fehler" abgetan. Aber es ist dann Dutts Verantwortung, die Spieler mehr auf sein System zu drillen, so dass sich mehr Automatismen einstellen. Mehr - im Idealfall schlafwandlerische - Automatismen bedeutet weniger individuelle Fehler.
Dazu ist immer noch Zeit, auch wenn der Blick auf die Tabelle beunruhigt.
 
Ist das vielleicht die Gemeinsamkeit zwischen Schaaf und Dutt, die uns schon seit Jahren diese immer wieder kehrenden (vermeintlich) individuellen Fehler beschehrt: beide lassen den Spielern sehr viel Freiheit und geben zu wenig feste Strukturen selbst vor und deswegen sind einige der Spieler einfach öfters überfordert und machen einfach Fehler? Ist es so einfach? :confused:
 
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