Richtig und die haben auch beim Fußball nichts zu suchen.
Allerdings deckt sich das von Polizei und Politik gezeichnete Bild - Zunahme von Gewalt und ausufernde Kosten - in eklatanter Weise nicht mit dem Erfahrungswert, dass Fußball heute ein gesellschaftliches Familienereignis ist, zu dem immer mehr Frauen, Kinder usw. gehen und das gerade im Bezug auf die Bundesliga immer sicherer wird, eben auch, weil die Vereine in Fanprojekte und Fanbetreuung investieren, weil es gerade auch in Bremen einen direkten Dialog zwischen Fans und Verein gibt.
Richtig. Zum Glück ist der Fußball ein Familienereignis mit einem breit gefächterten Publikum.
Und wird wissen auch beide, dass die Politik wenn sie von zunehmender Gewalt spricht auch gerne mal den Typ mit Schal vor dem Gesicht meint, der auf dem Zaun sitzt und ein Bengalo zündet. Was je nach Definition von Gewalt - meiner z.B. - völliger Bullshit ist.
Dazwischen und dem brutalen Riot rivalisierender Hools gibt es aber Zwischenstufen. Eine ist unter anderem dieser dumme, moderne Schwanzvergleich des "Materialzockens". Jedes Wochenende werden in den diversen Ligen Schals, Zaunfahnen, Schwenkfahnen, Shirts etc. präsentiert. Sicherlich auch oft auf Kosten einer blutigen Nase geraubt.
Wer geht da zur Polizei und erstattet Anzeige? Ich kann da keine Zahlen liefern aber sicherlich gibt es da unzählige Raubdelikte, die in keinerlei Statistiken einfließen.
Um auf deinen anderen Punkt einzugehen: Großartige Sache die diversen Fanprojekte etc, diese leisten eine großartige Arbeit, die ich nicht missen möchte.
Es dürfte aber nicht messbar sein, wieviel Gewalt durch deren Arbeit verhindert werden konnte und wieviel durch alleinige Präsenz der Polizei und aber auch immer bessere Kameraüberwachung, Identifikationsmöglichkeiten etc.
Unter den Gruppen Im Fußballumfeld, die der Gewalt zugeneigt sind dürften einige sein, die sich von aller präventiven Arbeit durch Projekte aller Art unbeeindruckt zeigen. Die erreichst du damit nicht. Ähnlich wie diejenigen, die nicht auf Demos gehen der Sache wegen sondern weil "geil auf Gewalt".
Wer dann immer nur von ausufernden Polizeikosten redet und von Fangewalt, der steckt mit seinem Weltbild noch immer im Hoolzeitalter und der Situation in den 80ern und frühen 90ern fest. Insgesamt, wenn ich heute zum Fußball gehe, sehe ich sehr sehr wenig Gewalt und Gewaltbereitschaft und größere Fangruppen, die gemeinsam zum Stadion ziehen, lassen sich leicht polizeilich begleiten.
Klar ist das Bild ein ganz anderes als in den 80ern oder auch 90ern. Aber nicht nur im Fußball, seinem Umfeld und den Szenen.
Zum Glück sehe auch ich wenig Gewalt, die Gewaltbereitschaft ist aber sehr wohl da. Pöbeln (übrigens gerne hinter einer massiven Polizeikette, aber das nur am Rande) gehört da zum guten Ton für diverse Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene, um den starken Mann zu markieren.
Jetzt kommt sicher der Einwand "Ja ist denn dieses dumme Pöbeln für dich schon Gewalt?". Nein, ist es nicht. Aber Provokation und Reaktion, gegenseitiges Aufschaukeln und schon ergibt sich Eigendynamik.
Ebenso irrt sich, wer meint, man müsse im wesentlichen auf "einschüchterung" setzen. Vor den letzten Derbies gab es von den beteiligten Vereinen immer Aufrufe zur Deeskalation. Darum geht es und nichtdarum, durch aggressives Auftreten der Polizei, durch Drohung und einschüchterung weiteresGewaltpotential zu wecken. Diese falsche, veraltete Strategie hat bereits dazu geführt, dass viele Fans inzwischen die Polizei fast mehr hassen als die gegnerischen Fans und dass die Stimmung zwischen Fans und Polizei teilweise vergiftet ist. Wenn dann Gewalt zwischen Fans und Polizei auftritt, dann sagen die Polizisten natürlich, dass sie noch mehr Polizei brauchen und dann wird das alles immer teurer, obwohl die Fans im Querschnitt immer friedlicher werden. Da muss man dann eben auch mal als Innenpolitiker die Eier haben, der Polizeiführung zu sagen, dass man den Privatkrieg gegen bestimmte Fans nicht mitträgt, geschweige denn finanzieren will.
"Einschüchterung" ist für mein Verständnis die falsche Vokabel. Präsenz zeigen, passive Sicherheit, das ist es.
Und da bin ich wieder bei meinem Punkt von vorhin, gewisse Einzelpersonen und Gruppen wirst du mit keinem Deeskalationsaufruf dieser Welt erreichen, das ist doch naiv.
Und der von dir angesprochene Hass der Polizei gegenüber: Das gehört doch mittlerweile auch zum guten Ton des Möchtegern-Badboy. ACAB Shirt oder Sticker, Provokation der Beamten. Bei Bildern von Fanmärschen etc. ist man doch insgeheim froh um jeden Beamten mehr weil das so schön martialisch aussieht und der eigenen Gruppe was "gefährliches" gibt.
In der Vielzahl der Fälle ist es so, dass wer nichts doofes macht auch nichts von der Polizei zu befürchten hat. (Ja, ich weiß auch um Gegenbeispiele). Und wer dahingehend nichts zu befürchten hat braucht auch keinen Hass auf die Cops zu haben.
Die Polizei macht jedes Wochenende ihren Job. Nicht immer gut, aber wer kann das von sich behaupten, fehlerlos zu sein?
Und wie ich in diesem Thread schonmal schrieb wollte ich nicht Wochenende für Wochenende aufs Maul bekommen abwechselnd von Faschos, Autonomen, Fußball-Krawalltouristen, Rockern, Demonstranten,....