Ich denke, das entscheidende, was der SV Werder auf der Trainerposition braucht, ist Qualität ! Kontinuität um der Kontinuität willen bringt gar nichts. So ein Ansatz kann dann problematisch werden, wenn man es - allein dem Wunsch nach Ruhe und Kontinuität wegen - versäumt, die Arbeit sowie die Arbeitsergebnisse des Trainers überhaupt kritisch zu betrachten.
Die Formel lautet für mich daher:
Qualität bewirkt Kontinuität ! (und nicht etwa umgekehrt)
Dass z.B. Mainz in Sachen Trainer auf Kontinuität verweisen kann, liegt einzig daran, dass sie einen fähigen Trainer verpflichten konnten, der auch in schwierigen Situationen (z.B. nach dem regelmäßigen Abgang von - durch seine Arbeit mit aufgebauten - Leistungsträgern) stets ein Konzept erkennen lässt und das Schiff in überschaubarer Zeit wieder auf Kurs bringt.
Mit solch einem Trainer macht Kontinuität Spaß !
De Moos, Dörner, Sidka und Magath haben beim SV Werder im Ergebnis deshalb nicht kontinuierlich auf der Bank sitzen dürfen/können, weil sie einfach nicht über die für die Betreuung und Entwicklung dieser Mannschaft notwendigen Ideen und Qualitäten verfügten. Da hat man dann - zu Recht - gesagt: "Ok - wir waren ja wirklich fest entschlossen, wieder einen lang arbeitenden Trainer zu verpflichten - aber wir müssen erkennen, dass es mit diesem nicht funktioniert."
Per Zufall wurde es dann der Amateur-Trainer.
Ich sehe Robin Dutt nach den bisherigen Eindrücken (er ist ja nun schon länger im Amt als seinerzeit De Moos) in der "Tradition" eines Dörner oder Sidka. Wenn es halbwegs läuft mit der Mannschaft und ein paar Spieler dabei sind, die zur Not auch ohne Trainer etwas zustande bringen (und den Rest ein wenig auf Kurs bringen), macht er nicht viel kaputt. Etwa vergleichbar mit einem Jugendtrainer, von dem die Eltern sagen: "Überzeugend ist das ja man nicht, aber irgendeiner muss es ja machen." Wenn es aber nicht läuft bzw. wenn es darum geht, ein Konzept zu entwickeln, das auf das vorhandene Spielermaterial setzt und dieses Konzept punktuell weiter zu entwickeln, dann ist er offensichtlich überfordert.
Was ein drängender Wunsch nach Kontinuität (um der Kontinuität willen) für Schäden anrichten kann, zeigte gerade das Beispiel Fink in Hamburg. Der war mehr oder weniger von Anfang an überfordert mit der Aufgabe dort. Dass der ein Trainer ohne Plan und Konzept ist, war in Gesprächen - auch mit HSV-Fans - nach der üblichen Anfangseuphorie im Rahmen einer Trainerverpflichtung relativ schnell klar. Aber - man hat ja hin und wieder mal das eine oder andere Spiel gewonnen und da hat man gesagt, "ok. lass den einfach mal weitermachen (Geld für einen Neuen ist eh nicht da ...)".
Das war aber ja am Ende auch da - allem guten Willen und aller Finanzknappheit zum Trotz - nicht durchzuhalten. Am Ende haben sie einen alten Fahrensmann geholt, der zwar inzwischen erkannt hat, was alles schief läuft im Hamburg, der aber offensichtlich auch ratlos ist. Da wird es also wohl auch weiterhin nichts mit Kontinuität, schätze ich mal.
Einen "mausetoten" Eindruck und "Auftritte wie ein Absteiger" haben wir ja in der Hinrunde und zuletzt in Augsburg gesehen. Das ist schon eine andere "Qualität" als z.B. die Spiele gegen Hoffenheim und Frankfurt gegen Ende der letzten Rückrunde, als man sehen konnte, dass die Mannschaft durchaus noch Fußball spielen konnte (ich weiß: den Fußball spielten ausschließlich die Fan-Initiative sowie Sokratis und De Bruyne ...), wenn es auch nur zu zwei Punkten reichte.
Es erschließt sich mir aber nicht die Logik. Wenn man letzte Saison sogar dem Trainer, der für die so wichtige Kontinuität stand, die Tür wies, weil die Mannschaft "mausetod" war. Warum sollte das jetzt ein Argument dafür liefern, einen neuen Trainer, der schon in der Hinrunde eine mindestens ebenso "tote" Mannschaft präsentiert und diesen Zustand offensichtlich über die Winterpause konserviert, mit Gewalt weiterwursteln zu lassen ?
Wenn es darum geht, eine weitere Zusammenarbeit in schlechten Zeiten zu unterstützen, bin ich ja gern dabei - ich bin bestimmt kein Freund des "hire and fire". Aber - für das gemeinsame Durchleben von schlechten Zeiten hätte ich ganz gern zuerst mal ein wenig gute Zeiten erlebt. Mit De Moos, Dörner, Sidka und Magath wollte ich persönlich damals auch nicht "durchhalten" und habe auch nicht auf Kontinuität plädiert.